In unserer neuen Serie «Export Experts» holen wir erfolgreiche Auslandsösterreicher/innen vor den Vorhang. Lisa traf Schokoladen-Queen Julia Zotter und plauderte mit ihr über ihr Leben im Reich der Mitte, ihre Ambitionen und den «Heilige Gral», also Schokolade.


Interview mit Schokoladen-Queen Julia Zotter

In Paris absolvierte sie an der elitären Kochschule Cordon Bleu eine Ausbildung zur Köchin und Pâtissière. Daran anschließend begann sie in Wien Lebensmittel- und Biotechnologie zu studieren. Dann wagte das steirische Familienunternehmen „Zotter Schokoladen“ den Sprung auf den weit entfernten, chinesischen Markt – mit ihr als General Managerin.

Seit 2014 betreibt die mittlerweile 29-jährige Julia Zotter in einer ehemaligen Backwarenfabrik in Shanghai das von ihr aufgebaute Zotter Schoko-Theater, wo die Besucher in die Schokoladenwelt von Zotter eintauchen und hunderte handgeschöpfte Schokoladen naschen können, die in der Manufaktur in Riegersburg gefertigt und frisch nach Shanghai geliefert werden. 

China ist für Julia kein Neuland. Bereits als Austauschschülerin hat sie bei einer chinesischen Gastfamilie in Xian gelebt und ist bestens vertraut mit Sprache und Kultur. Welche Erfahrungen sie in China machte, welche Überraschungen das Land trotz allem für sie bereitgehalten hat und was sie an Österreich am meisten vermisst - das erzählt sie Lisa heute.

Was macht deinen Job als steirische Unternehmerin in China so einzigartig?

China ist einfach anders. Es ist ein aufstrebendes Land im Wandel, mit unbegrenzten Möglichkeiten und gleichzeitig mit so vielen Herausforderungen. Die Arbeit in China ist insofern für mich einzigartig, als dass ich hier das erste Mal ein Team alleine leite und meine eigenen Projekte umsetzen kann. Hier habe ich gelernt unternehmerisch zu denken und das ist etwas, das mich für immer prägen wird.

In China zu arbeiten und zu leben ist nicht immer leicht. Wenn du die Zeit zurückdrehen könntest, welchen Ratschlag würdest du dir rückblickend für deinen beruflichen Start in China geben?

Oh, da hätte ich gleich mehrere Ratschläge für die „Julia von damals“ (lacht). Zum Beispiel ist das Verständnis eines Jobs hier in China ein ganz anderes als bei uns. In Österreich suchen viele Menschen ihre Erfüllung im Job, in China ist er meist nur eine Notwendigkeit. Diese Einstellung schlägt sich dann mitunter auch auf die Arbeitsweise und auf das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Firma nieder. Das Resultat ist eine hohe Fluktuationsrate – auch bei uns. Die Dynamik dahinter zu verstehen ist wichtig und ein gutes, langfristig beständiges Team mit einem hohen Zusammengehörigkeitsgefühl aufzubauen, daher umso wichtiger. Das ist etwas, worin ich rückblickend noch mehr Energie investieren hätte sollen. 

Was man in China auch lernen muss ist, langfristig zu denken und zu planen. Trotz des Fortschritts in vielen Bereichen, dauern Dinge in China immer noch länger. Da ist Geduld die höchste Tugend! Und nur weil Zotter in Österreich jeder kennt, heißt das nicht, dass man mit demselben unternehmerischen Rezept automatisch in China erfolgreich ist. Sich an lokale Gegebenheiten anpassen zu können - das ist der Schlüssel zum Erfolg!

Was unterscheidet den chinesischen Markt für Schokolade vom Österreichischen?

Julia: Ich erinnere mich noch gut an den Moment als ich im Alter von 16 in China verzweifelt auf der Suche nach Schokolade war. Im damals einzigen internationalen Supermarkt der Stadt wurde ich nach vielen Stunden schließlich fündig und es war, als hätte ich den Heiligen Gral entdeckt. 

