Wirtschaftspolitische BlätterDie Beiträge kurz skizziert in alphabetischer Reihenfolge in englischer und deutscher Sprache |
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Brunner/Pech*)
The 3rd Pillar of Old-Age Provision Savings and Life Annuities?
Life annuities provide periodic payouts for the duration of life. A specific tax
relief is granted to induce individuals to build up such a supplement to the public
pension system, since the latter will allow presumably only lower replacement rates in the
future. This paper describes the functioning of life annuities and investigates the
adequacy of the specific tax relief for this type of old-age provision. Furthermore, the
phenomenon of adverse selection is discussed, which entails that persons with low
life-expectancy cannot buy an appropriate annuity contract.
Die 3. Säule der Altersvorsorge Sparen und Versichern?
Die private Pensionsversicherung, bei der dem Versicherungsnehmer regelmäßige
Auszahlungen bis an das Lebensende garantiert werden, ist Gegenstand einer spezifischen
steuerlichen Förderung. Dahinter steht die Überlegung, daß eine Ergänzung zum
öffentlichen Pensionssystem erreicht werden soll, weil letzteres in Zukunft vermutlich
geringere Ersatzquoten bieten wird. Im vorliegenden Beitrag wird die Funktionsweise dieser
Versicherung dargestellt und der Frage nach der Adäquatheit der besonderen Förderung
dieser einen Form der Altersvorsorge nachgegangen. Weiters wird das Phänomen der adversen
Selektion erörtert, das dazu führt, daß Personen mit einer geringen Lebenserwartung
keinen geeigneten Pensionsversicherungsvertrag erhalten.
*) Johann K. Brunner, Institut für
Volkswirtschaftslehre, Abteilung Finanzwissenschaft, Universität Linz;
Susanne Pech, Institut für Volkswirtschaftslehre, Abteilung Finanzwissenschaft,
Universität Linz
Buczolich/Felderer/Koman/Schuh*)
Considerations for a Pension Reform in Austria
The Institute for Advanced Studies presents a reform proposal for the Austrian
pension system which would transform the current system into a multi-pillar model, based
on the principles of sustainability, transparency, intergenerational fairness, and
credibility. The central idea of the reform proposal would be the introduction of
individual pension accounts as already envisaged in the program of the Federal Government.
As a supplement to this pay-as-you-go defined contribution system, we suggest the
introduction of a fully-funded pillar. A social safety net for the elderly would be
provided by an extended system of means-tested equalization supplements and by explicit
transfers from other funds for fictitious qualifying periods.
Überlegungen zu einer Reform des österreichischen Pensionssystems
Das Institut für Höhere Studien (IHS) stellt einen Vorschlag zur umfassenden
Reform des österreichischen Pensionssystems vor, der das derzeitige System in ein
modernes, transparentes und faires Modell der Alterssicherung transformieren würde.
Herzstück der Reform wäre die Einrichtung von streng nach dem Versicherungsprinzip
konzipierten individuellen Pensionskonten, wie sie schon im Arbeitsprogramm der
Bundesregierung vorgesehen sind. Als Ergänzung zu diesem weiterhin nach dem
Umlageverfahren konzipierten System wird ferner vorgeschlagen, zusätzlich eine nach dem
Kapitaldeckungsverfahren organisierte Säule aufzubauen. Eine soziale Mindestabsicherung
im Alter würde durch ein erweitertes Ausgleichszulagensystem sowie die externe
Finanzierung von Ersatzzeiten gewährleistet werden. Im Interesse der Transparenz wird ein
vollständiger, wohlvorbereiteter Übergang ohne Ausnahmeregelungen und Übergangsfristen
vorgeschlagen. Die Sicherung der finanziellen Nachhaltigkeit erfolgt unter Beachtung der
Grundsätze der Transparenz, der intergenerativen Gerechtigkeit und des
Vertrauensschutzes.
*) Gerhard Buczolich, Bundesministerium für
soziale Sicherheit und Generationen, Wien;
Bernhard Felderer, Institut für Höhere Studien, Wien;
Reinhard Koman, Institut für Höhere Studien, Wien;
Andreas Ulrich Schuh, Institut für Höhere Studien, Abteilung Ökonomie und
Finanzwirtschaft, Wien.
