Wirtschaftspolitische BlätterDie Beiträge kurz skizziert in alphabetischer Reihenfolge in englischer und deutscher Sprache |
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Binswanger*)
Sustainable Resource Use
Sustainable resource use has become an important ethical issue. In order to enable
the survival of the future generations not all available resources should be consumed
today. This commonly used sustainablity concept that originally was developed in forest
management, can be applied to all renewable resources, but not to non renewable resources.
Therefore, the sustainability concept has to be broadened. In this paper we develop a new
idea how this could be done. The new sustainability rule would be: The use of
non-renewable resources is deemed sustainable if they are never exhausted. In the final
part of the paper we show how this new rule can be applied to energy use.
Das große Experiment Nachhaltiger Ressourcenhaushalt am Beispiel Energie
Die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen ist heute zu einem wichtigen
sozial-ethischen Postulat geworden. Es geht darum, nicht alle Ressourcen heute zu
verbrauchen und so den künftigen Generationen eine ausreichende Lebens- und
Wirtschaftsgrundlage zu erhalten. Was bedeutet dies aber konkret? Um eine sinnvolle
Antwort auf diese Frage zu finden, muß der Begriff der Nachhaltigkeit, der aus der
Waldwirtschaft stammt (das Gebot, alle nachwachsenden Ressourcen nur im Ausmaß zu nutzen,
als sie nachwachsen), erweitert werden, sodaß auch die nicht-erneuerbaren Ressourcen
darin ihren Platz haben. Dazu folgender Vorschlag: Für die nicht-erneuerbaren Ressourcen
soll gelten, daß sie dann nachhaltig genutzt werden, wenn sie mittels einer
kontinuierlichen Minderung ihres Einsatzes nie vollständig verbraucht werden. Dieses
Postulat wird für den Energiebereich verdeutlicht.
*) Hans Christoph Binswanger, Professor am
Institut für Wirtschaft und Ökologie, Universität St. Gallen.
Boor*)
The Causes of the Asian Financial Crises An Analysis in New Institutional Economics
This paper analyses the causes of the asian financial crises in 1997/98. It is
essential to emphasize the interdependencies between banking and currency crises. These
phenomena are part of the financial crisis. Using the theoretical framework of new
insitutional economics the paper discusses the hasty liberalisation of the financial
system without adequate institutional rules, which was the major reason for inefficient
financial intermediation. The explicit and implicit bailout guarantees lead to the
maintenance of the already weak financial system. After the bursting of the bubble in
Thailand spillovers spread the negative effects to the entire region.
Ursachen der asiatischen Finanzkrise Eine institutionenökonomische Analyse
Dieses Papier dient der Untersuchung der entscheidenden Ursachen der asiatischen
Finanzkrise der Jahre 1997/98. Wegen der Interdependenzen zwischen Banken- und
Währungskrisen, die unter dem Begriff der Finanzkrisen einzuordnen sind, ist es
notwendig, daß auch diesen Zusammenhängen Rechnung getragen wird. Die zu rasche
Liberalisierung des Finanzsystems ohne adäquate institutionelle Regelungen hat wesentlich
dazu beigetragen, daß es zu einer ineffizienten Finanzintermediation in der Krisenregion
kam. Die expliziten und impliziten Staatsgarantien führten zu einer Aufrechterhaltung des
bereits instabilen Finanzsystems, bis die Akteure bemerkten, daß es zu einem Platzen der
Spekulationsblase kommen mußte. Daraufhin wurden die negativen Effekte mittels spillovers
in andere Länder übertragen und noch verschlimmert, was zu den bekannten
Krisenerscheinungen geführt hat.
*) Alexander Boor, Doktorand am Institut für
Finanzwissenschaft, Universität Innsbruck.
