Wirtschaftspolitische Blätter   2/2004

Die Beiträge kurz skizziert in englischer und deutscher Sprache

 

Becker/Kaiser/Wöhler*)           JEL No H 00, H 83
Die Kunst, Komplexität zu reduzieren – Analysieren, Strukturieren und Fokussieren mit Hilfe der Balanced Scorecard
Das Umfeld, in dem Verwaltungseinheiten agieren, ist zunehmend komplexer geworden und es wird für Führungskräfte schwieriger, klare und eindeutige Entscheidungen zu treffen. Sie stehen vor der Herausforderung, dieses hohe Maß an Komplexität und Vernetzung der Themenfelder in den Griff zu bekommen. Dies gelingt nicht, indem einzelne Themen ausgeblendet und somit das Problem vereinfacht wird. Man muss die Vielfalt der Aspekte klar strukturieren und zu themenverwandten Bereichen zusammenfassen. So werden die Themenfelder fassbar und analysierbar. In einem zweiten Schritt kann man die Abhängigkeiten zwischen den Themen im Detail betrachten und strategische Lösungen finden. Wer durchgängiges Komplexitätsmanagement durch den Einsatz der BSC betreibt, wird die Komplexität in den Politikbereichen reduzieren und beherrschen können.
The Art of Reducing Complexity – Analysing, Structuring and Focusing with the Balanced Scorecard
The background in which administrative units act becomes increasingly complex. The management has serious problems to come to clear and unambiguous decisions. It is the challenge of our time to cope with this high degree of complexity and linked topics. Simplifying the problem by not taking into account the variety of subjects is not the solution. The solution is rather to define a clear structure and to identify clusters of related topics. This will enable an integrated and in-depth analysis of the different political responsibilities. As a next step the dependencies between the different clusters have to be analyzed in detail and furthermore strategic solutions have to be found. The balanced scorecard – used as a tool for sustainable and integrated complexity management – can help to reduce and control complexity among the various fields of political responsibility.
*) Dr. Ralf Becker, Partner der Horváth AG,
Mag. Markus Kaiser, Partner der Horváth AG und Geschäftsführer der Horváth & Partner Management Consulting GmbH, Wien
Dr. Barbara Wöhler, Senior Project Manager der Horváth & Partner GmbH, München

Beyrer/Schneider/Taglieber*)           JEL No F 00, F 43, N 10, N 14, O 52, P 49
Österreich – 10 Jahre EU-Mitgliedschaft – Ein Themenaufriss
In diesem Beitrag wird in Wort und Bild die wirtschafts- und gesellschaftspolitische Entwicklung Österreichs seit dem Beitritt zur Europäischen Union präsentiert. Anlass ist das 10. Jubiläum unserer Volksabstimmung über diesen historischen Schritt in der österreichischen Geschichte. Österreich hat sich in diesen zehn Jahren gewaltig entwickelt. Wirtschaftlich hat der Beitritt zusätzliche Impulse für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung gebracht.
Austria – 10 years as a member of the European Union – a socio-economic review
This contribution is a formidable presentation of Austria’s socio-economic development since joining the European Union (EU). The motivation for this review comes in lieu of the 10th anniversary of the Austrian referendum on this decisive step in the nation’s history. Austria has developed impressively in these past 10 years. Membership in the EU has fostered many aspects of economic growth and employment.
*) Mag. Markus J. Beyrer, Abteilungsleiter, Stabsabteilung Wirtschaftspolitik, Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Wien,
Dr. Christoph M. Schneider, Stabsabteilung Wirtschaftspolitik, Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Wien,
Mag. Sandra Taglieber, Stabsabteilung Wirtschaftspolitik, Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Wien