Fehr/Jess*)
The Red-Green Pension Reform in Germany A First Step Towards a Funded Pension
System
This paper deals with the recent pension reform in Germany. We first explain the
computation of the pension level and discuss the problems under the previous system. Then
we describe the central modifications introduced by the current reform. Finally we present
some simulation results which quantify the impact on the reform on contribution rates, the
intra- und intergenerational distribution effects and the aggregate efficiency effects.
Die rot-grüne Rentenreform in Deutschland Ein erster Schritt in Richtung
Kapitaldeckung
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der aktuellen Rentenreform in Deutschland. Wir
beschreiben zunächst das bisherige System und diskutieren die damit verbundenen Probleme
anhand der zentralen Rentenformeln. Daran anschließend wird gezeigt, wie die wichtigsten
Maßnahmen der Rentenreform die Rentenanpassung verändern. Schließlich werden die
Wirkungen der Reform auf Beitragssätze, die inter- und intragenerative
Belastungsverteilung sowie die volkswirtschaftliche Effizienz im Rahmen einer dynamischen
Simulationsstudie illustriert. Dabei zeigt sich, daß die Reform zwar zu einer
signifikanten Effizienzsteigerung führen kann, aber möglicherweise auch mit unsozialen
Verteilungswirkungen verbunden ist.
*) Hans Fehr, Lehrstuhl für Finanzwissenschaft,
Universität Würzburg;
Heinrich Jess, Dezernat Finanzmathematik, Abteilung Finanzen und Vermögen,
Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, Berlin.
Feldstein/Samwick*)
Allocating Payroll Tax Revenue to Personal Retirement Accounts to Maintain
Social Security Benefits and the Payroll Tax Rate
This paper shows that a program of Personal Retirement Accounts (PRAs) funded by
allocating 2% of the 12.4% payroll tax collections can maintain the retirement income
projected in current law while avoiding any increase in the 12.4% payroll tax. The
combination of the higher return on the assets in the Personal Retirement Accounts and the
use of the additional corporate profits taxes that result from the increased national
saving in Personal Retirement Accounts is sufficient to maintain the solvency of the
Social Security Trust Fund even though the tax payments to the fund are reduced from 12.4%
of taxable payroll to 10.4% of taxable payroll. Although there is a period of years when
the Trust Fund must borrow, it is able to repay this borrowing with interest out of future
tax collections. In the long run, the Trust Fund becomes very large, implying that it
would be possible to reduce the payroll tax further or to increase retirement incomes
above the levels projected in current law.
Ein Vorschlag für die USA Umschichtung von
Pensionsversicherungsbeiträgen zu persönlichen Pensionskonten
Bereits in einem früheren Papier haben wir die Kombination des derzeitigen
steuerfinanzierten Umlageverfahrens der amerikanischen Pensionsversicherung (Social
Security) mit einem System Persönlicher Pensionskonten (PPK) analysiert und dabei
festgestellt, daß das Leistungsniveau beibehalten werden könnte, ohne daß es zu
Erhöhungen der gesamten Beitragszahlungen kommen müßte. In diesem Aufsatz weisen wir
nach, daß es ausreichen würde, 2% des bisherigen Pensionsbeitrages in der Höhe von
12,4% vom Umlageverfahren zu Persönlichen Pensionskonten umzuschichten. Die höheren
Veranlagungserträge dieser Persönlichen Pensionskonten würden ausreichen, die
Zahlungsfähigkeit der Pensionsversicherung (Social Security Trust Fund) trotz der
dann auf 10,4% der Löhne reduzierten Beitragszahlungen zu gewährleisten. Es würde zwar
einige Jahre geben, in denen sich der Social Security Trust Fund vorübergehend
verschulden müßte, aber diese Kredite könnten in der Folge problemlos zurückgezahlt
werden. Das Fondsvolumen würde sogar so stark ansteigen, daß man daran denken könnte,
entweder die Beiträge zu senken oder die Leistungen zu erhöhen.
