Wir alle haben exotische Destinationen in unseren Betreuungsbereichen: Martha hat euch schon nach Kuba mitgenommen, Daniel hat euch von Laos berichtet. Ich zeige euch heute das Exotischste, was mein Dienstort zu bieten hat: Drei Mal Sachsen.

Bittere Erkenntnis

In meinem letzten Artikel habe ich euch versprochen, wieder mehr Anekdoten zu bringen und mich weniger auf Zahlen und Fakten zu konzentrieren. Das ist ein Versprechen, das ich gerne einlöse:

Ich habe letztens auf einer Veranstaltung einer Runde von jungen Menschen (ja, ich bin so alt, dass ich jemanden als «junger Mensch» bezeichnen darf) von meinem Beruf erzählt. «Ey, voll nice, bei dem Job kommste sicher viel zum Reisen», warf eine Zuhörerin ein. Ich wusste nicht ganz, wie ich reagieren soll: «Äh ja, meine Kollegin war neulich in Kuba. Und ich, äh ich war vor einer Woche in Bitterfeld.»

Ich will nicht überheblich sein, Bitterfeld ist eigentlich ganz süß. Und enorm wichtig für alle Menschen, die schon einmal Kopfschmerzen hatten: Dort produziert nämlich der Pharmakonzern Bayer Aspirin für den europäischen Markt. Aber für die Sammlung der potentiellen Gute-Nacht-Geschichten für Enkelkinder kommt Bitterfeld etwas weniger in Frage als Havanna.

Muss es auch nicht

Unsere Dienstorte sind alle anders: Und sie haben alle ihre Vor- und Nachteile. Wenn ihr Marthas Artikel zu Kuba aufmerksam gelesen habt, dann habt ihr bestimmt denselben Eindruck wie ich: Eine Reise nach Kuba kann ein bisschen beschwerlich sein. Zumindest konnte ich in Bitterfeld problemlos zum Geldautomaten, und auch die Zugfahrt dorthin war relativ unbeschwerlich, zumindest hat niemand eine Klimaanlage im Gepäck dabeigehabt.

Leipzig-Messe

Dazu kommt, dass wir diesen Job ja nicht machen, um unsere persönliche Reisebilanz zu erhöhen, sondern um Türen für Österreichs Unternehmen zu öffnen: Und unter diesem Gesichtspunkt ist Bitterfeld gar keine schlechte Destination. Die Stadt liegt in Sachsen-Anhalt, das ihr vielleicht vom Namen und aufgrund seiner größten Exporthits kennt: Martin Luther und Tokio Hotel.

Sachsen-Anhalt: Wachstumsmarkt für Österreich

Das Land ist aber auch eine wichtige Destination für Importe aus Österreich: 2017 wurden in Sachsen-Anhalt österreichische Waren im Wert von knapp 630 Millionen Euro bezogen. Das ist beinahe so viel, wie Österreichs Unternehmen nach Indien oder Serbien verkaufen.

Und das ist noch nicht einmal der beste Part dieser Statistik: 2007 lagen die österreichischen Ausfuhren nach Sachsen-Anhalt noch bei 320 Millionen Euro, womit sich die Exporte in diese Region innerhalb der letzten zehn Jahre also beinahe verdoppelt haben. - 100 Prozent Exportsteigerung in nur einer Dekade ist eine stolze Bilanz. 

Magdeburg

In dieser Hinsicht sollte ich also mit Stolz erzählen, dass mich meine Dienstreise nach Bitterfeld verschlagen hat, denn das Potential dieser Region für Österreichs Unternehmen ist noch lange nicht ausgeschöpft. Anders als das kaufkräftige Bayern, das mondäne Hamburg und das Industrieland Nordrhein-Westfalen, sind die drei Sachsen - Sachsen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt - aber nur wenigen Menschen in Österreich ein Begriff.

Ich kenne diese drei Länder nach zahlreichen Dienstreisen mittlerweile sehr gut und freue mich, euch ein wenig über sie zu erzählen. 

Niedersachsen: Deutschland in Reinform

Niedersachsen ist nach Bayern das flächenmäßig zweitgrößte Bundesland Deutschlands und reicht von der Nordsee bis an das Harzgebirge in Mitteldeutschland. Es wurde nach dem zweiten Weltkrieg von den Briten durch Zusammenschluss mehrerer Regionen erschaffen. Der Name Niedersachsen ist historisch bedingt, denn sprachlich und kulturell hat das Land mit dem angrenzenden Sachsen im Grunde relativ wenig gemeinsam.

Marienborn

Für Österreich ist Niedersachsen aber ein besonders wichtiger Partner: 2017 wurden Waren im Wert von knapp 2,3 Milliarden Euro nach Niedersachsen exportiert und somit mehr als nach Russland oder Japan. Ein bedeutender Faktor dafür ist natürlich die Volkswagen AG, die Stammwerk und Hauptsitz im niedersächsischen Wolfsburg hat.

HMI

Wolfsburg

Aber auch die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover ist ein wichtiger Fixpunkt für Österreichs Unternehmen: Hier findet jedes Frühjahr die größte Industriemesse der Welt, die Hannover Messe, statt. Am größten Messegelände der Welt präsentieren sich jährlich über 70 österreichische Unternehmen, viele auch außerhalb unserer AUSSENWIRTSCHAFT Gruppenausstellung: So kommen am Tag schon leicht zehn Kilometer Fußmarsch zusammen.

Aber nicht nur wegen Volkswagen ist Niedersachsen richtig Deutsch: Angeblich spricht man in Hannover und Umgebung das akzentfreiste Deutsch. - Da bringt so ein bisschen Österreichisch schon eine willkommene Abwechslung.

Sachsen: Historische Verbundenheit

Das Bundesland Sachsen ist - anders als die anderen zwei Sachsen - der direkte Nachfolger des einst bedeutenden Königreichs Sachsen. Die Sachsen sind stolz auf ihre Geschichte, ihre Kultur und die Errungenschaften ihrer Landsleute und daher kommt es auch nicht von ungefähr, dass Sachsen - ähnlich wie Bayern - viel Wert auf seine Eigenständigkeit innerhalb der Bundesrepublik legt.

Für Österreich ist Sachsen der mit Abstand wichtigste Handelspartner unter den «neuen deutschen Bundesländern.» 2017 wurden Waren im Wert von rund 1,2 Milliarden Euro nach Sachsen exportiert, womit sich das Bundesland in der österreichischen Exportstatistik zwischen Kroatien und Mexiko einreiht.

Stiegl

 
Linz


Aber nicht allein aufgrund der engen wirtschaftlichen Beziehungen im 21. Jahrhundert sind Sachsen und Österreich einander vertraut. Die beiden Länder blicken auf viele geschichtliche und kulturelle Anknüpfungspunkte zurück: Egal ob längst Vergangenes wie die Schlacht von Königgrätz, oder gelebte Tradition wie der Dresdner Opernball, die gemeinsame Geschichte ist die beste Basis für eine blühende Zusammenarbeit in der Zukunft.

Und solange ich noch in Berlin auf Posten bin, wird es mir bestimmt nicht langweilig, die exotischsten Orte Deutschlands zu entdecken: Am Donnerstag führt mich die nächste Dienstreise  nach Chemnitz, ich bin schon gespannt, was mich da erwartet. Ganz im Sinne von Goethe: "Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah."

Wenn ihr schon einmal in Bitterfeld wart, gebt Simon Bescheid: Er würde sich freuen, wenn er seine großartigen Erlebnisse mit jemandem teilen könnte, der diese nachempfinden kann. Aber auch sonst freut er sich, von euch zu hören.

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