Becker/Kaiser/Wöhler*)
JEL No H 00, H 83
Die Kunst, Komplexität zu reduzieren – Analysieren, Strukturieren und
Fokussieren mit Hilfe der Balanced Scorecard
Das Umfeld, in dem Verwaltungseinheiten agieren, ist zunehmend komplexer
geworden und es wird für Führungskräfte schwieriger, klare und eindeutige
Entscheidungen zu treffen. Sie stehen vor der Herausforderung, dieses hohe Maß
an Komplexität und Vernetzung der Themenfelder in den Griff zu bekommen. Dies
gelingt nicht, indem einzelne Themen ausgeblendet und somit das Problem
vereinfacht wird. Man muss die Vielfalt der Aspekte klar strukturieren und zu
themenverwandten Bereichen zusammenfassen. So werden die Themenfelder fassbar
und analysierbar. In einem zweiten Schritt kann man die Abhängigkeiten zwischen
den Themen im Detail betrachten und strategische Lösungen finden. Wer
durchgängiges Komplexitätsmanagement durch den Einsatz der BSC betreibt, wird
die Komplexität in den Politikbereichen reduzieren und beherrschen können.
The Art of Reducing Complexity – Analysing, Structuring and Focusing with
the Balanced Scorecard
The background in which administrative units act becomes increasingly complex.
The management has serious problems to come to clear and unambiguous decisions.
It is the challenge of our time to cope with this high degree of complexity and
linked topics. Simplifying the problem by not taking into account the variety of
subjects is not the solution. The solution is rather to define a clear structure
and to identify clusters of related topics. This will enable an integrated and
in-depth analysis of the different political responsibilities. As a next step
the dependencies between the different clusters have to be analyzed in detail
and furthermore strategic solutions have to be found. The balanced scorecard –
used as a tool for sustainable and integrated complexity management – can help
to reduce and control complexity among the various fields of political
responsibility.
*) Dr. Ralf Becker, Partner der Horváth AG,
Mag. Markus Kaiser, Partner der Horváth AG und Geschäftsführer der
Horváth & Partner Management Consulting GmbH, Wien
Dr. Barbara Wöhler, Senior Project Manager der Horváth & Partner
GmbH, München
Beyrer/Schneider/Taglieber*)
JEL No F 00, F 43, N 10, N 14, O 52, P 49
Österreich – 10 Jahre EU-Mitgliedschaft – Ein Themenaufriss
In diesem Beitrag wird in Wort und Bild die wirtschafts- und
gesellschaftspolitische Entwicklung Österreichs seit dem Beitritt zur
Europäischen Union präsentiert. Anlass ist das 10. Jubiläum unserer
Volksabstimmung über diesen historischen Schritt in der österreichischen
Geschichte. Österreich hat sich in diesen zehn Jahren gewaltig entwickelt.
Wirtschaftlich hat der Beitritt zusätzliche Impulse für Wirtschaftswachstum
und Beschäftigung gebracht.
Austria – 10 years as a member of the European Union – a socio-economic
review
This contribution is a formidable presentation of Austria’s socio-economic
development since joining the European Union (EU). The motivation for this
review comes in lieu of the 10th anniversary of the Austrian referendum on this
decisive step in the nation’s history. Austria has developed impressively in
these past 10 years. Membership in the EU has fostered many aspects of economic
growth and employment.
*) Mag. Markus J. Beyrer, Abteilungsleiter, Stabsabteilung
Wirtschaftspolitik, Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Wien,
Dr. Christoph M. Schneider, Stabsabteilung Wirtschaftspolitik, Wirtschaftskammer
Österreich (WKÖ), Wien,
Mag. Sandra Taglieber, Stabsabteilung Wirtschaftspolitik, Wirtschaftskammer
Österreich (WKÖ), Wien
Breuss*)
JEL N0 F 15, F 17, F 20, F 41
Wie erfolgreich war die EU-Erweiterung um Österreich, Finnland und Schweden?
