Hans Peter Metzler im Interview: „Wir müssen uns gemeinsam auf unsere Stärken konzentrieren“

Der neue Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Hans Peter Metzler, im großen Interview mit „Die Wirtschaft“ über „seinen Vorarlberger Weg“, ein neues Selbstverständnis der Wirtschaftskammer und die Idee von besonderen Standortpartnerschaften.

Die Wirtschaft: Herr Präsident Metzler, herzlichen Glückwunsch, Sie haben einen überzeugenden Start als neuer Präsident hingelegt. Wie sehr motiviert die breite Zustimmung über alle Fraktionen hinweg?
Hans Peter Metzler: Danke, ich gehe mit viel Freude und großem Respekt an diese Aufgabe heran, weil ich weiß, dass wir einiges bewegen können in diesem Land. Es hilft natürlich, wenn man von vornhe-rein Rückendeckung bekommt. In solch’ turbulenten Zeiten müssen wir uns gemeinsam auf unsere Stärken konzentrieren, Spielräume erkennen und diese auch zusammen erkämpfen.

Sie sprechen immer wieder vom Vorarlberger Weg, den Sie gehen möchten. Wie sieht der aus?
Ich bin ein Verfechter davon, die Dinge, die möglich sind, im Land anzupacken und nicht auf ein Tätigwerden aus Wien zu warten. Das trifft auf den Bereich Bildung genauso zu wie auf den Abbau von bürokratischen Hürden. Die Deregulierungskommission ist ein bestes Beispiel dafür und eine Benchmark für Österreich.  Wir werden in Vorarlberg neue Wege der Zusammenarbeit gehen. Mit der Arbeiterkammer haben wir diesen Schulterschluss im Kampf gegen den Fachkräftemangel bereits vollzogen. Wenn die Situation es erfordert, muss das möglich sein. Die Bildungsreform hat ja gezeigt, dass die Konstellationen in der Wiener Küche nur „Lauwarmes“ produzieren können.


Die „hohe Politik“ in Wien genießt wohl nicht Ihre uneingeschränkte Sympathie?
Nur bedingt, denn die halbherzigen Reformen, das Aussitzen von evidenten Problemen, etwa im Pensions- oder Gesundheitsbereich, sowie der untauglichen Versuch, die aktuellen Herausforderungen mit alten Ideen zu bewältigen, haben sich als Placebo erwiesen und den Rückstand zu innovationsfreudigen Volkswirtschaften nur vergrößert. Mit den Rezepten von vorgestern können wir definitiv nicht in die Zukunft gehen.

Was braucht es stattdessen aus Ihrer Sicht?
Aus unserer Sicht sind vor allem ein investitionsfreundliches Klima und ebensolche Rahmenbedingungen unumgänglich, damit Unternehmen die so wichtigen Arbeitsplätze schaffen können. Hier erwarten wir uns nach der Investitionszuwachs-prämie zusätzliche Maßnahmen, die dazu führen, dass der heimische Standort wieder an Attraktivität gewinnt. Anreize und Erleichterungen, wie die Senkung der KöSt, Investitionsfreibetrag oder die Erhöhung des Forschungsfreibetrages wären solche Handlungen.

Das Thema Bildung bleibt auch unter Ihrer Präsidentschaft ein Schwerpunkt.
Interessenvertretung der Zukunft heißt für mich auch, das große Ganze anzusehen und da ist der Schlüssel dazu das Thema Bildung. Manfred Rein müssen wir sehr dankbar sein, denn er hat hier einen wichtigen Prozess in Gang gesetzt, an dem wir nun konsequent in seinem Sinne auch weiterarbeiten werden. Vorarlberg ist das Land der dualen Ausbildung, aber es braucht neue Formen der Weiterentwicklung. Für mich ist dies ein starkes Argument, warum es uns als Interessenvertretung und die Sozialpartnerschaft an sich mehr denn je braucht.

Es fällt auch immer wieder der Begriff Interessenvertretung 4.0. Was steckt da dahinter?
Wir müssen als Mitgliederorganisation die Schnelllebigkeit der Zeit auch in unser Haus übertragen und noch intensiver auf die Mitglieder zugehen, unbürokratisch und schnell. Das heißt ein permanentes Hinterfragen unseres Selbstverständnisses.  Die Frage ist, was können wir und was nicht. Mit ist klar, dass Veränderung auch Widerstand bringt, das ist auch gut so, darauf werden wir uns einstellen, aber wir sollten das Neue und die Veränderung nicht nur als Problem oder Bedrohung, sondern als Chance sehen.