Büchele*)
Three Dimensions of Responsible Ethics
Well informed and responsible parts of the political and economical elite warn
against the current course of the global economic system. It is the task of economic
ethics to be corrective of unethical conditions which are sometimes sought to be justified
by vested interests. The responsibility of the individual takes effect at the micro, meso
and macro level, which are interdependent.
Drei Dimensionen einer Verantwortungsethik
Informierte und verantwortliche Teile der politischen und auch wirtschaftlichen
Elite warnen vor dem gegenwärtigen Kurs des globalen Wirtschaftssystems. Die
Wirtschaftsethik hat eine kritisch-korrektive Funktion insofern, als sie die
Status-quo-Interessen korrigiert, die auf die Aufrechterhaltung unethischer Zustände
gerichtet sind, und diese herrschenden Interessen moralisch zu rechtfertigen gesucht
werden. Die Verantwortungsbereiche der Individuen lassen sich in einen Mikro-, Meso- und
Makrobereich gliedern. Bereiche, die miteinander im Zusammenhang stehen.
*) Herwig Büchele SJ, Professor am Institut für
Systematische Theologie, Universität Innsbruck.
Busek*)
A Changing Europe A Changing Austria
Since 1989 the European landscape has changed considerably. This also meant a
change for the Austrian situation. The way economic interests are represented has changed,
too. Representation at the EU level and also at the global level has gained in importance.
Rules at the global level have yet to be defined. Societes now face challenges in the
fields of social policy, in particular pension policies, professional training,
administrative reforms and the knowledge society. Only active and creative participation
of all members of society will help to bring about a desirable outcome.
Europa im Wandel Österreich im Wandel
Seit 1989 hat sich die europäische Landkarte wesentlich verändert und damit auch
die Situation Österreichs. Wirtschaftliche Interessen müssen jetzt anders und
zusätzlich auf EU-Ebene und auch auf globaler Ebene vertreten werden. Allerdings sind die
Fortschritte bei der Schaffung eines Regelwerks auf globaler Ebene noch sehr zaghaft.
Inhaltlich stellen die Bereiche Alterssicherung, Weiterbildung, Staatsreform und
Wissensgesellschaft Herausforderungen dar, denen man sich jetzt und in Zukunft wird
stellen müssen. Nur aktives und gestalterisches Mitwirken wird dafür zufriedenstellende
Lösungen bringen.
*) Erhard Busek, Vizekanzler a.D., Vorsitzender
des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa, Wien.
Engholm*)
Towards a Global Economy for All People
Globalization has a lot of winners, but also a lot of losers. We find world-wide
mass protests against globalization, but globalization cannot (and should not) be stopped.
Thus, policy of governments and international organizations as well should focus on
improving the situation of the losers. A sort of global governance (not global government)
could be a big step in the right direction.
Eine Weltwirtschaft für die Menschen als Ziel
Globalisierung und New Economy haben nicht nur viele Gewinner, sondern weisen auch
viele Verlierer auf. Weltweite Proteste sind die Folge, aber die Globalisierung kann nicht
(und soll auch nicht) rückgängig gemacht werden. Die Regierungen und die internationalen
Organisationen sollten jedoch diese Problematik deutlicher als solche erkennen,
diskutieren und dafür sorgen, daß den Verlierern geholfen wird bzw. daß es nicht so
viele Verlierer gibt. eine Weltordnung (Global Governance) wäre ein richtiger und
wichtiger Schritt in diese Richtung.
*) Björn Engholm, Bundesminister a.D., Kurator
St. Petri, Lübeck.
Feldstein*)
Aspects of Global Economic Integration Outlook for the Future
This paper comments on five aspects of globalization: (1) the gains from
international flows of goods and capital; (2) the role of foreign direct investment and
reasons for its increase; (3) the preventions and management of currency crises; (4) the
fluctuation of relative currency values; and (5) the segmentation of global capital
market.
