WK Wien fordert eine umfassende Steuerreform

Die Wirtschaftskammer Wien fordert eine Steuerreform, die dauerhaft Entlastungen und Vereinfachungen für Betriebe bringt. Das eben vorgelegte Arbeitsprogramm der Regierung enthält zum Thema Steuern erste Schritte in die richtige Richtung.

Am Steuerabend der Wirtschaftskammer Wien im vergangenen November wussten die rund 1400 anwesenden Unternehmer ganz genau, was sie sich vom ebenfalls anwesenden Finanzminister wünschen. Die Top Drei Steueranliegen der Wiener Unternehmer waren die Anhebung der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter auf 1500 Euro, eine weitere Senkung der Lohnnebenkosten und Steuervereinfachungen durch Pauschalierungen. Das heimische Steuerrecht braucht nach Ansicht von Experten eine kräftige Überarbeitung. Ideal wäre, wenn ein österreichischer Steuerkonvent gleichzeitig die bundesgesetzlichen Steuervorschriften und jene der Länder durchforstet und Ideen zur Vereinfachung des Systems erarbeitet - mit dem Ziel einer Reform mit ganzheitlichem Ansatz.

Mittelfristig Neukodifizierung, bis dahin Einzelreformen

Im Rahmen einer Neukodifizierung des Einkommen- und Körperschaftsteuergesetzes könnten zahlreiche Vereinfachungsschritte gesetzt werden - wie zum Beispiel die Entrümpelung der Übergangsbestimmungen, ein übersichtlicher Aufbau und verständlichere Formulierungen von Gesetzestexten, die Reduzierung der sieben Einkunftsarten im Einkommensteuergesetz und vieles mehr. Die Umsetzung so einer Reform würde wohl einige Jahre in Anspruch nehmen. Daher hat die WK Wien neben der dringenden Forderung einer grundlegenden Reform auch einzelne Maßnahmen im Forderungskatalog, die rasch umgesetzt werden und damit Betriebe rasch entlasten könnten.

Dazu zählen unter anderem:

  • die Senkung der Körperschaftsteuer (KöSt) von 25 auf 19 Prozent,
  • die Abschaffung der kalten Progression,
  • die Senkung der Lohnnebenkosten,
  • Investitionsanreize,
  • Pauschalierungen
  • und die Anhebung der Abschreibungsgrenze für geringwertige Wirtschaftsgüter von derzeit 400 auf 1500 Euro.

Letztere mag vielleicht als kleine Steuermaßnahme gelten, aber sie würde das Leben vieler Wirtschaftstreibender erleichtern. Denn es macht  einen  Unterschied, ob  Unternehmer z.B. einen Computer um 1500 Euro gleich abschreiben können oder ihn ins Anlagenverzeichnis aufnehmen müssen.

Eigenkapitalstärkung und Investitionen erleichter

Auch die Themen Eigenkapitalstärkung und Investitionsanreize müssen zentraler Bestandteil einer Steuerreform sein. Möglichkeiten, den Eigenkapitalaufbau zu unterstützen gibt es viele - zum Beispiel durch einen Zinsenabzug nicht nur für Fremdkapital, sondern auch für  Eigenkapital, durch die steuerliche Begünstigung nicht entnommener Gewinne, den Entfall der Mindest-Körperschaftsteuer (KöSt), die geforderte KöSt-Senkung von derzeit 25 auf 19 Prozent, eine Steuerbegünstigung bei der Aufdeckung stiller Reserven und eine automatische Anhebung der Steuerstufen um die Inflationsrate - also die Abschaffung der kalten Progression. Beim Thema Investitionsförderung war die WK Wien mit der Forderung nach einer Investitionszuwachsprämie für den Mittelstand bereits erfolgreich: Für 2017 und 2018 wird die Bundesregierung dafür 175 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Davon profitieren werden Unternehmen mit zehn bis 49 und 50 bis 250 Mitarbeitern. Sie erhalten jeweils fünfzehn bzw. zehn Prozent Zuschuss zu Investitionen, die über dem Durchschnitt der Investitionen der vorangegangenen drei Jahre liegen. Doch mittelfristig ist diese auf zwei Jahre begrenzte Maßnahme nicht ausreichend, um den Rückstand bei der Investitionstätigkeit aufzuholen. Die WK Wien fordert daher die Wiedereinführung eines Investitionsfreibetrags wie es ihn in den Jahren1972 bis 2000 gegeben hat. Dabei kann ein Prozentsatz der Anschaffungskosten von Anlagegütern zusätzlich steuermindernd geltend gemacht werden. Zur Ankurbelung der Investitionstätigkeit kommen aber auch eine Investitionsprämie in Betracht oder ein investitionsbedingter Gewinnfreibetrag, wie es ihn bis Ende 2012 bereits gegeben hat.

Lohnnebenkosten senken

Auch beim Thema Lohnnebenkostensenkung ist der Wirtschaftskammer schon einiges gelungen wie z.B. die schrittweise Herabsetzung des Dienstgeberbeitrags bis auf 3,9 Prozent ab 2018 oder die Senkung der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA)- und Insolvenzentgeltfonds-Beiträge um jeweils 0,1 Prozentpunkte. Im internationalen Vergleich liegen die österreichischen lohnsummenabhängigen Abgaben auf Arbeitskosten aber noch immer mit Abstand an der Spitze aller Staaten der Europäischen Union (EU). Hinzu kommt noch die Belastung mit Sozialabgaben in Höhe von rund 21,5 Prozent des Bruttobezugs bis zur Höchstbeitragsgrundlage. Lohnnebenkosten gehören zudem zu den beschäftigungs- und wachstumsfeindlichsten Abgabenkategorien. Gerade angesichts der aktuellen Rekordarbeitslosenzahlen in Österreich sollte daher eine kräftige Lohnnebenkostensenkung an der Spitze der Steuerreformagenda stehen. Denn sie bewirkt eine Senkung der Arbeitskosten und macht Unternehmen damit auch im internationalen Vergleich wettbewerbsfähiger. Die nun im neuen Arbeitsprogramm der Regierung vorgelegten Steuererleichterungen für Betriebe seien erfreulich und ein Schritt in die richtige Richtung, sagt WK Wien-Präsident Walter Ruck. Als zum Teil auch zeitlich befristete Einzelmaßnahmen können sie aber nur ein Zwischenschritt zu der von der WK Wien geforderten Neuordnung des Steuerrechts sein. „Mittelfristig muss es, auch als administrative Entlastung,  eine radikale Vereinfachung des Steuersystems geben”, so Ruck.

Forderungen

auf Facebook teilen | auf Twitter teilen | Teilen mit Google+ diese Seite per E-Mail versenden diese Seite drucken als PDF downloaden