Breuss*)           JEL N0 F 15, F 17, F 20, F 41
Wie erfolgreich war die EU-Erweiterung um Österreich, Finnland und Schweden?
Österreich, Finnland und Schweden – alle kleine, hoch entwickelte und reiche Industriestaaten – entwickelten sich seit dem EU-Beitritt 1995 unterschiedlich. Das reale BIP stieg in Finnland und Schweden rascher als im EU-Durchschnitt, während Österreich zurückfiel. Andererseits konnte Österreich seinen vierten Rang im BIP pro Kopf zu Kaufkraftparitäten halten, während Finnland (von Platz 10 in 1995 auf Platz 11 in 2003) und Schweden (vom 7. auf den 12. Platz) zurückfielen. In einer Volksabstimmung hat Schweden im September 2003 die Einführung des Euro abgelehnt, während die beiden anderen Länder Mitglieder der Eurozone sind. Modellsimulationen zeigen, dass Finnland am meisten von der EU-Mitgliedschaft profitiert haben dürfte (+0,8 Prozentpunkte mehr Wirtschaftswachstum pro Jahr seit 1995), gefolgt von Österreich (+0,4 %) und Schweden (+0,3 %).
How successful was EU’s enlargement by Austria, Finland and Sweden?
Austria, Finland and Sweden – all small highly developed and rich industrial countries – entered the EU in 1995. Their macroeconomic performance since then was quite different. Real GDP in Finland und Sweden increased faster than in EU average, while those of Austria fell back. On the other hand Austria kept its fourth rank in GDP per capita (at PPP), while Finland (from rank 10 to 11) and Sweden (from number 7 to number 12) lost ground. In a referendum in September 2003 Sweden refused to take over the Euro, whereas the other two countries are members of the euro zone. Ex post model simulations indicate that Finland appears to have profited most from EU membership (0.8 percentage point greater annual GDP growth since 1995), followed by Austria (+0.4 percent) and Sweden (+0.3 percent).
*) Univ. Prof. Dr. Fritz Breuss, Forschungsinstitut für Europafragen, Wirtschaftsuniversität Wien; Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo), Wien

Damianisch*)           JEL No F 00, F 02, L 00, L 11
Zukunftsperspektiven der österreichischen Industrie – Industriepolitik nach 10 Jahren EU-Mitgliedschaft im Europa der 25
Mit dem Beitritt Österreichs und in der Folge auch mit der Euro-Einführung hat sich das ökonomische Umfeld für die österreichische Industrie gravierend verändert. Insgesamt war die Entscheidung für einen Beitritt eine unerlässliche Maßnahme der Industriepolitik. Viele wirtschaftspolitische Entscheidungen wären in Österreich nicht in jene Richtung getroffen worden, wie wir sie aufgrund des vorgegebenen Liberalisierungsdrucks letztlich verzeichnen konnten. Wenngleich die Europäische Union in manchen Politikbereichen derzeit zu industriefeindlichen Facetten neigt, ist doch insgesamt eine gedeihliche Entwicklung der österreichischen Industrie ohne die sich aus dem Beitritt ergebenden Möglichkeiten nicht denkbar. Daher muss alles daran gesetzt werden, um den Integrationsprozess unter industriepolitischen Akzentsetzungen weiter zu führen.
Future prospects of the Austrian industry - Industrial policy after 10 years of EU-membership in Europe of the 25
Since Austria joined the EU, the economic environment changed for seriously the Austrian industry. From the viewpoint of the Austrian Industry, the decision to join the EU was essential. Many economic policy decisions would not have been taken in Austria, especially the general trend to more flexible and liberal market, e.g. liberalization of the energy markets. Although the European Union is inclined to industrial-hostile facets within some political fields at present, nevertheless altogether a positive development of the Austrian industry without the possibilities resulting from the entry is not conceivable. Therefore there must be spared no effort in order to continue the process of integration under industrial political accent.
*) Dr. Wolfgang Damianisch, Geschäftsführer, Bundesparte Industrie, Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Wien

