Wirtschaftspolitische Blätter 2/2003Die Beiträge kurz skizziert in englischer und deutscher Sprache |
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Beyrer/Schneider*)
Wirtschaftsentwicklung 2003 – Nach dem Krieg im Irak
Internationale und österreichische Auswirkungen und Aussichten
Ein vor kurzem von der
Stabsabteilung Wirtschaftspolitik der Wirtschaftskammer Österreich
veröffentlichter Bericht zur Wirtschaftsentwicklung nach dem Irak-Krieg
beschreibt einen zarten Silberstreif am Konjunkturhorizont. Für Österreich
rechnet die WKÖ mit einer bescheidenen aber stabilen – basierend auf
wachsendem Vertrauen von Investoren und Konsumenten – Erholung in der zweiten
Jahreshälfte 2003. Ein Wachstum von um 1 Prozent, also knapp über dem Schnitt
der Euro-Zone sollte möglich sein.
Der Bericht beschreibt die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die wichtigsten
ökonomischen Transmissionsriemen (Ölpreis, Wechselkurs, Leitzinssätze),
andauernde Probleme (Überkapazität, Vertrauen, Defizite) und neue
Unsicherheiten (Welthandelspolitik, SARS, Sicherheit) sowie die Zusammenhänge
zwischen diesen Elementen.
Economic Development in 2003 – Post-Iraq-War
A report recently published by the
Economic Policy Department at the Austrian Economic Chamber describes the
emergence of a silver sliver on the otherwise still clouded horizon of economic
growth. Based on improved confidence among investors and consumers, the Austrian
Economic Chamber expects a modest but stable recovery in Austria during the
second half of 2003. The economy should grow by approximately one percent (measured
as a percentage change of gross domestic product), which is just above the rate
expected for the Euro-Zone.
The article depicts and analyses the framework conditions, the key economic
transmission mechanisms (such as the price of oil, the exchange rate movements,
the interest rates), continuing problems (such as excess capacity, confidence,
deficits) and new uncertainties (such as international trade policy, severe
acute respiratory syndrome, security) as well as the links between these factors.
*) Mag. Markus J. Beyrer,
Abteilungsleiter, Stabsabteilung Wirtschaftspolitik, Wirtschaftskammer
Österreich, Wien
Dr. Christoph M. Schneider, Stabsabteilung Wirtschaftspolitik, Wirtschaftskammer
Österreich, Wien
Brandner*)
Budgetpolitik der Niederlande, Finnlands und Schwedens - Lehren für nachhaltige
Konsolidierungen?
Nachdem sich bis Anfang der 1990er Jahre die Schuldenquoten vieler
OECD-Länder teilweise kräftig erhöht haben, waren zur Erreichung einer
langfristig aufrechterhaltbaren Fiskalpolitik Konsolidierungsmaßnahmen
unausweichlich. Die empirische Wirtschaftsforschung ist in unterschiedlichen
Studien übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen, dass für eine erfolgreiche
Budgetkonsolidierung die Zusammensetzung der Konsolidierungsmaßnahmen
wesentlich ist (Ausgabenkürzungen sollen Einnahmenerhöhungen vorgezogen
werden). Im Vergleich der EU-Mitgliedstaaten wird die seit Mitte der 1990er
Jahren praktizierte Fiskalpolitik in den Niederlanden, in Finnland und in
Schweden oft als "erfolgreich" aufgefasst. Die Diskussion der
fiskalischen Maßnahmen für diese drei Länder zeigt, dass unterschiedliche
Maßnahmen auf der Einnahmen- bzw. Ausgabenseite durchgeführt wurden. In dieser
Betrachtungsweise lässt sich kein konkreter Maßnahmenkatalog für Österreich
ableiten. Es scheint vielmehr die an mittelfristigen Zielen ausgerichtete
Budgetplanung und –erstellung, verbunden mit einer auf der Ausgabenseite
zunehmend regelgebundenen Fiskalpolitik für den Konsolidierungserfolg
maßgeblich zu sein. Es wäre daher zu überlegen, auch in Österreich im Rahmen
eines mehrjährigen Budgeterstellungsprozesses eine stärker an strategischen
Zielen orientierte regelgebundene Budgetpolitik auf der Ausgabenseite zu
implementieren. Damit sollen politisch kurzfristig motivierte diskretionäre
Eingriffe erschwert werden, automatische Stabilisatoren auf der Einnahmenseite
aber voll wirken können. Um den Erfolg sicherzustellen, müssten zusätzlich
die finanziellen Verflechtungen der Gebietskörperschaften in Hinblick auf
adverse Anreizmechanismen analysiert und in eine allfällige Reform einbezogen
werden.
