Industrie Aktuell - Energie und Infrastruktur - Folge 06 vom 07.04.2016

Aktuelle Informationen der Sparte zu den Themen Energie und Infrastruktur



1.          Die Stolpersteine des Energieeffizienzgesetzes: Hoher Aufwand und Zeitdruck

 

Seit Anfang 2015 haben Österreichs Betriebe das Energieeffizienzgesetz (EEffG) anzuwenden. Das dadurch vorgeschriebene Einsparungspotenzial hat die heimische Wirtschaft trotz schwieriger Rahmenbedingungen sogar übererfüllt. Die größten Hindernisse bei der Umsetzung zeigt jetzt eine aktuelle Unternehmensumfrage auf, die die Wirtschaftskammer beim Energieinstitut der Wirtschaft in Auftrag gegeben hat.

 

Fazit dieser ersten Sammlung von betrieblichen Erfahrungen, an der sich 674 Unternehmen beteiligt haben: Anlaufschwierigkeiten gab es vor allem durch hohen administrativen Aufwand und Zeitdruck. Denn die lange erwartete Richtlinien-Verordnung kam erst im November 2015 – für Betriebe mit Umsetzungsverpflichtung war es bis zum ersten „Zahltag“ Mitte Februar 2016 dementsprechend knapp.

 

„Dass unsere Betriebe dies dennoch geschafft haben, zeigt das enorme Engagement der Wirtschaft in diesem Bereich und die Wichtigkeit des Themas Energieeffizienz bei den Unternehmen. Darauf können wir stolz sein“, hält Erich Frommwald, Energiesprecher der sparte.industrie, fest.

 

Er fordert ein benutzerfreundliches System: „Das System soll sich an die Bedürfnisse des Benutzers anpassen, nicht umgekehrt“. Das für die Dateneingabe vorgesehene EDV-Tool wurde von vielen Unternehmen als steinzeitlich kritisiert, so Frommwald. Eine lange Liste von Verbesserungsvorschlägen der Nutzer müsse nun Schritt für Schritt konsequent umgesetzt werden.

 

Daneben soll es weitere allgemein formulierte Methoden zur Energieeinsparung sowie mehr Maßnahmentypen geben, die vorab definiert werden und somit das Zuordnen erleichtern. „Es wurden rund 11.000 Maßnahmen eingemeldet – wenn man nicht jede Einzelmaßnahme einzeln nennen muss und - wie beim Leuchtmittelaustausch schon vorgesehen - gebündelt melden darf lässt sich der Aufwand pro Maßnahme enorm reduzieren.“

 

Vor allem eine Reduktion der meldepflichtigen Inhalte sind für den Energiesprecher eine wichtige Prämisse: „Derzeit sind die Betriebe zur Ablieferung zehntausender Seiten Auditberichte an Papier an die Monitoringstelle verpflichtet. Man würde Scharen von Experten brauchen, wollte man diese Papierflut wirklich gänzlich auswerten, was aber gar nicht sinnvoll ist. Unsere Unternehmen haben die teils spröde Gesetzesmaterie mit Leben erfüllt. Jetzt muss das Gebot der Stunde sein, den Aufwand für die Wirtschaft zu reduzieren.“

 

Mit den richtigen Ansätzen könne man den zeitlichen und finanziellen Aufwand für die Betriebe schon bis zum nächsten Jahr um rund ein Drittel senken, ist Frommwald überzeugt. Hohe Administrationskosten mindern den Anreizeffekt. „Alle Indikatoren der Umfrage bestätigen, dass die Betriebe das Thema Energieeffizienz weiterhin auch bei niedrigen Energiepreisen nachhaltig betreiben und Energie einsparen, wo immer es möglich und sinnvoll ist. Dringlich ist auch, dass die Finanzverwaltung endlich den Weg zur richtigen steuerlichen Behandlung der Bewertung von Effizienzmaßnahmen und von Maßnahmenübertragungen weist.“

 

Hier zur Auswertung der Umfrage

  



2.          Erdöl: Amerika wird zu früh totgesagt

 

Die amerikanische Frackingindustrie ist am Boden, aber nicht vernichtet. Sobald der Ölpreis wieder steigt, werden die Amerikaner - wieder einmal - als Erste in die Gänge kommen.

 

Die Schlacht scheint geschlagen. Von knapp 2000 Bohrtürmen Ende 2014 sind der US-Ölindustrie 480 geblieben, zählte der Ölfeldausrüster Baker Hughes vor wenigen Tagen. Weniger als 1999, dem bisherigen Tiefpunkt der amerikanischen Erdölwirtschaft. Saudiarabiens Taktik, den Markt so lang mit billigem Erdöl zu überfluten, bis die US-Konkurrenz aufgeben muss, hat also anscheinend Erfolg gehabt. Dutzende Schieferölfirmen in den USA sind in die Pleite gerutscht. Unter den Nebenwirkungen dieses Kampfes leiden Firmen und Staaten rund um den Globus.