Österreich, Finnland und Schweden – alle kleine, hoch entwickelte und reiche
Industriestaaten – entwickelten sich seit dem EU-Beitritt 1995
unterschiedlich. Das reale BIP stieg in Finnland und Schweden rascher als im
EU-Durchschnitt, während Österreich zurückfiel. Andererseits konnte
Österreich seinen vierten Rang im BIP pro Kopf zu Kaufkraftparitäten halten,
während Finnland (von Platz 10 in 1995 auf Platz 11 in 2003) und Schweden (vom
7. auf den 12. Platz) zurückfielen. In einer Volksabstimmung hat Schweden im
September 2003 die Einführung des Euro abgelehnt, während die beiden anderen
Länder Mitglieder der Eurozone sind. Modellsimulationen zeigen, dass Finnland
am meisten von der EU-Mitgliedschaft profitiert haben dürfte (+0,8
Prozentpunkte mehr Wirtschaftswachstum pro Jahr seit 1995), gefolgt von
Österreich (+0,4 %) und Schweden (+0,3 %).
How successful was EU’s enlargement by Austria, Finland and Sweden?
Austria, Finland and Sweden – all small highly developed and rich
industrial countries – entered the EU in 1995. Their macroeconomic performance
since then was quite different. Real GDP in Finland und Sweden increased faster
than in EU average, while those of Austria fell back. On the other hand Austria
kept its fourth rank in GDP per capita (at PPP), while Finland (from rank 10 to
11) and Sweden (from number 7 to number 12) lost ground. In a referendum in
September 2003 Sweden refused to take over the Euro, whereas the other two
countries are members of the euro zone. Ex post model simulations indicate that
Finland appears to have profited most from EU membership (0.8 percentage point
greater annual GDP growth since 1995), followed by Austria (+0.4 percent) and
Sweden (+0.3 percent).
*) Univ. Prof. Dr. Fritz Breuss, Forschungsinstitut für Europafragen,
Wirtschaftsuniversität Wien; Österreichisches Institut für
Wirtschaftsforschung (Wifo), Wien
Damianisch*)
JEL No F 00, F 02, L 00, L 11
Zukunftsperspektiven der österreichischen Industrie – Industriepolitik nach
10 Jahren EU-Mitgliedschaft im Europa der 25
Mit dem Beitritt Österreichs und in der Folge auch mit der Euro-Einführung hat
sich das ökonomische Umfeld für die österreichische Industrie gravierend
verändert. Insgesamt war die Entscheidung für einen Beitritt eine
unerlässliche Maßnahme der Industriepolitik. Viele wirtschaftspolitische
Entscheidungen wären in Österreich nicht in jene Richtung getroffen worden,
wie wir sie aufgrund des vorgegebenen Liberalisierungsdrucks letztlich
verzeichnen konnten. Wenngleich die Europäische Union in manchen
Politikbereichen derzeit zu industriefeindlichen Facetten neigt, ist doch
insgesamt eine gedeihliche Entwicklung der österreichischen Industrie ohne die
sich aus dem Beitritt ergebenden Möglichkeiten nicht denkbar. Daher muss alles
daran gesetzt werden, um den Integrationsprozess unter industriepolitischen
Akzentsetzungen weiter zu führen.
Future prospects of the Austrian industry - Industrial policy after 10 years of
EU-membership in Europe of the 25
Since Austria joined the EU, the economic environment changed for seriously the
Austrian industry. From the viewpoint of the Austrian Industry, the decision to
join the EU was essential. Many economic policy decisions would not have been
taken in Austria, especially the general trend to more flexible and liberal
market, e.g. liberalization of the energy markets. Although the European Union
is inclined to industrial-hostile facets within some political fields at present,
nevertheless altogether a positive development of the Austrian industry without
the possibilities resulting from the entry is not conceivable. Therefore there
must be spared no effort in order to continue the process of integration under
industrial political accent.