Fiscal Policy in the Netherlands, Finland, and Sweden – Lessons for
sustainable consolidations
In the beginning of the 1990s, in many OECD countries the debt-to-GDP
ratios increased to historically high levels. Hence, policymakers came under
greater pressure to consolidate public finances and re-establish a sustainable
fiscal policy. Recent empirical research on how to achieve a successful
consolidation showed consistently that the composition and quality of fiscal
adjustments matters: A strong emphasis should be put on expenditure cuts rather
than increased tax revenues. Among EU member countries, fiscal adjustments in
the 1990s in the Netherlands, Finland and Sweden are often considered to be
successful episodes. However, measures both on the revenue and the expenditure
side have been implemented. From this point of view, a simple list of
recommendations cannot be derived for Austria´s fiscal consolidation strategy.
Interestingly, these countries adopted or strengthened a medium-term policy
framework, anchoring fiscal policy on spending rules, where automatic
stabilisers are allowed to freely respond on the revenue side. Austria´s fiscal
policy – while at the same time following more long-run strategic objectives -
could benefit from such an approach. It should then become more difficult to
conduct a short-term oriented discretionary budget policy. To be successful,
federal responsibilities have to be carefully analysed and become an integral
part of a reform in order to eliminate misplaced incentives for sub-national
governments.
*) Mag. Peter Brandner, Institut für
Höhere Studien (IHS), Wien
Breuss*)
Fiskaldisziplin und Wachstum in der Wirtschafts- und Währungsunion - Ein
Kommentar zu Jürgen von Hagen
Der Stabilitäts- und Wachstumspakt (SWP), der die Fiskaldisziplin in der
WWU regelt, ist in jüngster Zeit in arge Bedrängnis geraten. Zum einen hat die
anhaltende Konjunkturschwäche in Europa dazu beigetragen, zum scheinen selbst
die größten Euro-Länder derzeit nicht imstande oder willens zu sein, sich
ganz an die Spielregeln zu halten. In dem vorliegenden Kommentar wird die These,
wonach der SWP nicht der Hauptgrund für die Budgetsanierungen in den EU-Staaten
war, hinterfragt. Weiters wird darauf eingegangen, inwieweit Fiskaldisziplin das
Wirtschaftswachstum tangiert, sowie mögliche Reformen des SWP andiskutiert.
Fiscal Discipline and Growth in the European Monetary Union:
A Comment
The Stability and Growth Pact (SGP) is in discussion – not only because
of the economic slowdown but also because some important EMU countries are under
pressure to meet the targets of the SGP. In this comment the view of Mr. Hagen
that the SGP is not the main reason for consolidation of public budgets is
questioned. In a second step the link between fiscal discipline and economic
growth is analyzed and finally possible changes of the SGP are presented.
*) Univ.Prof. Dr. Fritz Breuss,
Forschungsinstitut für Europafragen, Wirtschaftsuniversität Wien;
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), Wien
Dürnecker/Zagler*)
Long-run growth implications of government expenditures in Austria
This paper investigates the impact of four distinct public expenditure
categories, education spending, research and development expenditures, public
infrastructure investment, and investment subsidies on the long-run growth
performance of the Austrian economy. We obtain a point estimator for the impact
on the economic growth rate of a one percentage point increase in infrastructure
investment of 0.32. We find a cumulated effect on the growth of a one percent
annual increase in education expenditures of 0.25 over ten years and 0.63 over
25 years. A one percentage point increase in the share of public research and
development expenditures increases output by 0.57 percent over the next ten
years and 1.43 percent over the next 25 years, whereas a one percentage point
increase in investment subsidies would only lead to a cumulated effect of 0.01
and 0.04 respectively.