Den Menschen hier zu zeigen, dass es bei Schokolade vor allem um den Geschmack und Genuss geht, ist meine Mission.

Ganz so schwer findet man Schokolade heutzutage nicht mehr in China, vor allem nicht in einer internationalen Stadt wie Shanghai.

Dennoch: Schokolade ist in China noch immer ein Statussymbol. Sie steht für die westliche Welt und sie ist ein Luxusgut, das man gerne schenkt, aber nie wirklich isst. Den Menschen hier zu zeigen, dass es bei Schokolade vor allem um den Geschmack und Genuss geht, ist meine Mission.

Welche Dinge vermisst du an der Heimat Österreich?

Wirklich vermisse ich Ruhe, die gute Luft und die Möglichkeit alleine im Wald spazieren gehen zu können.

Wie siehst du deine berufliche Zukunft und welche Ziele hast du noch in China?
Zotter soll ein Vorbild im Bereich Nachhaltigkeit sein und ein Umdenken in China bewirken.

Es ist ja kein Geheimnis, dass ich bald nach Österreich in die Zentrale zurückkehren und nur mehr auf Dienstreisen nach China kommen werde. Wir arbeiten schon seit Längerem an der Übergabe des Schoko-Theaters an unseren erfahrenen Partner. Mein kurzfristiges Ziel ist es also, das Schoko-Theater auf einer stabilen Basis zu übergeben und diesen Prozess für das Team so reibungslos wie möglich zu gestalten. Langfristiges Ziel ist definitiv, unsere Marktpräsenz weiter auszubauen und ein Bewusstsein für „Bio“ und „Fairtrade“ in den Köpfen der chinesischen Konsumentinnen und Konsumenten zu schaffen. Zotter soll ein Vorbild im Bereich Nachhaltigkeit sein und ein Umdenken in China bewirken.

Jetzt aber mal ehrlich – kann man Schokolade noch lieben, wenn sich der ganze Tag nur um die süße Versuchung dreht?

Fragt man einen Winzer, ob er Wein noch mag oder einen Bäcker, ob er sich an seinem Brot schon satt gegessen hat? Schokolade ist mein Leben und ohne sie bin ich nicht ich. Außerdem habe ich ja eh eine riesige Auswahl an 400 verschiedenen Sorten und ständig kommen neue hinzu – also wird’s sowieso nie fad (lacht).

Was ist „surprisingly ingenious“ an österreichischen Unternehmen? Womit können sie international punkten?
Zu Kaisers Zeiten hieß es: „Tu Felix Austria, Nube“. Das ist auch heute noch gültig, weil Österreichs Unternehmen gut im Netzwerken sind.

Mich faszinieren vor allem die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen in Österreich, die in aller Welt erfolgreich ihre Nische finden. Sie sind sehr spezialisiert und leisten unglaublich viel. Sie sind meist gut aufgestellt und sehr agil - und können sich somit im internationalen Wettbewerb an die sich schnell ändernden Anforderungen sehr gut anpassen. Und das müssen sie auch, allein schon weil Österreich ein zu kleiner Markt ist, um sich den Luxus erlauben zu können, sich bloß auf sich selbst zu konzentrieren. Zu Kaisers Zeiten hieß es: „Tu Felix Austria, Nube“. Das ist auch heute noch irgendwie gültig, weil Österreichs Unternehmen gut im Netzwerken sind. Sie schließen oftmals geschäftliche Verbindungen, die dann auch von Vorteil und gut für den Ruf der österreichischen Wirtschaft sind. Darüber hinaus ist unser Image im Servicebereich weltweit einzigartig und die heimische Fachausbildung nach wie vor ein Asset im internationalen Wettbewerb.


Diesen Blogbeitrag hat Lisa für euch verfasst. Wir freuen uns über eure Kommentare. 

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Kommentare (160)
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