Freiwillige Abfertigungen - System "Abfertigung ALT"

Alle Informationen auf einen Blick

Lohnsteuerliche Behandlung der freiwilligen Abfetrigung, wenn sich der Dienstnehmer im Abfertigungssystem "alt" befindet.

Anwendung der begünstigten Besteuerung

Freiwillige Abfertigungen - also über die gesetzlichen bzw. kollektivvertraglichen Abfertigungen hinausgehende - können bis zu gewissen Grenzen und unter bestimmten Voraussetzungen mit 6% begünstigt besteuert werden, wenn sie tatsächlich mit der Auflösung des Dienstverhältnisses in ursächlichem Zusammenhang stehen.

Unter freiwilliger Abfertigung ist eine Leistung des Arbeitgebers bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu verstehen, auf die weder aus gesetzlichen noch aus kollektivvertraglichen Regelungen ein Anspruch besteht. Schriftlichkeit (zB im Dienstvertrag) ist dabei nicht erforderlich. Dabei ist wesentlich, dass die Zahlung nicht nur als freiwillige Abfertigung bezeichnet wird, sondern ihrem Wesen nach auch eine freiwillige Abfertigung darstellt. Es liegt keine freiwillige Abfertigung vor, wenn dadurch andere arbeitsrechtliche Ansprüche (zB nicht verbrauchter Urlaub, Zahlung für den Verzicht auf Arbeitsleistung künftiger Lohnzahlungszeiträume, Vergleichszahlung, usw.) abgegolten werden.

Bei der begünstigten Besteuerung von freiwilligen Abfertigungen ist zu unterscheiden:

  • Das Dienstverhältnis begann vor dem 1.1.2003 und das System "Abfertigung alt“ wird für die volle Dauer des Dienstverhältnisses weiter geführt: Hier gilt die Begünstigung für freiwillig bezahlte Abfertigungen weiter, d.h. die begünstigte Auszahlung einer freiwilligen Abfertigung ist im unten beschriebenen Ausmaß möglich.

  • Beginn des Dienstverhältnisses vor dem 1.1.2003 und Übertritt in das System "Abfertigung neu“. Siehe Infoblatt "Freiwillige Abfertigungen - System "Abfertigung neu“.

  • Beginn des Dienstverhältnisses ab dem 1.1.2003. Hier wird auf die volle Dauer des Dienstverhältnisses bereits das neue Abfertigungssystem angewendet, dh der Dienstgeber zahlt in die Mitarbeitervorsorgekasse ein. Die bisherige Begünstigung ist gänzlich unanwendbar, d.h. die freiwillige Abfertigung ist wie ein laufender Bezug im Zeitpunkt des Zuferlißens nach dem Lohnsteuertarif zu versteuen.

Hinweis:
Die Ausführungen in diesem Infoblatt beziehen sich nur auf die freiwillige Abfertigung für Dienstverhältnisse, die sich noch zur Gänze im System "Abfertigung ALT“ befinden. Die lohnsteuerliche Behandlung von freiwilligen Abfertigungszahlungen für Dienstnehmer, die sich ganz oder teilweise im System "Abfertigung NEU“ befinden, finden Sie in unserem Infoblatt "Freiwillige Abfertigungen - System "Abfertigung NEU“.

Viertelregelung

Freiwillige Abfertigungen sind mit 6% zu versteuern, soweit sie insgesamt ein Viertel der laufenden Bezüge der letzten zwölf Monate nicht übersteigen. 

Für Auszahlungen gilt seit 1. März 2014 die Einschränkung, dass die Begünstigung max. bis zur 9-fachen monatlichen ASVG-Höchstbeitragsgrundlage (Wert 2016: EUR 34.740,--) gilt.  

Gleichzeitig wurde beim Betriebsausgabenabzug eine Verschärfung vorgesehen: Jene Entgelte, die beim Empfänger nicht der begünstigten Besteuerung iHv 6 % unterliegen, sind nicht als Betriebsausgabe abzugsfähig.

Beispiel:

Laufender Monatsbezug: EUR 15.000,--; Jahresviertel: EUR 15.000,-- x 12 : 4 = EUR 45.000,--. Maximal begünstigt (6% LSt) sind EUR 43.740,-- (Höchstbemessungsgrundlage 2016 in Höhe von EUR 4.860,-- x 9 = EUR 43.740,--), Rest (EUR 1.260,--) ist wie ein laufender Bezug zu versteuern und ist außerdem nicht als Betriebsausgabe abzugsfähig. 

Hat das Dienstverhältnis länger als zwölf Monate gedauert und sind innerhalb der letzten zwölf Monate z.B. infolge Präsenzdienst, Krankheit, Altersteilzeit, Mutterschutz oder Karenzurlaub geringere oder gar keine Bezüge ausbezahlt worden, ist die Beurteilung von dem Zeitraum zurückgehend vorzunehmen, für den letztmalig die vollen laufenden Bezüge angefallen sind.