Fischler*)           JEL No F 00, F 02, F 15, F 4, G 00, H 2, I 2
10 Jahre Mitgliedschaft – Bewertung aus Sicht der Europäischen Kommission
66,4 % der Österreicher haben bei der EU-Abstimmung 1994 "ja" zu Europa gesagt. Damit wurde eindrucksvoll bewiesen, dass die Österreicher dazu bereit sind, über die Ufer der vermeintlichen "Insel der Seligen" hinauszublicken. Während sich aber die österreichische Wirtschaft mit dem EU-Zug schon längst auf Erfolgskurs befindet, scheinen manche Zweifel zu haben, ob sie im richtigen Zug sitzen und andere von der Abfahrt des Zuges noch nichts bemerkt haben. Und bei einigen brisanten politischen Themen wie dem Transit und der Erweiterung scheint es vielen, dass die EU auf die österreichischen Empfindlichkeiten zu wenig eingeht. EU-Mitgliedschaft heißt mehr als nur dabei zu sein. Österreich muss die europäische Politik aktiv mitgestalten. Die österreichische Wirtschaft ist zu einem voll integrierten Teil einer der drei großen Handelsblöcke geworden. Wir spielen – direkt oder indirekt – im Wettbewerb mit den USA und Japan am Weltmarkt mit. Die Einführung des Euro hat diese Entwicklung zusätzlich verstärkt.
10 Years of EU Membership – An Assessment from the Perspective of European Commission

In a 1994 referendum 66.4 % of the Austrian population voted for their country to join the EU. By doing so, the Austrian people showed that they were willing to look beyond the "limits of their secure haven." While Austria has long boarded the train to successful economic development, many of its citizens wonder whether they are on the right train, and others have not yet noticed that the train has pulled out of the station. Some people fear the EU is not taking sufficient account of their particularly Austrian concerns regarding contentious political issues such as transit and enlargement. Membership means more than just being one of the group. Austria must actively participate in developing EU policy. The Austrian economy has become an integral part of one of the three major economic global powers. Now we more or less directly or indirectly play a role in forming Europe's international competitiveness versus the USA and Japan. The introduction of the Euro has accentuated this development.
*) Dr. Franz Fischler, Kommissar, Mitglied der Europäischen Kommission, Brüssel

Heindl*)           JEL No F 00, F 02, L 00, L 11
10 Jahre Mitgliedschaft – Veränderungen im Handwerk und Gewerbe
Vor 10 Jahren hat das österreichische Handwerk und Gewerbe den Beitritt zur Europäischen Union mit gemischten Gefühlen wahrgenommen und wettbewerbsverzerrende Auswirkungen befürchtet, die nicht oder nur in einem sehr eingeschränkten Ausmaß eingetreten sind. Vielmehr war man überrascht, dass die Kommission sehr konsequent die Einhaltung der europäischen Richtlinien einfordert. Weder die Entwicklung der Verkaufspreise und des Umsatzes, die seit 1995 deutlich geringere Zuwachsraten verzeichneten, noch die um mehr als 10 % steigende Zahl der Beschäftigten lässt sich eindeutig auf den Beitritt zurückführen. Die wirtschaftliche Entwicklung in den einzelnen Sektoren gestaltete sich unterschiedlich und dort am schwierigsten, wo nationale Regelungen einen offenen Markt bis zum EU-Beitritt verhinderten. Eine wichtige Rolle spielt die Interessenvertretung auf europäischer Ebene im Rahmen der UEAPME.
10 years membership – changes in craft and trade
10 years ago the Austrian small and medium sized enterprises within the crafts and trade division experienced the accession of Austria to the European Union with mixed feelings, especially concerning unfair competition. However, contrary to all expectations, the entrepreneurs were surprised to see that the European Commission was determined to enforce European Directives on a consequent basis. Neither the only small increase of selling prices and turnover since 1995 nor the 10 % increase of employees can be explained with Austria’s entry to the EU. Within each section of the crafts and trade division economic development was different and turned out to be extremely difficult in those branches that were protected by national law. Defending SME interests is an important issue within the framework of the UEAPME on European level.
*) Mag. Helmut Heindl, Geschäftsführer, Bundesparte Gewerbe und Handwerk, Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Wien