Aspekte der weltwirtschaftlichen Integration Ein Ausblick auf die Zukunft
In diesem Papier werden fünf Aspekte der Globalisierung kommentiert: (1) die
Gewinne aus den internationalen Güter- und Kapitalströmen; (2) die Rolle der
ausländischen Direktinvestitionen und die Gründe für ihr Ansteigen, (3) die Vermeidung
von und der Umgang mit Währungskrisen, (4) die relativen Währungsschwankungen; (5) die
Segmentierung der globalen Kapitalmärkte.
*) Martin Feldstein, Präsident des NBER,
Cambridge MA.
Gaubinger*)
Some Thoughts on the Salzburg Workshop on Ethics and the Economy
Though many of the contributions at this workshop critisize some developments
within the worldwide economy, business and ethics do not have to be antagonistic.
Companies do not shrug off ethical aspects of their business and globalisation
sometimes bashed for being a serious menace can be seen as a great chance for the
development of mankind. Maybe an improvement of global governance can guarantee solidarity
and subsidiarity and an optimal mix of small and medium sized companies on the one hand
and big, transnational firms on the other.
Nachbetrachtungen zum Salzburger Humanismusgespräch Wirtschaft und Ethik
Die Referate und Diskussionsbeiträge machten deutlich, daß wirtschaftsbezogene
Ethik mehrdimensional ist und auch sein muß, daß Wirtschaft und Ethik aber keineswegs
zwangsläufig zueinander in Widerspruch stehen (müssen). Das zeigt sich auch bei der
Globalisierung, die derzeit im Zentrum fast jeder wirtschaftsethischen Diskussion (so auch
bei dieser Tagung) steht und nicht nur eine Bedrohung, sondern auch eine ungeheure Chance
für die Entwicklung der Menschheit darstellt. Daß aber der Frage nach einem verbesserten
Ordnungsrahmen besondere Bedeutung zukommt, in dem auch Solidarität und Subsidiarität
sowie eine Wirtschaftsstruktur mit einer Mischung aus multinationalen Konzernen und
gesundem Mittelstand ihren Platz haben, liegt auf der Hand.
*) Bernd Gaubinger, Leiter der Abteilung für
Wirtschaftspolitik, Wirtschaftskammer Salzburg.
Henckel Donnersmarck*)
Ora @ Labora in the 21st Century
The encyclica rerum novarum which constituted the beginnings of the christian
social doctrine, interprets labour as a process of social justice with the objective of
self-realization rather than a means for increasing profits. The Catholic view consists of
providing a social doctrine instead of offering solutions. In the encyclica centesimus
annus the pope takes the stand that a capitalistic system in the sense of an
enterprise-oriented economy represents a better economic system than centrally planned
economies under certain conditions. From the point of view of the Catholic Church, a
market-based economy requires a global and socially oriented economic and legal order.
Ora @ labora im 21. Jahrhundert
Die Enzyklika rerum novarum, welche die christliche Soziallehre begründete, sagt
zur Frage der Arbeit, daß die Entwicklung der sozialen Gerechtigkeit mehr im Sinne der
Selbstverwirklichung zu sehen ist als die Mehrung des Kapitals, das als geronnenes Produkt
aus diesem Arbeitsprozeß entsteht. Die katholische Sicht ist es, nicht Lösungsmodelle zu
dieser Frage anzubieten, sondern eine sinnvoll weiterentwickelte Sozialdoktrin. In der
Enzyklika centesimus annus nimmt der Heilige Vater die Position ein, daß eine
Unternehmerwirtschaft durchaus ein besseres System als die gelenkte Planwirtschaft
darstellt. Auch aus Sicht der Kirche besteht der Bedarf nach einem marktwirtschaftlichen
System basierend auf einer global und gleichzeitig sozial orientierten Rechts- und
Wirtschaftsordnung.
*) Gregor Henckel Donnersmarck, Abt des Stiftes
Heiligenkreuz.