Zwölftelregelung

Über das Ausmaß der Viertelregelung hinaus sind freiwillige Abfertigungen im nachfolgenden Ausmaß mit 6% zu versteuern:

Nachgewiesene Dienstzeiten (inkl. Vordienstzeiten)

Ausmaß der Begünstigung

3 Jahre

2/12 max. €   29.160

5 Jahre

3/12 max. €   43.740

10 Jahre

4/12 max. €   58.320

15 Jahre

6/12 max. €   87.480

20 Jahre

9/12 max. € 131.220

25 Jahre

12/12 max. € 174.960

Auch hier gilt für Auszahlungen ab 1. März 2014 eine Beschränkung: Der begünstigt zu versteuernde Betrag ist mit dem 3-fachen der jeweiligen monatlichen ASVG-Höchstbeitragsgrundlage begrenzt. Jene Entgelte die nicht mit 6 % besteuert werden, unterliegen dem Betriebsausgaben-Abzugsverbot.

 

Es ist gleichgültig, ob die „nachgewiesene Dienstzeit“ bei ein und demselben Arbeitgeber bzw. bei verschiedenen Arbeitgebern verbracht worden ist. Sofern ein geeigneter Nachweis über die geleistete Dienstzeit und die ausbezahlten bzw. nicht bezahlten Abfertigungen erbracht wird, können selbst Dienstzeiten bei ausländischen Arbeitgebern berücksichtigt werden.


Den Nachweis über die zu berücksichtigende Dienstzeit sowie darüber, ob und in welcher Höhe gesetzliche oder freiwillige Abfertigungen bereits ausgezahlt worden sind, hat der Arbeitnehmer zu erbringen.Auf die Zwölftelregelung sind folgende Beträge anzurechnen und kürzen das begünstigte Ausmaß:

  • während der nachgewiesenen Dienstzeit (auch bei früheren Arbeitgebern) bereits erhaltene begünstigte freiwillige Abfertigungen oder gesetzliche Abfertigungen sowie

  • bestehende Ansprüche auf eine gesetzliche Abfertigung 

Besteuerung als laufender Bezug

Soweit die Grenzen der Viertel- und Zwölftelregelung überschritten werden, sind freiwillige Abfertigungen wie ein laufender Bezug nach der monatlichen Lohnsteuertabelle zu versteuern. Zu beachten ist, dass diese Beträge, die nicht mehr dem begünstigten Steuersatz von 6% unterliegen, seit 1.4.2014 nicht als Betriebsausgabe geltend gemacht werden können.

Beispiel zur Abrechnung einer Abfertigung

Monatlicher Bruttobezug € 2.000,-- (14mal), Austritt 31.12; 13 Dienstjahre
(4 Monatsgehälter gesetzliche Abfertigung); Nachweis über zusätzliche Vordienstzeiten von 8 Jahren (ohne erhaltene Abfertigungen), laut Dienstvertrag vereinbarte Abfertigung von € 30.000,-- (= gesetzliche und vertragliche Abfertigung)
 

Abrechnung Abfertigung

Beträge in €

Gesamtbetrag der Abfertigung

30.000,--

Besteuerung mit festem Satz



 

 

a) Gesetzliche Abfertigung

2.000,-- x 14 : 12 x 4

 9.333,33

b) Freiwillige Abfertigung Viertelregelung:
1/4 der letzten 12 Monate

2.000,-- x12: 4

 6.000,--

c) Freiwillige Abfertigung Zwölftelregelung:
Gesamtdienstzeit: 21 Jahre; daher max.
zusätzlich 9/12 der letzten 12 Monate
abzüglich gesetzl. Abfertigung
Nach der Zwölftelregelung daher:

18.000,--
- 9.333,33

 8.666,67

Insgesamt mit 6% zu versteuern

 

24.000,--

Als laufender Bezug ist daher der Rest zu versteuern. Dieser kann nicht als Betriebsausgabe geltend gemacht werden.

 

  6.000,--

Sozialversicherung 

Freiwillige Abfertigungen sind sozialversicherungsfrei.

  

Dienstgeberbeitrag (DB) und Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag (DZ) 

Freiwillige Abfertigungen sind von DB und DZ befreit.  


Kommunalsteuer

Freiwillige Abfertigungen sind kommunalsteuerfrei


Stand: 01.01.2016

Diese Information ist ein Produkt der Zusammenarbeit aller Wirtschaftskammern.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Wirtschaftskammer Ihres Bundeslandes:
Burgenland, Tel. Nr.: 05 90907-0
Kärnten, Tel. Nr.: 0590 904-0
Niederösterreich, Tel. Nr.: (02742) 851-0
Oberösterreich, Tel. Nr.: 0590 909
Salzburg, Tel. Nr.: (0662) 8888-0
Steiermark, Tel. Nr.: (0316) 601-601
Tirol, Tel. Nr.: 0590 905-0
Vorarlberg, Tel. Nr.: (05522) 305-0
Wien, Tel. Nr.: (01) 514 50-0
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Bei allen personenbezogenen Bezeichnungen gilt die gewählte Form für beide Geschlechter!

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