Job-Meister Gewerbe und Handwerk: Sparte ist stabilster Faktor am Arbeitsmarkt!

Betriebe benötigen dringend Entlastungsmaßnahmen - Qualifizierung durch flächendeckende Potentialanalysen sicherstellen

„Nicht nur die Hitze sondern auch die Konjunktur drückt auf die heimischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe: Nach dem schwachem Jahresbeginn 2015 brachte auch das 2. Quartal keine Erholung und für das laufende 3. Quartal befürchten die Unternehmerinnen und Unternehmer weitere Rückgänge“, betonte heute,  Mittwoch, die Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, Renate Scheichelbauer-Schuster. Das heißt, die Ausgangssituation für die Betriebe wird nicht besser, die Konjunktur stagniert  und die erhofften Effekte der Steuerreform lassen noch rund ein Jahr auf sich warten. Fakt ist aber, so die Bundesspartenobfrau, dass Gewerbe und Handwerk der stabilste Faktor am heimischen Arbeitsmarkt ist: „Unsere Betriebe sind Job-Meister! 2014 wurden trotz  schwieriger  Rahmenbedingungen 14.000 neue Arbeitsplätze geschaffen.“ 

Gewerbe und Handwerk könnten aber noch mehr für den heimischen Arbeitsmarkt leisten: Mit klugen Entlastungsmaßnahmen und damit verbunden einem Anspringen der Konjunktur wären in den kommenden zehn Jahren, also bis 2025, rund 220.000 neue Jobs möglich. „Die Berechnungen der KMU Forschung Austria zeigen, dass bei einem Wirtschaftswachstum von etwa 3 Prozent diese Zahl zu erreichen ist. Bei einem derzeit realistischen Konjunkturplus von einem Prozent liegen wir bei einem prognostizierten Job-Plus von etwa 60.000“, so Scheichelbauer-Schuster.  

Wohnbauoffensive und Lohnnebenkostensenkung jetzt umsetzen! 

Mit dem Bewusstsein, dass „die budgetären Spielräume eng geworden sind“, gelte es, kluge Entlastungsmaßnahmen zu setzen. Jetzt abzuwarten, wäre kontraproduktiv. Deshalb habe die Sparte ganz klar eine rasche Umsetzung der Wohnbauoffensive im Fokus sowie eine Lohnnebenkostensenkung bis 2020. „Der Bedarf an Wohnungen ist da, Bau und Baunebengewerbe sind Konjunkturtreiber d.h. wir erwarten uns klarerweise auch positive Effekte am Arbeitsmarkt“, betont die Bundesspartenobfrau. Mit dem Bau von zusätzlichen 30.000 Wohnungen (ca. 6.000 Wohnungen jährlich) würde ein Volumen von insgesamt 5,75 Milliarden Euro investiert. Im Bereich der Lohnnebenkosten - Senkung des Unfallversicherungsbeitrages, des Beitrages zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF), Wohnbauförderungsbeitrages, des Beitrags zur Insolvenz-Entgeltsicherung (IESG) und der Kommunalsteuer – könnten bei einem Volumen von 5 Mrd. Euro gesamtwirtschaftlich 30.000 dringend benötigte und zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.  

Stimmungsbarometer im negativen Bereich 

Das Stimmungsbarometer der Betriebe sei jedenfalls „weiterhin schlecht“, unterstreicht der Direktor der KMU Forschung Austria, Walter Bornett. Im 2. Quartal liege man zwar gegenüber dem 1. Quartal geringfügig besser, bleibe aber deutlich im negativen Bereich. Verglichen mit dem 2. Quartal des Vorjahres ist der Anteil der Betriebe mit einer guten Geschäftslage von 21 % auf 16 % zurückgegangen, während der Anteil der Betriebe mit schlechter Geschäftslage von 23 % auf 29 % gestiegen ist. 

In den investitionsgüternahen Branchen sank der Auftragsbestand um 3,8 % und 58 % der Betriebe kämpfen mit Auslastungsproblemen. Überdurchschnittliche Rückgänge meldeten z. B.: Sanitär-/Heizungs- und Lüftungstechniker (-19,6 %), Kunststoffverarbeiter (-17,1 %) oder das Bauhilfsgewerbe (-12,9 %). Im konsumnahen Bereich verzeichneten mehr als doppelt so viele Betriebe Umsatzrückgänge als Umsatzsteigerungen und auch hier verlief das 2. Quartal schlechter als im Vorjahr.  

Für das 3. Quartal erwarten lediglich 15 % der Unternehmerinnen und Unternehmer eine Verbesserung, 23 % befürchten hingegen weitere Rückgänge. 

Erfreuliche Aspekte werden, so Bornett, von den – wenn auch wenigen - Betriebe mit guter Auftragslage, vermeldet: 22 Prozent beabsichtigen ihren Personalstand um 22 % zu erhöhen und 78 % werden versuchen, den Beschäftigtenstand trotz schwacher Nachfrage zu halten. Lediglich 7 % der Unternehmen befürchten, Personal abbauen zu müssen. Insgesamt liegt der Personalbedarf damit sogar etwas über dem Vergleichswert aus dem Vorjahr und das Gewerbe und Handwerk stellt einmal mehr seine stabilisierende Wirkung für den Arbeitsmarkt unter Beweis. 

Flächendeckende Potentialanalyse und frühe Berufsorientierung

Gewerbe und Handwerk ist nicht nur Jobmeister sondern auch Ausbildungs-Meister: 2014 wurden 42,7 Prozent oder knapp 50.000 Lehrlinge in Unternehmen der Sparte ausgebildet. Keine andere Sparte bildet mehr junge Menschen aus. Die Weiterentwicklung der dualen Berufsbildung ist dem Gewerbe und Handwerk daher eines der wichtigsten Anliegen. „Angesichts des Handlungsbedarfs bei Konjunktur und Arbeitsmarkt dürfen wird auf Maßnahmen im Bereich der Qualifizierung nicht vergessen. Diese gehen Hand in Hand. Je frühzeitiger wir Berufsorientierung und Berufsberatung sicherstellen, desto zielsicherer können wir die Potentiale der Fachkräfte von morgen entwickeln!“, so Scheichelbauer- Schuster.  

Auf der Agenda der Bundessparte Gewerbe und Handwerk ist daher eine rasche flächendeckende Einführung einer verpflichtenden Potentialanalyse, damit Berufsorientierung und Bildungsberatung Hand in Hand gehen. Die Berufsbildung soll  möglichst früh in allen Schularten im Rahmen  eines eigenen Unterrichtsfaches angeboten werden. „Gleichzeitig gilt es, die Bildungsstandards mit Abschluss der Schulpflicht zu gewährleisten, sodass jeder Jugendliche, der seine Schulpflicht erfüllt hat, rechnen, schreiben und sinnerfassend lesen kann. Nur wenn wir umfassend im Bereich der Qualifizierung ansetzen, können wir den Fachkräftenachwuchs von morgen sicherstellen“, so Scheichelbauer-Schuster abschließend. (PWK544/us)

v.l: Walter Bornett, Renate Scheichelbauer-Schuster und Reinhard Kainz

v.l: Walter Bornett, Renate Scheichelbauer-Schuster und Reinhard Kainz

Rückfragen:
Wirtschaftskammer Österreich
Bundessparte Gewerbe und Handwerk
Prof.Dr. Reinhard Kainz
T: +43 5 90 900 3291
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