Jetzt hat die Wirtschaftskammer ein umfassendes Servicepaket. Wird das zu wenig anerkannt?
Unsere Mitglieder könnten da viel mehr abholen, als sie es tun. Die Serviceleistungen der Wirtschaftskammer befinden sich auf einem hohen Niveau, es gilt, sie nun der Zeit und den Herausforderungen entsprechend weiter auszubauen.

Sie haben in diesem Zusammenhang von einem  Übersetzungsproblem gesprochen?
Ja, unser Ziel ist es, dass jeder Unternehmerin, jedem Unternehmer klar ist, welche Leistungen sie von uns bekommen. Das Marken-image müssen wir verbessern. Wir werden genauer definieren, wofür wir da sind. Etwa im Themengebiet Digitalisierung werden die Unternehmen auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Hilfeleistungen bekommen.

Können Sie da schon konkrete Vorhaben in diesem Bereich nennen?
Zunächst wäre eine digitale Strategie für dieses Land ein erster wichtiger Schritt. Ende Jänner werden wir gemeinsam mit dem Land erste Ideen präsentieren. Als Wirtschaftskammer Vorarlberg gehen wir dieses Thema in vier konkreten Schritten an.  Mit den Digitalen Perspektiven schaffen wir konkretes Rüstzeug, heruntergebrochen auf alle Ebenen. Dieses vermittelte Wissen kann dann sofort im eigenen Unternehmen umgesetzt werden. Mit dem WIFI positionieren wie uns im Bereich der Qualifizierung. Zudem werden wir in Zukunft hier auch im Forschungsbereich konkrete Unterstützungsmöglichkeiten am Standort Vorarlberg anbieten. 2017 steht ebenfalls die Vernetzung der Digitalisierungsunternehmen mit der Wirtschaft in Vorarlberg im Zentrum unserer Überlegungen.

Wie erleben Sie die Partnerschaft mit dem Land?
Mit dem Land Vorarlberg und vor allem in der Person von Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser haben wir einen klugen und vo-rausschauenden Partner. Das Land Vorarlberg hat den Stellenwert der Wirtschaft schon seit Langem erkannt und handelt auch danach. Und ich finde es im Übrigen großartig, dass das Land so stabile Haushalte ohne Nettoneuverschuldung auf die Beine stellt, das wird viel zu wenig anerkannt.

Was braucht es aber zudem für Vorarlberg?
Ich denke da an konkrete Standortpartnerschaften in bestimmten Themenbereichen, wie etwa mit den Gemeinden bzw. Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie verschiedenen Interessengruppen und Institutionen. Machen wir uns alle die Stärke des Landes, sprich, das Gemeinsame im Auge zu haben, noch effizienter zunutze. So wird eine positive Weiterentwicklung gelingen.

Hindert die zu geringe Wertschätzung für das Unternehmertum eine solche Weiterentwicklung?
Leistungsorientierte Unternehmerinnen und Unternehmer ziehen den Karren im Land, dennoch geht man permanent gegen sie vor. Gerade die bürokratischen Auflagen nehmen vielen oftmals die Freude am Unternehmersein. Das muss aufhören. Unternehmertum ist die Basis für unseren Wohlstand. Das müssen endlich alle begreifen. Es gibt zu wenig Verständnis für die wirtschaftspolitischen Zusammenhänge in diesem Land, das ist auch eine Bildungsfrage. Die Unternehmen gehen jeden Tag ins Risiko, dafür braucht es mehr Anerkennung. In Zeiten wie diesen sollten wir wissen, wem wir den Wohlstand zu verdanken haben. Hier geht es stark um die Bereitschaft der Bevölkerung, sich mehr mit Wirtschaft auseinanderzusetzen.

Ihre Wünsche an das neue Jahr?
Dass viel von dem, was wir eingeleitet haben und was in den Betrieben erdacht und entwickelt wird, im Sinne der Unternehmen aufgeht. Ich habe ein tolles Team hinter mir und bin zuversichtlich, dass wir neue Wege erfolgreich gehen werden. Bei allen Unternehmerinnen und Unternehmern bedanke ich mich für die großartige Arbeit, die sie für Vorarlberg geleistet haben und wünsche ihnen Mut, Leidenschaft für ihr Tun, viel Erfolg für das kommende Jahr und ein schönes, friedliches Weihnachtsfest.

Vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Herbert Motter
22.12.2016 Sabine Barbisch
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