  

Große Schwankungen normal

 

Der rapide Ölpreisverfall der vergangenen Monate drückt viele Ölkonzerne in die roten Zahlen. Auch Zulieferfirmen wie die heimische Schoeller-Bleckmann (SBO) mussten ihre Kosten drastisch reduzieren, um mit den plötzlich ausbleibenden Aufträgen umgehen zu können. Wie vor kurzem bekannt wurde, sank der Umsatz im Vorjahr um 35,8Prozent auf 313,7 Millionen Euro, der operative Gewinn sank auf 3,7Millionen. Rechnet man die Sonderabschreibungen mit ein, klafft in der Bilanz sogar eine Lücke von fast 20 Millionen Euro.

 

Ölförderländer wie Russland, aber auch reiche Opec-Staaten wie Saudiarabien bringt der niedrige Ölpreis (aktuell etwa 40 Dollar) an ihre Belastungsgrenzen. Erst kürzlich drohte die US-Ratingagentur Moody's dem Königreich mit einer Abstufung seiner Kreditwürdigkeit.

  

Die Welt bleibt überversorgt

 

Bleibt die Frage, wann es so weit sein wird, wann der Ölpreis wieder stabil aufwärts zeigen wird. Grohmann, dessen Geschäft vollkommen von einer aktiven Ölindustrie abhängt, ist überzeugt, dass sich die fehlenden Investitionen der vergangenen Jahre heuer „endlich bemerkbar“ machen werden.

 

Allgemein wird erwartet, dass die Nicht-Opec-Länder (hier vor allem die USA und Norwegen) heuer bis zu einer Million Fass (159 Liter) Erdöl weniger am Tag produzieren werden als 2015. Zieht die Opec (und damit Saudiarabien) nicht nach, bleibt die Welt allerdings auch heuer klar überversorgt. Derzeit holt die Menschheit jeden Tag um 1,8 Millionen Fass mehr Öl aus der Erde, als sie verbraucht.

 

Erst wenn sich dieses Verhältnis umkehrt, werden die Preise auch wieder konstant steigen. Und dann werden auch die Karten zwischen Saudiarabien und den USA neu gemischt.

      



3.          Umweltministerrat resümiert Pariser Klima über-einkommen

 

Die Ergebnisse der Pariser Klimakonferenz waren unter anderem Thema beim Umweltministerrat am 4. März. Wenige Tage zuvor hatte die EU-Kommission eine Mitteilung zur europäischen Umsetzung der Klimabe-schlüsse vorgelegt, in der sie erklärte, dass das im Oktober 2014 vom Europäischen Rat beschlossene Ziel, die europäischen Treibhaus-gasemissionen bis 2030 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken, mit den mittelfristigen Zielen des Übereinkommens kompatibel sei.

 

Generell begrüßten die anwesenden Minister und deren Stellvertreter das Fazit der Kommission. Während die Mehrheit der Mitgliedstaaten sich gegen ambitioniertere Ziele für 2030 aussprach bzw. sich dem Kurs der Kommission anzuschließen scheint, forderten acht Länder, darunter auch Deutschland, größere Anstrengungen und betonten, dass es sich bei dem 40-Prozent-Ziel nur um eine zu errei-chende Mindestmarke handle.

In Übereinstimmung mit der Kommission hoben die Minister die Be-deutung des 2030-Rahmens für die Umsetzung der Paris-Beschlüsse vor. Hierzu zählen die bereits angestoßene Revision der Emissionshan-delsrichtlinie, die Weiterentwicklung der europäischen Erneuerbaren- und Energieeffizienzpolitik sowie die bis Sommer geplante Entschei-dung über die Lastenteilung in den nicht unter den Emissionshandel fallenden Sektoren. Letztere gilt als zentrale Voraussetzung für eine Ratifizierung des Übereinkommens seitens der EU.

 

Am 22. April wird das Übereinkommen in New York zur Unterzeichnung aufgelegt. Es tritt in Kraft, sobald es von mindestens 55 Parteien, die für mindestens 55 Prozent aller globalen Emissionen verantwortlich sind, ratifiziert wurde. Laut einer Pressemitteilung des Bundesumwelt-ministeriums werden die EU und die Mitgliedstaaten das Übereinkommen gemeinsam ratifizieren, da es sowohl nationale als auch EU-Kompetenzen betrifft.

    



4.          Die Kraft der Sonne chemisch gespeichert

 

Die Natur macht es vor: Pflanzen können Sonnenlicht auffangen und chemisch speichern. Dieses Kunststück auf großtechnischer Skala nachzumachen, gelingt uns heute aber noch nicht besonders gut. Photovoltaik wandelt das Licht direkt in Strom um, aber bei hohen Temperaturen nimmt der Wirkungsgrad konventioneller Solarzellen deutlich ab. Wenn man den Strom zur Gewinnung von Wasserstoff nutzt, kann man die Energie chemisch speichern, doch die Effizienz dieses Prozesses ist begrenzt.

