„Durch eine vielfältige Belegschaft kann sich ein Unternehmen innovativer zeigen!“

Interview mit Andrea Martens-Horvath, Diversity & Inclusion Managerin, VERBUND AG

Andrea Martens-Horvath, Verbund AG

Was war ihre Motivation für eine Premium-Mitgliedschaft bei der Charta der Vielfalt? 

Martens-Horvath:  Vielfalt ist essenziell für das Wachstum und den Erfolg von VERBUND. Nur so können wir als Unternehmen innovativ bleiben und uns in einem dynamischen wirtschaftlichen Umfeld an die künftigen Rahmenbedingungen anpassen. Als Mitglied der Charta der Vielfalt bekennt sich VERBUND zur Steigerung von wechselseitigem Respekt und Toleranz gegenüber den MitarbeiterInnen. Nach der Unterzeichnung der Charta war es uns klar, auch Premiummitglied zu werden. Ausschlaggebende Gründe dafür waren u.a. die Möglichkeit, mit anderen Unternehmen in Austausch treten zu können und Best-Practice Beispiele zu teilen. Außerdem bekommen wir dadurch Einblicke in andere Unternehmen hinsichtlich deren Umsetzung von Diversity& Inclusion.  


Einer ihrer Schwerpunkte ist Gender. Welche Herausforderungen gibt es dabei, insbesondere für Technik-Unternehmen? 

Martens-Horvath: Die größte Herausforderung ist der Mangel an Technikerinnen. Der Anteil von Frauen ist in einem technisch geprägten Unternehmen wie VERBUND traditionell eher gering. Deshalb setzen wir Maßnahmen, den aktuellen Anteil von 17,8 % bis zum Jahr 2020 auf 20 % zu erhöhen.

Um dem entgegenzusteuern haben wir 2008 begonnen, bereits bei Lehrlingen nach interessierten Mädchen Ausschau zu halten. 2009 haben wir in Folge das erste Frauenstipendium an der TU vergeben. Im April 2015 wurde dieses erfolgreich zum 7. Mal verliehen.  VERBUND konnte dadurch auch zwei Stipendiatinnen als Mitarbeiterinnen gewinnen. VERBUND ist es vor allem wichtig, sich als ein Unternehmen zu positionieren, dass Frauen willkommen heißt. Wir engagieren uns in diesem Bereich und haben bereits an diversen spannenden Initiativen teilgenommen bzw. mitgewirkt, wie z.B.: dem Töchtertag der Stadt Wien oder F.I.T – Frauen in die Technik. Intern engagiert sich unter auch unser Frauennetzwerk für die Förderung von Frauen im Unternehmen.


Welche Maßnahmen setzen Sie, um die Diversität im Unternehmen zu steigern?

Martens-Horvath: Traditionell beschäftigt sich VERBUND mit drei Dimensionen: Behinderung, Gender und Alter. Seit kurzem zählt auch die Dimension Ethnie dazu, was mich persönlich sehr freut.

Seit vorigem Jahr beauftragen wir eine Access-Managerin, welche sich die Umsetzung der  baulichen Maßnahmen aus der Perspektive von Menschen mit Behinderungen ansieht und die generelle Barrierefreiheit bei VERBUND prüft.

Weiters ist uns die Dimension Alter ein wichtiges Anliegen. Die Belegschaft ist im Durchschnitt 44,2 Jahre alt. Wir werden in der nächsten Zeit nur sehr wenig neues Personal aufnehmen und treffen Überlegungen, wie wir die bestehende Belegschaft fit halten können. Beispiele wären Knowledge-Sharing, Bildung, Gesundheitsförderung und viele mehr.

In der Dimension Ethnie haben wir eine Kooperation mit  „Zusammen Österreich“, im Zuge welcher schon zwei Mal IntegrationsbotschafterInnen mit unseren Lehrlingen erfolgreich zusammengearbeitet haben. Weiters hat eine Kollegin am Programm „Mentoring für Migrantinnen“ einer Kooperation mit der Wirtschaftskammer, teilgenommen und ein halbes Jahr einen jungen Mann aus Syrien gecoached und ihn bei der Jobsuche unterstützt. 


Stichwort: Diversity & Inclusion im Personalmarketing. Welche Erfahrungen haben Sie hier gemacht?

Martens-Horvath: Es ist für uns generell wichtig Diversity & Inclusion sowie Employer Branding zu verbinden. Die Gesellschaft ist nicht homogen, wir wollen alle Talente in Betracht ziehen.

Durch eine vielfältige Belegschaft kann sich ein Unternehmen innovativer zeigen. Wie bereits erwähnt, ist der Frauenanteil in den einzelnen Bereichen unterschiedlich hoch. Daher sollte man ein Unternehmen nicht als eine homogene Organisation betrachten, sondern einen Blick auf die Details werfen. Es geht darum, die individuellen Bedürfnisse der Belegschaft bzw. der jeweiligen Tochtergesellschaften zu erkennen und auf diese einzugehen.


Anschließend ein Tipp für die Organisationen, die mit Diversity beginnen. Was ist einer der wichtigsten Faktoren?

Martens-Horvath: Das ist Zeit! Es geht hier um Menschen und Einstellung um Weltanschauungen. Veränderungen können nicht so einfach verordnet werden. Sich diese Zeit zu nehmen, ist essentiell. Bei Diversity handelt es sich vor allem um einen Change-Prozess, der einen Kulturwandel im Unternehmen auslöst und Veränderungen auf allen hierarchischen Ebenen, in allen Unternehmensbereichen und bei allen Individuen mit sich bringt.


Vielen Dank für das Gespräch. 

27.1.2016
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