„Alle Kraft der Bildung“ 

Gemeinsame Bildungspositionen der NÖ Sozialpartner und IV NÖ

Bildungsfragen betreffen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ebenso wie Wirtschaftstreibende. Unter dem Motto „Alle Kraft der Bildung“ haben daher Niederösterreichs Sozialpartner – Arbeiterkammer (AKNÖ), Österreichischer Gewerkschaftsbund (ÖGB NÖ), Industriellenvereinigung (IV NÖ) und Wirtschaftskammer (WKNÖ) – ein gemeinsames Bildungspaket geschnürt. „Bildungsfragen sind Zukunftsfragen für den gesamten Standort. Ein hochqualifiziertes Bildungssystem ist dabei die Grundvoraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg und damit unseren Wohlstand und unsere Lebensqualität von morgen“, sind die Sozialpartnerpräsidenten Sonja Zwazl (WKNÖ) und Markus Wieser (AKNÖ und ÖGB NÖ) sowie IV NÖ-Präsident Johann Marihart überzeugt.

Im Mittelpunkt des gemeinsamen Positionspapiers stehen drei Schwerpunkte:

  • Sicherstellung ausreichender Deutsch-Kenntnisse
  • der Ausbau kostenloser Ganztagsschulformen für 6- bis 14-Jährige und
  • verpflichtende Berufsorientierung für alle Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Schulstufe


„Sprache verstehen heißt: Besserer Lernerfolg“

Ohne Beherrschen der deutschen Sprache ist eine volle Teilnahme am Unterricht schwer möglich. AKNÖ, ÖGB NÖ, IV-NÖ und WKNÖ sprechen sich daher für eine flächendeckende Sprachstandsfeststellung bereits im ersten von zwei verpflichtenden Kindergartenjahren mit jährlicher Wiederholung aus. Denn je früher allfällige Defizite erkannt und behoben werden können, umso reibungsloser und zielführender kann der gesamte weitere Bildungsweg der betroffenen Kinder ablaufen. Sprachdefizite dürfen nicht zum Hemmschuh beim Abrufen der eigenen Talente werden. Individuelle Förderpläne auf Basis einer Förderverpflichtung in Kindergarten und Schule sollen daher neben den Sprachstandsfeststellungen sicherstellen, dass die Kinder auf ein Sprachniveau kommen, das ein Folgen im Unterricht erlaubt. Die Sprachfördermaßnahmen sollen intensiv und integrativ in der Regelklasse geschehen. „Sprache verstehen heißt besserer Lernerfolg und damit mehr Chancengerechtigkeit“, so IV-Präsident Johann Marihart. „Das Beherrschen der Unterrichtssprache ist der Grundstein für einen erfolgreichen Bildungsweg. Der Kindergarten nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein und bildet das Fundament für die frühe Förderung von Begabungen, einen erfolgreichen Übertritt in die Schule und faire Bildungschancen.“

„Ganztägige Schule in verschränkter Form“

Zugleich wird auf einen massiven Ausbau von kostenlosen Ganztagsschulformen für 6- bis 14-Jährige gedrängt – wobei der Fokus vor allem auf „echte Ganztagsschulen“ mit einer verschränkten Abfolge von Unterricht, Lern- und Freizeit gelegt werden soll. In ganztägigen Schulformen kann besser auf individuelle Stärken der Kinder eingegangen werden und die Notwendigkeit außerschulischer und mit Kosten für die Familien verbundener Nachhilfe sinkt, sind Zwazl, Marihart und Wieser  überzeugt. "Ein Ausbau der Betreuungseinrichtungen für unter 3-Jährige und die ganztägige Schule in verschränkter Form ermöglichen nicht nur eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sie sind vor allem aus pädagogischer Sicht wichtige Schritte, damit alle Kinder unabhängig von ihrer sozialen Herkunft die gleichen Bildungschancen vorfinden", ist AKNÖ-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser überzeugt.

Aktuell werden laut Zahlen des BMBF österreichweit 15,4% der Kinder und Jugendlichen an den allgemeinbildenden Pflichtschulen ganztägig betreut. In Niederösterreich sind es 11,1% - wobei die Anteile laut Berechnungen der AKNÖ auch regional sehr unterschiedlich sind. Die meisten Kinder in Ganztagsbetreuung finden sich demnach im Weinviertel, die wenigsten im Mostviertel. Beim notwendigen Ausbau ist daher auch auf die regionalen Erfordernisse Rücksicht zu nehmen. Wieser betont auch die Wichtigkeit des Lehrberufes: "Eine qualitativ hochwertige duale Ausbildung ist enorm wichtig. Sie bildet wertvolle Fachkräfte aus und eröffnet den Jugendlichen viele Berufschancen. Dazu braucht es weitere Verbesserungen der Durchlässigkeit zwischen Schule und Lehre." 

„Berufsorientierung auch als Fixpunkt in der PädagogInnenausbildung“

Um den Jugendlichen den Übergang an der Schnittstelle von der Pflichtschule zur weiteren schulischen oder beruflichen Ausbildung zu erleichtern, drängen die Sozialpartner auf ein Pflichtfach „Berufsorientierung“ in der 7. und 8. Schulstufe aller Schultypen. Die Erfahrungen des NÖ Begabungskompass, mit dem alle Jugendlichen der 7. und 8. Schulstufe erfahren können, in welchen Bereichen sie ihre besonderen Stärken haben und welche Ausbildungs- und Berufswege daher besonders für sie geeignet sind, zeigen, dass diese Chance von 90 Prozent der Neuen Mittelschulen und der Hauptschulen, aber nur von 62% der möglichen AHS genutzt wird. „Ein eigenes Pflichtfach Berufsorientierung schärft das Bewusstsein, dass hier eine zentrale Weichenstellung für das gesamte Leben getroffen wird – gerade auch an den AHS“, so WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl. Außerdem wollen die Sozialpartner, dass Berufsorientierung ein fixer Bestandteil in der Ausbildung aller Pädagoginnen und Pädagogen wird. Zwazl: „Wir müssen die individuellen Talente unserer Jugend und ihre Ausbildungs- und Berufswahl optimal zusammenführen. Und wir müssen die Schule und die Berufswelt besser verknüpfen. Das steigert die Karrierechancen unserer Jugend und ist gut für den gesamten Wirtschafts-, Arbeitsplatz- und Lebensstandort Niederösterreich.“

Zwazl, Marihart, Wieser: „Weichenstellung für Aufschwung und Zukunft“

AKNÖ, ÖGB NÖ, IV-NÖ und WKNÖ wollen mit diesen gemeinsamen Bildungspositionen einen neuen Impuls für die gesamte österreichische Bildungspolitik setzen. „Neuer Schwung in der Bildungspolitik bedeutet zugleich eine Weichenstellung für neuen Aufschwung und eine erfolgreiche Zukunft“, sind Zwazl, Marihart und Wieser überzeugt.

Kontakt: Mag. Johannes Schedlbauer

T 02742/851-18200, E industrie.sparte@wknoe.at

14.7.2015 Petra Molterer
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