Kann*)           JEL No G 00, O 40, G 2
Plädoyer für Start Up Finanzinnovationen – Implikationen von Basel II auf Start Up Finanzierungen
Untersuchungsgegenstand dieses Artikels ist die Frage, wie europäische Bankinstitute, Venture Capital Gesellschaften bzw. Inkubatoren gemeinsam mit europäischen Start Up Vertretungen/Verbänden, vor dem Hintergrund von Basel II ab 2007, an die Herausforderungen von Existenzgründungsfinanzierungen herangehen sollten. Auf der Basis von aktuellen Dokumenten und Berichten des europäischen Parlaments wird der Autor die Grundlagen und Neuerungen durch Basel II für Existenzgründer erläutern, um im Anschluss Vorschläge für innovative Finanzinnovationen abzuleiten, die weiterhin eine effiziente Finanzierung von jungen Unternehmen ermöglichen.
Pleading for Start-up financial innovations – Implications of Basel II on Start-up financing
The goal of this paper is to investigate how the European Banking Institutions, the European Venture Capital/Incubator Businesses and the European Entrepreneurial environment should challenge together the consequences of Basel II for Start-up financing from 2007 onwards. Based on the existing documents and outlines of the European Parliament the author will present the fundamental changes affected by Basel II on Start-up financing, in order to be able to derive new conclusions for financial innovations supporting continuing efficient funding for entrepreneurs.
*) Mag. Johann Sebastian Kann, Gesellschaft für Management Grundlagenforschung e.V., Wien

Leitl*)           JEL No F 00, F 02, F 15
10 Jahre Mitgliedschaft – Bewertung aus Sicht der Arbeitgeber
Die Vorteile der EU-Mitgliedschaft und der Wegfall von Beschränkungen zum Binnenmarkt haben der heimischen Wirtschaft sehr genützt. Die Integration in den Binnenmarkt brachte für alle Branchen – mit wenigen Ausnahmen – Vorteile. Verstärkt wurde der positive Trend durch die EU-Erweiterung um 10 Länder am 1. Mai 2004. Die Exporte in diese Region boomten, die österreichischen Direktinvestitionen in diese Länder erreichten Rekordwerte. Österreich zählt in seinen Nachbarländern zu den größten Investoren. Österreich wird in der Union von 25 Staaten nicht mehr an der Peripherie liegen, sondern im Zentrum Europas, noch dazu mit stark wachsenden Märkten vor der eigenen Haustüre. Durch die Maastricht-Kriterien wurde die notwendige Budgetkonsolidierung eingeleitet. Längst notwendige Strukturreformen und Liberalisierungen wurden in Angriff genommen, mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft im internationalen Kontext zu stärken. Die wichtigste Voraussetzung dazu wurde mit dem "Ja" zur EU-Mitgliedschaft am 12. Juni 1994 geschaffen.
10 Year EU Membership – An Assessment from the Employers Point of View
Austrian companies have benefited from EU-Membership and especially from the removal of trade barriers and border control. The integration into the internal market was very beneficial for most sectors in Austria. This positive trend was accelerated in view of EU-enlargement by 10 new countries in May 2004. There was a boom of Austrian exports and direct investments in this region – our country ranks among the largest investors in those countries. In a Union of 25 countries Austria will be located not anymore at the edge but in the centre of Europe with booming countries just across the border. To reach the Maastricht-criteria a consolidation of the budget deficit and structural reforms had to be introduced to improve the competitiveness of the Austrian economy. The most important decision on all these changes was taken in the EU referendum on 12th June 1994.
*) Dr. Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Wien