Langfristige Wachstumseffekte von Staatsausgaben in Österreich
Gegenstand dieses Beitrags ist die quantitative Bestimmung der Wirkung
von vier unterschiedlichen Staatsausgabenkategorien auf die langfristige
Wachstumsrate Österreichs. Diese Kategorien sind Investitionen in öffentliche
Infrastruktur, Ausgaben für Forschung und Entwicklung, Bildungsausgaben und
Investitionsförderungen. Eine Erhöhung der Wachstumsrate öffentlicher
Infrastrukturinvestitionen um einen Prozentpunkt steigert das
Wirtschaftswachstum um 0,32 Prozentpunkte. Der kumulierte Wachstumseffekt einer
einprozentigen Erhöhung der Bildungsausgaben kann über 10 Jahre mit 0,25 und
über 25 Jahre mit 0,63 Prozentpunkte höheres Wirtschaftswachstum quantifiziert
werden. Eine Steigerung der Forschungsquote um einen Prozentpunkt führt im
selben Zeithorizont zu einem kumulierten Effekt von 0,57 bzw. 1,43 und eine
einprozentige Erhöhung der Investitionsförderungen resultiert in einer
kumulierten Wachstumssteigerung von lediglich 0,01 bzw. 0,04.
*) Georg Dürnecker, Studienassistent,
Wirtschaftsuniversität Wien
Univ.Doz. Dr. Martin Zagler, Wirtschaftsuniversität Wien; Freie Universität
Bozen
Fink/Haiss*)
Industry Disequilibrium: Why banks fall prey to the "New Economy"
and other business bubbles
Building on concepts derived from organisational behaviour, finance and
regulatory economics, we argue that the reason why the banking industry put so
much good money after "The New Economy Craze" lies in the incentives
at work. A too rigid regulatory framework puts the banking industry in
disequilibrium with competing, less regulated industries and facilitates herding
behaviour. We conclude that the regulatory approach needs to be changed and that
banks should build conflict stages into their decision making process.
"Warum Banken auf die "new economy" und andere
ökonomische Blasen hereinfallen"
Banken haben weltweit mit hohen Kreditvolumina in die "new
economy"-Blase investiert. Basierend auf Konzepten aus den Gebieten
Regulierungsökonomie, Finanzierung und Organisationsheorie argumentieren wir,
dass dieses im Zeitverlauf immer wieder zu beobachtende kollektive Fehlverhalten
der Branche durch fehlgeleitete Anreizsysteme begründet ist. Das zu rigide
Regulierungs-Regelwerk benachteiligt Banken gegenüber konkurrierenden, weniger
streng regulierten Finanzmarktsegmenten und fördert ein
"herdenartiges" Ausweichverhalten der Banken. Regulierungsseitig
schlagen wir zur Lösung vor, statt immer enger werdender Regelwerke den Banken
wiederum mehr Freiräume zu gewähren. Bankseitig schlagen wir den Einbau von
Konflikmechanismen in den Entscheidungsprozess vor, um derlei Fehlentscheidungen
vorzubeugen.
