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Arbeit für Menschen mit Behinderungen. VERANSTALTUNGEN Leitl zur Integration behinderter Menschen: „Die Einstellung macht´s!“ Die Chancengleichheit von Menschen mit Behinderung auch in Beschäftigung und Beruf ist den Sozialpartnern ein großes Anliegen. Im Jahr 2003 wurde das Gemeinschaftsprojekt „Arbeit und Behinderung“ aus der Taufe gehoben, das „Best Practice“-Beispiele erfolgreicher beruflicher Integration dokumentiert (http://www.arbeitundbehinderung.at/). Am 20.9.2006 wurde nach dreijährigem Bestehen der Informationsplattform dem Fachpublikum und der Öffentlichkeit die erfolgreiche Bewältigung von Behinderung an Hand von vier ausgewählten Beispielen demonstriert. „Wir kommen Schritt für Schritt weiter in die gewünschte Richtung, in Richtung einer solidarischen Gesellschaft. Wir gehen diesen Weg gemeinsam, die Sozialpartnerschaft funktioniert“, erklärte WKÖ-Präsident Christoph Leitl zur Eröffnung einer prominent besetzten Veranstaltung im Haus der Wirtschaft. Trotz der bisherigen Erfolge bleibe aber noch viel zu tun. „Wir müssen die Arbeitsverhältnisse anpassen, denn es gibt nur einen Arbeitsmarkt“. „Die Wirtschaftskammer Österreich bekennt sich zur sozialen Verantwortung und zu einer nachhaltigen Integration behinderter Menschen“, so der Präsident. Es gehe jetzt darum, in weiteren Schritten gemeinsam das Bewusstsein nach außen und die Einstellung nach innen zu verbessern. „Die Einstellung macht´s. Und zwar in ihrer doppelten Bedeutung: die Einstellung behinderter Personen in den Betrieb und die Einstellung im allgemeinen Bewusstsein“. Erfahrungswerte belegten, dass sich der soziale Wert und damit der Erfolg eines Unternehmens durch die Beschäftigung behinderter Mitarbeiter erhöht. Vielfalt im Unternehmen rechne sich, da interne Vielfalt zu Vermarktungs- und Produktentwicklungen führen kann, die neue Marktsegmente erschließen. „Wir werden hier nicht locker lassen und uns gemeinsam mit unseren Partnern voll einbringen“, unterstrich ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer in seinen Grußworten. „Wir sind sehr stark beteiligt, um die Integration behinderter Menschen zu beschleunigen und zu verstärken“. Die Initiative habe sich zu einer internationalen Erfolgsstory entwickelt, hob Wolfgang Tritremmel von der Industriellenvereinigung hervor. Dies zeigten das Interesse und die vielen Zugriffe auf die Internet-Seite aus dem Ausland. AMS-Vorstandsvorsitzender Herbert Buchinger gab seiner besonderen Freude über das intensive Engagement der Arbeitgeber Ausdruck: „Damit ist gewährleistet, dass nicht nur die sozialen, sondern auch die ökonomischen Aspekte beachtet werden. Die Integration ist nicht nur eine soziale Frage. Unsere Betriebe werden dadurch produktiver“. Das Ziel, heuer 3.000 Behinderte mehr in Beschäftigung zu bringen, werde man erreichen. „Die Sozialpartner haben hier eine große Lösungskompetenz“. „Es ist viel passiert in den letzten Jahren“, sagte Staatssekretär Sigisbert Dolinscheck vom BM für Soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz und verwies darauf, dass im laufenden Jahr 150 Millionen Euro für Integrationsprojekte zur Verfügung stehen. 373 Projekte in ganz Österreich werden unterstützt. Das im Jänner 2006 in Kraft getretene Gesetz gegen Diskriminierung („Behindertengleichstellungspaket“) hat die gleichberechtigte Teilhabe behinderter Menschen in der Gesellschaft und damit auch im Arbeitsleben zum Ziel. Als Hilfestellung zur Umsetzung der neuen Bestimmungen hat die WKÖ gemeinsam mit dem BMSG eine Broschüre („Die Einstellung macht´s“) mit praktischen Ratschlägen aufgelegt. Das Bundessozialamt unterstützt die Chancengleichheit am Arbeitsplatz darüber hinaus mit der neuen Broschüre „handicap 06“. „Arbeit und Behinderung“ ist ein gemeinsames Projekt der Sozialpartner, der zuständigen Ministerien, der Sozialversicherungsträger und des Bundessozialamtes. Ziel der Projektpartner ist die Teilhabe dieser Menschen