Klein*)
Assurance and Trust
Many public policies are based on the belief that the free enterprise system
(including a functioning tort system) cannot adequately provide for quality and safety
assurance. But: The free enterprise system offers numerous ways of providing assurance.
Assurance (or grounds for trust) is provided in a myriad of forms. Although regulators
sometimes suggest that government restrictions are necessary to protect consumers, such
suggestions never seem to consider seriously how resourceful middlemen, experts,
trustworthy promisers, and wary trustees function to achieve trust.
Vertrauen und Versprechen
Viele Politiker glauben, daß staatliche Eingriffe notwendig sind, um Vertrauen in
die Beziehungen zwischen Geschäftspartnern zu bringen. Das führt zu vielen Regelungen
und Behörden, die eigentlich nur die freie Vertragsgestaltung zwischen den
Geschäftspartnern behindern. Dabei hat das marktwirtschaftliche System zahlreiche
Lösungswege für jene Fälle aufgezeigt, in denen Geschäftspartner nicht aus eigener
Erfahrung die Vertrauenwürdigkeit des anderen beurteilen können.
*) Daniel B. Klein, Associate Professor of
Economics, Santa Clara University, Santa Clara CA
Kühnle/Spiewack/Brehmer*)
DYNAPRO Production Structures Successful in Turbulent Markets: Results of Research
into Dynamic Production and Organizational Structures in Turbulent Environments
The topic of securing and expanding Germany's position as an industrial base
remains very much a subject of discussion. As soon as there are apparent signs of an
economic upswing these are counteracted by reports of enterprises relocating production
operations to cheaper sites abroad or of mass dismissals of staff. At an early stage
Germany's Federal Ministry for Education, Science and Technology (BMBF) recognised that,
in the face of fundamental changes in the industrial environment, purely external
adjustments are not sufficient in order to maintain or increase the competitiveness of
German business enterprises in turbulent international markets. The Production 2000
research programme was initiated on the basis of preliminary work carried out for a study
titled Strategies for production in the 21st century, which was to set into
motion a process of continuous improvement of production conditions in Germany's
industrial production centres.
DYNAPRO Erfolgreich produzieren in turbulenten Märkten: Ergebnisse des
Verbundvorhabens Dynamische Produktionsstrukturen in einem turbulenten Markt
Die Untersuchung dynamischer Produktions- und Organisationsstrukturen in einem
turbulenten Markt kommt zum Ergebnis, daß die permanente Wandlungsfähigkeit von
Unternehmen mehr und mehr zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor wird. Die Produktions-
und Organisationsformen auf neue Kundenwünsche und Kommunikationstechniken einzustellen,
wird zum essentiellen Kriterium der Standorterhaltung. Der Ausbau dieser Kernkompetenz von
Unternehmen in Kombination mit offensiven Marktstrategien, der frühzeitigen Erkennung von
Marktchancen und Risiken und der gezielten Gestaltung zukünftig benötigter
Kernkompetenzen hilft, Wachstumsprozesse, auch unter Bedingungen sprunghafter und
unvorhersehbarer Marktveränderungen, nachhaltig und profitabel zu realisieren.
*) Nick Brehmer, Hermann Kühnle, Mario Spiewack,
Fraunhofer-Institut Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF, Magdeburg.
Leitl*)
Social Partnership whithout Future?
During the last five decades the Austrian Social Partnership has contributed
considerably to Austrian economic welfare. Currently the Austrian neo-corporatist model
shows signs of stagnation. Accordingly, and since there is no sensible alternative to this
model, the Social Partnership has to adjust to these new challenges. The social partners,
and in particular the economic chambers, will assume an important role in the fields of
wage policy, training and education and fiscal policy. The adjustments mentioned can be
successfully made only within the context of commonly accepted ethical values.
Sozialpartnerschaft ohne Perspektive?