*) Univ.Prof. Dr. Gerhard Fink, Jean
Monnet Professor, Forschungsinstitut für Europafragen, Wirtschaftsuniversität
Wien
Mag. Dr. Peter R. Haiss, MBA (UIUC), Mitarbeiter der Bank Austria –
Creditanstalt; Lektor am Institute of European Studies, Wirtschaftsuniversität
Wien
Frisch/Hauth*)
Wachstumsstrategien für Österreich im finanzpolitischen Rahmen der EU
Dieser Beitrag zeigt Wege zur Erhöhung der langfristigen Wachstumsrate
des BIP für Österreich auf. Im Rahmen einer Wachstumsstrategie kommt den
öffentlichen Haushalten eine wichtige Rolle zu, da sie das Wachstums- und
Beschäftigungspotenzial über die Höhe und Struktur der Ausgaben und Einnahmen
beeinflussen können. Nach Einschätzung der Autoren liegen die
Hauptschwerpunkte einer wachstumsfördernden Budgetpolitik in Österreich in der
Reduzierung der hohen Belastung mit Steuern und Sozialabgaben, in der Reform der
Sozialsysteme, in der Förderung von Investitionen in Sach- und Humankapital und
in der weiteren Deregulierung der Güter- und Arbeitsmärkte. Für solche
Reformvorhaben sind allerdings die budgetären Spielräume zu schaffen. Diese
sind in Österreich im Wesentlichen nur durch eine einschneidende
Verwaltungsreform und durch effizienzsteigernde Maßnahmen im Bereich der
Transferzahlungen zu erreichen.
Growth Strategies for Austria in the Fiscal Policy Framework of the EU
This paper presents approaches to improving the long-term GDP growth rate
for Austria. General government budgets have a key role to play in a growth
strategy, as they may impact on the growth and employment potential depending on
the size and structure of expenditures and revenues. According to the authors, a
growth-promoting budget policy in Austria has to focus on reducing the heavy
burden of taxes and social contributions, reforming social security systems,
promoting investment in physical and human capital and further deregulating the
product and labor markets. However, to implement such reforms, there has to be
room for discretion in budgetary matters. In Austria, this would inevitably
translate into a fundamental administrative reform and measures geared toward
increasing the efficiency of transfer payments.
*) Univ.Prof. DDr. Helmut Frisch,
Staatsschuldenausschuss, Wien
Mag. Eva Hauth, Staatsschuldenausschuss, Wien
Getzner/Oberlercher*)
Small museums and the regional economy: an Austrian case study
The regional economic impact of museums and other cultural activities
regarding production (value added) and employment is in the center of a
long-running debate in cultural economics. However, there are only very few
empirical studies dealing with the economic consequences of expenditures of
visitors of museums in Austria. Furthermore, the individual economic value of a
museum visit is unclear as no study regarding the willingness to pay of visitors
has been done so far. The present paper presents empirical evidence, first, on
the significance of the regional economic impact of visitors’ expenditures
elicited in a visitors’ survey by applying a regional multiplier model. It
turns out that there might be significantly positive effects on the regional
economy. Second, the visitors’ survey has also been used to value the museum
experience in terms of the visitors’ willingness to pay an admission fee.
While visitors actually paid € 1.1 on average for the admission fee, they
would be willing to pay up to € 7.8 after having seen the exhibition.
Econometric estimations show that the willingness to pay (WTP) closely
correlates to the respondent’s income, his/her perception of the quality of
the museum and the admission fee already paid. The latter is empirical evidence
of the so-called "anchoring effect", i.e. responses to WTP questions
often depend on information about costs or already paid admission fees.
Regionalwirtschaftliche Auswirkungen kleiner Museen: eine
österreichische Fallstudie
Die regionalwirtschaftlichen Auswirkungen auf die Wertschöpfung und
Beschäftigung durch Museen und andere kulturelle Aktivitäten stehen im Zentrum
langjähriger kulturökonomischer Forschungen. Allerdings sind für Österreich
nur sehr wenige empirische Untersuchungen durchgeführt worden, die die
ökonomischen Wirkungen der Ausgaben der Besucher/innen von Museen erfassen.
