Experten helfen, den optimalen Weg zur geordneten Betriebsauflösung zu finden

Seit November 2014 arbeiten die Wirtschaftskammer Salzburg und die Schuldenberatung des Landes im Bereich der Abwicklungsberatung erfolgreich zusammen.

Eine erste Bilanz dieser Kooperation zogen vergangenen Dienstag Soziallandesrat Dr. Heinrich Schellhorn, der Leiter der Schuldenberatung Salzburg, Mag. Peter Niederreiter, und der Leiter der WKS-Stabstelle Service und Recht, Dr. Gerd Raspotnig.

Die Schuldenberatung hat im Rahmen dieser Kooperation die Beratung von Unternehmern übernommen, die ihr Unternehmen betrieblich und finanziell geordnet auflösen wollen. Ziel war und ist es, Schaden von allen Beteiligten abzuhalten und den optimalen Weg zur Betriebsauflösung zu beschreiten. Finanziert wird die Abwicklungsberatung von der WKS, durchgeführt wird sie von der Schuldenberatung Salzburg.  

Prognose bestimmt den weiteren Weg

 

Die Abwicklungsberatung ist Teil des Krisen- und Notfallmanagements der WKS für in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Unternehmer. Die Abwicklungsberatung setzt dann ein, wenn die WKS im Rahmen ihrer Krisenberatung gemeinsam mit dem Unternehmer festgestellt hat, dass eine Fortführung des Betriebes nicht mehr sinnvoll ist und der Unternehmer sich für die Auflösung seines Unternehmens entschieden hat.

Seit Jahresbeginn haben rund 60 Unternehmer das Krisen- und Notfallmanagement in Anspruch genommen. Bei 20 von ihnen ergab die Problem- und Bilanzanalyse durch die WKS eine negative Prognose für den Fortbestand. Sie wurden an die Schuldenberatung weitervermittelt, die sie bei der geordneten Beendigung des Betriebes unterstützt hat.

Für die restlichen 40 ist die Prognose für einen Weiterbestand des Unternehmens positiv ausgefallen. 15 von ihnen nahmen danach den Sanierungs-Check der WKS in Anspruch (vierstündige, von der WKS finanzierte Beratung). Vier haben sich in weiterer Folge entschlossen, auch die folgende vertiefende Beratung von 20 Stunden (40% von der WKS finanziert) durch einen Unternehmensberater zu nützen, die auch ein weitergehendes Sanierungskonzept umfasst.

„Sowohl mit der Abwicklungsberatung als auch mit dem Sanierungs-Check können wir in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Unternehmer optimal unterstützen, gleichzeitig aber auch vermeidbaren Schaden von deren Gläubigern – in der Regel ebenfalls Unternehmer – abhalten“, stellte Raspotnig, fest.  

Beratung schon vor der Unternehmensgründung

 

Im Vorjahr haben in Salzburg knapp 2.000 Personen ein Unternehmen gegründet. Praktisch alle von ihnen haben vor dem Schritt in die Selbstständigkeit eine Beratung durch die WK Salzburg (Gründerservice, WKS-Bezirksstellen)  in Anspruch genommen.

Dabei werden ihnen zuerst Basisinformationen zur Unternehmensgründung – Kosten der Gründung, Wahl der Rechtsform etc. – gegeben. In einem weiterführenden dreistündigen Workshop stehen Themen wie Steuer, Versicherungen oder Controlling auf dem Programm. Darüber hinaus gibt es zweimal im Jahr an drei Samstagen eine „Unternehmerschule“, an der regelmäßig 80 bis 120 Personen teilnehmen.

Raspotnig: „Mit diesem sehr umfassenden Beratungsangebot wollen wir sicherstellen, dass Unternehmen mit einer soliden Vorbereitung und Wissensbasis gegründet werden. Der Erfolg dieser Beratungen lässt sich unter anderem daran ablesen, dass 80% der neu gegründeten Unternehmen nach drei Jahren noch immer existieren, nach sieben Jahren sind es immerhin noch fast zwei Drittel!“ 

Umgang mit Geld lernen

 

Eine Zusammenarbeit der WKS mit der Schuldenberatung gibt es auch beim „Finanzführerschein“ für Lehrlinge. Derzeit wird knapp 100 Schülern in fünf Berufs­schulklassen im Fach Sozial- und Wirtschaftskunde der verantwortungsvolle Umgang mit Geld vermittelt. Im kommenden Schuljahr soll der „Finanzführerschein“  schon auf dem Stundenplan von zehn Berufsschulklassen stehen.  

Gegen Abschaffung der Mindestquote

 

Eine klare Absage erteilte Raspotnig der Forderung von Schellhorn und der Schuldenberatung nach einer Abschaffung der Mindestquote von 10% im Privatkonkurs: „Die Mindestquote ist ein Anreiz für den Schuldner, sich anzustrengen, seine Verbindlichkeiten zurückzuzahlen. Sonst müsste die Allgemeinheit die offenen Schulden tragen. 10% heißt ja auch, dass Gläubiger auf 90% ihrer Forderungen verzichten.“ Nach sieben Jahren bestehe zudem die Möglichkeit, dass die Quote auf richterliche Anweisung gesenkt wird.

Auch den Vorwurf, dass es in der EU eine Mindestquote außer in Österreich nur noch in Tschechien gebe, lässt Raspotnig nicht gelten: „Ein Blick über die Grenze  zeigt die Sinnhaftigkeit  der Mindestquote. In Deutschland zum Beispiel sehen drei Viertel aller Gläubiger keinen einzigen Cent von ihren Forderungen.“


Rückfragen:
Dr. Gerd Raspotnig
Leiter der Stabstelle Service und Recht in der WKS
Tel: 0662/8888-314
E-Mail: rechtsservice@wks.at


28.11.2016 Robert Etter
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