Die österreichische Sozialpartnerschaft hat in den letzten fünf Jahrzehnten zwar
Wesentliches geleistet, doch deuten die aktuellen Tendenzen auf einen Stillstand des
Sozialpartnerschaftsmodells. Die Sozialpartnerschaft muß sich entsprechend den neuen
Anforderungen anpassen, denn eine Alternative zur Sozialpartnerschaft wird es auch
zukünftig nicht geben. Den Sozialpartnern, und insbesondere den Wirtschaftskammern, wird
künftig eine wichtige Rolle in den Politikbereichen Lohnpolitik, Aus- und Weiterbildung
sowie in der Budgetpolitik zukommen. Diese zuvor genannten Veränderungen sind nur vor dem
Hintergrund gemeinsamer ethischer Grundhaltungen möglich.
*) Christoph Leitl, Präsident der
Wirtschaftskammer Österreich, Wien.
Lübbe*)
Ethical Rules and Economics, The Ethics of Economics
The more we live in freedom the more we have to rely on morales. Tendencies of
increasing moralizing become increasingly perceivable. This applies for the realm of
private as well as political live. Freedom brings about more chances to become happy but
also leaves more room for becoming unhappy. Free will is accompanied by increasing
interdependence, which often is interpreted as contradiction. At the economic level rules
resulting from the market mechanism help to experience goods as scarce goods. In the long
run this proves to be beneficial, even ecologically sound.
Moral und Ökonomie, Moral der Ökonomie
Je freier wir leben, umso nötiger wird die Moral. Entsprechend sind
Moralisierungstendenzen allerorts wahrnehmbar. Moralisierungstendenzen machen sich sowohl
im privaten als auch im politischen Lebenszusammenhang bemerkbar. Freiheit verlangt nach
der Suche nach dem Sinn. Freiheit bringt Chancen, sich glücklich zu machen, allerdings
auch Chancen, sich unglücklich zu machen. Die freie Selbstbestimmung geht mit
wechselseitiger Abhängigkeit einher, was oft als Widerspruch erscheint. Auf ökonomischer
Ebene helfen Regeln resultierend aus dem Marktmechanismus, knappe Güter als solche
erfahrbar zu machen, selbst auf ökologischer Ebene.
*) Hermann Lübbe, em. o.Professor,
Staatssekretär a.D., Professor für Philosophie und politische Theorie an der
Universität Zürich.
Sennholz*)
Globalization Under Fire The Reduction of Trade Barriers
A lot of critics blame globalization for destroying industries and jobs in rich
countries on the one hand and for crippling poor countries on the other. Mass protests
against free global trade are popular around the world. But a peaceful and prosperous
world requires more open markets and economic development instead of more regulation.
Globalization will help raising living standards and improving working conditions in the
poor countries and in the rich countries as well. The improvement of living conditions in
poor countries actually reduces the pressures of migration to the industrialised
countries.
Globalisierung unter Beschuß
Viele Kritiker werfen der Globalisierung vor, die Industrien in den reichen
Ländern zu gefährden, aber auch, die armen Länder noch ärmer zu machen und ihnen viele
Chancen zu rauben. Massenproteste rund um die Welt sind recht populär. Dabei braucht
gerade eine friedliche und prosperierende Welt die Ausweitung der Globalisierung viel
dringender als die Zunahme von regulierenden Eingriffen. Die Globalisierung hebt die
Lebensbedingungen und den Lebensstandard in den Entwicklungsländern, wenn es gelingt,
diese in den Welthandel einzubinden. Aber auch die Bevölkerung der reichen Länder
profitiert von der sich ständig erweiternden globalen Arbeitsteilung. Es darf zudem nicht
übersehen werden, daß die Verbesserung der Lebensbedingungen in den armen Ländern auch
den Migrationsdruck in die Industriestaaten reduziert.
*) Hans F. Sennholz, em. Professor of Economics,
Grove City College, PA.