Auch die individuelle ökonomische Wertschätzung für einen Museumsbesuch
bleibt im Dunkel, da keine Untersuchungen über die Zahlungsbereitschaft für
einen Museumsbesuch bestehen. Der vorliegende Beitrag präsentiert, erstens,
empirische Ergebnisse der ökonomischen Auswirkungen der Ausgaben der
Museumsbesucher/innen basierend auf einer Besucherbefragung eines lokal
bedeutsamen Volkskundemuseums, welche hinsichtlich ihrer regionalen
Multiplikatorwirkungen analysiert werden. Es stellt sich heraus, dass
signifikante regionalwirtschaftliche Auswirkungen zu erwarten sind. Zweitens
werden die Ergebnisse der Besucherbefragung hinsichtlich der individuellen
Zahlungsbereitschaft für einen Eintrittspreis evaluiert. Dem tatsächlich
gezahlten Eintrittspreis in Höhe von rund 1,1 € pro Person steht im Mittel
eine maximale Zahlungsbereitschaft von 7,8 € gegenüber. Ökonometrische
Analysen zeigen hierbei, dass die Zahlungsbereitschaft unter anderem vom
individuellen Einkommen, der wahrgenommenen Qualität des Museums, und von dem
bereits gezahlten Eintrittspreis abhängt. Letzteres kann als Hinweis für den
so genannten "Anker-Effekt" angesehen werden (Antworten auf Fragen
nach der Zahlungsbereitschaft hängen von Informationen über Kosten oder
bereits gezahlten Preisen ab).
*) ao. Univ.Prof. Dr. Michael Getzner,
Abteilung für Volkswirtschaftstheorie und –politik, Universität Klagenfurt
Mag. Caroline Oberlercher, Unternehmensberatung TAO, Villach
Hagen*)
Fiscal Discipline and Growth in Euroland - Experiences
with the Stability and Growth Pact
The European Monetary Union (EMU) is a new framework not only for
monetary policy but also for the fiscal policies of its member states. Fiscal
Policy remains a national competence for EMU member states, but under several
constraints. The underlying belief of the EMU is that the stability of the
common currency requires the stability of public finance. The paper explains the
institutional framework for fiscal policies in the EMU by analyzing the
underlying long-run link between fiscal an monetary stability and its
implications on the short term fiscal discipline of EMU member states.
Fiskaldisziplin und Wachstum in der Währungsunion: Erfahrungen mit
dem Stabilitäts- und Wachstumspakt
Mit dem Entstehen der Währungsunion gab es für die teilnehmenden
Länder grundlegende Veränderungen in der Geld- und Fiskalpolitik. Die
Kompetenz für die Geldpolitik wurde der Europäischen Zentralbank übertragen.
Die Fiskalpolitik ist zwar weiterhin eine nationale Angelegenheit, jedoch sind
die Länder zur Einhaltung der Maastricht-Kriterien verpflichtet. Der dahinter
liegende Gedanke ist, dass eine stabile europäische Währung langfristig
stabile Finanzen in den teilnehmenden Staaten bedingt. Der Beitrag befasst sich
mit dem institutionellen Rahmen der Währungsunion und untersucht anhand einer
empirischen Analyse dessen Wirkung auf die Budgetdisziplin der Mitglieder der
Währungsunion.
*) Prof. Dr. Jürgen von Hagen, Zentrum
für Europäische Integrationsforschung, Rheinische
Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn
Köhler-Töglhofer*)
The Impact of fiscal Policy on Long-run Growth – A few considerations
Public sector activities can have important effects on economic
performance. The financing as well as the spending side may be of importance for
long-term growth. However, the net impact of all the diverse activities of
governments on growth and welfare has generated ongoing discussions among both
policy-makers and academics. While empirical evidence is not uncontroversial,
there is some indication that the disappointing output and employment growth in
some European countries in recent decades is due in part to the rigidities
resulting from a large public sector and generous social programs. While from
the theoretical perspective it is reasonably clear that fiscal policy can impact
long-run growth, the empirical evidence is not unambiguous.
Effekte der Fiskalpolitik auf das langfristige Wachstum - einige kurze
Anmerkungen
Vom öffentlichen Sektor gehen vielfältige Einflüsse auf die
ökonomische Performance einer Volkswirtschaft aus. Sowohl die Struktur als auch
die Höhe der Einnahmen und der Ausgaben des Staates können das
Wachstumspotential beeinflussen. Ob der vom öffentlichen Sektor ausgehende
Nettoeffekt auf das langfristige Wachstum und die Wohlfahrt positiv oder negativ
ist, steht im Zentrum wirtschafts- und fiskalpolitischer Diskussionen. Obwohl
die empirische Evidenz nicht unumstritten ist, gibt es Hinweise darauf, dass die
vergleichsweise schwache Wachstums- und Beschäftigungsperformance Europas in
der letzten Dekade zumindest teilweise auf die hohen Abgaben- bzw.