*) Martin Feldstein, Harvard University, National
Bureau of Economic Research, Cambridge MA;
Andrew Samwick, Dartmouth College, Hanover NH.
Guger*)
Perspectives of the Austrian Pension System
The discussion of public pension systems currently focuses on demographic trends and
changes in the performance of the pension system to justify the need for a reform of the
system. But the financial stability of the (public) pension system depends not only on
demographics and system factors, but also on developments of the labour market. The
shrinking labour force projected for the next decades is expected to cause growing demand
on the labour market and a rise in the participation rate. The higher that rate and the
employment level in general, the greater will be the number of contributors and the lower
the pension dependency ratio. Looking at the labour market perspectives realistically, we
can expect pension dependency ratios to be markedly lower in the long term than have been
projected by current studies.
Perspektiven des österreichischen Pensionssystems
Die Pensionsreformdiskussion beschränkte sich bisher auf die Demographie und
Änderungen im Leistungsrecht des Pensionssystems. Die finanzielle Stabilität des
Alterssicherungssystems wird aber nicht nur durch die Demographie und das Pensionssystem,
sondern auch durch die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt bestimmt. Die Perspektive einer
schrumpfenden Zahl von Erwerbspersonen läßt in den nächsten Jahrzehnten eine zunehmende
Überschußnachfrage auf dem Arbeitsmarkt und einen Anstieg der Erwerbsquoten erwarten. Je
höher die Erwerbsquote und das Beschäftigungsniveau sind, umso größer ist die Zahl der
Beitragszahler und umso niedriger die Pensionsquote. Unter realistischen
Arbeitsmarktperspektiven ist längerfristig mit deutlich geringeren Pensionsquoten zu
rechnen, als in den bisher veröffentlichten Studien erwartet wurde.
*) Alois Guger, Referat für Einkommens- und
Sozialpolitik, Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung, Wien.
Hauth*)
Enterprise start-ups in Austria Start-up intensity and survival rates
This article deals with an empirically rather neglected topic in Austria. On the
one hand, the reference is to the number of newly established enterprises per year and, on
the other hand, with even more emphasis, to the number of these newly established
enterprises that survive for a fixed period of time. A systematic evaluation of the
Austrian Federal Economic Chamber membership data reveals a pronounced increase in
enterprise start-ups, especially in particular sectors of the economy, during recent
years. At the same time, evidence indicates the traditional longevity of Austrias
new enterprises is hardly inhibited by the overall very intensive start-up activities.
Unternehmensneugründungen in Österreich Gründungsintensität und
Überlebensquoten
Der vorliegende Beitrag widmet sich einem in Österreich empirisch bisher wenig
abgesicherten Thema. Dies gilt einerseits für die Zahl der jährlich neugegründeten
Unternehmen und andererseits noch stärker ausgeprägt hinsichtlich der
Frage, wie viele dieser Neugründungen einen bestimmten Zeitraum überleben.
Systematische Auswertungen der Mitgliederdateien der Wirtschaftskammern zeigen, daß die
Zahl der Neugründungen in den letzten Jahren stark zugenommen hat, wobei eine starke
Konzentration auf bestimmte Branchen festzustellen ist. Gleichzeitig kann belegt werden,
daß das traditionell große Durchhaltevermögen der Neugründer in Österreich
trotz der insgesamt stark intensivierten Gründungstätigkeit kaum in
Mitleidenschaft gezogen ist.
*) Anton Hauth, Abteilung für Statistik,
Wirtschaftskammer Österreich, Wien.
Holzer*)
Future of Pension Insurance in Austria
Austrias well established social pension system has to be rebuilt because of
demographic developments and problems within states budget. The goal must be to
decrease the net compensation rate to 60% of the last contribution basis. Recommended
measures are: the lengthening of contribution duration to 35 years, making allowance for a
factor of 3% per generation decade to take into account the increasing life expectancy and
the increased deduction percentage for early pensions to 5% for each year missing to age
65. It is the duty of the state to promote the introduction of investment based systems of
the 2nd and 3rd pillar by tax relief to equal the decrease of pensions. Besides producing
incentives for enterprises to make pension promises to their employees, the system of
individual pension provisions has to be promoted. 4% of the salary up to 2 times the
maximum social security contribution base should be taxable for pension insurance.
