Riedlsperger kündigt „sehr kantige“ Interessenvertretung an

VersicherungsJournal, 7.7.2015

Versicherungsjournal.at





Die Annäherung des Versicherungsmaklers an einen freien Beruf, die „beste Ausbildung Österreichs“ zum Schadenreferenten, eine „Reinigung“ innen und außen und die Absicht, zu beweisen, dass der Makler die bessere Wahl für die Kunden sei – das sind einige der zentralen Ziele der neuen Fachverbandsführung, die Obmann Gunther Riedlsperger im Gespräch mit dem VersicherungsJournal erläutert.

Nach den Wirtschaftskammer-Wahlen Ende Februar ist im Mai die neue Führung des Fachverbands der Versicherungsmakler gewählt worden. Gunther Riedlsperger wurde dabei in der Funktion des Obmanns bestätigt (VersicherungsJournal 21.5.2015).

Im Vorfeld des Maklersymposions, das vor etwas mehr als zwei Wochen in Velden stattgefunden hat, haben sich die Versicherungsmakler zu einer Arbeitsklausur getroffen und die inhaltlichen Weichen für die fünfjährige Funktionsperiode gestellt.

Erste Einblicke ins Arbeitsprogramm gab Riedlsperger bereits unmittelbar in Velden (VersicherungsJournal 23.6.2015). Das VersicherungsJournal hat bei einem Gespräch mit dem Fachverbandsobmann näher nachgefragt.

Den Makler in Richtung eines freien Berufs entwickeln

Wie Riedlsperger sagt, soll der Berufsstand in Richtung eines freien Berufs weiterentwickelt werden. Die Interessenvertretung will der Fachverbandsobmann „sehr kantig“ angehen, man wolle auch „alte Wirtschaftskammer-Wege ein bisschen verlassen“.

"Wir wollen ein bisschen alte Wirtschaftskammer-Wege verlassen." (Fachverbandsobmann Gunter Riedlsperger)

Konkret bezieht er sich vor allem auf die Einführung der „Rechts- und Disziplinarkommission“, abgekürzt "RDK“. Das neue Instrument soll, nach dem Vorbild der Rechtsanwälte, der „Selbstregulierung“ des Berufsstandes und der „Reinigung innen und außen“ dienen.

Das heißt: Der Fachverband will zum einen „Einfluss auf den Berufszugang ausüben“ und zum anderen gegen allfällige Marktpraktiken vorgehen, „die uns nicht recht sein können, die für den Berufsstand insgesamt gefährlich sind und unserem Ruf schaden können“.

Dabei spiele es keine Rolle, ob derartige Praktiken von Maklern selbst oder von anderen Mitbewerbern wie etwa Versicherungsagenten, Finanzdienstleistern oder Banken ausgeübt würden; die RDK werde unabhängig davon tätig.

„Reinigung“ – nicht ein hartes Wort?

„Reinigung“ – ein hartes Wort, das die dringende Notwendigkeit zu entsprechenden Maßnahmen impliziert? Nein, sagt Riedlsperger, eine konkrete dringende Notwendigkeit sehe er nicht. Er sehe aber, dass der gewünschte Reinigungsprozess seitens der Gewerbebehörden in den letzten Jahren nicht stattgefunden habe.

Dieser sei aber, so Riedlsperger, „genau das, was die freien Berufe von uns unterscheidet“. Allein die Existenz solcher Prozesse sorge für eine Verbesserung der Qualität. „So wie auch die Existenz der Schlichtungsstelle oder die Androhung ihrer Anrufung im Schadenfall oft zu besseren Ergebnissen für die Versicherungsnehmer
führt.“

"Das ist sicher in hohem Maße eine generalpräventive Maßnahme." (Gunther Riedlsperger zur Schaffung der „RDK“)

Er selbst kenne keine „schwarzen Schafe“ in der Maklerschaft, es sei aber nicht auszuschließen, dass es in einer Berufsgruppe, der dreieinhalbtausend Mitglieder angehören, den einen oder anderen gebe, der gegen bestimmte Vorschriften verstoße „oder einfach nicht so arbeitet, wie es der Kunde vom Versicherungsmakler erwarten kann“.

Nach Riedlspergers Verständnis ist die Einrichtung der RDK daher „sicher in hohem Maße eine generalpräventive Maßnahme“.

Wie die RDK funktioniert

Wie muss man sich nun das Verfahren der RDK vorstellen, und wann wird sie aktiv? „Die RDK wird auf Antrag von Maklern aktiv, aber auch auf Antrag von Fachgruppen, Gewerbebehörden, Versicherungsunternehmen, des VKI oder der Arbeiterkammern“, erklärt Riedlsperger.

Sie prüft zunächst den an sie herangetragenen Sachverhalt und gibt der Gegenseite die Möglichkeit zur Stellungnahme. Nach Prüfung, ob ein Verstoß gegen Gewerberecht, Wettbewerbsrecht oder allenfalls gegen Standesregeln vorliegt, trifft sie eine „rechtlich ausführlich begründete Entscheidung“. Diese gibt sie mit entsprechenden Anträgen an die zuständigen Stellen weiter – sofern das ursprüngliche Anliegen nicht als unbegründet zurückgewiesen worden ist.

Mögliche Sanktionen können beispielsweise Abmahnungen sein beziehungsweise Feststellungen, dass ein Verhalten nicht den gesetzlichen Bestimmungen entspricht. „Wenn es gar nicht anders geht, werden wir an die Gewerbebehörde herantreten, mit der Aufforderung, ein Gewerbeentziehungs-Verfahren einzuleiten“ – wiederum unabhängig davon, ob es um Makler, Agenten, Finanzdienstleister oder auch Banken geht.

