Energiekennzahlen und Energiesparpotentiale in der Gastronomie

Branchenkonzept - Energie

Platzhalterbild

Einleitung

Die österreichische Tourismuswirtschaft gibt jährlich rund 2,5 Mrd. Schilling für Energie aus. Ein guter Teil dieser Kosten könnte durch gezielte Energiesparmaßnahmen reduziert werden. Energie wird in Tourismusbetrieben in unterschiedlichster Form angewendet. Für Raumheizung und Warmwasserbereitung wird nach wie vor meist eine Ölzentralheizung eingesetzt. Die größten Verbraucher bei elektrischer Energie sind die Küche, Wäscherei, Beleuchtung und Lüftungsanlagen. Vereinzelt wird mit Erdgas oder Flüssiggas gekocht. Nicht zu vergessen sind die Freizeitbereiche wie Tennishalle, Schwimmbad oder Sauna.

Die Wirtschaftskammer Oberösterreich untersucht seit mehreren Jahren gemeinsam mit dem Oberösterreichischen Energiesparverband und der Ökologischen Betriebsberatung energieintensive Branchen auf ihre Einsparpotentiale. Zwischen 1997 und 1998 wurden in der Steiermark und in Oberösterreich 15 repräsentative Pilotbetriebe im Detail analysiert und Branchenkennzahlen ausgearbeitet. Das vorliegende Branchenkonzept wurde auf Grundlage dieser Pilotberatungen erstellt, wobei auch die Ergebnisse von Untersuchungen und Messungen aus dem deutschsprachigen Ausland berücksichtigt wurden.

Energiekennzahlen

Energiekennzahlen sind das Führungsinstrument für den Chef. Durch den Vergleich mit Branchenkennzahlen ist es möglich, erste Aussagen über den energetischen IST-Zustand eines Betriebes zu erhalten. Wegen der besseren Vergleichbarkeit bei den einzelnen Kennzahlen wurden die Pilotbetriebe in Gasthöfe und Hotels mit Gasthof unterschieden. Die in den Diagrammen angeführten Zahlen von 1 bis 15 beziehen sich auf die einzelnen Pilotbetriebe.

Umsatzbezogene Kennzahlen

Bei allen untersuchten Betrieben machen die gesamten Energiekosten einen beachtenswerten Anteil am Umsatz aus. Bei den Gasthöfen liegt der durchschnittliche Energiekostenanteil bei 5,1 %, bei den Hotels bei knapp 3,5 % des Umsatzes.

Kennzahlen bezogen auf die Nutzfläche

Sowohl die spezifischen Energiekosten als auch der spezifische Energieverbrauch schwanken je nach Betriebstyp und Komfort sehr stark. Die durchschnittliche Nutzfläche der untersuchten Betriebe lag bei den Gasthöfen bei 430 m² und bei den Hotels bei knapp 2000 m². Die ermittelten Energiekosten bewegen sich zwischen ATS 84 pro m² und ATS 763 pro m² und Jahr.

Kennzahlen bezogen auf die Nächtigungen

Bei der Ermittlung dieser Kennzahlen wurden die Gesamtbezüge bzw. die Gesamtkosten der Betriebe herangezogen. Bei der Beurteilung dieser Kennwerte sollte daher auch die jeweilige Struktur des Betriebes beachtet werden. In den untersuchten Betrieben wurden durchschnittlich 11.000 Nächtigungen pro Jahr registriert. Die Energiekosten liegen zwischen ATS 24 und ATS 97 pro Übernachtung.

Kennzahlen bezogen auf die Speisenzubereitung

Auch bei den Gasthöfen gibt es mit einer Bandbreite von 7.200 bis 63.000 Speisen pro Jahr eine starke Streuung bei den untersuchten Betrieben. Die Energiekosten je zubereiteter Speisen liegen zwischen ATS 6,63 und ATS 17,90.

