Bangkok

Wenn man Thailand hört, denkt man an türkis blaue Lagunen, scharfes Essen und wilde Tuk Tuk Fahrten durch Bangkok. Was Thailand unternimmt, um das Image vom tropischen Urlaubsparadies in das eines Digitalisierungshubs umzuwandeln und wieso meine Eltern seit ihrem Besuch nicht mehr glauben, dass ich meine Arbeit mit einer Kokosnuss in der Hand erledige, lest ihr hier.

Meine Versetzung nach Thailand war für meine Eltern vermutlich noch ein größerer Schock als für mich. Sie hatten Europa bis dahin nie verlassen und von Thailand kannten sie nur Bilder bunter Longtail Boote an einsamen Inselstränden. Es war daher nicht überraschend, dass ich regelmäßig mein Wohlbefinden einberichten musste und am Anfang sehr viel Überzeugungsarbeit notwendig war, um zu beweisen, dass ich mich nicht von Skorpionen ernährte und unter einer Palme mein Zelt aufgeschlagen hatte.

Der Besuch in Bangkok änderte jedoch alles (naja, nicht alles - einberichten darf ich weiterhin). Sie lernten eine Stadt kennen, die groß genug war die ganze Bevölkerung Österreichs aufzunehmen. Eine Stadt voller gewaltiger Einkaufszentren, beeindruckender Tempelanlagen - eine Stadt, die sie dauernd aufs Neue erstaunte. 

Noch nie hatten sie den Kontrast zwischen alt und neu, zwischen Tradition und Fortschritt so deutlich erlebt wie in den Straßen Bangkoks. Während die Essensverkäufer in improvisierten Garküchen das Mittagessen am Straßenrand vorbereiten, sitzen Büroangestellte in Anzug und Krawatte in ihre Smartphones vertieft auf bunten Plastikstühlen und machen Einkäufe online, buchen ihre nächsten Flüge oder schließen ganze Geschäfte innerhalb der „Line“ App ab (wie WeChat, WhatsApp).

Tradition und Fortschritt

Ich selber konnte in meinen ersten Monaten diese scheinbaren Gegensätze nicht begreifen. Wie konnte es sein, dass statistisch gesehen keine andere Bevölkerung in Südostasien täglich so lange online war wie die Thailänder, während ein Spaziergang durch kleine verwinkelte Gassen am Fuße des bekannten Lebua Hotels zeigte, dass die Menschen noch immer so lebten, wie vor dreißig Jahren.

Diese täglich gelebten Unterschiede machten mich kritisch gegenüber Ausdrücken wie Digitalisierung und Innovation, wirkte es doch so, als ob diese Entwicklungen nur einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung erreichten. Als ich jedoch bei einer Reise im Süden Thailands um einen abgelegenen Tempel herumspazierte, erblickte ich einen Mönch in seiner orangen Robe friedlich meditierend. Ich legte die Kamera an und kurz bevor ich den Auslöser drückte, holte der Mönch sein Tablet heraus und fotografierte selber den Tempel.

Da verstand ich, dass all diese scheinbaren Gegensätze eigentlich gar nicht im Widerspruch standen. Thailand entwickelt sich, verändert sich, jedoch bewahrt es seine Eigenheiten, oder besser gesagt Besonderheiten. Die Strände Thailands wären nicht die gleichen, ohne den bunten Longtail Booten (auch wenn es manchmal zu viele davon gibt). Die Straßen Bangkok wären nicht die gleichen, ohne den scharfen Chili Gerüchen und den leckeren Garküchen, jedoch wird man diese in Zukunft mit einem QR Code bargeldlos bezahlen und das Longtail Boot über eine App buchen können.

Straßenküche

Thailand befindet sich seit einigen Jahren in der sogenannten „middle income trap“. Die steigenden Lohnkosten bei gleichzeitig stagnierendem Bildungs- und Technologie-Niveau haben das Land im internationalen und vor Allem regionalen Wettbewerb zunehmend wettbewerbsträge gemacht.

Die Regierung hat bereits 2016 das „Thailand 4.0“ Programm ausgerufen. Ziel des Schirmprogrammes ist es durch Investition in Innovation und digitale Infrastruktur das Land als regionalen Hub zu positionieren und international wieder kompetitiv zu machen. Was die letzten Jahre als vager Überbegriff für vereinzelte unabhängige Initiativen galt, nimmt zunehmend eine konkretere und substanzielle Form an, die Thailand für die nächsten Jahrzehnte prägen wird.

Nicht nur übersteigt die Anzahl der Mobilverträge inzwischen die Bevölkerungszahl um 30%, sondern auch die 4G Netzabdeckung erreicht bereits abgelegene und schwer erreichbare Teile des Landes. Dies alles macht deutlich: Thailand ist im digitalen Zeitalter nicht nur angekommen, sondern bereit dieses aktiv mitzugestalten. 

Diesen Eintrag hat Daniel für euch verfasst.

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