Telearbeit und Arbeitszeit

Vielfach wird behauptet und auch in Massenmedien publiziert, Telearbeit werde nicht durch das Gesetz geregelt. Es gäbe Graubereiche, weshalb es besonders notwendig sei, die Rahmenbedingungen in einer Telearbeitsvereinbarung zu regeln. Überdies wird die Auffassung vertreten, das Arbeitszeitgesetz sei „nur grundsätzlich“ anzuwenden. Diese Behauptungen sind unrichtig. Das Gegenteil ist der Fall.

Was steht im Arbeitszeitgesetz (AZG) zur Telearbeit bzw. zum Homeoffice?  

Das Arbeitszeitgesetz formuliert, dass Arbeitszeit auch die Zeit ist, während der einer im Übrigen im Betrieb Beschäftigter in seiner eigenen Wohnung oder Werkstätte oder sonst außerhalb des Betriebes beschäftigt wird. 

Damit ist klar: 

Auch auf die Beschäftigung des Arbeitnehmers in seiner eigenen Wohnung ist das Arbeitszeitgesetz mit seinem vollen und uneingeschränkten Inhalt anzuwenden. 

Lage der Normalarbeitszeit 

Auch bei Telearbeitszeit bzw. bei Homeoffice ist die Lage der Normalarbeitszeit und ihrer Änderung zwischen dem Arbeitnehmer und dem Arbeitgeber zu vereinbaren.  

Damit besteht die Verpflichtung – wie auch in anderen Arbeitsverhältnissen - eine Verteilung der Arbeitszeit vorzunehmen. Dabei kann es dazu kommen, dass 

  • eine fixe Arbeitszeiteinteilung Montag bis Freitag jeweils von in der Früh bis am Abend vorgenommen wird,

  • durchrechenbare Arbeitszeit gewählt wird, wenn der anzuwendende Kollektivvertrag dies vorsieht, oder

  • gleitende Arbeitszeit zum Tragen kommt.  

Vorsicht! 

Auch die tägliche Normalarbeitszeit eines Telearbeitnehmers bzw. eines Mitarbeiters in Homeoffice kann ausschließlich nur dann auf 9 Stunden oder bzw. auf 10 Stunden pro Tag ausgedehnt werden, wenn für den betreffenden Mitarbeiter ein Modell flexibler Arbeitszeit zur Anwendung kommt, also das Einarbeiten von Feiertagen, durchrechenbare Arbeitszeit oder Gleitzeit zum Tragen kommt.

Tipp! 

Ist im Betrieb ein Betriebsrat gewählt, kann gleitende Arbeitszeit nur durch Betriebsvereinbarung geregelt werden. Damit sind Mitarbeiter, die in Telearbeit oder in Homeoffice beschäftigt werden, ausdrücklich in den Geltungsbereich der Gleitzeit aufzunehmen, wenn gewährleistet werden soll, dass auch bei diesen Mitarbeiter die tägliche Normalarbeitszeit auf 10 Stunden ausgedehnt werden kann, ohne dass dadurch Überstunden anfallen.

Arbeitszeitaufzeichnungen 

Auch bei Mitarbeitern in Telearbeit oder in Homeoffice kommen die Bestimmungen über die Arbeitszeitaufzeichnungen zum Tragen. Das Gesetz legt für Arbeitgeber, die Mitarbeiter dieser Art beschäftigen, als Erleichterung fest, dass bloß Aufzeichnungen über die Dauer der Tagesarbeitszeit zu führen sind. 

Aber auch dabei ist zu unterscheiden: 

  • Für Mitarbeiter, die sowohl Telearbeit als auch Arbeit am Standort des Betriebes leisten, dabei aber nicht überwiegend in ihrer Wohnung tätig sind, sind die Aufzeichnungen über den Beginn und das Ende der jeweiligen Arbeitszeit und Pausen zu führen. Dies betrifft auch jene Arbeitszeiten, die in der Wohnung erbracht werden. 

  • Für jene Mitarbeiter, die ihre Tätigkeit überwiegend in ihrer Wohnung ausüben, sind ausschließlich Aufzeichnungen über die Dauer der Tagesarbeitszeit zu führen. 

Es ist daher die Pflicht des Arbeitgebers, dafür zu sorgen, dass Arbeitszeitaufzeichnungen geführt sind, und dass die der Aufzeichnung zugrunde liegende Arbeitszeit gesetzeskonform ist. 

Fehlt es an den Arbeitszeitaufzeichnungen, ist der Arbeitgeber 

  • über Anzeige des Arbeitsinspektorates nach den Regeln des Arbeitszeitgesetzes und

  • über die Anzeige der Gebietskrankenkasse nach den Bestimmungen zur Bekämpfung von Lohn- und Sozialdumping

strafbar. 

Tipp! 

Ist der Arbeitnehmer – vom Arbeitgeber nicht beobachtbar – in seiner Wohnung beschäftigt, erhöht sich das Risiko des Arbeitgebers, ungerechtfertigt der Forderung des Mitarbeiters auf Auszahlung von Mehr- und Überstunden ausgesetzt zu sein.  

Der Arbeitgeber kann dieses Risiko dadurch begrenzen, dass der Mitarbeiter die Richtigkeit der wöchentlich bzw. monatlich  geführten Arbeitszeitaufzeichnungen mit dem entsprechenden Vermerk und mit seiner Unterschrift schriftlich bestätigt. 



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Stand: 01.08.2015

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