am Arbeitsleben im Rahmen sozialversicherungsrechtlich abgesicherter Arbeitsverhältnisse oder einer selbständigen Erwerbstätigkeit als Unternehmer. Dabei haben die Schaffung und die Sicherung von Arbeitsplätzen den gleichen Stellenwert. Das gemeinsame Internetportal der Projektpartner informiert über Problemlösungen und forciert die Integration behinderter Mensch in die Arbeitswelt. Es gilt in der EU bereits als Musterbeispiel eines erfolgreichen und zugleich einfachen Best Practice- und Informationszuganges im Interesse dieser Personengruppe. Als Zukunftsperspektiven nannte Präsident Leitl die Weiterführung der erfolgreichen Zusammenarbeit der Sozialpartner, um die Integration behinderter Menschen weiter zu forcieren sowie die Vernetzung und den Ausbau der Sozialpartnerhomepage http://www.arbeitundbehinderung.at/ und des WKÖ-Projekts http://www.einstellungssache.at/ bestmöglich umzusetzen. Mit der Datenbank http://www.einstellungssache.at/ können Unternehmer und Unternehmerinnen rasch und unbürokratisch arbeitssuchende, behinderte bzw. beeinträchtigte oder chronisch kranke Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus allen Berufsgruppen mit förderbaren Dienstverhältnissen finden. Die Bewerbungsdatenbank bietet eine wesentliche Verbesserung im Service für Unternehmen und eine Beschleunigung der Informationsübertragung zwischen arbeitssuchenden behinderten Menschen und der Wirtschaft.
Weitere Informationen:
Weiterführend Links zu den einzelnen Vorträgen:
„Behinderte sind eine Bereicherung“ - eine Initiative der SozialpartnerPräsidenten Leitl und Verzetnitsch eröffnen gemeinsame Veranstaltung im Haus der Wirtschaft – „Chancen-Nutzen“-Leiter Herbert Pichler zieht Bilanz
„Es ist
dies keine übliche Veranstaltung. Die Integration behinderter Menschen
ist uns eine Herzensangelegenheit“, eröffnete Präsident Leitl seine
Begrüßung. „Behinderte sind eine Bereicherung jedes Unternehmens. Sie
können langfristig einen essentiellen Beitrag zum Unternehmensziel
leisten und sich damit auch selbst verwirklichen“. Die notwendige
Unterstützung werde gerne geleistet. Wichtig, so Leitl weiter, sei es,
Menschen mit Behinderung nicht zu isolieren, sondern zu integrieren:
„Wir haben nur einen Arbeitsmarkt, und in diesen wollen diese Personen
integrieren. Sie brauchen nicht Mitleid, sondern faire
Rahmenbedingungen“.
Als ein
positives Beispiel unter vielen nannte der ÖGB-Chef die Vermittlung in
einem Teil des Wiener Taxi-Rufnetzes, das von Menschen mit Behinderung
bedient wird, ohne dass dies ein Außenstehender merken würde. Als
besonderes Anliegen nannte Verzetnitsch den barrierefreien Zugang zur
Bildung. Es müsse auch festgehalten werden, dass die meisten
Behinderungen während des Arbeitslebens eintreten: „Wir müssen uns
bemühen, dies bestmöglich zu vermeiden“.
Dolinschek: „Barrierefreiheit ist Qualitätsmerkmal einer Öffentlichkeit“„Es ist uns ein Paradigmenwechsel gelungen“ – Pichler: 96 Prozent glauben, dass Behinderte in allen Bereichen eingesetzt werden können, sofern es Unterstützung gibt
Das
Behindertengleichstellungsgesetz stellt, so Dolinschek, einen
„Meilenstein“ dar: „Damit ist ein Paradigmenwechsel gelungen. Behinderte
werden als Personengruppe mit besonderen Bedürfnissen und besonderen
Stärken wahrgenommen“. Diskriminierungen werde eine klare Absage erteilt
und damit Barrierefreiheit geschaffen. Die notwendigen Verbesserungen
werden, so der Staatssekretär, zu einem Investitionsschub führen und
vielfältige Impulse, insbesondere in der Bauwirtschaft, aber auch im
Tourismus, auslösen. „Denken Sie an den hohen Bedarf an barrierefreien
Urlaubsaufenthalten“, sagte Dolinschek. So gebe es in Österreich 24.000
Rollstuhlfahrer und insgesamt 480.000 bewegungsbeeinträchtigte Personen.
„Kooperation ist unser Leitmotiv. Wir streben eine intensive Vernetzung
mit allen Initiativen an, die in diesem Bereich arbeiten, von der
Rehabilitationsberatung bis zu den Organisationen der Wirtschaft“,
führte Pichler aus.
