Wirtschaftspolitische Blätter   3/2004

Die Beiträge kurz skizziert in englischer und deutscher Sprache

 

Christoph Leitl           JEL N0 M 13, M 14, Z 13
Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen, eine Selbstverständlichkeit nachhaltigen Unternehmertums
Der Begriff der "Corporate Social Responsibility (CSR)" erfreut sich heute einer umfassenden Verwendung. Das Engagement der Europäischen Union im Bereich des CSR zeigt, dass es sich hierbei um kein kurzfristiges Phänomen handelt. Die Diskussion über CSR darf nicht mit überschießenden Hoffnungen überfrachtet werden, ansonsten führt es zum Gegenteil dessen, was mit der internationalen Diskussion intendiert wird. Grundvorrausetzung einer solchen verantwortlichen Haltung bleibt die Ertragskraft eines Unternehmens. Unternehmerische Verantwortung, und zwar gegenüber den Lieferanten, Kunden, Mitarbeitern, Kreditgebern und den natürlichen Ressourcen, gehört zu den Basisnotwendigkeiten nachhaltigen Wirtschaftens. Die CSR-Diskussion ist Kern einer Rückbesinnung auf diese Werte.
Corporate Social Responsibility – a matter of course of sustainable entrepreneurship
The term 'Corporate Social Responsibility (CSR)' has gained wide currency today. The intense debate on the European level shows that this topic is far from being short-lived. Expectations, however, must not be overbearing so as not to lead to counterproductive results. Profitability remains the foundation for responsible entrepreneurship. Other basic requirements for sustainable economic activity concern entrepreneurial responsibility towards suppliers, customers, employees, creditors, and natural resources. CSR makes up the core of a rediscovery of these values.

Manfred Schwaiger/Markus Eberl            JEL No M 10, M 14
Was bringt Corporate Social Responsibility dem Unternehmen?
Von diversen Anspruchsgruppen wird gegenüber Unternehmen in jüngster Zeit eine Politik der Corporate Social Responsibility (CSR) gefordert. Damit Unternehmen auch Anreize haben, dieser Forderung nachzugeben, muss der Zusammenhang zwischen einer derartigen, auf Verantwortungsübernahme ausgerichteten Stakeholderorientierung und dem Unternehmenserfolg hergestellt werden. Der vorliegende Beitrag untersucht anhand einer großzahligen repräsentativen Stichprobe die Auswirkungen wahrgenommener Verantwortungsübernahme auf die Unternehmensreputation, deren Stellenwert als intangible asset ebenso unstrittig ist wie der damit zusammenhängende Einfluss auf den Unternehmenserfolg. Dabei wird auch analysiert, ob CSR in verschiedenen Kulturkreisen und demographischen Gruppen unterschiedlich wirkt.
How to measure the benefit of Corporate Social Responsibility?
Behaving in a socially responsible way is one of the demands companies are confronted with by different stakeholder groups. In order to increase a company’s willingness to practise corporate social responsibility (CSR) there is a need to determine the impact of CSR on company’s success. This paper uses a large multinational representative sample to analyse the relationship between responsibility and corporate reputation which is widely accepted as the most important intangible asset and as a major success factor. Moreover, we investigate the impact of CSR in different cultural and demographic groups.

Bernhard Mark-Ungericht/Richard Weiskopf            Jel N0 M 10, M 14
Who defines Corporate Social Responsibility? Concepts, Interests and Spaces of Responsibility – the emerging debate in Austria
This paper takes the current debate on CSR in Austria as an example to demonstrate how the discourse of CSR is shaped by changes in the greater socio-economic environment and is embedded in more general discourses. We argue that globalization marks a turning point which opens a new dimension of corporate societal responsibility and stimulates a new debate on the "nature" of CSR. It will be shown, that CSR has to be analysed as a political discourse and we will portray different positions on CSR in Austria, which reflect a political contest for the "legitimate" interpretation of corporate societal responsibility. Finally, in the last section we discuss two aspects underlying the discourse on CSR: corporate societal embedding and the ambivalent relation between law and justice, which weaves through the CSR-concepts of the parties engaged.
Wer definiert Corporate Social Responsibility? Konzepte, Interessen und Räume der Verantwortlichkeit – die auftauchende Debatte in Österreich.
Der Artikel nimmt die gegenwärtige CSR-Debatte in Österreich als Beispiel, um zu zeigen, wie die Darstellung von CSR durch Veränderungen in einem weiteren sozioökonomischen Umfeld geformt wird und in allgemeinere Debatten eingebettet ist. Wir sagen, dass Globalisierung einen Wendepunkt kennzeichnet, der eine neue Dimension der gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen öffnet und eine neue Debatte hinsichtlich der "Natur" von CSR anregt. Es wird gezeigt, dass CSR als politischer Diskurs analysiert werden muss, und wir zeigen unterschiedliche Positionen von CSR in Österreich, die einen politischen Wettbewerb bezüglich der korrekten Deutung von gesellschaftlicher Verantwortung der Unternehmen reflektieren. Schließlich besprechen wir im letzten Abschnitt zwei der Diskussion über CSR zu Grunde liegende Aspekte: Gemeinsame gesellschaftliche Eingebundenheit und die ambivalente Beziehung zwischen Gesetz und Gerechtigkeit, die sich durch das CSR Konzept der beteiligten Parteien zieht.

