Ferialjobs und die korrekte Anstellung

Die verschiedenen Beschäftigungsformen auf einen Blick.

"Echte" Ferialpraktikanten sind Schüler und Studenten, die eine im Rahmen des Lehrplanes bzw. der Studienordnung vorgeschriebene oder übliche praktische Tätigkeit verrichten ohne dafür Geld- und/oder Sachbezüge zu erhalten. Sie sind während ihrer Tätigkeit im Rahmen der Schüler/Studentenunfallversicherung ohne Beitragsleistung des Dienstgebers und ohne Anmeldung zur Sozialversicherung unfallversichert. Ein Ferialpraktikum kann nicht nur während der Ferienzeit, sondern während des ganzen Jahres absolviert werden. Kennzeichnend für eine Beschäftigung als Ferialpraktikant sind folgende Kriterien:

  • Es muss sich nachweislich um Schüler/Studenten einer bestimmten Fachrichtung handeln, die im Betrieb entsprechend dieser Fachrichtung eingesetzt werden.
  • Die praktische Tätigkeit im Betrieb muss dem Lern- und Ausbildungszweck des betreffenden Schultyps bzw. der Studienordnung entsprechen.
  • Die Dauer des Ferialpraktikums richtet sich dabei nach den einschlägigen Ausbildungsvorschriften. Die Nachweise über die Ausbildungserfordernisse hat der Dienstgeber aufzubewahren.
  • Der Ferialpraktikant erhält keine Geld- und/oder Sachbezüge bzw. hat auch keinen diesbezüglichen arbeitsrechtlichen Anspruch.
  • Es besteht keinerlei persönliche Arbeitspflicht, keine Weisungs- und Kontrollunterworfenheit sowie keine organisatorische Eingliederung in den Betrieb.
  • Im Mittelpunkt der Tätigkeit stehen der Lern- und Ausbildungszweck und nicht die Arbeitsleistung.Achtung: Werden Schüler/Studenten im Rahmen ihres Praktikums als Dienstnehmer in persönlicher und wirtschaftlicher Abhängigkeit beschäftigt oder unterliegen sie aufgrund eines ihnen gewährten (Taschen-) Geld- und/oder Sachbezuges der Lohnsteuerpflicht, müssen sie bei der Gebietskrankenkasse angemeldet werden.


Die Beitragsabrechnung erfolgt je nach Tätigkeit in der Beitragsgruppe A1 oder D1, bei einer geringfügigen Beschäftigung in der Beitragsgruppe N14 oder N24. Dauert das Beschäftigungsverhältnis länger als einen Monat, sind auch Beiträge zur Betrieblichen Vorsorge zu leisten.

Sonderregelungen im Hotel- und Gastgewerbe

  • Durch ein Ferialpraktikum im Hotel- und Gastgewerbe wird ausschließlich ein Dienstverhältnis begründet.
  • Bei einem Pflichtpraktikum im Hotel- und Gastgewerbe ist ein Volontariat ausgeschlossen.
  • Es ist der entsprechende Kollektivvertrag anzuwenden; Ferialpraktikanten haben Anspruch auf ein Entgelt in der Höhe der jeweils geltenden Lehrlingsentschädigung für das mit dem Schuljahr korrespondierende Lehrjahr.
  • Diese Ferialpraktikanten sind in der Beitragsgruppe A1 oder D1 abzurechnen.
 

Praktikanten mit Hochschulbildung bzw. in Ausbildung

Praktikanten gemäß § 4 Abs. 1 Z 4 ASVG

Wie sind Beschäftigte sozialversicherungsrechtlich zu beurteilen, die bereits eine Hochschulbildung abgeschlossen haben, für ihren zukünftigen Beruf aber noch eine vorgeschriebene Ausbildung ("Praktikum") benötigen?

Beispiele: Rechtspraktikanten, Unterrichtspraktikanten, Psychologen in Ausbildung zum klinischen Psychologen.

Hier ist wie bei den Ferialpraktikanten zuerst zu prüfen, ob ein Dienstverhältnis in persönlicher und wirtschaftlicher Abhängigkeit (Weisungen, Kontrolle, persönliche Arbeitspflicht etc.) vorliegt.

