Tag der Toten, Mexiko

Spätestens seit dem Film COCO kennt man die bunten mexikanischen Gräber der Allerheiligenzeit. Aus der indigenen Tradition, regelmäßig mit seinen Ahnen Kontakt aufzunehmen, hat sich ein eigener Geschäftszweig entwickelt mit dem zumindest einige Wochen lang gutes Geschäft gemacht wird.

Schon Wochen vor dem 1. November tauchen auf den traditionellen Märkten und in den Supermärkten die dottergelben Tagetes-Blumen auf, die in den Nächten vom 1. und 2. November den Seelen den Weg zeigen sollen. Daneben stehen lange Reihen von (wortwörtlichen) Sugar Skulls, nicht nur aus Zucker sondern auch aus Schokolade, für die gesundheitsbewussten Nascher gibt’s die Super-Food Version aus Amarant, in jedem Fall aber knallbunt verziert.

AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA, TAG DER TOTEN, MEXIKO

Etwas später kann man sich im Büro vor dem „Pan de Muertos“ (dt.: Brot der Toten; sehr leichter Brioche mit aus Teig geformten Kreuz obenauf) kaum mehr retten, das von verschiedensten Geschäftskontakten verschickt wird wie bei uns Weihnachtskarten. Außerdem gilt es eine Grundsatz-Entscheidung für den Zimmerschmuck zu treffen. Am Tag der Toten darf das „Papel Picado“, aus Seidenpapier ausgestanzte Girlanden mit Skelett-Motiven, nicht fehlen. Aber: nimmt man die feinere, traditionelle Version aus Seidenpapier und hofft, es in einem Stück nach Hause zu bringen oder geht man auf Nummer sicher und wählt die neumodische Version aus Plastik?

Bond-Parade, Tag der Toten, Mexiko-Stadt

Parade, Tag der Toten, Mexiko

In den sozialen Medien kursiert schon längst eine Vielzahl an Veranstaltungen und Tour-Angeboten mit den besten Möglichkeiten das traditionellste Totenfest überhaupt kennenlernen zu können. Pflichtprogramm für alle, die in Mexiko-Stadt leben, ist die James Bond Parade am Samstag vor dem tatsächlichen Tag der Toten. Ich schreibe „James Bond Parade“, weil diese Parade vor dem Film nicht existiert hat und seither nachgeahmt wird. Auch, wenn ich definitiv größer bin als der Durschnittsmexikaner, um bei den Menschenmengen mehr als das obere Drittel der Parade sehen zu können braucht es künstliche Beinlänge.


Mixquic, Tag der Toten, Mexiko

Tag der Toten, Mixquic

Für den tatsächlichen Tag der Toten gibt es eine überwältigende Vielzahl an Auswahlmöglichkeiten. Am 1. November wird es noch ruhiger zugehen in der Vielzahl an Dörfern, die zu gegebenen Anlass ein Volksfest für Einheimische, aber doch ein bisschen mehr für die in- und ausländischen Besucher veranstalten, und nicht nur die Friedhöfe, sondern oft auch die Wohnzimmer öffnen, damit man die traditionellen Totenaltäre bestaunen kann. Am 1. November sagt die Tradition nämlich, kommen die Kinderseelen auf Besuch. Ob Kind oder -seele, alleine auf die Straße darf man so und so nicht, deshalb wird am 1. November zuhause gefeiert.

Mixquic, Tag der Toten, Mexiko

Am 2. November wird das Festmahl dann auf den Friedhof verlegt, um dort die Erwachsenenseelen zu verpflegen. Festmahl meine ich wortwörtlich. Es werden die Lieblingsspeisen und Getränke der Verstorbenen gebracht, das geht manchmal bis zum Tischgrill, der, je nach Platzmangel, neben oder auf dem Grab aufgebaut wird. Dort wird dann, unter den neugierigen Augen der als Skelette bemalten Touristengesichter, mit den Ahnenseelen geschmaust. Mit einer Engelsgeduld lassen sich die Mexikaner und -Innen dabei fotografieren, filmen und befragen. 

Tag der Toten, Mixquic, Mexiko

Der Tag der Toten ist mir ans Herz gewachsen. Die Tradition, nicht um die Verstorbenen zu trauern, sondern sie für eine kurze Zeit wieder zurück in den eigenen Alltag zu holen, sagt mir mehr zu als die Trauerzeremonien bei uns zuhause. Derzeit entwickelt sich diese schöne Tradition leider eher Richtung Disneyland der Toten, mit Volksfest und Konzerten rund um den Friedhof.

Tag der Toten, Mexiko

Ich war vor 5 Jahren schon einmal am 2. November auf zwei kleinen Friedhöfen im Bundesstaat Morelia. Von der wohligen Beschaulichkeit, die dort herrschte, war dieses Jahr kaum mehr etwas zu spüren. Diese Kritik klingt leicht absurd, bin ich doch selbst ebenso Zuseher wie alle anderen. Ab nun werde ich wohl, der Tradition und Beschaulichkeit zuliebe, bei meinem eigenen Ahnenaltar zuhause bleiben. 

Mexiko, Ofrenda, Tag der Toten

Diesen Artikel hat Martha für euch verfasst.

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