Streissler*)
Ethical Issues of Contradictory Interests in the Face of Economic Changes
Economic change will never hurt mankind in general, but inevitably there will be
losers and winners. It is impossible to have a dynamic economy without any loser. However,
it is sometimes less than clear who can be called the real loser. It is not the task of
markets to prevent such losers coming into existence, but to secure the efficient framwork
to generate enough wealth that makes it possible for the society (not primarily for the
state) to provide for the disadvantaged.
Wer bleibt auf der Strecke? Ethische Probleme bei widersprüchlichen Interressen im
Zuge verschiedener gleichzeitiger Wirtschaftsveränderungen
Im wirtschaftlichen Wandel bleibt niemals der Mensch auf der Strecke, aber es wird
immer neben Gewinnern auch einige Verlierer geben. Eine Wirtschaftsordnung ganz ohne
Verlierer ist nicht denkbar, aber in der Regel werden die Verlierer immer wieder andere
sein, wobei es durchaus relativ sein kann, wer jeweils als Verlierer anzusehen ist. Es
kann nicht Aufgabe der Wirtschaft oder des Marktes sein, das Auftreten von Verlierern zu
vermeiden, vielmehr hat die Gesellschaft eine ethische Fürsorgepflicht gegenüber diesen,
keineswegs notwendigerweise der Staat. Die Marktwirtschaft (wie auch die vielgescholtene
Globalisierung) kann und wird (wenn man sie läßt) dafür sorgen, daß genug Wohlstand
erarbeitet wird, um auch die Benachteiligten ausreichend zu versorgen.
*) Erich W. Streissler, Professor am Institut
für Wirtschaftswissenschaften, Universität Wien.
Tálos*)
The Demise of Social Partnership and Obligatory-Membership Chambers
Changed economic, social and political contexts have made it more difficult to
achieve binding policy within representative associations and accordance of interests
between them. The importance of the Social Partnership in shaping events has been in
decline for some time. The new constellation at government and parliament level is
reinforcing this trend: the influence of representative associations, in particular of
employees' associations, has been pushed aside. A demise of the Social Partnership is
likely and goes hand in hand with a considerable reduction in the relevance of the
chambers.
Sozialpartnerschaft und Kammermonopol im Niedergang?
Unter veränderten ökonomischen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen ist
verbandliche Interessenpolitik ebenso wie die Interessenakkordierung zwischen Kammern und
Verbänden schwieriger geworden. Die Gestaltungsrelevanz der Sozialpartnerschaft sinkt
seit geraumer Zeit: Die neue Konstellation auf Ebene von Regierung und Parlament
verstärkt diesen Entwicklungstrend: Der Einfluß der Sozialpartner-Verbände,
insbesondere der Arbeitnehmerverbände, wird zurückgedrängt. Ein Niedergang der
Sozialpartnerschaft ist wahrscheinlich und damit verbunden eine beträchtliche
Reduktion der Relevanz der Kammern.
*) Emmerich Tálos, Professor für
Politikwissenschaft, Universität Wien.
Traxler/Kittel*)
A Comparative Analysis of Wage-setting Institutions and Economic Performance
Part 1: A Review of Literature and its Empirical Examination
Part 2: Reconceptualisation of the Problem and the Effects of Wage Coordination
Theoretical reasoning disagrees about what type of wage-setting institutions
perform best in terms of wage moderation. Based on comparable data for 20 OECD countries
for the time period 19701990, this article tests the explanatory power of the three
competing hypotheses: neoliberalism, corporatism and the hump-shape hypothesis. All of
these hypotheses lack empirical support due to three main shortcomings. First, they
neglect the interdependency of the labour market and product market as a factor of wage
formation. Second, they ignore the role of the state in this process. Third, they tend to
confuse coordination and centralization of wage bargaining.