Ausgabenquoten zurück zu führen ist. Während die endogene Wachstumstheorie
zum Resultat gelangt, dass Fiskalpolitik das langfristige Wachstum beeinflusst,
ist die empirische Evidenz hierzu sehr uneinheitlich.
*) Mag. Dr. Walpurga Köhler-Töglhofer,
Gruppenleiterin Realwirtschaftliche Analysen, Abteilung für
volkswirtschaftliche Analysen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Wien
Kronberger*)
Budgetpolitik und Wirtschaftswachstum
Der Diskussionsartikel spannt einen weiten Bogen, von der Betrachtung des
Stabilitäts- und Wachstumspakts (SWP), über die optimale Größe des
öffentlichen Sektors für das Wirtschaftswachstum bis hin zu
Budgetkonsolidierungen. (1) Im SWP sind bereits weitreichende Reformen
durchgesetzt, die einen Großteil der Problembereiche entschärfen. Eine weitere
Flexibilisierung des SWP ist nicht zielführend. (2) Ein gewisses Maß an
Reduzierung des öffentlichen Sektors in Österreich dürfte günstige
Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum haben, vorausgesetzt, dass
Ausgabensenkungen von Strukturreformen begleitet werden. (3) Gemäß den
Erkenntnissen der endogenen Wachstumstheorie ist auf ein ausreichendes Niveau
bei öffentlichen Investitionen aufgrund ihrer wachstumsfördernden Wirkung zu
achten.
Budgetary Policy and Economic Growth
The discussion article covers topics like the Stability and Growth Pact (SGP),
the optimal size of the public sector and fiscal consolidation. (1) The SGP has
undergone considerable adjustment, overcoming many criticised drawbacks. A
weakening of the SGP will lead to a further loss of credibility in the euro area.
(2) A reduction of the size of the Austrian public sector has likely a positive
effect on economic growth, although expenditure cuts need to be accompanied by
structural reforms. (3) A certain level in public investments has to be
maintained, even in periods of fiscal consolidation, since endogenous growth
theory confirms a positive link between public investment and economic growth.
*) Dr. Ralf Kronberger,
Abteilung für Finanz- und Handelspolitik, Wirtschaftskammer Österreich, Wien
Lehner*)
Längerfristige Entwicklung der Steuer- und Abgabenquote in Österreich
Die Steuerquote lag in Österreich im Jahre 2000 mit 43,7 % des BIP um
etwa 2 Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt. Sie ist in den neunziger
Jahren um 3,3 Prozentpunkte gestiegen. In den Jahren 2001/2002 nahm sie
weiter zu (2002 44,6 %). Über dem EU-Durchschnitt lagen vor allem die Steuern
von der Lohnsumme und die Sozialversicherungsbeiträge. Die Steuern und Abgaben
von den Löhnen und Gehältern stiegen in den neunziger Jahren von 50,4 % (1990)
auf 61,0 % im Jahre 2000 (einschließlich Lohnsteuer). Die Steuern vom Verbrauch
sanken hingegen von 19,3 % (1990) auf 18,1 % des privaten Konsums im Jahre 2000.
Die globale Aufkommenselastizität des österreichischen Steuersystems (bezogen
auf das nominelle BIP) liegt längerfristig etwas unter Eins (0,95). Das
verursacht einige Probleme auch im Zusammenhang mit der Budgetpolitik.
Long Term Development of the Tax Revenue in Austria
The tax revenue quota (on nominal GDP) was in Austria in 2000 by 2
%points higher than the EU average (Austria 43,7 %; EU 41,6 %). The quota
increased in Austria in the nineties by 3,3 %points. In the years 2001/2002 it
increased further (2002 44,6 %). Above the EU average were especially the pay
roll taxes and the contributions to the social system. The taxes on wages
increased in the nineties from 50,4 % (1990) to 61,0 % (2000). The income tax on
wages is included. The taxes on private consumption were reduced from 19,3 %
(1990) to 18,1 % (2000). The global elasticity of the Austrian tax system was in
the nineties somewhat below 1 (0,95). This causes some problems to the Austrian
budget policy.