"Wenn es gar nicht anders geht, werden wir an die Gewerbebehörde herantreten, mit der Aufforderung, ein Gewerbeentziehungs-Verfahren einzuleiten." (Gunther Riedlsperger zu den möglichen Konsequenzen eines RDK-Verfahrens)

Den Vorsitz in der RDK wird Ilse Huber führen, die frühere Vizepräsidentin des Obersten Gerichtshofs und Senatsvorsitzende am 7. Spezialsenat für Versicherungssachen. Ihr stehen zwei Sachverständige aus den Reihen der Maklerschaft zur Seite.

Standesrecht befindet sich in Ausarbeitung

Was die Schaffung eines Standesrechts, das Riedlsperger bereits in Velden angesprochen hatte, betrifft, werde man auf Vorarbeiten aufbauen, die bereits vom Rechtsausschuss unter Leitung von Gerold Holzer geleistet worden seien.

"Sie sind sehr weit gediehen, sie werden jetzt an die neuen Erfordernisse angepasst und dann diskutiert“, sagt Riedlsperger zum Stand der Dinge. Allerdings werde dies voraussichtlich erst im zweiten Jahre dieser Periode spruchreif werden.

Zu den Eckpunkten dieses Standesrechts wollte sich Riedlsperger noch nicht äußern. Die diesbezüglichen Arbeiten lägen in den Händen des Rechtsausschusses unter Klaus Koban, er wolle diesen nicht vorgreifen.

IDD-Umsetzung soll für weitere Reformen genutzt werden

Apropos Recht: Die bevorstehende Umsetzung der neuen EU-Versicherungsvertriebs-Richtlinie „IDD“, vormals „IMD 2“ genannt (VersicherungsJournal 2.7.2015), soll dazu genutzt werden, eine Reihe weiterer Gesetzesänderungen gleich mitzuerledigen, die zwar mit der Richtlinie nicht in Zusammenhang stehen, aber nach Ansicht des Fachverbands nötig sind.

Riedlsperger spricht von rund 20 Reformpunkten, die allein das Versicherungsvertragsgesetz betreffen und den Kundenschutz fördern sollen. Als ein Beispiel nennt er die Ausfolgung von Gutachten an Versicherungsnehmer. Auch Maklergesetz und Gewerbeordnung sind Gegenstand der Novellierungswünsche. Der Rechtsausschuss werde dies in den kommenden Monaten diskutieren.

Latte in der Aus- und Weiterbildung hoch gelegt

In Sachen Aus- und Weiterbildung – einem weiteren Schwerpunkt in der neuen Periode – werde es nicht nur um ein „sehr breites Weiterbildungsangebot“ geben, sondern auch um die neue Prüfungsverordnung, die Riedlsperger innerhalb des ersten Arbeitsjahres unter Dach und Fach haben möchte.

"Wir wollen die beste Ausbildung Österreichs zum Schadenreferenten einführen." (Gunther Riedlsperger)

Vor allem aber legt sich der Fachverband die Latte in einem Punkt hoch: Riedlsperger gibt das Ziel vor, „die beste Ausbildung Österreichs zum Schadenreferenten“ zu schaffen. Es gebe auf dem Markt sehr gute Ausbildungsangebote zu einzelnen Sparten oder Teilgebieten, „diese möchten wir in keiner Weise konkurrenzieren“.

Worin soll daher das neue Angebot stehen? „Ein 16- bis 20-tägiger Ausbildungslehrgang, der sich tief mit dem Thema Schadenregulierung in allen Sparten beschäftigt, der vom VersVG bis zur Zivilprozessordnung reicht, mit Praxistagen am Gericht, wo der zukünftige fachverbandsgeprüfte Schadenreferent auch einen Deckungsprozess miterlebt“, erläutert Riedlsperger.

„Alle sind willkommen“

Die Türen stehen dabei nicht nur Maklern und ihren Mitarbeitern offen, auch Angestellte von Versicherungsunternehmen seien willkommen. „Es würde uns freuen, wenn auch die Versicherungsbranche Mitarbeiter entsendet, damit die Qualität der Schadenregulierung steigt.“

Denn, so Riedlsperger, „wir erleben einerseits Ablehnungen, die falsch begründet sind, andererseits auch Deckungszusagen, die falsch sind und falsch begründet sind. Die Qualität hat hier in den letzten Jahren leider nicht zugenommen.“

Werbung mit wissenschaftlichem Hintergrund

Was Marketing und Öffentlichkeitsarbeit angeht, peilen die Makler eine Bündelung der Werbemaßnahmen an. „Österreich ist ja nicht so groß und die Botschaften müssen sich in den Bundesländern nicht unterscheiden“, spricht sich Riedlsperger für einheitliche Werbebotschaften aus.

"Wir wollen wissenschaftlich beweisen, dass der Versicherungsmakler für Konsumenten und Unternehmer die bessere Wahl ist." (Gunther Riedlsperger)

In der Steiermark – wo er Fachgruppenobmann ist – will er die Ergebnisse einer Analyse einarbeiten, die in wenigen Wochen beim Expertentreffen der Versicherungsmakler in Alpbach im Zentrum stehen wird (VersicherungsJournal 15.6.2015), und diese den Firmenkunden und Konsumenten kommunizieren.

In dieser Analyse geht es um die Unterschiede zwischen dem Versicherungsmakler und anderen Vertriebswegen. Diese Ergebnisse sollen auch in einer wissenschaftlichen Publikation verarbeitet werden.

Auch hier hat sich der Fachverband Großes vorgenommen: „Wir wollen wissenschaftlich beweisen, dass der Versicherungsmakler für Konsumenten und Unternehmer die bessere Wahl ist.“

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