*) Dr. Wolfgang Damianisch, Geschäftsführer, Bundesparte Industrie,
Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Wien
Fischler*)
JEL No F 00, F 02, F 15, F 4, G 00, H 2, I 2
10 Jahre Mitgliedschaft – Bewertung aus Sicht der Europäischen Kommission
66,4 % der Österreicher haben bei der EU-Abstimmung 1994 "ja" zu
Europa gesagt. Damit wurde eindrucksvoll bewiesen, dass die Österreicher dazu
bereit sind, über die Ufer der vermeintlichen "Insel der Seligen"
hinauszublicken. Während sich aber die österreichische Wirtschaft mit dem
EU-Zug schon längst auf Erfolgskurs befindet, scheinen manche Zweifel zu haben,
ob sie im richtigen Zug sitzen und andere von der Abfahrt des Zuges noch nichts
bemerkt haben. Und bei einigen brisanten politischen Themen wie dem Transit und
der Erweiterung scheint es vielen, dass die EU auf die österreichischen
Empfindlichkeiten zu wenig eingeht. EU-Mitgliedschaft heißt mehr als nur dabei
zu sein. Österreich muss die europäische Politik aktiv mitgestalten. Die
österreichische Wirtschaft ist zu einem voll integrierten Teil einer der drei
großen Handelsblöcke geworden. Wir spielen – direkt oder indirekt – im
Wettbewerb mit den USA und Japan am Weltmarkt mit. Die Einführung des Euro hat
diese Entwicklung zusätzlich verstärkt.
10 Years of EU Membership – An Assessment from the Perspective of European
Commission
In a 1994 referendum 66.4 % of the Austrian population voted for their country
to join the EU. By doing so, the Austrian people showed that they were willing
to look beyond the "limits of their secure haven." While Austria has
long boarded the train to successful economic development, many of its citizens
wonder whether they are on the right train, and others have not yet noticed that
the train has pulled out of the station. Some people fear the EU is not taking
sufficient account of their particularly Austrian concerns regarding contentious
political issues such as transit and enlargement. Membership means more than
just being one of the group. Austria must actively participate in developing EU
policy. The Austrian economy has become an integral part of one of the three
major economic global powers. Now we more or less directly or indirectly play a
role in forming Europe's international competitiveness versus the USA and Japan.
The introduction of the Euro has accentuated this development.
*) Dr. Franz Fischler, Kommissar, Mitglied der Europäischen Kommission,
Brüssel
Heindl*)
JEL No F 00, F 02, L 00, L 11
10 Jahre Mitgliedschaft – Veränderungen im Handwerk und Gewerbe
Vor 10 Jahren hat das österreichische Handwerk und Gewerbe den Beitritt zur
Europäischen Union mit gemischten Gefühlen wahrgenommen und
wettbewerbsverzerrende Auswirkungen befürchtet, die nicht oder nur in einem
sehr eingeschränkten Ausmaß eingetreten sind. Vielmehr war man überrascht,
dass die Kommission sehr konsequent die Einhaltung der europäischen Richtlinien
einfordert. Weder die Entwicklung der Verkaufspreise und des Umsatzes, die seit
1995 deutlich geringere Zuwachsraten verzeichneten, noch die um mehr als 10 %
steigende Zahl der Beschäftigten lässt sich eindeutig auf den Beitritt
zurückführen. Die wirtschaftliche Entwicklung in den einzelnen Sektoren
gestaltete sich unterschiedlich und dort am schwierigsten, wo nationale
Regelungen einen offenen Markt bis zum EU-Beitritt verhinderten. Eine wichtige
Rolle spielt die Interessenvertretung auf europäischer Ebene im Rahmen der
UEAPME.
10 years membership – changes in craft and trade
10 years ago the Austrian small and medium sized enterprises within the crafts
and trade division experienced the accession of Austria to the European Union
with mixed feelings, especially concerning unfair competition. However, contrary
to all expectations, the entrepreneurs were surprised to see that the European
Commission was determined to enforce European Directives on a consequent basis.
Neither the only small increase of selling prices and turnover since 1995 nor
the 10 % increase of employees can be explained with Austria’s entry to the
EU. Within each section of the crafts and trade division economic development
was different and turned out to be extremely difficult in those branches that
were protected by national law. Defending SME interests is an important issue
within the framework of the UEAPME on European level.
