Leitl: Weitere Entkoppelung von EU-Trend bei Arbeitslosigkeit nicht einfach hinnehmen

Österreich rutscht binnen eines Jahres von Spitze auf Rang 6 ab – Entlastungsoffensive für Betriebe, gezielte Investitionsanreize und rasche Lohnnebenkostensenkung gefordert

„Von Monat zu Monat schrillen die Alarmglocken lauter: Österreich ist bei der Arbeitslosigkeit gegenüber dem EU-Trend ein weiteres Mal abgesackt. Vor einem Jahr hatten wir die Spitzenposition inne, jetzt sind wir nur noch auf Platz 6. Ein Besänftigen und Beschwichtigen und ein Warten auf bessere Zeiten darf es da nicht geben“, kommentiert Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl die jüngsten Daten des AMS, wonach die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Juli des Vorjahres um 7,2 auf 8,1 Prozent gestiegen ist, während sie im EU-Durchschnitt abnimmt. „Wenn jetzt nicht rasch gegensteuert wird, droht uns sogar noch ein weiteres Abfallen.“

Trotz steigender Arbeitslosigkeit ist die allgemeine Beschäftigung weiter gestiegen - was vor allem auf die Altersgruppe 50+ zurückzuführen ist. Sie ist mit zusätzlich 56.000 Erwerbstätigen die einzige Personengruppe mit wachsender Beschäftigung. Seit Jahresbeginn 2015 haben sogar 68.318 Personen der Altersgruppe 50+ eine Beschäftigung aufgenommen – das entspricht einem Plus von 9,7 % (Durchschnitt: +1,2%). „Der deutliche Beschäftigungszuwachs in der Generation 50+ ist – erstens – ein klares Zeichen dafür, dass sich die Wirtschaft zur Beschäftigung älterer Menschen bekennt. Er ist zweitens ein Beleg dafür, dass die Mittel aus der Eingliederungsbeihilfe gut eingesetztes Geld sind. Und er zeigt drittens, dass Quoten für ältere Arbeitnehmer den Betrieben nicht nur nicht zumutbar sind. Sie sind auch gar nicht notwendig“, betont Leitl.

Rasche Lohnnebenkostensenkung gefordert

Zielführend, um Arbeitslosigkeit abzubauen, seien vielmehr gezielte und nachhaltig wirkende Maßnahmen zur Stärkung und Förderung von Standort, Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum. „Um den dringend erforderlichen Schwung im Beschäftigungswachstum zu schaffen, muss es rasch zu einer spürbaren Senkung der Lohnnebenkosten kommen. Die für 2018 angekündigte Senkung ist zu begrüßen, ein erster Schritt sollte aber schon 2016 kommen“, so Leitl. Zudem müssten bestehende Beschäftigungshemmnisse beseitigt werden, fordert der WKÖ-Präsident, denn „Sozialpolitik ist nur dann wirklich ‚sozial‘, wenn sie Beschäftigung fördert und nicht verhindert.“

Weiters gefordert sind gezielte Wachstumsimpulse und Investitionsanreize – etwa durch die rasche Umsetzung des Wohnbaupaketes und eine Investitionszuwachsprämie -, eine umfassende Entlastungs- und Entbürokratisierungsoffensive für die Betriebe sowie mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt. Und last not least sei alles zu unterlassen, was die Betriebe angesichts der angespannten Wirtschaftssituation zusätzlich unter Druck bringt. „Die Betriebe sind es, die Beschäftigung schaffen. Sie müssen gefördert und in ihrer Wettbewerbsfähigkeit gestärkt, nicht behindert werden.“ (PWK593/SR)

Rückfragen:
Wirtschaftskammer Österreich
Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit
Mag. Dr. Rolf Gleißner
Telefon: +43 5 90 900 4288
Mail: rolf.gleissner@wko.at
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