Afterwards pensions should be fully taxed.
Anpassung der Pensionsversicherung an die Erfordernisse des 21. Jahrhunderts
Österreichs sehr gut ausgebildetes staatliches Pensionsversicherungssystem ist infolge
der demographischen Entwicklung und damit verbundener budgetärer Probleme umzubauen. Ziel
muß ein Absenken der Nettoersatzrate auf 60% der letzten Beitragsgrundlage sein. Als
dafür erforderliche Maßnahmen werden die Verlängerung des Durchrechnungszeitraumes auf
35 Jahre vorgeschlagen sowie die Einrechnung eines Lebenserwartungsfaktors in Höhe von 3%
pro Generationsdekade und die Erhöhung der Abschlagsprozentpunkte für Frühpension auf
5% für jedes auf 65 fehlende Jahr. Der Staat hat die Aufgabe, die Einführung
kapitalgedeckter Systeme der 2. und 3. Säule zur Egalisierung des damit verbundenen
Sinkens der Ersatzrate steuerlich zu fördern. Neben der Schaffung von Anreizen für
Unternehmen, verstärkt betrieblichen Vorsorge anzubieten, ist vor allem die Eigenvorsorge
zu fördern. Zu diesem Zweck sollen 4% der Bezüge bis zur zweifachen
Höchstbeitragsgrundlage des ASVG für den Aufbau einer Pensionsvorsorge steuerlich
geltend gemacht werden können. Die zur Auszahlung kommenden Pensionen sind dafür voll zu
versteuern.
*) Helmut Holzer, UNIQA Versicherungen AG, Wien.
Judson/Porter*)
Overseas Dollar Holdings: What Do We Know?
A great deal of U.S. currency is believed to circulate outside the borders of the
United States. We present a brief overview of the historical and economic motivations for
people to hold U.S. dollars and the methods we have used in the past to estimate how many
dollars might be circulating abroad, including the official series published by the
Federal Reserve and the U.S. Department of Commerce. In addition, we present some newer
findings on adjusting our estimates for Y2K effects, estimating the distribution of U.S.
currency outside the United States. Finally, we give a brief overview of preliminary
results from panel data regressions which may help us to better understand domestic
currency demand and thus better identify the foreign component of U.S. currency demand.
Dollarnoten im Ausland: Was wissen wir darüber?
Man nimmt an, daß ein verhältnismäßig großer Teil von US-amerikanischem Bargeld
(Dollarnoten) nicht in den USA, sondern außerhalb der Landesgrenzen zirkuliert. Eine
kurze Übersicht über historische und wirtschaftliche Motive, warum US-Dollar im Ausland
gehalten werden, gelangt zur Darstellung. Zudem werden zwei alternativen Methoden zur
Schätzung der im Ausland zirkulierenden Dollarnoten kurz erläutert. Jüngste
Schätzungen über die Verteilung der Auslandsdollar, welche erstmals um den
Jahr-2000-Effekt bereinigt sind, werden ebenfalls vorgestellt. Abschließend werden die
Ergebnisse einer Panelregression zur Schätzung der inländischen Nachfrage nach
Dollarnoten präsentiert, welche erlaubt, Rückschlüsse auf die Auslandsnachfrage zu
ziehen.
*) Ruth Judson, Division of Monetary Affairs,
Board of Governors of the Federal Reserve System, Washington DC;
Richard Porter, Division of Monetary Affairs, Board of Governors of the Federal Reserve
System, Washington DC.
Kronberger*)
Financing of Pension Systems "Pay-as-you-go" versus
"Investment-Based System"
This article discusses effects of the (partial) introduction of an investment-based
pension system. The pros and cons, and possible macroeconomic effects as well as
microeconomic effects, as for instance, the issue of administrative costs are presented.
Benefits of the investment-based system which arise from an expected increased return have
to be weighted against risk on return and transition costs. Transition costs may arise
from undesired intergenerational distributional effects or from possibly increased
administrative and regulatory costs.
