Ein Überblick: Neuerungen in der Einkommensteuer, des Endbesteuerungsgesetzes und in der Grunderwerbsteuer im Zuge der Steuerreform 2015/2016

Alle Informationen auf einen Blick!

 

Die viel besprochene Steuerreform tritt mit 1.1.2016 in Kraft; sie bringt unter anderem Neuerungen in den folgenden Bereichen:

  
  • Tarifreform

 

Der Einkommensteuertarif wird ab 2016 neu geregelt. Künftig wird es statt wie bisher drei Tarifstufen sieben Tarifstufen geben. Der Eingangssteuersatz wird von 36,5% auf 25% gesenkt. Für Einkommensteile über eine Million Euro wird befristet ein Steuersatz von 55% zur Anwendung kommen.

 

Dabei ergeben sich folgende Tarifstufen:

 
Bruttoeinkommen Ab 2016
11.000 € 0%
11.000 € bis 18.000 € 25%
18.000 € bis 31.000 € 35%
31.000 € bis 60.000 € 42%
60.000 € bis 90.000 € 48%
90.000 € bis 1 Million € 50%
Ab 1 Million € 55%
  
  • Veräußerung von Grundstücken

 

Die im Jahr 2012 eingeführte Immobilienertragsteuer in Höhe von 25% wird für Grundstücksveräußerungen ab dem 1.1.2016 auf 30% angehoben werden. Für Körperschaften gilt weiterhin der 25%ige Steuersatz. Die Möglichkeit einen sogenannten Inflationsabschlag im Zuge von Grundstücksveräußerungen geltend zu machen entfällt ab 2016.

 

Der Ausgleich von Verlusten aus Grundstücksveräußerungen mit Überschüssen aus Vermietung und Verpachtung wird vereinfacht. Künftig können 60% des Verlustes aus Grundstücksveräußerungen über 15 Jahre verteilt mit Überschüssen aus Vermietung und Verpachtung ausgeglichen werden können. Alternativ kann ein Antrag gestellt werden, dass der Verlust im Ausmaß von 60% mit Einkünften aus Vermietung und Verpachtung sofort verrechnet werden kann.

  
  • Gebäudeabschreibung/Aufteilung der Anschaffungskosten Grund und Boden zu Gebäude

 

Der Abschreibungssatz für unmittelbar betrieblich genutzte Betriebsgebäude wird auf 2,5% (40 Jahre) vereinheitlicht. Bei Betriebsgebäuden, die zu Wohnzwecken vermietet werden, wird künftig ein geringerer Abschreibungssatz, nämlich 1,5% (66,66 Jahre) zur Anwendung kommen. Im Privatvermögen gilt weiterhin der Abschreibungssatz von 1,5%.

 

Den steigenden Immobilienpreisen von Grund und Boden soll im Bereich Vermietung und Verpachtung damit Rechnung getragen werden, dass das Aufteilungsverhältnis der Anschaffungskosten von Grund und Boden zu Gebäude verändert wird. Hier wird der Grundanteil von 20% auf 40% angehoben. Die Neuregelung wird auch auf bereits vermietete Gebäude angewendet, sofern bisher kein Nachweis über ein anderes Aufteilungsverhältnis erbracht worden ist. Im Rahmen einer Verordnung kann von dieser Aufteilung auch abgewichen werden.

  
  • Verlängerung des Verteilungszeitraumes von Instandsetzungs- und Instandhaltungsaufwendungen

 

Der Verteilungszeitraum von bisher 10 Jahren bei Instandsetzungskosten von Wohngebäuden bzw. Instandhaltungsaufwendungen im Rahmen der Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung wird einheitlich auf 15 Jahre verlängert. Ab 2016 wird diese Verlängerung auch für bereits laufende Zehntelabsetzungen angewendet.

  
  • Einkünfte aus Kapitalvermögen

 

Für Einkünfte aus Kapitalvermögen wird der besondere Steuersatz in Höhe von 25% ab 2016 auf 27,5% angehoben. Der besondere Steuersatz von 25% wird künftig nur mehr für Einkünfte aus Geldeinlagen, und nicht verbrieften sonstigen Forderungen bei Kreditinstituten zur Anwendung kommen.

