ExportExpert; Kuba

Martha hat vor zwei Jahren bereits von ihrem ersten Aufenthalt auf Kuba berichtet. Begleitet sie auf ihrer letzten Kuba-Reise, diesmal zu einem Wirtschaftsforum zum Thema Erneuerbare Energie und Industriemodernisierung:


Freitag, 23.11.2018

Kaffeepause Kuba

Am Montag startet unser Wirtschaftsforum in Havanna/Kuba. Da auf Kuba viele Dinge die für uns selbstverständlich sind fehlen gilt es, bei den Vorbereitungen besonders gründlich zu sein. Die Teilnehmermappen sind wegen des schlechten Internetempfang dicker als normalerweise, Kontaktadressen werden nochmal überprüft, das Internetpaket (heiße 20MB) für's Handy freigeschalten, sämtliche Termine mit unserem kubanischen Kooperationspartner, dem kubanischen Industrieministerium, ein letztes Mal rückbestätigt. Die Organisation auf Kuba ist zu unberechenbar um hier irgendein Detail dem Zufall zu überlassen. Außerdem kann man auf Kuba weder Bankomate verwenden, noch überall mit Karte zahlen. Das heißt auch das notwendige Bargeld muss berechnet, abgezählt und eingepackt werden. Meinen Koffer packe ich diesmal im Büro: Voll mit unseren Infobroschüren „Fresh View“ über die relevanten Sektoren, Werbematerial und – Keksen. Den Begriff „Coffee Break“ nimmt man mangels Ressourcen auf Kuba wörtlich: Für die Kaffeepause wurde uns exakt Kaffee und Wasser angeboten. Saft und Softdrinks haben wir dann noch reinreklamieren können, alles andere kommt per Koffer mit.

 

Sonntag, 25.11.2018

Um 9 Uhr in der Früh geht es zum Flughafen. Die Check-In Schalter für Kuba sind neben den Schaltern für Sondergepäck. Nicht ohne Grund – bis hin zur Klimaanlage wird alles mitgenommen, was man irgendwie durch den kubanischen Zoll bekommt. Um 17 Uhr bin ich endlich im Hotel. Kurz darauf treffe ich meine Mitarbeiterin, die für Kuba zuständig und schon früher angereist ist, sowie unsere Konsulentin, die uns seit über 20 Jahren von Havanna aus unterstützt. Wir besprechen die letzten Details und um 20 Uhr treffen wir die Firmenrepräsentanten zum Begrüßungsgespräch. Es werden so angeregt Erfahrungen ausgetauscht, dass wir das Ganze nach einer Stunde in ein Restaurant verlegen und mit dem Abendessen kombinieren.

 

Montag, 26.11.2018

Sonnenaufgang, La Habanna

Der Tag beginnt früh, dafür mit einem spannenden Gespräch mit unserem Taxifahrer. Er war unter Fidel Castro einer dessen Chauffeure. Er zeigt uns sogar seinen alten Ausweis, weil er Zweifel in unseren Gesichtern sieht. Um 7.30 sind meine Kollegin Daniela und ich in den Veranstaltungsräumen des Industrieministeriums und bereiten die letzten Details vor: Unsere Roll-Ups wollen aufgestellt, die ppt-Präsentationen der österreichischen Firmen getestet und die Kekse bei der Kaffee-Verantwortlichen abgegeben werden. Zur Begrüßung des Wirtschaftsforums kommt auch der neue österreichische Botschafter – ein Detail, das auf Kuba sehr hoch geschätzt wird. Der Vormittag besteht aus Vorträgen zum neuen kubanischen Investitionsgesetz und der Sonderwirtschaftszone Mariel. Mit diesen Maßnahmen hofft Kuba, seine Wirtschaft in Schwung und sich selbst auf die internationale Wirtschaftslandkarte zu bringen. Am Nachmittag präsentieren sich die österreichischen Firmen und stehen für erste Fragen zur Verfügung. Für einen schönen Ausklang des ersten Tages unserer Veranstaltung sorgt ein kleiner Empfang in der Residenz des Botschafters.