Mandl*)           JEL No F 00, F 02, F 13
10 Jahre Europäische Interessenvertretung durch die WKÖ
Die Mitgliedschaft Österreichs in der Europäischen Union führte zu einer Umorientierung der Interessenvertretung seitens der Wirtschaftskammer Österreich. Im Vorfeld des EU-Beitritts wurden wichtige politische und rechtliche Weichenstellungen für die Einbindung in den österreichischen Meinungsbildungsprozess sowie die Einbindung in die europäischen Institutionen und Verbände getroffen. Außerdem mussten innerhalb der WKÖ die Arbeitsabläufe umgestaltet werden. Insgesamt brachte der EU-Beitritt keine Schwächung des Einflussbereichs der WKÖ, sondern lediglich eine Verlagerung auf eine andere Ebene.
10 years of european representation of interests by the Austrian Federal Economic Chamber

Austria's membership in the European Union led to a re-orientation of the lobbying policy. Important political and legal decisions have already been made before entering the EU to ensure the Chamber's participation in the decision making process of Austria as well as for its integration in European institutions and business associations. Furthermore, the working processes within the Austrian Federal Economic Chamber had to be re-organised. Overall, EU accession did not result in a weakening of the influence of the Austrian Federal Economic Chamber but to a shift to another level of lobbying.
*) MMag. Christian Mandl, Abteilungsleiter, Stabsabteilung Eu-Koordination, Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Wien

Mraz/Sturzeis*)           JEL N0 F 00, F 02, L 00, L 11
10 Jahre Mitgliedschaft – Veränderungen im Handel
Die Vorteile der EU-Mitgliedschaft für den österreichischen Handel sind beachtlich. Der Wegfall der Grenzkontrollen, der Entfall der Grenzwartezeiten und Grenzformalitäten und die Erschließung neuer Absatzmärkte haben schon im Zuge des EU-Beitritts Österreichs die heimischen Handelsunternehmen wettbewerbsfähiger gemacht und sind auch im Hinblick auf die EU-Erweiterung erfreulich. Die größte Herausforderung für den Handel seit dem EU-Beitritt war die Einführung des Euro, der den Handelsunternehmen einerseits den Ein- und Verkauf im Ausland erleichterte, andererseits den Konkurrenten aus dem Ausland neue Marktchancen im Inland eröffnete. Kritisch zu vermerken ist, dass in den letzten 10 Jahren die Normenflut und die Komplexität europäischer Regelungen stark zugenommen haben, sodass es für die Handelsunternehmen kaum mehr möglich ist, die Vorgaben zu erfüllen.
10 Years Membership in the European Union - Changes in the Austrian Trade Sector
The benefits of the EU-membership for the Austrian trade sector are remarkable. The abolition of the border controls, the discontinuation of the waiting period at the border and the abolition of the border and clearing formalities were substantial for the Austrian traders' competitiveness, when Austria entered in the European Union in 1995, and are important in the framework of the enlargement. The biggest challenge for the Austrian trade sector was the introduction of the Euro. On one hand the Euro simplified the purchase and sale abroad, on the other hand foreign competitors had the opportunity to develop the Austrian market. In the last ten years the number of European regulations and the complexity of legal norms increased enormously, so that many enterprises are not able to perform all regulations.
*) Dr. Hannes Mraz, Geschäftsführer, Bundesparte Handel, Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Wien,
Mag. Iris Sturzeis, Bundesparte Handel, Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Wien