 

Für Körperschaften gilt, dass Einkünfte aus Kapitalvermögen mit 25% Körperschaftsteuer besteuert werden. Aus Vereinfachungsgründen wird es daher für Körperschaften die Möglichkeit eines KESt-Abzuges in Höhe von 25% für sämtliche Einkünfte aus Kapitalvermögen geben.

 

Ein Verlustausgleich von Einkünften, die dem besonderen Steuersatz von 25% unterliegen, mit Einkünften die dem besonderen Steuersatz in Höhe von 27,5% unterliegen, wird möglich sein. Ein etwaiger Verlustüberhang von betrieblichen Kapitalanlagen kann mit bis zu 55% gegenverrechnet werden.

  
  • Neues zu Verlustverwertungsmöglichkeiten

 

Verluste von Einnahmen-/Ausgaben Rechnern werden in Zukunft zeitlich unbegrenzt vorgetragen werden können. Verlustabzüge, die bei der Veranlagung 2016 auch nach alter Rechtslage zu berücksichtigen wären, sollen ab 2016 unbegrenzt vorgetragen werden können. Dies betrifft Verluste ab der Veranlagung 2013 sowie noch nicht verwertete Anlaufverluste.

 

Verluste aus kapitalistischen Mitunternehmerschaften (z.B. Kommanditist) können künftig nicht mehr horizontal oder vertikal ausgeglichen oder vorgetragen werden, sondern müssen auf sog. „Wartetaste“ gelegt werden und sind somit erst mit künftigen Gewinnen aus der Beteiligung oder mit Einlagen verrechenbar sein, wenn das Kapitalkonto dadurch negativ wird oder sich ein Negativstand erhöht. Kapitalistische Mitunternehmer, sind solche, die keine ausgeprägte Unternehmensinitiative entfalten und deren Haftung eingeschränkt ist. Hintergrund ist eine sofortige Verlustberücksichtigung stärker an das Vorliegen einer echten unternehmerischen Betätigung zu knüpfen.

  
  • Grunderwerbsteuer

 

Künftig werden alle grunderwerbsteuerpflichtigen Tatbestände (außer in der Landwirtschaft) einheitlich auf Basis der Gegenleistung, mindestens aber auf Basis des Grundstückswertes berechnet. Für die Ermittlung der Gegenleistung bzw. des Grundstückswertes bestehen folgende drei Möglichkeiten:

 
  • Summe des hochgerechneten dreifachen Bodenwertes zuzüglich Gebäudewert
  • Höhe eines von einem geeigneten Immobilienpreisspiegel abgeleiteten Wertes
  • Nachweis des gemeinen Wertes (z.B. durch Schätzungsgutachten)
 

Im Zuge der Steuerreform wir ab 2016 in entgeltliche, unentgeltliche und teilentgeltliche Grundstückserwerbe unterschieden. Übertragenen innerhalb des Familienverbandes werden jedenfalls als Unentgeltlichkeit angenommen. Der Staffeltarif bei unentgeltlichen Übertragungen wird folgendermaßen neu festgelegt:

 
  • Für die ersten 250.000,-- €:                    0,5%
  • Für die nächsten 150.000,-- €:                2,0%
  • Darüber hinaus:                                       3,5%
 

Der entgeltliche Teil einer Übertragung unterliegt dem regulären Steuersatz von 3,5%. Das Grunderwerbsteuergesetz definiert hier:

 
  • unentgeltlich, wenn die Gegenleistung nicht mehr als 30%,
  • teilunentgeltlich, wenn die Gegenleistung mehr als 30% aber nicht mehr als 70%
  • entgeltlich, wenn die Gegenleistung mehr als 70% beträgt.
  

Für die Ermittlung des anzuwendenden Steuersatzes bzw. Zusammenrechnung werden die Erwerbe zwischen denselben natürlichen Personen innerhalb der letzten fünf Jahre zusammengerechnet. Der Zeitpunkt des Entstehens der Steuerschuld ist für die Berechnung der fünfjährigen Frist maßgeblich. Für die Verteilung der Grunderwerbsteuer für unentgeltliche Erwerbe  ist ein Zeitraum von zwei bis fünf Jahre heranzuziehen.

 

Im Zuge von unentgeltlichen bzw. teilunentgeltlichen Betriebsübertragungen wird der Freibetrag auf € 900.000,-- angehoben. Für den unentgeltlichen Teil wird die Grunderwerbsteuer mit 0,5% des Grundstückswertes begrenzt werden.


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30.8.2016
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