Finanzierung von Pensionssystemen Umlageverfahren versus
Kapitaldeckungsverfahren
In diesem Beitrag werden mögliche Auswirkungen der (teilweisen) Einführung einer
kapitalgedeckten Finanzierung des Pensionssystems diskutiert. Fragen makroökonomischer
Auswirkung werden ebenso behandelt wie jene von Verwaltungskosten auf mikroökonomischer
Ebene. Den zusätzlichen Erträgen aus einer kapitalgedeckten Pensionsfinanzierung stehen
einerseits Kosten in Form von Ertragsrisiko und andererseits in Form von
Umstellungskosten, sei es in Form ungünstiger intergenerativer Umverteilung oder
möglicherweise höherer Verwaltungs- und Regulierungskosten, gegenüber.
*) Ralf Kronberger, Abteilung für
Bildungspolitik und Wissenschaft, Wirtschaftskammer Österreich, Wien.
Levy*)
Dont Mix Monetary and Fiscal Policies Why Return to an Old, Flawed
Framework?
Monetary and fiscal policies have very different short and longrun impacts on the
economy, and they are not substitutable. Prior attempts to achieve the right policy mix
have destabilized the economy. The perceived willingness of a central bank to adjust
monetary policy to fiscal policy changes may not only damage its credibility, but also
adversely affect fiscal policy decisions. So the right mix of monetary and fiscal policy
is recognition of their different effects and separate pursuit of their unique roles.
Geld- und Finanzpolitik soll man nicht vermischen
Glaubwürdigkeit ist wesentlich für eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik. Verwirrende
Signale müssen vermieden werden; sowohl in der Öffentlichkeit als auch im Kreise der
Wirtschaftspolitiker selbst. Die feststellbare Bereitschaft der US-Notenbank (Federal
Reserve), die Geldpolitik an die Fiskalpolitik anzupassen, ist potentiell
destabilisierend, nicht nur wegen der Ungewißheit über den Zeitpunkt, ab dem Änderungen
in der Fiskalpolitik dann tatsächlich wirken, also Angebot und Nachfrage beeinflussen
werden. Es wird auch die Glaubwürdigkeit der Fed an sich gefährdet, wodurch
fiskalpolitische Entscheidungen gegenteilig beeinflußt werden können. Daher muß die
richtige Mischung von Geldpolitik und Finanzpolitik stets deren unterschiedliche Wirkungen
erkennen und auch berücksichtigen, daß jeder dieser Bereiche seine eigenen
(einzigartigen) Aufgaben hat.
*) Mickey D. Levy, Bank of America, New York.
Mankiw*)
The Inexorable and Mysterious Tradeoff Between Inflation and Unemployment
This paper discusses the short-run tradeoff between inflation and unemployment.
Although this tradeoff remains a necessary building block of business cycle theory,
economists have yet to provide a completely satisfactory explanation for it. According to
the consensus view among central bankers and monetary economists, a contractionary
monetary shock raises unemployment, at least temporarily, and leads to a delayed and
gradual fall in inflation. Standard dynamic models of price adjustment, however, cannot
explain this pattern of responses. Reconciling the consensus view about the effects of
monetary policy with models of price adjustment remains an outstanding puzzle for business
cycle theorists.
Inflation und Arbeitslosigkeit Über den unerbittlichen und mysteriösen
Zusammenhang
Dieser Beitrag diskutiert den kurzfristigen Tradeoff zwischen Inflation und
Arbeitslosigkeit. Obwohl diese Zusammenhänge nach wie vor zum festen Bestandteil der
Konjunkturtheorie gehören, müssen die Ökonomen eine völlig zufriedenstellende
Erklärung dafür erst formulieren. Gemäß der konsensualen Meinung von Notenbankexperten
und Geldpolitikern führen kontraktive Veränderungen der Geldmenge zur Erhöhung der
Arbeitslosigkeit (zumindest zeitweise) und verringern die Inflation. Die gängigen
dynamischen Modelle der Preisanpassung können aber diese Reaktionen nicht erklären. Die
Zusammenführung der gängigen Ansichten über die Auswirkungen der Geldpolitik mit den
Preisanpassungsmodellen bleibt daher eine noch zu lösende Aufgabe der
Konjunkturtheoretiker.