Allgemeine Energie-Kennzahlen

Bei den untersuchten Betrieben dominieren die Stromkosten mit einem Anteil von 65 % bei den Gasthöfen und von 57 % bei den Hotels die Ausgaben für Energie. Bevorzugter Energieträger bei den Gasthöfen ist mit 46 % Heizöl. Bei den Hotels liegt der Heizölanteil bei 34 %, aufgrund der stättischen Struktur der untersuchten Betriebe ist auch Fernwärme mit einem Anteil von 21 % vertreten.

Einsparpotentiale

Allgemein zeigte sich, dass gerade in Betrieben mit hohem Energieverbrauch die ständige Kontrolle von Strom-, Öl- und Gasrechnungen sowie der Zählerstände vernachlässigt wird. Vielfach lässt sich der Energieeinsatz durch motivierte Mitarbeiter und klare Zielvorgaben auch ohne Investitionen wesentlich reduzieren.

Energiesparpotentiale beim Heizkessel

Der Heizkessel sollte einen möglichst hohen Wirkungsgrad aufweisen. Aus dem jährlichen Prüfbericht des Rauchfangkehrers kann der Abgasverlust entnommen werden. Dieser Wert sollte nicht mehr als 12 % ausmachen. Interne Heizkessel ermöglichen eine gute Brennstoffausnutzung bei hohem Wirkungsgrad und geringen Schadstoffemissionen.

Zur Erhöhung des Jahresnutzungsgrades werden heute fast ausschließlich Niedertemperaturheizkessel eingesetzt. Damit können die Strahlungs- und Bereitschaftsverluste minimiert werden. Sofern Gas als Energieträger eingesetzt wird, kann mittels Brennwerttechnik der Jahresnutzungsgrad um bis zu 11 % gesteigert werden.

Warmwasserbereitung

Die jährlich benötigte Warmwassermenge in Tourismusbetrieben ist enorm, wichtig ist daher, das Warmwasser energiesparend aufzubereiten und zu verteilen. Im Winter ist es sinnvoll und kostengünstig, Warmwasser mit dem Heizkessel zu erwärmen. Während der Sommermonate ist der Heizkessel für die Warmwasserbereitung meist zu groß ausgelegt. Dies schlägt sich in schlechte Wirkungsgrade, die teilweise unter 20 % liegen, nieder. Daher ist es sinnvoll, die Warmwasseraufbereitung außerhalb der Heizperiode auf andere Weise wie zB mit Wärmepumpe oder durch Abwärmenutzung durchzuführen. Für Betriebe mit Sommertourismus ist der Einsatz von Solaranlagen besonders empfehlenswert, weil hier der Warmwasserbedarf und die Solarstrahlung zeitlich gut zusammenfallen.

Kostenverursacher Nr. 1 - Die Küche

Die Küche kann der größte Kostenverursacher in Ihrem Betrieb sein, deshalb ist gerade diesem Bereich größtes Augenmerk zu widmen. Natürlich soll der Komfort nicht verloren gehen, oft können jedoch schon mit einfachen organisatorischen Maßnahmen beachtliche Kosten eingespart werden.

Das sollten Sie auf jeden Fall beachten

Stromkosten - Sparpotentiale im Gastgewerbe

In Tourismusbetrieben können unterschiedliche Arten von Stromtarifen zur Anwendung kommen. Neben den möglichen Zusatztarifen (Großküchentarif, Tarif für unterbrechbare Lieferung) ist insbesondere bei den Sondertarifen der Leistungspreis der günstigste Ansatzpunkt die Stromkosten zu senken. Oft können beachtliche Einsparungen durch eine einfache Umstellung in der Strommarktrechnung ohne Investitionen erzielt werden.

Großküchentarif

Wärmegeräte, die der Zubereitung und Warmhaltung von Speisen dienen, können nach dem Zusatztarif für elektrische Großküchen versorgt werden. Der Anschlusswert der Wärmegeräte muss mindestens 40 kW betragen. Für die Anwendung des Großküchentarifes ist die installationstechnische Trennung der nach diesem Tarif versorgten Geräte auf einer eigenen Messung durchzuführen.