*) Mag. Helmut Heindl, Geschäftsführer, Bundesparte Gewerbe und Handwerk,
Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Wien
Kann*)
JEL No G 00, O 40, G 2
Plädoyer für Start Up Finanzinnovationen – Implikationen von Basel II auf
Start Up Finanzierungen
Untersuchungsgegenstand dieses Artikels ist die Frage, wie europäische
Bankinstitute, Venture Capital Gesellschaften bzw. Inkubatoren gemeinsam mit
europäischen Start Up Vertretungen/Verbänden, vor dem Hintergrund von Basel II
ab 2007, an die Herausforderungen von Existenzgründungsfinanzierungen
herangehen sollten. Auf der Basis von aktuellen Dokumenten und Berichten des
europäischen Parlaments wird der Autor die Grundlagen und Neuerungen durch
Basel II für Existenzgründer erläutern, um im Anschluss Vorschläge für
innovative Finanzinnovationen abzuleiten, die weiterhin eine effiziente
Finanzierung von jungen Unternehmen ermöglichen.
Pleading for Start-up financial innovations – Implications of Basel II on
Start-up financing
The goal of this paper is to investigate how the European Banking Institutions,
the European Venture Capital/Incubator Businesses and the European
Entrepreneurial environment should challenge together the consequences of Basel
II for Start-up financing from 2007 onwards. Based on the existing documents and
outlines of the European Parliament the author will present the fundamental
changes affected by Basel II on Start-up financing, in order to be able to
derive new conclusions for financial innovations supporting continuing efficient
funding for entrepreneurs.
*) Mag. Johann Sebastian Kann, Gesellschaft für Management Grundlagenforschung
e.V., Wien
Leitl*)
JEL No F 00, F 02, F 15
10 Jahre Mitgliedschaft – Bewertung aus Sicht der Arbeitgeber
Die Vorteile der EU-Mitgliedschaft und der Wegfall von Beschränkungen zum
Binnenmarkt haben der heimischen Wirtschaft sehr genützt. Die Integration in
den Binnenmarkt brachte für alle Branchen – mit wenigen Ausnahmen –
Vorteile. Verstärkt wurde der positive Trend durch die EU-Erweiterung um 10
Länder am 1. Mai 2004. Die Exporte in diese Region boomten, die
österreichischen Direktinvestitionen in diese Länder erreichten Rekordwerte.
Österreich zählt in seinen Nachbarländern zu den größten Investoren.
Österreich wird in der Union von 25 Staaten nicht mehr an der Peripherie
liegen, sondern im Zentrum Europas, noch dazu mit stark wachsenden Märkten vor
der eigenen Haustüre. Durch die Maastricht-Kriterien wurde die notwendige
Budgetkonsolidierung eingeleitet. Längst notwendige Strukturreformen und
Liberalisierungen wurden in Angriff genommen, mit dem Ziel, die
Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft im internationalen Kontext zu
stärken. Die wichtigste Voraussetzung dazu wurde mit dem "Ja" zur
EU-Mitgliedschaft am 12. Juni 1994 geschaffen.
10 Year EU Membership – An Assessment from the Employers Point of View
Austrian companies have benefited from EU-Membership and especially from the
removal of trade barriers and border control. The integration into the internal
market was very beneficial for most sectors in Austria. This positive trend was
accelerated in view of EU-enlargement by 10 new countries in May 2004. There was
a boom of Austrian exports and direct investments in this region – our country
ranks among the largest investors in those countries. In a Union of 25 countries
Austria will be located not anymore at the edge but in the centre of Europe with
booming countries just across the border. To reach the Maastricht-criteria a
consolidation of the budget deficit and structural reforms had to be introduced
to improve the competitiveness of the Austrian economy. The most important
decision on all these changes was taken in the EU referendum on 12th June 1994.