In order to overcome the conceptual problems and explanatory failure of conventional
approaches to the analysis of performance effects of wage-setting institutions presented
in Part 1, we present and test an alternative approach. We show that the labour cost
effects of coordinated bargaining systems as compared to uncoordinated systems depend on
the ability to include lower-level bargaining units into coordination efforts. If this
vertical coordination problem is overcome, performance of coordinated systems is superior
to uncoordinated bargaining. Otherwise, lower-level wage pressure dodges the coordination
efforts.
Lohnverhandlungssysteme und wirtschaftliche Leistungseffekte im internationalen Vergleich
Teil 1: Der Stand der Debatte auf dem Prüfstand
Teil 2: Die Rekonzeptualisierung des Problems und die Effekte lohnpolitischer
Koordinierung
Die Frage, welche Lohnverhandlungssysteme die günstigsten wirtschaftlichen
Leistungseffekte zeitigen, wird in der einschlägigen Literatur kontroversiell diskutiert.
Es lassen sich drei Grundpositionen unterscheiden: Neoliberalismus, Korporatismus und die Hump-shape-Hypothese.
Der vorliegende Artikel überprüft die Erklärungskraft dieser Hypothesen in bezug auf
Lohnkosteneffekte mittels vergleichender Daten zu 20 OECD-Ländern für 19701990.
Die Ergebnisse dieser Analysen stützen keine der drei Positionen. Zurückzuführen ist
dieses Erklärungsdefizit auf drei konzeptionelle Mängel: die Vernachlässigung der
Interdependenz von Arbeits- und Produktmärkten sowie der staatlichen Regulierung als
Faktoren der Lohnbildung und die unzureichende Differenzierung zwischen Koordinierungs-
und Zentralisationsgrad der Lohnbildung.
Ausgehend von den in Teil 1 dargelegten konzeptionellen Mängeln und Erklärungsdefiziten
konventioneller Ansätze zur Untersuchung der Effekte von Lohnverhandlungssystemen wird
hier ein alternatives Erklärungsmodell vorgestellt und empirisch getestet. Es zeigt, daß
die Arbeitskosteneffekte koordinierter Systeme im Vergleich zu unkoordinierten Systemen
davon abhängen, ob die nachgelagerten Entscheidungsebenen in die
Koordinierungsbemühungen eingebunden werden können. Gelingt dies, sind koordinierte
Systeme unkoordinierten überlegen, andernfalls unterlegen.
*) Bernhard Kittel, Universitätsassistent,
Institut für Staatswissenschaft, Universität Wien.
Franz Traxler, Universitätsprofessor, Institut für Soziologie, Universität Wien.
Tumpel*)
The Social Partnership More Than the Representation of Particular Interests
The Social Partnership was blamed to be a second government within the Austrian
state. In fact, the Austrian chambers are backed by Austrian constitutional law, which
lends them the status of a reprensentation of interest based on law. At the European level
the Austrian chambers will increasingly have to take an active role in formulating the
European economic and social model. At the national level the Austrian chambers will make
an effort in augmenting the legal security of flexible forms of employment, as well as an
emphasis on professional training will be put.
Sozialpartnerschaft ist mehr als die Vertretung von Einzelinteressen
Der Sozialpartnerschaft wurde der Vorwurf gemacht, sie sei eine Neben- oder
Schattenregierung im österreichischen Staat. De facto sind die Kammern eine in der
österreichischen Bundesverfassung vorgesehene, also gesetzliche Interessenvertretung. Den
österreichischen Kammern kommt vermehrt die Rolle zu, das Europäische Wirtschafts- und
Gesellschaftsmodell aktiv mitzugestalten. Auf nationaler Ebene ergeben sich Anforderungen
an die Arbeitsmarktpolitik in zweierlei Hinsicht: Schaffung von Rechtssicherheit auch in
flexiblen Arbeitsverhältnissen und Fortsetzung der beruflichen Aus- und Weiterbildung.
*) Herbert Tumpel, Präsident der Kammer für
Arbeiter und Angestellte, Wien.
Ansprechpartner
© Letzte Aktualisierung: 29.12.2004