Wirtschaftsforum Kuba

 Dienstag, 27.11.2018

Der gesamte 2. Tag ist für B2B Termine reserviert. Es war nicht leicht, den ö. Firmen zu erklären, dass es keine fixe Agenda gibt, aber natürlich alle relevanten Personen eingeladen wurden. Die Uhren auf Kuba ticken in einem anderen Rhythmus. Ein kurzer Schockmoment: Für einen Firmenvertreter wurde nur ein Gesprächspartner eingeladen und dieser ist gerade im Krankenhaus, weil er einen Unfall hatte. Ob er noch kommt? Das weiß man nicht. 30 Minuten später der erlösende Moment: Der Gesprächspartner spaziert mit Kopfverband bei der Türe herein, außerdem haben sich noch 3 andere Interessenten für Termine mit besagtem ö. Firmenvertreter eingefunden. Alles läuft gut. Das einzige Problem ist die Sprachbarriere. Wenn die Übersetzer gerade nicht ausreichen springen meine Kollegin und ich als Übersetzer ein. Um 14 Uhr schließen wir das Forum und schicken die Firmen zu ihren externen Terminen los. Es ist auf Kuba immer eine Herausforderung, mehrere Taxis ohne allzu lange Wartezeit zu bekommen, aber unser Fahrer von Montagfrüh hat sich gottseidank als zuverlässiger Vermittler herausgestellt. Nachdem wir alle Firmen mit Taxis versorgt haben machen wir uns an den Abbau unserer Rollups. Keks und Werbegeschenk ist kein einziges übriggeblieben. Um 15 Uhr sind wir endlich im Hotel und haben Zeit um Mittag zu essen. Mit gefülltem Magen bereite ich mich auf die Termine für Mittwoch vor. Nach einem gelungenen Tag gönne ich mir eine kurze Auszeit in Form eines Spazierganges am Malecón und eines Mojito auf der Terrasse des traditionsträchtigen „Hotel Nacional“. Die 3-Mann live Band wird regelmäßig zu einem Tisch geholt um „Chan Chan“ vom Buena Vista Social Club zu spielen. So einen Veranstaltungsausklang hätte ich gerne öfter.

Hotel Nacional

Mittwoch, 28.11.2018

In der Früh geht es zur Banco Exterior de Cuba um einige Details zu österreichischen Investitionsmöglichkeiten zu besprechen.  Im Anschluss bin ich mit einem Vertreter von zwei österreichischen Firmen zum Frühstück verabredet. Er schildert mir die Ups and Downs der Geschäftswelt auf Kuba. Besonders spannend finde ich das Transportproblem: Seit etlichen Jahren ist es auf Kuba verboten, Neuwagen zu importieren. Die Gebrauchtwagenpreise sind inzwischen 8mal so hoch wie bei uns, Ersatzteile Luxusware. Mietwägen für Firmen gibt es kaum noch, da diese für den Tourismus gebraucht werden. Ich verstehe lauf einmal die Taxiwartezeiten und verhältnismäßig hohen Taxipreise. Ich begleite ihn noch zu einem Termin mit einer kubanischen Behörde, offizielle Begleitung hat auf Kuba noch Gewicht. Dann ist es auch schon Zeit ins Hotel zurückzufahren, den Koffer zu packen und sich Richtung Flughafen zu verabschieden. Dort klappere ich mehrere Wechselstuben ab um meine übrigen CUC wieder in Pesos umwechseln zu können. Es gehen zwei Flüge nach Mexiko fast zeitgleich, die Wechselstuben sind darauf nicht vorbereitet. Man sollte meinen, der Flugplan wäre bekannt. Aber wie gesagt. Kuba, anderer Rhythmus. Der Flug ist gottseidank pünktlich. Bei einem Duty Free Bereich der aus drei Geschäften besteht, die praktisch das gleiche verkaufen (Rum, Zigarren, Magnete) und zwei Cafés ist Wartezeit doppelt langweilig. Das habe ich bei meinem letzten Kuba-Aufenthalt ausprobiert. Diesmal habe ich Glück. Cuba, nos vemos!

Vogelperspektive Havanna

Diesen #ExportExpert Diary Eintrag hat Martha für euch verfasst.

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