Pistauer*)           JEL No F 00, F 02, F 13
10 Jahre Interessenvertretung in Brüssel – Das EU-Büro der Wirtschaftskammer als Lobbyist der österreichischen Wirtschaft
Die WKÖ verfügt bereits seit 1989 über ein eigenes Büro in der Ständigen Vertretung Österreichs in Brüssel, das mit der Vertretung österreichischer Wirtschaftsinteressen auf europäischer Ebene betraut ist. Dem Faktum, dass mehr als 70 Prozent der wirtschaftsrelevanten Gesetzgebung in Brüssel ihren Ausgang nehmen, wird durch eine proaktive Begleitung dieser Legislativvorhaben Rechnung getragen. Daneben ist das EU-Büro der WKÖ aktiv bei der Verfolgung von Binnenmarktproblemen, erteilt Rechtsauskünfte, verfolgt die EU-Förderprogramme und engagiert sich in diversen Ausbildungsprogrammen. Im Vordergrund steht die Zusammenarbeit bei wirtschaftsrelevanten Themen mit den europäischen Institutionen sowie europäischen und nationalen Verbänden. Dazu hat die WKÖ in Brüssel ein Netzwerk aufgebaut, das in die Institutionen, Verbände, Ländervertretungen und die Privatwirtschaft reicht. Wichtige Stütze bei dieser Arbeit sind die institutionalisierten Informationsschienen, das tägliche EU-Today und der wöchentliche EU-Newsflash. Das EU-Büro der Wirtschaftskammer Österreich hat in Brüssel unter den Lobbyisten für Österreich eine starke Position eingenommen.
10 years lobbying in Brussels: The EU Office of the Austrian Federal Economic Chamber
Already since 1989 the Austrian Federal Economic Chamber has been an integrated part of the Permanent Representation of Austria to the EU, charged with the representation of the Austrian economic interests. The fact that more than 70 per cent of legislative acts that have an impact on the economy have their roots in Brussels is acknowledged through a proactive following of these legislative acts. Furthermore, the EU office of the Austrian Federal Economic Chamber is actively engaged in the observation of the internal market and EU assistance programmes, providing legal advice and assisting educational programmes. Foremost is the cooperation on economy-related subjects with European institutions as well as European and national interest groups. The Austrian Federal Economic Chamber has established a network in Brussels that reaches into the institutions, interest groups, federal representations as well as private enterprises. Valuable tools as institutionalised information channels are the daily "EU-Today" and the weekly "EU-Newsflash". The EU office of the Austrian Federal Economic Chamber has taken up a strong position among Austrian lobbyists.
*) Dr. Stefan Pistauer, Handelsdelegierter, EU-Büro Brüssel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ)

Schwarzböck*)           JEL N0 F 00, F 02, Q 00, Q 28
Zehn Jahre EU-Mitgliedschaft aus Sicht der österreichischen Landwirtschaft
Der Beitritt zur Europäischen Union brachte für kaum einen anderen Wirtschaftszweig größere Veränderungen als für die Landwirtschaft. Als EU-Drittland war der Zutritt zu den kaufkräftigen Märkten in der EU nahezu verwehrt, umgekehrt wurde die kleinstrukturierte heimische Land- und Lebensmittelwirtschaft vor marktstörenden Importen weitgehend geschützt, wodurch die Wettbewerbsfähigkeit nicht gefördert wurde. Währungsschwankungen, BSE-Krise und andere Futtermittelskandale, WTO-Verhandlungen und bilaterale Handelsabkommen, die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik und die Erweiterung der EU kennzeichneten unter anderem die ersten zehn Jahre der Mitgliedschaft Österreichs in der Europäischen Union.
10 Years EU-Membership – From the Viewpoint of the Agricultural Sector
Among all economic activities in Austria, agriculture has been subject to the most change since the country’s accession to the European Union. On the one hand, there was essentially no access to the pool of potent EU consumers as a non-member. On the other hand, the small structures of the domestic agro-food market were protected against disruptive effects of foreign imports, which certainly did nothing to promote the competitiveness of Austria’s agricultural sector. In the ten years of Austrian EU membership much has influenced its agriculture, such as: exchange rate fluctuations, BSE and other crisis, WTO and bilateral trade agreements, reform of the common agricultural policy and another phase of EU enlargement.
*) Rudolf Schwarzböck, Vorsitzender der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern Österreichs, Wien