*) Dr. Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ),
Wien
Mandl*)
JEL No F 00, F 02, F 13
10 Jahre Europäische Interessenvertretung durch die WKÖ
Die Mitgliedschaft Österreichs in der Europäischen Union führte zu einer
Umorientierung der Interessenvertretung seitens der Wirtschaftskammer
Österreich. Im Vorfeld des EU-Beitritts wurden wichtige politische und
rechtliche Weichenstellungen für die Einbindung in den österreichischen
Meinungsbildungsprozess sowie die Einbindung in die europäischen Institutionen
und Verbände getroffen. Außerdem mussten innerhalb der WKÖ die
Arbeitsabläufe umgestaltet werden. Insgesamt brachte der EU-Beitritt keine
Schwächung des Einflussbereichs der WKÖ, sondern lediglich eine Verlagerung
auf eine andere Ebene.
10 years of european representation of interests by the Austrian Federal
Economic Chamber
Austria's membership in the European Union led to a re-orientation of the
lobbying policy. Important political and legal decisions have already been made
before entering the EU to ensure the Chamber's participation in the decision
making process of Austria as well as for its integration in European
institutions and business associations. Furthermore, the working processes
within the Austrian Federal Economic Chamber had to be re-organised. Overall, EU
accession did not result in a weakening of the influence of the Austrian Federal
Economic Chamber but to a shift to another level of lobbying.
*) MMag. Christian Mandl, Abteilungsleiter, Stabsabteilung Eu-Koordination,
Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Wien
Mraz/Sturzeis*)
JEL N0 F 00, F 02, L 00, L 11
10 Jahre Mitgliedschaft – Veränderungen im Handel
Die Vorteile der EU-Mitgliedschaft für den österreichischen Handel sind
beachtlich. Der Wegfall der Grenzkontrollen, der Entfall der Grenzwartezeiten
und Grenzformalitäten und die Erschließung neuer Absatzmärkte haben schon im
Zuge des EU-Beitritts Österreichs die heimischen Handelsunternehmen
wettbewerbsfähiger gemacht und sind auch im Hinblick auf die EU-Erweiterung
erfreulich. Die größte Herausforderung für den Handel seit dem EU-Beitritt
war die Einführung des Euro, der den Handelsunternehmen einerseits den Ein- und
Verkauf im Ausland erleichterte, andererseits den Konkurrenten aus dem Ausland
neue Marktchancen im Inland eröffnete. Kritisch zu vermerken ist, dass in den
letzten 10 Jahren die Normenflut und die Komplexität europäischer Regelungen
stark zugenommen haben, sodass es für die Handelsunternehmen kaum mehr möglich
ist, die Vorgaben zu erfüllen.
10 Years Membership in the European Union - Changes in the Austrian Trade Sector
The benefits of the EU-membership for the Austrian trade sector are remarkable.
The abolition of the border controls, the discontinuation of the waiting period
at the border and the abolition of the border and clearing formalities were
substantial for the Austrian traders' competitiveness, when Austria entered in
the European Union in 1995, and are important in the framework of the
enlargement. The biggest challenge for the Austrian trade sector was the
introduction of the Euro. On one hand the Euro simplified the purchase and sale
abroad, on the other hand foreign competitors had the opportunity to develop the
Austrian market. In the last ten years the number of European regulations and
the complexity of legal norms increased enormously, so that many enterprises are
not able to perform all regulations.