WKÖ setzt mehrfache Initiativen für Menschen mit BehinderungBewerbungsdatenbank für Job suchenden Menschen mit Behinderung von WKÖ ins Leben gerufen – weiterer Schwerpunkt: Selbständigkeit mit Behinderung
Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik in der WKÖ, wies auf ein erfolgreiches Modell der WKÖ hin - die gemeinsam mit dem Institut für humanistisches Management geschaffene online- Bewerbungsdatenbank www.einstellungssache.at: „Mit dieser Datenbank können Unternehmen erstmals rasch und unbürokratisch Arbeit suchende, behinderte bzw. beeinträchtigte oder chronisch kranke Mitarbeiter aus allen Berufsgruppen mit förderbaren Dienstverhältnissen finden.“ Ein weiterer Schwerpunkt der WKÖ bei der Unterstützung von Menschen mit Behinderung ist das Programm ‚Selbständig mit Behinderung’, wo Beratung für Unternehmensgründung oder –führung geboten wird. Gleitsmann kritisierte aber auch, dass etliche Unternehmen Behinderte anstellen wollen, aber aus verschiedenen Gründen keine bekommen können. Gleitsmann: „Hier müssen wir uns die Frage stellen, inwieweit die Ausgleichszahlungen dann gerechtfertigt sind.“ Eine Thematik, die Wolfgang Tritremmel von der Industriellenvereinigung durchaus bewusst ist. Er zeigte aber auch die andere Seite auf. Tritremmel: „Beim AMS sind rund 30.000 Menschen mit Behinderung registriert, die teilweise hervorragende Qualifikationen haben. Da müssen wir ansetzen, denn es gibt eigentlich kein Berufsfeld, wo Menschen mit Behinderung nicht eingesetzt werden könnten.“
In diesem Zusammenhang sei der Mangel an Information eines der größten Probleme, ergänzte Sacher von der Pensionsversicherungsanstalt. Die Pensionsversicherungsanstalt investiert jährlich rund 450 Mio. Euro in die medizinische und berufliche Rehabilitation von Menschen mit Behinderten - in Form von Umschulungen oder etwa der Adaptierung der Wohnungen von Behinderten. Manfred Pallinger vom Sozialministerium ging auf die generelle „Lage am Arbeitsmarkt für Personen mit besonderen Bedürfnissen ein, die zweifelsohne eine Herausforderung ist. Unsere Schwerpunktsetzung liegt in diesem Zusammenhang unter anderem bei Jugendlichen mit Behinderung, um diesen den Übergang von der Schule in den Arbeitsprozess zu erleichtern.“ Ebenso werden Weiterbildungsmaßnahmen und Qualifikationsinitiativen für ältere behinderte Arbeitnehmer geboten. Pallinger: „Grundsätzlich gibt es eine Unzahl von Fördermöglichkeiten für Menschen mit Behinderung. Das Problem dabei ist, sich einen guten Überblick zu verschaffen.“ Eine wichtige Aufgabe sei daher, Informationen über Förderprogramme zu liefern, aber vor allem auch den Unternehmen darzustellen, welche Möglichkeiten sich bei der Einstellung von Menschen mit Behinderung ergeben.
Wichtig bei der Diskussion über Behinderung und Arbeitsmarkt sei „eine Debatte ohne falsch verstandene Sozialromatik“, betonte Julian Hadschieff, geschäftsführender Gesellschafter von Humanomed und Obmann des Fachverbandes der Gesundheitsbetriebe in der WKÖ. Der Tiroler, der selbst sehbehindert ist, plädierte dafür, „Chancen zu schaffen und Barrieren abzubauen – auch solche im Kopf“. Behinderte Menschen, so Hadschieff, seien häufig besonders leistungsfähig und leistungswillig, deshalb sollten sie die Chance bekommen zu zeigen, was sie können. Eine weitere wichtige Aufgabe sei „Berührungsängste abzubauen“, meinte Marianne Hengl, Unternehmerin und Obfrau des Vereines zur Förderung körperbehinderter Menschen. Sie appellierte an die Menschlichkeit und den Umgang miteinander. Darauf ging auch Herbert Kasberger, Behindertenvertrauensperson bei Siemens VAI, ein: „Wir können die wirtschaftliche Entwicklung und die Welt nicht ändern, sondern müssen probieren, bestmögliche Rahmenbedingungen zu schaffen.“ Auch im Hinblick auf die demographische Entwicklung könne ein Umdenken zu einer klassischen Win-win-Situation führen, so Kasberger. |