Ist dies der Fall, hat eine Anmeldung als Dienstnehmer (Beitragsgruppe D1) zu erfolgen.

Der Beitrag zur Betrieblichen Vorsorge (BV) ist abzuführen, wenn die Beschäftigung länger als einen Monat dauert.

Sollte kein Entgelt gebühren bzw. bezahlt werden, ist als Beitragsgrundlage ein täglicher Arbeitsverdienst von 25,48 Euro (= monatlich 764,40 Euro) heranzuziehen.

Achtung:
Praktikanten mit Hochschulbildung unterliegen jedenfalls der Voll- (Kranken-, Unfall-, Pensions-) und Arbeitslosenversicherung. Auch dann, wenn kein Dienstverhältnis vorliegt oder sie ein Entgelt beziehen, welches unter der Geringfügigkeitsgrenze liegt. Dabei gilt Nachstehendes zu beachten:

  • Es ist eine Anmeldung zu erstatten. Die Abrechnung der Sozialversicherungsbeiträge und Umlagen hat in der Beitragsgruppe D1p zu erfolgen. Ein Beitrag zur Betrieblichen Vorsorge ist nicht zu entrichten.
  • Sollte kein Entgelt gebühren bzw. bezahlt werden, ist als Beitragsgrundlage ein täglicher Arbeitsverdienst von 25,48 Euro (= monatlich 764,40 Euro) heranzuziehen.
  • Sie sind weder als Ferialpraktikanten noch als Volontäre zu betrachten.

Praktikanten gemäß § 4 Abs. 1 Z 5 ASVG

Dabei handelt es sich um Schüler, die in Ausbildung aufgrund folgender Gesetze stehen:

  • Ausbildung zum gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege nach dem Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG), BGBI. I Nr. 108/1997
  • Ausbildung zum Krankenpflegefachdienst
  • Ausbildung zum medizinisch-technischen Fachdienst im Sinne des Bundesgesetzes über die Regelung des medizinisch-technischen Fachdienstes und der Sanitätshilfsdienste
  • Studierende an einer medizinisch-technischen Akademie nach dem Bundesgesetz über die Regelung der gehobenen medizinisch-technischen Dienste (MTD-Gesetz), BGBI. Nr. 460/1992
  • Studierende an einer Hebammenakademie nach dem Hebammengesetz (HebG), BGBI. Nr. 310/1994

Diese Versicherten sind unter der Beitragsgruppe D2k zu melden.

Sollte kein Entgelt (Taschengeld) gebühren bzw. bezahlt werden, ist als Beitragsgrundlage auf jeden Fall der im § 44 Abs. 6 lit. c ASVG als täglicher Arbeitsverdienst festgelegte Betrag von 25,48 Euro (= monatlich 764,40 Euro) heranzuziehen.

Eine geringfügige Beschäftigung ist für diese Praktikanten nicht möglich!

Kollektivvertraglicher Entgeltanspruch für Ferialpraktikanten
Laut einem Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes (VwGH), Zl. 97/08/0078, haben Kollektivverträge (KV) hinsichtlich der Entgeltansprüche von Ferialpraktikanten, die in keinem Arbeitsverhältnis stehen, keine Regelungsbefugnis. Der VwGH beruft sich dabei auf § 2 Abs. 2 Z 2 Arbeitsverfassungsgesetz (ArbVG), wo festgehalten ist, dass durch KV die gegenseitigen aus dem Arbeitsverhältnis entspringenden Rechte und Pflichten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer geregelt werden können. Es kann daher, so der VwGH, von vorneherein (und ohne dass dies im KV ausdrücklich normiert wurde) nicht davon ausgegangen werden, dass der KV Entgeltansprüche von Ferialpraktikanten regelt, die nicht Dienstnehmer sind. Sieht ein KV Entgeltansprüche für Ferialpraktikanten vor, ist somit davon auszugehen, dass es sich arbeitsrechtlich um Arbeitnehmer handelt. Dieser Status führt zu einer Pflichtversicherung als "echter" Dienstnehmer. 

Rückfragen:
Wirtschaftskammer Kärnten
Sparte Handel
Mag. Kerstin Isak
T 05 90 90 4-330
E kerstin.isak@wkk.or.at

16.7.2015
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