*) Dr. Gerhard Lehner,
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), Wien
Leutner*)
Vom "Nulldefizit" zum Rückzug des Staates – eine kritische
Betrachtung aus der Sicht des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB)
Der Aufsatz untersucht aus kritischer Perspektive die Budgetpolitik der
im Februar 2000 gebildeten österreichischen Bundesregierung, insbesondere unter
den Gesichtspunkten der Steuerinzidenz, der Umverteilungseffekte und der
Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum. Die Position von Gewerkschaften und
Arbeiterkammern zur Frage einer Steuerreform 2003 wird dargestellt und
erläutert.
Austria’s fiscal policy since 2000 – a critical view from a union
perspective
This contribution analyses the fiscal policies of Austria’s government
formed in February 2000 from the Autrian Trade Unions point of view. Tax
incidence, effects of redistribution and the consequences for Austria’s
economic growth are evaluated. The position of the Austrian Trade Unions
Federation and of the Austrian Chambers of Labour with regard to a tax reform
2003 is presented and explained.
*) Dr. Richard Leutner,
Leitender Sekretär des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), Wien
Reinisch*)
Ein Insolvenzrecht für Staaten?
Die bisherige Umschuldungspraxis souveräner Schuldner im Rahmen der
Pariser und Londoner Clubs bietet wertvolle Ansätze für ein echtes
internationales Insolvenzrecht. Diese ließen sich kombinieren mit den,
zahlreichen nationalen Verfahrensvorschriften zur Reorganisation privater
Schuldner gemeinsamen Grundsätzen, um so zu einem genuinen völkerrechtlichen
Insolvenzrecht für Staaten zu kommen. Wenngleich man also auf Staatenpraxis und
allgemeinen Rechtsgrundsätzen aufbauen kann, bedarf die Etablierung eines
effektiven Staateninsolvenzrechts jedoch wohl einer völkervertragsrechtlichen
Verankerung.
An Insolvency Law for States?
The practice of rescheduling sovereign debt in the framework of the Paris
and London Clubs offers promising signs for a true international insolvency law.
These traces could be combined with principles common to various national
procedural rules governing the reorganisation of private debtors in order to
arrive at a genuine international insolvency law for States. Though one may thus
build on State practice and general principles of law, the establishment of an
effective State insolvency law appears to require a treaty.
*) ao. Univ.Prof. Dr. August
Reinisch, Völkerrecht und Europarecht, Institut für Völkerrecht und
Internationale Beziehungen, Universität Wien
Rossmann*)
Budgetpolitik der Niederlande, Finnlands und Schwedens - Lehren für
nachhaltige Konsolidierungen? - Ein Kommentar zu Peter Brandner
Für nachhaltige Konsolidierungen der öffentlichen Haushalte ist eine
Unterscheidung zwischen einnahmen- und ausgabenseitigen Maßnahmen nicht
entscheidend. Auch Ausgabendeckelungen sind kein geeignetes Instrument zur
Überwindung von Steuerungsmängeln im Rahmen mehrjähriger Budgetplanungen.
Eine erfolgreiche Konsolidierung erfordert zweierlei: eine Selbstbindung der
Regierung an die strategischen Zielvorgaben und eine Reformstrategie mit einer
Fokussierung auf die Budgetstrukturen ("Structures matter.") sowie auf
eine Neuverteilung der Aufgaben im Bundesstaat. Die Grundsätze einer solchen
Reformstrategie werden skizziert.