Tarif für unterbrechbare Lieferung

Durch gezieltes Zu- und Wegschalten fix angeschlossener Geräte durch den Stromversorger können im Netz Lastspitzen vermieden und Lasttäler aufgefüllt werden. Mit dieser Steuerung des Lastverlaufes werden Kosten gespart, die dem Kunden in Form eines günstigeren Tarifes zugute kommen. In der Gastronomie werden vielfach die Waschküchen nach diesem Tarif versorgt.

Leistung kostet

Der Leistungspreis macht einen Großteil der Stromkosten aus. Daher kommt der Leistungsüberwachung bei Betrieben mit 1/ 4 Stunden Leistungsmessung entscheidende Bedeutung zu.

Lastmanagementsysteme messen gleichzeitig mit dem Stromversorger den Leistungsverlauf. Droht eine Leistungsspitze, werden einzelne Verbraucher auf bestimmte Zeit vom Netz getrennt. Die Abschaltzeit, die Abschaltreihenfolge und die Art des Abschaltens können auf die betrieblichen Gegebenheiten abgestimmt werden, sodass der Betriebsablauf nicht gestört wird. Im Tourismusbereich können insbesondere Küchengeräte, Kälteanlagen sowie die Waschküche in ein Lastmanagement eingebunden werden. Bei guter Planung ergeben sich meist Amortisationszeiten von etwa 1 bis 3 Jahren.

Lüften aber richtig

Der Gast fühlt sich nur wohl, wenn sowohl Lufttemperatur als auch die Luftqualität stimmen. Beim Betrieb von Lüftungsanlagen sollten folgende Punkte jedenfalls beachtet werden:

Beleuchtung

Der Energieverbrauch durch die Beleuchtung ist beachtlich. So kann die Leistung für die Beleuchtung bei einem 200 Betten Hotel mit rund 1.100 Glühbirnen durchaus 35 kW ausmachen. Es zahlt sich aus, hier den Rechenstift anzusetzen.

Das sollten Sie beachten:

Literatur

Beratungsberichte folgender Firmen

 

Projektorganisation - Weiterführende Beratung

Das vorliegende Branchenenergiekonkept für Gastronomiebetriebe ist eine Gemeinschaftsaktion der Wirtschaftskammer OÖ mit der Ökologischen Betriebsberatung und dem O.Ö. Energiesparverband und kann bei der Wirtschaftskammer Oberösterreich, 4010 Linz, Hessenplatz 3 zum Preis von ATS 110,- incl.USt. (EURO 7,99) für Mitglieder der Wirtschaftskammern, bzw. ATS 220,- incl. USt. (EURO 15,99) für Nicht-Mitglieder bestellt werden.

Gleich bestellen im WK-Shop

Für Fragen stehen oberösterreichischen Unternehmen Ing. Otto Kalab von der Wirtschaftskammer OÖ, Energietechnik (Tel: 0732/7800-3460) und Dipl.-Ing. Peter Mayr von der Öko-Beratung (Tel. +43 732 78 00-2900) gerne zur Verfügung.


Eine Gemeinschaftsaktion von:
 
Wirtschaftskammer Oberösterreich
Energiewirtschaft und
Energietechnik
Hessenplatz 3
A - 4010 Linz
Tel. +043 - 732 - 78 00 - 3460
Fax. +043 - 732 - 78 00 - 3449

 

 

 

 

Öko Beratung
der Wirtschaftskammer O.Ö. und
des Landes Oberösterreich
Öko Beratung Hessenplatz 3
A-4010 Linz
Tel. +43 732 78 00-2900
Fax +43 732 78 00-2800
 

 

O.Ö. Energiesparverband
Landstraße 45
A - 4020 Linz
Tel. +043 - 732 - 65 84 - 43 80
Fax. +043 - 732 - 65 84 - 43 83

Ansprechpartner
© Letzte Aktualisierung: Ing. Otto Kalab - WKOÖ - 23. Juli 2003

 

Seitenbeginn