Aussenwirtschaft Austria, AußenwirtschaftsCenter Zürich, Maria Trsek, Wirtschaftsdelegierte, Blog, Traineeblog, Schweiz, Mythen

Wer nicht gerade aus Vorarlberg kommt, weiß in der Regel wenig über die Schweiz. Jeder andere ist daher geneigt, Klischees oder Mythen über dieses schöne Land meinungsbildend zu verwenden. Zum neuen Jahr räume ich mit diesen ein für alle Mal auf.

Ich gebe ja zu, dass auch ich mich, die ich aus der Steiermark, bzw. aus Wien komme, anfangs von einem Klischee zum anderen weitergehantelt habe. Mittlerweile lebe ich aber schon sechzehn Monate in Zürich und habe das Typische der Schweiz, ihre Gesellschaft und Wirtschaft gründlich studiert. Ich kann euch genau sagen, was an den Klischees und Mythen über die Schweiz Wahres dran ist, oder ob so gut wie nichts dahintersteckt. Ein Expertentipp zum Jahreswechsel also.

Mythos 1: „ Die Schweiz ist Käseland Nr. „

Ich persönlich pflege ja zu Emmentaler, Gruyère und Co kein allzu inniges Verhältnis aber um ein Raclette oder Käsefondue (ich berichtete im Weihnachtsartikel). hie und da komme ich oft nicht umhin.

Der Schweizer Käse (oder „Chäs“ das typische Wort mit dem sechsfachen „ch“, wie es die Schweizer zu sagen pflegen) ist eine Institution. Die Käseherstellung hat in der Schweiz eine Tradition, die in graue Vorzeit zurückgeht. Aber auch was innovative Methoden der Milchverarbeitung anbelangt, sind die Schweizer top, wie auch unsere Zukunftsreise „Food Innovation“ zur Milch verarbeitenden Industrie gezeigt hat.

Bei der Quantität haben die Schweizer allerdings nicht die Nase vorne. In der Produktion sind es nämlich die Amerikaner und im Konsum die Franzosen. Aber auch Österreich produziert mit 200.000 Tonnen mehr Käse als die Schweizer mit 185.000 Tonnen im Jahr.

Mythos ist falsch.

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Mythos 2: „ Schaffe schaffe Häusle baue“

Dieses Motto gilt nicht nur für die Schwaben sondern auch für die Schweizer. Nicht umsonst führt die Schweiz im internationalen Vergleich jährlich ungebrochen alle Rankings im Bereich Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft an. Getragen durch Top Unis wie der ETH und durch die Pharmaindustrie (Novartis und Roche gehören zu den größten Unternehmen der Welt) werden in der Schweiz am meisten Patente weltweit angemeldet, rund 900 pro 1 Mio. Einwohner.

In Sachen Genauigkeit und Verlässlichkeit gibt es wohl kein Volk, welches noch besser ist. Das macht das Arbeiten für mich hier sehr angenehm und kalkulierbar. Unser Verhältnis ist aber bilateral: auch von mir verlangt man die gleiche Verlässlichkeit und Genauigkeit. Ich schätze auch sehr, dass man hier exakt organisiert, aber im Umgang miteinander sehr kollegial und freundlich ist. Man ist schnell „per du“ und hält nichts von Titeln.

Mythos stimmt.

Mythos 3: „Die Schweiz ist eine kleine, offene Volkswirtschaft“

Diesen Satz höre ich sehr oft. Genau wie Österreich wäre ein so kleines Land wie die Schweiz ohne Export dem Untergang geweiht. Auch wenn die Schweiz nicht Mitglied der EU ist, ist sie dennoch immer bestrebt – vor allem strategische - Partnerschaften im Ausland zu pflegen. Auch in Sachen Ausländeranteil der Beschäftigten ist die Schweiz Spitzenreiter. Vor allem Italiener, Deutsche und Portugiesen suchen sich die Schweiz als Wahlheimat aus.

Aber Achtung, wer in der Schweiz Geschäfte machen möchte, den erwarten auch Hürden, an die man als verwöhntes Mitglied der EU nicht gewohnt ist. Ein Großteil unserer Arbeit im AußenwirtschaftsCenter besteht darin, diese Hürden aufzuzeigen, zu beseitigen und die österreichischen Wirtschaftstreibenden in der Schweiz so gut es geht, z.B. im Bereich Mitarbeiterentsendung, zu coachen.

