Schulterschluss im Kampf gegen den Fachkräftemangel

WK und AK: Vorarlberg braucht eine aktive Strategie, um als Wirtschaftsstandort die Herausforderungen der nächsten Jahre zu meistern.

Deshalb haben sich WK-Präsident Hans-Peter Metzler und AK-Präsident Hubert Hämmerle entschlossen, Probleme wie Facharbeitermangel oder Qualität in der Ausbildung gemeinsam und strategisch anzugehen. „Wenn es die Situation erfordert, müssen wir in Vorarlberg neue Wege auch alleine gehen können“, sind sich die beiden Präsidenten einig.

Sorgenkind Arbeitsmarkt
Vorarlberg zählt zu den wirtschaftlich stärksten Regionen Mitteleuropas. Dennoch ist der Arbeitsmarkt sowohl für AK-Präsident Hubert Hämmerle, als auch den neuen Wirtschaftskammerpräsident Hans-Peter Metzler ein Sorgenkind. Sowohl die hohe Zahl an Arbeitslosen, als auch der zum Teil erhebliche Mangel an Fachkräften, verlangen nach einer aktiven Strategie, um den Wirtschaftsstandort Vorarlberg fit für die Herausforderungen der nächsten Jahre zu machen. Vor allem das Durchdringen aller Bereiche der Wirtschaft mit der Digitalisierung wird nur dann als Chance zu nutzen sein, wenn vorbeugend schon jetzt im Bereich der beruflichen Erstausbildung, aber vielmehr auch im Bereich der Weiterbildung, große Anstrengungen unternommen werden.


WK-Präsident Metzler hat als ehemaliger Obmann der Sparte Tourismus in der WKV mit der Tourismusstrategie 2020 aufgezeigt, was not tut, um den Spitzenplatz Vorarlbergs zu halten, bzw. auszubauen. Dazu Metzler: „Wir müssen vor allem den mittelständischen Unternehmen diesbezüglich Hilfestellung leisten. Die unter meinem Vorgänger Manfred Rein geforderte Initiative zur Verbesserung der Ausbildungsqualität wird einer meiner Arbeitsschwerpunkte darstellen. Mit einer neuen, modularen Tourismusausbildung möchten wir neue Akzente in der Ausbildung setzen.“

Die Ausweitung der schulischen Ausbildung in den touristischen Lehrberufen wird seit geraumer Zeit von den Sozialpartnern in Wien verhandelt – bisher leider ergebnislos.

Lehre aufwerten
Für AK-Präsident Hämmerle ist die Aufwertung der Lehre das erklärte Ziel: „Deshalb muss es auch möglich sein, dass wir in Vorarlberg einen eigenen Weg gehen können, wenn sich auf Bundesebene keine Einigung ergibt.“ Hämmerle ist überzeugt, dass dem Fachkräftemangel in Vorarlberg nur durch Lösungen zu begegnen ist, die regional auch schnell umgesetzt werden können: „Deshalb freue ich mich, dass es eine klare Übereinstimmung mit der Wirtschaftskammer in der Frage der dualen Lehrausbildung und damit der Facharbeiterausbildung gibt. Hans-Peter Metzler ist für mich ein persönlicher Garant für eine stärkere Hinwendung zu mehr Qualität in der Lehrlingsausbildung.“

Wie not hier eine Trendwende tut, zeigen die massiv sinkenden Zahlen der Lehrlinge. Haben im Jahr 2008 noch 2.624 Jugendliche eine Lehre begonnen, so waren es im Jahr 2015 nur noch 2.083. Dieser dramatische Rückgang von rund 20 Prozent in wenigen Jahren sei nicht ausschließlich mit der Demografie erklärbar, meint Hämmerle: „Nur wenn es uns gelingt, die Lehre attraktiver zu machen, werden wieder mehr Jugendliche die Entscheidung für die duale Ausbildung treffen.“


Ein Aspekt sei allerdings sehr positiv zu sehen, erklärt WK-Präsident Metzler: „War 2008 Einzelhandelskaufmann/frau noch der beliebteste Lehrberuf, so ist es jetzt der Metalltechniker. Auffallend ist, dass sich insgesamt der Trend zu den technischen Lehrberufen in den letzten Jahren verstärkt hat.“ Darauf soll aufgebaut werden, damit der Produktionsstandort Vorarlberg auch in Zukunft seine Position behaupten kann.

Schwerpunktaktion Lehrstellengewinnung
Angedacht sei eine Schwerpunktaktion zur Gewinnung von mehr Lehrstellen im Bereich der mittelständischen Unternehmen, kündigt der neue Wirtschaftskammerpräsident an.    

7.12.2016 Sabine Barbisch
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