Fiscal Policy in the Netherlands, Finland, and Sweden – Lessons for
sustainable consolidations: A comment
The distinction between expenditure and revenue oriented measures is not
decisive for a sustainable budgetary consolidation. Even expenditure caps are
not an appropriate instrument to overcome the shortcomings in controlling medium
term budget plannings. Two different things are necessary for successful
consolidations: self discipline of the government vis-à-vis its strategic aims
and a reform strategy focusing on the budgetary structures ("Compositions
does not matter, but structures do".) as well as a reorientation of the
federal responsibilities. Few principles for such a strategy are roughly
outlined.
*) Mag. Bruno Rossmann,
Wirtschaftswissenschaftliche Abteilung, Kammer für Arbeiter und Angestellte
für Wien
Socher*)
Effizienzverbesserung von Tourismus-Organisationen durch Public Private
Partnership
Die Nachfrage nach touristischen Leistungsbündeln hat heute einen
weltweiten Wettbewerb ausgelöst, während auf der Angebotsseite eine
kleinbetriebliche Struktur der Leistungsträger vorherrscht. Die notwendige
Koordination und Kooperation der kleinen Unternehmen bei der Produktgestaltung
und Werbung durch Tourismusorganisationen muss den neuen Entwicklungen angepasst
werden. Diese Anpassung wird in letzter Zeit häufig durch staatlich angeordnete
Fusionierungen und/oder Privatisierung der bisher öffentlichen Organisationen
versucht. Der Artikel zeigt jedoch, dass öffentliche Beiträge sowohl für die
Erstellung öffentlicher Güter wie für die Internalisierung externer Effekte
bei der Werbung notwendig sind. Deshalb wird eine Public Private Partnership
vorgeschlagen, die ein effizienteres Management von Tourismusorganisationen und
marktnahe Ausgestaltung der Beiträge und ihrer Verwendung garantieren soll.
Public-Private-Partnership for more efficient Tourism Organisations
The demand for tourism products has led to worldwide competition, but on
the supply-side there are many small entreprises in the value chain. The
necessary coordination and cooperation of the small firms in production and
marketing through tourism organisations has to be adapted to the new
developments. In recent times it is often tried to merge and/or privatize
tourism organisations. However, the paper shows, that public levies are
necessary for the production of public goods as well for the internalizing
external effects in marketing. A public-private-partnership is proposed for a
more efficient management of tourism organisations and a market oriented rate
and structure of the levies and their expenditures.
*) em. Univ.Prof. Dr. Karl
Socher, Institut für Wirtschaftstheorie, -politik und –geschichte,
Universität Innsbruck
Wieser*)
Economic Policy Making of Small Open Economies in an International
Institutional Environment
Over the last decades the international framework within which national
economic policies are formulated and conducted has changed dramatically. This
has been due to increased international economic linkages, nowadays called
globalisation. These processes in turn have both been driven by and shaped
international institutions with an economic policy mandate. Formal (or
"nominal") autonomy of small nation states has decreased over time,
whilst for small Euroepan States real autonomy over policy making has actually
increased. In this paper we will look at the way these processes and
institutions have brought about changes for a small open economy such as Austria,
and outline scope for further research.
Wirtschaftspolitische Handlungsspielräume kleiner offener Volkswirtschaften:
eine neue internationale institutionelle Welt
Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben Nationen wesentliche Freiheitsgrade
ihrer wirtschaftspolitischen Autonomie verloren. Österreich ist hiebei ein in
vielerlei Hinsicht interessantes Beispiel: vor dem EU-Beitritt ein hohes Maß an
"nomineller" Autonomie, aber real ein stetiger Verlust an
Handlungsspielräumen. Der EU-Beitritt hat dies umgekehrt; der Verlust an
"nomineller" oder scheinbarer Autonomie wurde mehr als kompensiert
durch den Gewinn an realen Handlungsspielräumen. Der Artikel skizziert eine
Reihe grundsätzlicher Fragen im Rahmen einer neuen polit-ökonomischen
Perspektive, und steckt den Rahmen für weitergehende Untersuchungen ab.
*) Mag. Thomas Wieser, Leiter der
Sektion für Wirtschaftspolitik und Finanzmärkte, Bundesministerium für
Finanzen, Wien
Ansprechpartner
© Letzte Aktualisierung: 29.12.2004