FEEI: Reformstau belastet Industriestandort Österreich – Investitionen und Beschäftigung brauchen deutliche Impulse

Innovationspaket "100 Jahre Zukunft" des FEEI: 15 Forderungen in vier Handlungsfeldern an die Politik - Gemeinsame Interessen mit Arbeitnehmervertretern in den Bereichen Bildung sowie Forschung & Entwicklung

"Der Industriestandort Österreich kann sich ein weiteres Verzögern dringend notwendiger Reformen nicht mehr leisten", warnt Brigitte Ederer, Präsidentin des FEEI, anlässlich der Jahrespressekonferenz. "Die geringe Bereitschaft der Industrie zu Investitionen und die hohen Arbeitslosenzahlen sind eindeutige Zeichen, dass Österreich Strukturreformen und Entscheidungen im Sinne von Wertschöpfung, Beschäftigung und Wohlstand braucht." 

"Große Themen wie eine schlankere Verwaltung und flexiblere Rahmenbedingungen im Arbeitszeitrecht müssen jetzt auf die Agenda der Bundesregierung", so Lothar Roitner, Geschäftsführer des FEEI. Darüber hinaus stehen für die Elektro- und Elektronikindustrie vor allem Maßnahmen in den vier Bereichen Bildung, Forschung & Entwicklung, Infrastruktur und erneuerbare Energien im Fokus. Der FEEI hat aus Anlass seines 100-jährigen Bestehens die Kernthemen der Branche durchleuchtet und Vorschläge formuliert, die den Produktionsstandort Österreich nachhaltig sichern. 

"Wir haben den dringenden Wunsch an die Politik, Bewusstsein für die Bedeutung der innovativen Technologien als Wachstumsmotor zu schaffen und entsprechende industriepolitische Ziele zu definieren, und diese auch auf EU-Ebene zu vertreten. Wir sehen leider eher die Tendenz, Europameister im Konsumentenschutz als in der Industriepolitik zu werden", so Roitner. 

In ihrem kürzlich veröffentlichten Positionspapier brechen auch die Arbeitnehmervertreter eine Lanze für die Industriepolitik: "In vielen Positionen sind wir mit den Forderungen des ÖGB und der Arbeiterkammer auf gleicher Linie, vor allem was Aus- und Weiterbildung sowie Forschung & Entwicklung betrifft. Es gibt wenige Anlässe, zu welchen Arbeitnehmer und Arbeitgeber in ihren Positionen übereinstimmen. Es ist also höchste Zeit für die Politik, längst überfällige Entscheidungen zu treffen", betont Ederer.

Bildungshaus Österreich neu bauen, Schulsystem entpolitisieren 

Allen voran muss eine Schulreform stehen: "Wir müssen das Bildungshaus Österreich völlig neu bauen", so Ederer. "Die frühe Selektion reduziert nachgewiesenermaßen die Chancengleichheit und den Bildungserfolg der Schüler. Viel mehr sollten die Stärken der Kinder in einer gemeinsamen Schule bis zum 14. Lebensjahr gefördert werden. Österreich braucht auch mehr Autonomie in Schulen und eine schlankere Schulbürokratie. Erst recht, wenn man bedenkt, wie lange es in diesem Bereich dauert, bis Änderungen tatsächlich zu wirken beginnen."

Mehr Naturwissenschaft und Technik im Stundenplan verankern 

Arbeitsmarkt und Bildungssystem sehen sich im Jahr 2020 mit einem enormem Bedarf nach technischen Fachkräften konfrontiert: Europaweit entstehen laut Europäischem Zentrum für Förderung der Berufsbildung vier Millionen neue Jobs in der Technik, allein in Österreich rechnen Arbeitsmarktservice und Wifo mit 40.000 neuen Arbeitsplätzen im MINT-Bereich. Vor allem die Digitalisierung der Produktion ist ein Hebel für weitere Wachstumseffekte: das Industrie-wissenschaftliche Institut (IWI) rechnet mit unmittelbaren Effekten in Industrie-4.0-Branchen wie der Elektro- und Elektronikindustrie mit zusätzlich 13.000 Beschäftigungsverhältnissen pro Jahr. 

Die Forderungen des FEEI zielen daher auf eine starke Verankerung von MINT-Fächern in den Stundenplänen und in der Lehrerausbildung ab: zum einen sollen verpflichtende Praxismodule in Wirtschaft und Industrie in die Lehrerausbildung einfließen sowie Workshops und Exkursionen für Lehrer und Schüler veranstaltet werden. Zum anderen ist die frühe Begeisterung und Förderung für Technik wesentlich, vor allem bei Mädchen. In allen Bildungsstufen ist Technik zu verankern, in den Sekundarstufen I und II soll ein praxisnaher Umgang mit Technik in einem Unterrichtsfach "Naturwissenschaft und Technik" gelehrt werden.

Stabile Rahmenbedingungen für Forschungsförderung schaffen 

Die Elektro- und Elektronikindustrie ist mit 20.800 Euro pro Beschäftigtem die forschungsintensivste Industriebranche in Österreich. Die F&E-Ausgaben der Branche beliefen sich laut Statistik Austria auf 957,5 Mio. Euro, 6.143 Personen sind im F&E-Bereich beschäftigt. Jeder dritte österreichische Weltmarktführer kommt derzeit aus der Elektro- und Elektronikindustrie. 

"Österreich braucht aber noch mehr Forschung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Im internationalen Vergleich rutscht Österreich zurück und es geht wertvolle Zeit verloren. Forschung und Entwicklung werden stärker zum Produktionsstandort verlagert, drei von fünf Weltmarktführern werden laut Boston Consulting Group künftig in Schwellenländern beheimatet sein", erklärt Roitner. "Es ist daher von höchstem wirtschaftspolitischen Interesse, F&E in Österreich auszubauen. Den Forschungsaktivitäten vor allem der KMU steht aber der hohe bürokratische Aufwand im Wege." Der FEEI fordert daher stabile Spielregeln und eine Reduktion der Bürokratie.

Fokus auf marktnahe Forschung, um Innovation zu fördern 

In der Forschungsförderung wird derzeit auch das zukünftige Marktpotenzial stark unterbewertet, was wiederum die Innovationskraft bremst. "Heimische Unternehmen scheitern häufig an der Herausforderung, ihre Forschung in marktreife Produkte weiterzuentwickeln. Auf dem Weg dorthin geht vielen Unternehmen die Luft aus", beschreibt Roitner die Situation.

"Es soll daher mehr marktnahe Forschung gefördert werden, die eine hohe Wertschöpfung in Österreich verspricht. Die Öffentliche Hand muss hier als Impuls- und Auftraggeber für innovative Technologien agieren", so Roitner.

Wettbewerbsfähig durch Spitzenforschung in Stärkefeldern 

Österreich kann sich in zahlreichen Technologiefeldern - Mikroelektronik, IKT, Energie, Automation u.v.m. - international an der Spitze behaupten. Um diese Unternehmen weiter in Toppositionen zu halten, müssen Forschung und Entwicklung in jenen Bereichen forciert werden, wo in Österreich Stärkefelder vorhanden sind. Als verlorene Chance sieht es Roitner daher,  dass die Breitbandmilliarde ohne IKT-nahe Forschungsförderung verplant wurde. Die Industrie fordert die Aufstockung der IKT-nahen Forschungsförderung um mindestens 200 Millionen Euro aus dem unerwartet hohen Erlös.

Rückfragen:
Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie
Mag. Gabriele Schöngruber
T: +43/1/588 39-63
E: schoengruber@feei.at

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