Theodor Faulhaber            JEL No G 34, M14, Z 13
Wirtschaftsethik: Der "Spagat" zwischen Theorie und Praxis
Ethische Normen sind so alt wie die Menschheit selbst, ebenso der Usus, sie nicht oder nicht konsequent genug zu befolgen. Im Verlangen nach einer neuen Unternehmer- und Wirtschaftsethik ist immer wieder ein Auseinanderklaffen von Theorie und Praxis festzustellen. Eine Restrukturierung der Werteordnung fordern aber inzwischen auch viele Unternehmer und Manager. "Holistisches Management" ist der Versuch, möglichst viele Aspekte in die Entscheidungsfindung einzubauen, also das Ganze zu sehen, nicht nur Teile. Staats- und Unternehmensmanager stehen unter dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit unter besonderer Verantwortung: unter Verantwortung nicht nur für ihr Unternehmen/ihre Institution, sondern auch für deren Umfeld. Wenn das Umfeld des Managers wächst, muss er seinen Blickwinkel erweitern. Damit wird "Holistisches Management" letztlich vor allem auch zu einer Bildungs- und Weltbildfrage.
Business ethics: the "balancing act" between theory and practice
Ethical standards are as old as mankind, just as the custom not to follow them, or not following them consistently enough. A gap between theory and practice is repeatedly detected concerning the demand for new corporate and economic ethics. Nowadays even entrepreneurs and managers demand a restructuring of the value order. " Holistic Management" is the attempt to include as many aspects as possible into decision making, to see the whole, not only parts. When it comes to sustainability, state and enterprise managers have a special responsibility: responsibility not only for their enterprise/institution, but also for their surrounding field. If the surrounding field of the manager grows, he also has to extend his perspective. So after all " holistic management" becomes a question of education and view of life.

Herwig W. Schneider/Julia Schindler            JEL No L 10, O 30, O 38, O 57
Österreich – Ein IKT-Land?
In diesem Artikel wird ein Überblick zum Status quo der Informations- und Kommunikationstechnologien in Österreich geboten. Der IKT-Sektor wird hinsichtlich einer Vielzahl von Aspekten beleuchtet: Patenttätigkeit, Publikationen, Unternehmensgründungen, Außenhandel, F&E Ausgaben, Ausbildung, Diffusion. Es ergibt sich, dass Österreich einen durchschnittlichen IKT-Sektor aufweist. Schwächen zeigen sich beim Anteil der IKT-Unternehmensgründungen und bei der unterdurchschnittlichen IKT-Patenttätigkeit. Obwohl Österreich im internationalen Vergleich keine Spezialisierung auf IKT aufweist, ist dieser Sektor dennoch bedeutend und ein Motor für den technologischen Wandel. Bei der IKT-Diffusion ist Österreich im europäischen Vergleich hingegen sehr gut positioniert.
Austria – An ICT-Country?
In this article we give an overview on the status quo of information and communication technologies in Austria. The ICT-sector is investigated with respect to patents, publications, business creation, trade, R&D expenditure, labor market and diffusion. Comparative data show that Austria is characterised by an average size and performance of the ICT-sector. Weaknesses exist in ICT-business creation and ICT-patent activity. Despite the absence of ICT-specialisation – when compared to other countries – ICT is an important sector in and for Austria. With respect to ICT-diffusion, data show that Austria is very well-positioned in European comparison.

