Wirtschaft fordert: Deutsch-österreichische Strompreiszone muss erhalten bleiben

WKÖ-Schwarzer: Aufspaltung würde Unternehmen teuer zu stehen kommen – Wirtschaftskammer warnt vor Scheitern des europäischen Energiebinnenmarkts

Deutschland und Österreich haben sich im Jahr 2002 entschieden, ein gemeinsames Strommarktgebiet einzurichten. Dieser grenzüberschreitende Stromhandel gilt als Vorbild und Voraussetzung für die Vollendung des europäischen Strombinnenmarktes. „Die deutsch-österreichische Preiszone ist ganz klar ein Erfolgsmodell: Nahezu 100 Prozent Stromversorgungssicherheit zu wettbewerbsfähigen Preisen wird der österreichischen Wirtschaft dadurch garantiert“, betont Stephan Schwarzer, Leiter der Abteilung für Energie- und Umweltpolitik in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). 

Der Ausbau erneuerbarer Energien hat großes wirtschaftliches Potenzial. Diese Entwicklung stellt allerdings das bestehende Energiesystem vor eine große Herausforderung: Die Stromversorgung wird volatiler und Angebot und Nachfrage liegen damit zeitlich sowie örtlich weiter auseinander. „Der Strom fließt aufgrund der entstandenen Engpässe zwischen Deutschland und Österreich über die östlichen Nachbarn weiter Richtung Süden - und somit nicht immer dorthin, wo er gerade gebraucht wird“, analysiert der Experte.  

„Anstatt über die Teilung des bestehenden Strommarktes nachzudenken, sollte es vielmehr darum gehen, wie die Vorteile der gemeinsamen Preiszone noch besser genutzt werden können.“ Die Kosten für die Aufteilung des deutsch-österreichischen Marktgebiets würden pro Jahr 100 Mio. Euro betragen – insbesondere die Wirtschaft wäre von diesen Mehrkosten betroffen. Ein gemeinsamer europäischer Strombinnenmarkt für alle Stromkunden hätte hingegen ein mögliches Einsparungspotenzial von bis zu 40 Mrd. Euro jährlich. 

Aufteilung konterkariert europäischen Energiebinnenmarkt 

„Der Strommarkt der Zukunft muss europäisch sein. 28 unterschiedliche Marktgebiete widersprechen dem Ziel eines europäischen Binnenmarkts und würden wertvolle Synergiepotenziale verhindern“, so Stephan Schwarzer. Die österreichische und deutsche Wirtschaft fordert ganz klar die Beibehaltung der gemeinsamen Strompreiszone. Voreilige Eingriffe in den Markt sind kontraproduktiv. 

Infrastruktur muss mit dem Ausbau erneuerbarer Energien Schritt haltenWenn die erneuerbaren Energien am Vormarsch sind, wächst der Bedarf an Flexibilität des Marktdesigns, und der Ausbau der Infrastruktur ist unerlässlich. „Der Ausgleich volatiler erneuerbarer Energien in einem großen Marktgebiet ist so wesentlich leichter“, betont Schwarzer. „Die langfristig effektivste und effizienteste Lösung ist und bleibt der Ausbau der Übertragungsnetze. Dieser muss schnellstmöglich vorangetrieben werden, wobei eine stärkere länderübergreifende Koordination zwischen den Übertragungsnetzbetreibern gefordert ist.“ (PWK552/PM)

Rückfragen:
Wirtschaftskammer Österreich
Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik
Univ.Doz.Dr.Mag. Stephan Schwarzer
T: +43 5 90 900 4195
E: stephan.schwarzer@wko.at

9.7.2015 Petra Medek
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