 

An der TU Wien wurde nun ein neues Konzept entwickelt: Durch die Auswahl ganz spezieller Materialien gelang es, Hochtemperatur-Photovoltaik mit einem elektrochemischen Element zu kombinieren. Damit kann man UV-Licht nutzen, um Sauerstoffionen durch eine keramische Elektrolytmembran zu pumpen – so wird die Energie des UV-Lichts chemisch gespeichert. In Zukunft soll man mit dieser Methode Wasser mit Sonnenlicht direkt in Wasserstoff und Sauerstoff spalten können.

 

Schon als Student hatte Georg Brunauer immer wieder darüber nachgedacht, wie man Photovoltaik und elektrochemische Speicherung kombinieren könnte. Allerdings müsste ein solches System bei hohen Temperaturen funktionieren. „Dann könnte man nämlich das Licht der Sonne mit Spiegeln konzentrieren und große Anlagen mit hohem Wirkungsgrad bauen“, sagt Brunauer. Gewöhnliche Solarzellen funktionieren allerdings nur bis etwa 100°C gut – in einem Solarkonzentrator-Kraftwerk würden viel höhere Temperaturen entstehen.

 

Bei der Arbeit an seiner Dissertation gelang es Brunauer dann, einen Lösungsansatz für dieses Problem umzusetzen – und zwar mit einer ungewöhnlichen Wahl von Materialien. Anstatt silizium-basierter Photovoltaik wurden spezielle Mischmetalloxide vom Typ Perovskit verwendet. Durch die Kombination mehrerer verschiedener Metalloxide konnte eine Zelle hergestellt werden, die Hochtemperatur-Photovoltaik und Elektrochemie vereint. Neben dem Team von Prof. Karl Ponweiser, Brunauers Dissertationsbetreuer am Institut für Energietechnik und Thermodynamik, waren auch noch andere Forschungsgruppen der TU Wien am Projekt beteiligt: Das Elektrochemie-Team von Prof. Jürgen Fleig (Chemische Technologien und Analytik) sowie das Atominstitut der TU Wien.

„Unsere Zelle besteht aus zwei verschiedenen Teilen – nämlich aus einem oberen photoelektrischen und einen unteren elektrochemischen Teil“, sagt Georg Brunauer. „In der oberen Schicht werden durch Beleuchtung freie Ladungsträger erzeugt, genau wie in einer gewöhnlichen Solarzelle.“ Die Elektronen werden allerdings sofort wegtransportiert und auf die untere Seite der elektrochemischen Zelle geleitet. Das führt dazu, dass Sauerstoffatome dort negativ aufgeladen werden und dann durch die untere Schicht der Zelle hindurchwandern können.

 

„Das ist der entscheidende photoelektrochemische Schritt, der in weiterer Folge dann die Grundlage für Wasserzerlegung und Wasserstoffproduktion sein soll“, erklärt Brunauer. Die Vorstufe dazu – eine mit UV-Licht angetriebene Sauerstoff-Pumpe, funktioniert bereits und liefert bei 400°C eine Leerlaufspannung von bis zu 920 Millivolt.

 

Die Arbeiten zur Photo-elektrochemischen Festoxidzelle wurden nun im Fachjournal „Advanced Functional Materials“ veröffentlicht. Damit ist die Forschung freilich noch nicht abgeschlossen: „Weiterführende Arbeiten sind wichtig, um den Effekten phänomenologisch auf den Grund zu gehen und damit das Material noch weiter optimieren zu können“, sagt Brunauer. Wenn die elektrische Leistung noch etwas gesteigert wird, lässt sich mit der Zelle Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufspalten. „Dieses Ziel ist in Griffweite, jetzt wo wir bewiesen haben, dass das Grundprinzip funktioniert“, sagt Georg Brunauer. Nicht nur zur Wasserstoffproduktion eignet sich das neue Konzept; man könnte auch CO2 aufspalten und daraus CO in Hinblick für Kraftstoffsynthesen gewinnen.

 

Damit die neue Erfindung den Sprung vom Universitätslabor in die Umsetzung eines Prototyps schafft, hatte Georg Brunauer unteranderem mit einem Industriepartner das Startup-Unternehmen NOVAPECC gegründet. Gemeinsam mit der TU Wien wurden Patente angemeldet, dabei wurde Brunauer vom Forschungs- und Transfersupport der TU Wien unterstützt. Auch vom Inkubatorprogramm INiTS wurdr das Projekt unterstützt. Gefördert wurde das Projekt außerdem durch ein Brückenschlagprogramm der Forschungsförderungsgesellschaft FFG.

 

Sparte Industrie, industrie@wkstmk.at

18.1.2017
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