Maria Stückler            JEL N0 G 11, G 13, G 14
Der Terminkontraktmarkt und seine Funktion
Nach Skizzierung der Gemeinsamkeiten der auf Terminkontraktmärkten gehandelten Güter wird eingehend auf das Bonitätsproblem nichtorganisierter Termingeschäfte in Waren mit großen Preisschwankungen eingegangen, um vor diesem Hintergrund sodann die Funktionsweise von Terminkontraktmärkten, insbesondere die Eigenschaften von Terminkontrakten, die Preisbildung und den Prozess des täglichen "marking to markets" zu erklären. Terminkontrakte dienen kaum dem Kauf und Verkauf der Ware selbst, sondern sind Instrumente zur Erleichterung von Spekulation und Hedging. Hedging wird zu unterschiedlichen Zwecken vorgenommen; und es ist die dominante Form des Hedging, die die Rolle der Spekulation sowie des Terminkontraktmarktes definiert.
The futures market and its function
After characterizing the commodities traded on futures markets, the problem of moral hazard in trading commodities with highly volatile prices on non-organized forward markets is discussed. The organization of futures exchanges, especially the features of futures contracts, the price formation and the daily process of marking to markets are explained. Futures contracts are rarely instruments of buying and selling the commodity itself, but to facilitate speculation and hedging by promoting exceptional convenience and economy of the transactions. Hedging is done for a variety of different purposes; and it is the dominant form of hedging that defines the role of speculation and futures markets as well.

Richard Hennessey/Roland Mangold            JEL N0 I 21, I 22, I 28
Educational Controlling – Auf dem Weg zur Produktiven Schule
Die mangelnde Effizienz und Effektivität unseres Schulwesens ist in erster Linie keine Frage des Geldes, sondern der richtigen Institutionen und der damit verbundenen Anreize. Im vorliegenden Aufsatz soll Educational Controlling vorgestellt werden, welches eine marktorientierte und sozial faire Regulierung des Schulwesens ermöglicht. Es unterstützt auch die Schulbehörde in ihrer Rolle als Befähiger. Sinnvolle Rahmenbedingungen wären eine rationale Aufgabenteilung zwischen Bund und Ländern, eine Finanzierung der Schulen vorwiegend über eigene Vermögenssteuern der Länder sowie Deregulierung im Hinblick auf Privatisierung und home schooling. Für den Bildungsgutschein wären Elemente des Educational Controllings eine notwendige Vorleistung.
Educational Controlling – On the way to a productive school
The lack of efficiency and effectiveness of our school system is primarily not a question of money. It is mainly a matter of the right institutions and incentives. In this article the idea of Educational Controlling will be introduced. It enables us a market-oriented and socially fair regulation of the school system. It strengthens the supervisory school authority in its role as a supporting system. Reasonable global conditions would be a rational sharing of competencies between the federation and the states, financing the school system with regional property taxes and deregulation in view of facilitating privatization and home schooling. Educational Controlling contains basic inputs for introducing the future voucher.

Matthias Weber/Helmut Gassler/Wolfgang Polt/Bernhard Dachs/Gerhard Streicher             JEL N0 O 3, H 8
Ansätze und Befunde zur Schwerpunktsetzung in der österreichischen Forschungs- und Technologiepolitik
Im vorliegenden Artikel wird die jüngste Diskussion in der österreichischen Forschungs- und Technologiepolitik hinsichtlich der Auswahl und Forcierung thematischer Schwerpunkte aufgegriffen. Zunächst werden einige theoretische Aspekte vor dem Hintergrund möglicher Vor- und Nachteile von Spezialisierung diskutiert sowie paradigmatische Argumentationsmuster in der Politikpraxis identifiziert. Anhand von einigen ausgewählten Indikatoren wird ein Bild von der derzeitigen Spezialisierung bzw. den potenziellen thematischen Stärken (und Schwächen) Österreichs im internationalen Vergleich gezeichnet. Die Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass einer aus der empirischen Situation analytisch ableitbaren Schwerpunktsetzung auf einem diskriminierenden Aggregationsniveau enge Grenzen gesetzt sind.
Some notes on priority setting in Austrian technology policy
In recent years increasing efforts have been made by Austrian technology policy makers to define and promote thematic technological priorities based upon perceived technological and/or scientific strengths. This paper starts with a short discussion of possible advantages as well as some risks associated with such a strategy of priority setting. Using some international available data the scientific as well as technological specialisation of Austria is overviewed. The paper concludes that the strict derivation of thematic priorities on a meaningful level of aggregation is beyond analytical approaches.

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© Letzte Aktualisierung: 29.12.2004