Bunte Vielfalt. Bei den Tapeten-Designs sind keine Grenzen gesetzt.
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Organoid: Natürlicher Tapetenwechsel

Die Gründer des Fließer Unternehmens „Organoid“ haben es geschafft, Heu auf die Tapete zu bringen – und somit wohnzimmertauglich zu machen. Die Naturoberflächen sind eine Innovation, die nachhaltiges und naturnahes Interior Design möglich macht.

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Aktualisiert am 28.09.2023

Jede:r kennt es: das Gefühl und den Duft, in einer Blumenwiese zu liegen und in den Himmel zu blicken. Jede:r verbindet mit diesem Aroma ein positives Erlebnis. Diese Erfahrung kann man jetzt nicht nur am Berg genießen, sondern auch bei sich zuhause. Organoid gestaltet nachhaltige Materialien für Innenräume aus getrockneten Gräsern und Blüten. Die Idee dazu entstand 2012 mit dem Ziel, die Natur wieder näher an den Menschen zu bringen. „Wir haben uns gefragt, wie wir wieder mehr Bezug zu unserem natürlichen Lebensraum herstellen können. Die Natur mit ,organoiden‘ Oberflächen einfach in den Raum zu bringen, war unsere Antwort“, sagt Geschäftsführer Christoph Egger. „Eine ganze Wand schafft eben mehr Anreize als ein Basilikumtopf auf der Fensterbank.“

Das Rohmaterial für die außergewöhnlichen Naturoberflächen liefern rund 15 Bauern aus der näheren Umgebung. „Das Heu kommt direkt von den Oberländer Berghängen zu uns auf den Verarbeitungstisch. Hier haben wir Kooperationen mit den Landwirt:innen aus der Region Naturpark Kaunergrat aufgebaut.“

Immer der Nase nach

Allein im vergangenen Jahr seien zwischen 30 und 40 Tonnen Heu jährlich in organoide Oberflächen verarbeitet worden. So wurde unter anderem eine halbe Million skelettierter Riesenblätter aufgelegt und verarbeitet. Am meisten nachgefragt werde das Design „Almwiesn“, das neben duftendem Heu auch Margeriten und bunte Blütenblätter, wie blaue Kornblumen, enthält. Insgesamt hat das Unternehmen zahlreiche Zutaten getestet und über 70 im Standard-Repertoire. Von Pfefferminze bis hin zu Lavendel. Letzterer wird aus der französischen Provence bezogen. „Wir versuchen, so gut es geht, auf regionale Rohstoffe zu setzen. Und wenn das nicht möglich ist, dann kennen wir die Landwirt:innen zumindest persönlich und schauen auf die nächste Entfernung.“

Mit Liebe zum Handwerk

Sind einmal alle Zutaten gesammelt, beginnt der wohl filigranste Schritt: Die Blüten werden per Hand auf natürliches Flachsvlies gestreut, welches für ein angenehmes Raumklima sorgt. Die luftige Oberfläche ist besonders für großflächige Anwendungen geeignet. Im Anschluss wird das Ganze mit einem ökologischen Bindemittel benetzt und gepresst. „Unsere Naturoberflächen verbinden die Ästhetik und positive Kraft von Naturmaterialien mit funktionellem Raumdesign. Sie behalten die natürlichen Eigenschaften von Duft, Optik und Haptik – wodurch sie auch im Innenraum unsere Sinne direkt ansprechen“, so Egger überzeugt.

Wohlfühlen. Wie hier im Wellnessbereich des Hotels Holzleiten.
© Christoph Schoech Wohlfühlen. Wie hier im Wellnessbereich des Hotels Holzleiten.


Durch unterschiedliche Trägermaterialien eignen sie sich für beinahe alle Anwendungen in der Raumgestaltung: als Tapete, als Dekor im Holzverbund, als Boden, Lampen, für Möbel, Glaswände und als Akustikelement. Heuschnupfen-Allergiker, die an dieser Stelle bereits ein Kribbeln in der Nase spüren, können aber beruhigt sein. Aufgrund der Presstemperatur und Pressdauer seien die Oberflächen für jedermann geeignet – was auch wissenschaftlich bestätigt sei, erklärt der Unternehmer.


Wow-Effekt. Im Hotel Aifach Arosa in der Schweiz besteht das Restaurant aus Organoid-Flächen.
© Atelier Zürich/Martin Guggisberg Wow-Effekt. Im Hotel Aifach Arosa in der Schweiz besteht das Restaurant aus Organoid-Flächen.

Eyecatcher: Erleben & Genießen

So hat das junge Unternehmen einen Weg gefunden, die Natur direkt in die Lebensräume der Menschen zu bringen. Ein Herzensprojekt war ein von oben bis unten mit Schweizer Heu ausgestattetes Restaurant in Arosa (Schweiz). Sogar in den Läden eines Luxus-Schuhherstellers in London finden sich Tiroler Naturoberflächen auf den Wänden. Für einige Kund:innen wurden nach dem Upcycling-Prinzip auch verschiedene Abfallprodukte wiederverwertet – und so zum Beispiel. Überbleibsel von Mooswänden, Reste aus Teeprodukten oder Apfeltrester eingesetzt. Inzwischen zählt das Unternehmen über 120 Geschäftspartner weltweit, vom Verarbeiter bis zum Händler. „Ich habe rund 400 Rezepte in der Schublade. Mir fällt immer wieder was ein“, schmunzelt der Geschäftsführer. Und hat schon die nächste Vision einer kreativen Naturoberfläche im Kopf.

Bei Organoid designt die Natur mit – das kann man sehen, fühlen und riechen. Die Liebe zur Natur verbindet auch alle 25 Mitarbeiter im Unternehmen. „Diese Zukunftspläne zu teilen und mit vollem Einsatz hinter einem Produkt zu stehen, ist bei uns sicher einzigartig. Ich freue mich schon, den Teamgedanken und die natürliche Kreativität noch lange weiterzutragen. Künftig werden wir den Vertrieb noch weiter fokussieren und wir sind sehr zuversichtlich, dass der Markt weiter wachsen wird.“

Alle Informationen unter: www.organoid.com