*) N. Gregory Mankiw, Department of Economics,
Harvard University, Cambridge MA.
Modigliani/Ceprini/Muralidhar*)
A Better Solution to the Social Security Crisis Funding with a Common Portfolio
The Social Security crisis the danger that the public pension system will not be
able to pay the benefits that it has promised has been discussed ad nauseam. But
all the solutions offered so far require a combination of: (i) a prospective rise in
contributions; (ii) a cut in benefits; and (iii) an increase in investment risk to be
borne by participants. This paper shows that currently the U.S. has a unique opportunity
to adopt an alternative solution that would ensure the indefinite maintenance of the
existing, popular social security benefits, and in addition, would make it possible to
reduce, gradually, social security payroll taxes by a large amount.
Eine bessere Lösung der Pensionsversicherungskrise für die USA
Die Krise der Pensionsversicherung (die Gefahr, daß das öffentliche
Pensionsversicherungssystem nicht die versprochenen Pensionen wird zahlen können) ist in
den USA bis zum Überdruß diskutiert worden. Aber alle bisher vorgeschlagenen Lösungen
machten eine Kombination folgender Faktoren notwendig: (1) eine künftige Erhöhung der
Beiträge, (2) eine Senkung der Pensionen und (3) eine Erhöhung des Risikos aller
Teilnehmer des Systems.
Der Aufsatz zeigt, daß es in den USA gegenwärtig die einmalige Chance gibt, eine
alternative Lösung einzuführen, bei der die derzeit vorgesehenen Pensionszahlungen auf
Dauer aufrechterhalten werden können und die zusätzlich die Möglichkeit bietet,
stufenweise die Beiträge ganz beträchtlich zu senken.
*) Marialuisa Ceprini, Sloan School of Management,
Massachusetts Institute of Technology, Cambridge MA;
Franco Modigliani, Nobelpreisträger 1985, Sloan School of Management, Massachusetts
Institute of Technology, Cambridge MA;
Arun Muralidhar, J. P. Morgan, New York,
Rose*)
EMUs Potential Effect on British Trade A Quantitative Assessment
This paper estimates the effect of joining European Economic and
Monetary Union (EMU) on British Trade. The United Kingdom is very open to international
trade: exports and imports combined together amount to two-thirds of British GDP. About
half of this trade is with the Euro-zone. The empirical evidence presented here shows that
currency unions are associated with substantially higher trade. There is also evidence
that higher trade results in higher economic output. I estimate that British trade with
the Euro-zone could increase considerably if the UK joins EMU. The UKs trade with
the Euro-zone may conceivably triple, eventually leading to an overall doubling of British
trade. A trade increase of this magnitude could result in a substantial boost to British
GDP.
Die möglichen Auswirkungen der Europäischen Währungsunion auf den
britischen Außenhandel
Das Vereinigte Königreich ist sehr offen gegenüber dem internationalen Handel:
Exporte und Importe zusammengenommen machen etwa zwei Drittel des britischen BIP aus. Die
Hälfte davon betrifft die Euro-Zone. Empirische Analysen zeigen, daß Währungsunionen zu
einer deutlichen Zunahme des zwischenstaatlichen Handels führen. Es ist ebenfalls
festzustellen daß mehr Handel zu mehr Output führt. Ich erwarte, daß ein Beitritt des
Vereinigten Königreichs zur EWWU zu einer beträchtlichen Steigerung des britischen
Handels mit der Euro-Zone führen wird. Möglicherweise könnte sich der Handel mit der
Euro-Zone verdreifachen, was zu einer Verdoppelung des britischen Außenhandels insgesamt
führen würde. Handelszunahmen in dieser Größenordnung könnten auch das britische BIP
ganz beachtlich steigern.
*) Andrew K.Rose, Haas School of Business, Berkeley
CA.