Mythos stimmt aber unterm Strich.

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Mythos 4: „Die Schweiz ist ein Steuerparadies“

Laut OECD gehört die Schweiz zu den Ländern weltweit, wo man am wenigsten Steuern zahlen muss. Nicht als Steuern gelten jedoch Krankenkassenprämien. In anderen Ländern zählen diese zu den Steuern. Somit ist das Bild vielleicht etwas verzerrt. Spannend ist auch, dass die Steuerlast je nach Kanton und sogar je nach Wohngemeinde variieren kann. In Zug z.B. zahlt man weniger, als im nur 20 km entfernten Zürich. Auch für Unternehmen gibt es je nach Kanton unterschiedliche Steuermodelle und Steuervergünstigungen. Auch ausländische Unternehmen ohne Sitz in der Schweiz müssen sich ab 2018 mehr Gedanken über die Schweizer Steuern machen: Durch die neue Mehrwertsteuer-Revision müssen die meisten ausländischen Unternehmen auch eine Schweizer Mehrwertsteuer auf ihre Umsätze verrechnen. Das kann unter Umständen komplex werden. Aber Hilfe naht: das AußenwirtschaftsCenter Zürich berät, z.B. auch via Webinar.

Mythos stimmt bedingt.

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Mythos 5: „Die Schweiz ist Uhrenland Nr. 1“

Wer das Budget hat, leistet sich eine teure Uhr, die in den meisten Fällen  aus der Schweiz kommt. Heute stammen mehr als die Hälfte der weltweit verkauften Luxusuhren aus der Schweiz. Wenn man aber nicht gerade Uhrenliebhaber ist, sind Nichtschweizern die Marken TAG Heuer, IWC oder Breguet wenig bekannt.

Die Schweizer LuxusgüterIndustrie, die zwar in den vergangenen Jahren immer wieder Federn lassen musste, ist eine der erfolgreichsten weltweit. Mit weltbekannten Marken wie Cartier, IWC, Jaeger-LeCoultre, Montblanc und Lancel schaffte es z.B. der Richemont-Konzern auf Platz zwei der umsatzstärksten Luxusfirmen.

Mythos stimmt.

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Das Team des AC Zürich vor dem Uhrwerk der ältesten Uhr der Schweiz: der Zyttglogge in Bern

Mythos 6: „Die Schweiz ist ein Hochpreis-Land“

Nicht nur Uhren sind teuer. Die Schweiz ist generell ein Hochpreisland. Dies betrifft vor allem Dinge des täglichen

Bedarfs. Für Lebensmittel bezahlt man sogar 73% mehr als in der EU. Das ist so, damit lebt man trotzdem gut, weil auch das Einkommen deutlich höher ist. Wieso ist die Schweiz so reich? Ganz sicher nicht durch Nazi Gold. Antrieb ist vielmehr eine leistungsstarke und dynamische Industrie, die dem Land zu Wohlstand verholfen hat und durch die seine Preisstandards angehoben werden konnten.

Es gibt aber auch Produkte, die man in der Schweizer günstiger bekommt, als in Österreich. Z.B. Schitickets (viele Schiregionen fahren groß angelegte Marketing Aktionen dazu) oder auch Elektrogeräte.

Mythos stimmt

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Mythos 7: „Man kann auch ohne Schwyzerdütsch-Kenntnisse in der Schweiz überleben“

Schwyzerdütsch – die Sprache, die uns Nichtschweizer immer ein wenig schmunzeln lässt, habe ich mittlerweile verstehen und lieben gelernt. Die Schweizer sind stolz auf ihre Sprache, die neben Französisch, Italienisch, Rätoromanisch und Deutsch verwendet wird. Eine Sprache, die man – Gott bewahre - niemals bloß einen Dialekt nennen darf. Außer bei den offiziellen Nachrichten in Funk und Fernsehen wird man auch immer Schwyzerdütsch hören. Daher sollte man sich als Ausländer schleunigst daran gewöhnen. Auch sich „Vokabeln“ einzuprägen ist nicht von Nachteil. Nachahmen ist eher weniger eine gute Idee, außer man will zur allgemeinen Belustigung der beitragen, für die ich hiermit gesorgt habe.

Mythos ist falsch.

Diesen Beitrag hat Maria verfasst.

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