*) Dr. Hannes Mraz, Geschäftsführer, Bundesparte Handel, Wirtschaftskammer
Österreich (WKÖ), Wien,
Mag. Iris Sturzeis, Bundesparte Handel, Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ),
Wien
Pistauer*)
JEL No F 00, F 02, F 13
10 Jahre Interessenvertretung in Brüssel – Das EU-Büro der Wirtschaftskammer
als Lobbyist der österreichischen Wirtschaft
Die WKÖ verfügt bereits seit 1989 über ein eigenes Büro in der Ständigen
Vertretung Österreichs in Brüssel, das mit der Vertretung österreichischer
Wirtschaftsinteressen auf europäischer Ebene betraut ist. Dem Faktum, dass mehr
als 70 Prozent der wirtschaftsrelevanten Gesetzgebung in Brüssel ihren Ausgang
nehmen, wird durch eine proaktive Begleitung dieser Legislativvorhaben Rechnung
getragen. Daneben ist das EU-Büro der WKÖ aktiv bei der Verfolgung von
Binnenmarktproblemen, erteilt Rechtsauskünfte, verfolgt die EU-Förderprogramme
und engagiert sich in diversen Ausbildungsprogrammen. Im Vordergrund steht die
Zusammenarbeit bei wirtschaftsrelevanten Themen mit den europäischen
Institutionen sowie europäischen und nationalen Verbänden. Dazu hat die WKÖ
in Brüssel ein Netzwerk aufgebaut, das in die Institutionen, Verbände,
Ländervertretungen und die Privatwirtschaft reicht. Wichtige Stütze bei dieser
Arbeit sind die institutionalisierten Informationsschienen, das tägliche
EU-Today und der wöchentliche EU-Newsflash. Das EU-Büro der Wirtschaftskammer
Österreich hat in Brüssel unter den Lobbyisten für Österreich eine starke
Position eingenommen.
10 years lobbying in Brussels: The EU Office of the Austrian Federal Economic
Chamber
Already since 1989 the Austrian Federal Economic Chamber has been an integrated
part of the Permanent Representation of Austria to the EU, charged with the
representation of the Austrian economic interests. The fact that more than 70
per cent of legislative acts that have an impact on the economy have their roots
in Brussels is acknowledged through a proactive following of these legislative
acts. Furthermore, the EU office of the Austrian Federal Economic Chamber is
actively engaged in the observation of the internal market and EU assistance
programmes, providing legal advice and assisting educational programmes.
Foremost is the cooperation on economy-related subjects with European
institutions as well as European and national interest groups. The Austrian
Federal Economic Chamber has established a network in Brussels that reaches into
the institutions, interest groups, federal representations as well as private
enterprises. Valuable tools as institutionalised information channels are the
daily "EU-Today" and the weekly "EU-Newsflash". The EU
office of the Austrian Federal Economic Chamber has taken up a strong position
among Austrian lobbyists.
*) Dr. Stefan Pistauer, Handelsdelegierter, EU-Büro Brüssel der
Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ)
Schwarzböck*)
JEL N0 F 00, F 02, Q 00, Q 28
Zehn Jahre EU-Mitgliedschaft aus Sicht der österreichischen Landwirtschaft
Der Beitritt zur Europäischen Union brachte für kaum einen anderen
Wirtschaftszweig größere Veränderungen als für die Landwirtschaft. Als
EU-Drittland war der Zutritt zu den kaufkräftigen Märkten in der EU nahezu
verwehrt, umgekehrt wurde die kleinstrukturierte heimische Land- und
Lebensmittelwirtschaft vor marktstörenden Importen weitgehend geschützt,
wodurch die Wettbewerbsfähigkeit nicht gefördert wurde. Währungsschwankungen,
BSE-Krise und andere Futtermittelskandale, WTO-Verhandlungen und bilaterale
Handelsabkommen, die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik und die Erweiterung der
EU kennzeichneten unter anderem die ersten zehn Jahre der Mitgliedschaft
Österreichs in der Europäischen Union.
10 Years EU-Membership – From the Viewpoint of the Agricultural Sector
Among all economic activities in Austria, agriculture has been subject to
the most change since the country’s accession to the European Union. On the
one hand, there was essentially no access to the pool of potent EU consumers as
a non-member. On the other hand, the small structures of the domestic agro-food
market were protected against disruptive effects of foreign imports, which
certainly did nothing to promote the competitiveness of Austria’s agricultural
sector. In the ten years of Austrian EU membership much has influenced its
agriculture, such as: exchange rate fluctuations, BSE and other crisis, WTO and
bilateral trade agreements, reform of the common agricultural policy and another
phase of EU enlargement.