Settergren*)
The Automatic Balance Mechanism of the Swedish Pension System A Non-Technical
Introduction
The new Swedish pay-as-you-go pension system has an asymmetric design of its indexing
rules. As one main social objective of the system is to provide for a stable relationship
between the average pension and the average income, the base for its indexation is the
growth in average income. The growth in average income will normally deviate from the
internal rate of return of the system. Hence assets may grow faster than liabilities or
vice versa. If and when the liability has grown to be larger than the assets the system
automatically switches indexing to an approximation of its internal rate of return. It
automatically re-establishes the pension level and switches back to indexing with the
growth in average income as soon as this is possible without violating the financial
balance of the system. The calculation of the liability and the asset follows an
accounting principle in that only historic transactions are used to perform the
valuations. The valuation of assets is achieved by a new measure, expected turnover
duration. The design secures the systems financial stability with a fixed
contribution rate while emphasising the stability of the relation between the average
pension and the average income.
Der Automatic Balance Mechanism des schwedischen Pensionssystems
Ein wesentlicher Bestandteil der jüngst beschlossenen schwedischen Pensionsreform ist
der sogenannte Automatic Balance Mechanism. Dabei handelt es sich um ein asymmetrisches
Finanzierungsinstrument, welches nur kurzfristig zuläßt, daß die Differenz aus der
Summe der Pensionsbeiträge und dem Pufferfonds und den Rentenansprüchen negativ wird.
Bei drohendem Defizit erfolgt eine Indizierung der Rentenbezüge am Bilanzindex, der in
der Regel langsamer wächst als der Einkommensindex. Der Bilanzindex bleibt so lang in
Kraft, bis die Bilanz wieder ausgeglichen ist. Überschüsse im Pensionssystem werden
nicht automatisch in Form von Pensionserhöhungen weitergegeben.
*) Ole Settergren, Riksförsäkringsverket,
Stockholm.
Straubhaar*)
International Labour Mobility Problem or Opportunity in EU-Expansion?
Part 2: East-West Migration, Labour Market and Economic Policy Issues
Theoretical assumptions and empirical experience of former enlargement processes
strongly support the argument that the freedom of East European workers will not generate
the strong migration flows that frightens some Western Europeans. And even if there might
be a migration hump and more people than expected might move West, this migration will not
harm Western Europe. In the contrary, the free movement of persons is still the least used
freedom of the single market in the EU. Less than 2% of EU citizens presently live in
another EU country. In the immediate future there is less likely to be too much migration
causing a problem for the EU than too little. More migration will help to overcome
regional or sectoral labour market disequilibria and some of the demographic problems
caused by the ageing EU population.
The German chancellor has revealed his preference for a transitional period of seven years
as it has been the case by the Southern European countries. With regard to the Southern
European experience and the basic mechanisms of economic integration processes
transitional periods are only third best solutions. It is much more favourable to
implement free mobility, the sooner the better, than to set an upper limit beyond which
the free movement of people is suspended.
Internationale Mobilität der Arbeit Problem oder Chance der
EU-Osterweiterung? Teil 2: Ost-West-Migrationspotential, Arbeitsmarkt und
wirtschaftspolitische Überlegungen
Der freie Personenverkehr und die Freizügigkeit der Arbeitskräfte erweisen sich bei
den laufenden Verhandlungen um einen Beitritt der MOEL zur EU als ganz besonders sensitive
Bereiche. Die in der deutschen und österreichischen Öffentlichkeit geäußerten Ängste
vor einer zu starken Ost-West-Wanderung dürften fälschlicherweise dazu führen, daß ein
freier Personenverkehr und die Freizügigkeit der Arbeitskräfte mit der Aufnahme der
Beitrittskandidaten zwar de jure sofort gewährt, de facto aber mit langen
Übergangsfristen ausgesetzt werden. Dabei würden die historischen Erfahrungen der
Süderweiterung erwarten lassen, daß auch eine offensivere Strategie keine großen
Probleme böte. Eine rasche Gewährung der Arbeitskräftefreizügigkeit unter
gleichzeitiger Liberalisierung des Güterhandels und des Kapitalverkehrs würde für alle
beteiligten Vertragsparteien positive Impulse auslösen und sich damit als die effektivste
Anti-Immigrationspolitik erweisen.
*) Thomas Straubhaar, Hamburgisches
Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA), Hamburg.
Ansprechpartner
© Letzte Aktualisierung: 29.12.2004