Tumpel*)           JEL No F 00, F 02, F 13, F 15
Baustelle Europa – Eine Bilanz aus Arbeitnehmersicht
Das Projekt der europäischen Integration zielte auf Friedenssicherung durch wirtschaftliche Kooperation. Die Wirtschaftspolitik der EU ist von der Vorstellung geleitet, dass zur Erreichung eines hohen Wohlstands- und Beschäftigungsniveaus eine Verringerung staatlicher Einflüsse und darauf aufbauend die Ausdehnung marktwirtschaftlicher Prozesse auf den Großteil der Wirtschaft erforderlich sind. Dieser Vorstellung folgen sowohl das Binnenmarktprojekt als auch die Konzeption der gemeinsamen europäischen Währung. Die Dominanz einer restriktiven Wirtschaftspolitik und der unfaire Steuerwettbewerb innerhalb der EU machen die Verwirklichung des sozialen Europas unmöglich. Trotz der ambitionierten Ziele des Lissabon-Prozesses und der europäischen Beschäftigungsstrategie ist die Arbeitslosigkeit in Europa nach wie vor auf einem untragbar hohen Niveau.
Europe in transition – As seen from the employee’s viewpoint

The aim of the European integration project was to secure peace through economic co-operation. The EU’s economic policy is guided by the notion that a reduction in state intervention and in turn the expansion of market economy processes to a large part of the economy is necessary in order to achieve a high level of prosperity and employment. The single market project as well as the idea of a common European currency follow this notion. The dominance of a restrictive economic policy and unfair tax competition within the EU make it impossible to realise a social Europe. Despite the ambitious aims of the Lisbon process and the European employment strategy, unemployment in Europe is still at an unacceptably high level.
*) Mag. Herbert Tumpel, Präsident der Bundesarbeitskammer, Wien

Verzetnitsch*)           JEL No F 00, F 02, F 13
10 Jahre EU-Mitgliedschaft
Für den ÖGB war von Anfang an klar, dass die Integration Österreichs eine große Herausforderung darstellte, damit der Beitritt keine negativen Auswirkungen sozial- und beschäftigungspolitischer Natur mit sich bringt. Das Europa-Abkommen der Regierung aus dem Jahr 1994 war dabei ein wichtiger Beitrag für eine soziale Gestaltung des Beitrittsprozesses Österreichs. Hauptanliegen des ÖGB seither ist ein EU-Vertrag, der über die ökonomische Dimension hinausgeht und die EU zu einer Sozial- und Beschäftigungsunion weiterentwickelt. Bis heute wurden zahlreiche Schritte in diese Richtung gesetzt. Trotz dieser zahlreichen positiven Verbesserungen gerät die soziale und beschäftigungsfreundliche Entwicklung ins Stocken. Insbesondere in den letzten Jahren ist Wirtschafts- und Sozialpolitik von einer neoliberalen Orientierung gekennzeichnet, die zunehmend Sozialabbau und soziales Dumping unter den Mitgliedstaaten fördert. Vorrangigstes Ziel für den ÖGB für die Zukunft ist daher, diese Schieflage wieder ins richtige Lot zu bringen und für ein soziales Europa weiterzuarbeiten.
10 Years EU Membership

The Austrian Trade Union Federation (ÖGB) has always seen Austria’s integration in the European Union as a challenge, particularly considering potentially negative effects on the labour market and society at large. To this end, the government’s European Agreement in 1994 was an important contribution towards developing the social dimension of Austrian membership. Since then, the ÖGB mainly has called for an EU Agreement that goes beyond basic economic considerations in order to ensure the EU as a social and employment-friendly union. In spite of many positive steps in this direction, the path to this goal seems to be stagnating. The last few years seem to be increasingly characterised by a neo-liberal orientation that appears to lead to infringements of the established social systems amongst the member states. The ÖGB’s main future efforts will concentrate on correcting this imbalance and to continue to work towards a social Europe.
*) Fritz Verzetnitsch, Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), Wien

 

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© Letzte Aktualisierung: 29.12.2004