*) Rudolf Schwarzböck, Vorsitzender der Präsidentenkonferenz der
Landwirtschaftskammern Österreichs, Wien
Tumpel*)
JEL No F 00, F 02, F 13, F 15
Baustelle Europa – Eine Bilanz aus Arbeitnehmersicht
Das Projekt der europäischen Integration zielte auf Friedenssicherung durch
wirtschaftliche Kooperation. Die Wirtschaftspolitik der EU ist von der
Vorstellung geleitet, dass zur Erreichung eines hohen Wohlstands- und
Beschäftigungsniveaus eine Verringerung staatlicher Einflüsse und darauf
aufbauend die Ausdehnung marktwirtschaftlicher Prozesse auf den Großteil der
Wirtschaft erforderlich sind. Dieser Vorstellung folgen sowohl das
Binnenmarktprojekt als auch die Konzeption der gemeinsamen europäischen
Währung. Die Dominanz einer restriktiven Wirtschaftspolitik und der unfaire
Steuerwettbewerb innerhalb der EU machen die Verwirklichung des sozialen Europas
unmöglich. Trotz der ambitionierten Ziele des Lissabon-Prozesses und der
europäischen Beschäftigungsstrategie ist die Arbeitslosigkeit in Europa nach
wie vor auf einem untragbar hohen Niveau.
Europe in transition – As seen from the employee’s viewpoint
The aim of the European integration project was to secure peace through economic
co-operation. The EU’s economic policy is guided by the notion that a
reduction in state intervention and in turn the expansion of market economy
processes to a large part of the economy is necessary in order to achieve a high
level of prosperity and employment. The single market project as well as the
idea of a common European currency follow this notion. The dominance of a
restrictive economic policy and unfair tax competition within the EU make it
impossible to realise a social Europe. Despite the ambitious aims of the Lisbon
process and the European employment strategy, unemployment in Europe is still at
an unacceptably high level.
*) Mag. Herbert Tumpel, Präsident der Bundesarbeitskammer, Wien
Verzetnitsch*)
JEL No F 00, F 02, F 13
10 Jahre EU-Mitgliedschaft
Für den ÖGB war von Anfang an klar, dass die Integration Österreichs eine
große Herausforderung darstellte, damit der Beitritt keine negativen
Auswirkungen sozial- und beschäftigungspolitischer Natur mit sich bringt. Das
Europa-Abkommen der Regierung aus dem Jahr 1994 war dabei ein wichtiger Beitrag
für eine soziale Gestaltung des Beitrittsprozesses Österreichs. Hauptanliegen
des ÖGB seither ist ein EU-Vertrag, der über die ökonomische Dimension
hinausgeht und die EU zu einer Sozial- und Beschäftigungsunion
weiterentwickelt. Bis heute wurden zahlreiche Schritte in diese Richtung
gesetzt. Trotz dieser zahlreichen positiven Verbesserungen gerät die soziale
und beschäftigungsfreundliche Entwicklung ins Stocken. Insbesondere in den
letzten Jahren ist Wirtschafts- und Sozialpolitik von einer neoliberalen
Orientierung gekennzeichnet, die zunehmend Sozialabbau und soziales Dumping
unter den Mitgliedstaaten fördert. Vorrangigstes Ziel für den ÖGB für die
Zukunft ist daher, diese Schieflage wieder ins richtige Lot zu bringen und für
ein soziales Europa weiterzuarbeiten.
10 Years EU Membership
The Austrian Trade Union Federation (ÖGB) has always seen Austria’s
integration in the European Union as a challenge, particularly considering
potentially negative effects on the labour market and society at large. To this
end, the government’s European Agreement in 1994 was an important contribution
towards developing the social dimension of Austrian membership. Since then, the
ÖGB mainly has called for an EU Agreement that goes beyond basic economic
considerations in order to ensure the EU as a social and employment-friendly
union. In spite of many positive steps in this direction, the path to this goal
seems to be stagnating. The last few years seem to be increasingly characterised
by a neo-liberal orientation that appears to lead to infringements of the
established social systems amongst the member states. The ÖGB’s main future
efforts will concentrate on correcting this imbalance and to continue to work
towards a social Europe.
*) Fritz Verzetnitsch, Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB),
Wien