Angebot und Nachfrage treffen sich Online am besten

Einen Großteil unseres Online-Lebens verbringen wir auf digitalen Plattformen. Nicht erst seit heute drängt sich die Frage auf: Was sind digitale Plattformen überhaupt - und wie nutzen wir sie am besten? Antworten auf alle Fragen rund um digitale Plattformen gaben Anna Mayr, Consulting Analyst von Accenture und Gregor Müller, Gründer von GoStudent, im Rahmen des eDay 2021. 


Plattformen für jeden Lebensbereich

Anna Mayr stellte zu Beginn ihres Talks Fragen, die jede und jeder so oder so ähnlich im alltäglichen Leben stellt. Wie finde ich einen passenden Handwerker? Wo finde ich Batterien für mein ferngesteuertes Auto? Und wie finde ich Abnehmer für meine Produkte und präsentiere mich gegenüber der Konkurrenz? Hier kommen digitale Plattformen ins Spiel. Plattformen verbinden Angebot und Nachfrage und kommunizieren sowohl mit Abnehmern als auch mit Anbietern. 

Effizient werden Plattformen durch den Austausch von Informationen und die damit einhergehende Transparenz. Nutzer erhalten einen guten Überblick zum Markt. Die Suche nach einem passenden Partner ist einfacher und zielführender, da sämtliche Informationen immer zur Verfügung stehen.


Die Friseursuche läuft Online

Als Beispiel für die Plattformnutzung stellte Anna Mayr zwei Persönlichkeiten vor: Den Friseur Martin, der als Technologie-Laie seine Dienstleistung auf der Plattform Treatwell anbietet, und die Kundin Julia, die einen passenden Friseur sucht. Beide profitieren auf unterschiedliche Weisen von der Nutzung der Plattform.

Der Friseur Martin freut sich über mehr Reichweite, neue Kunden, eine automatische Terminerinnerung, personalisierte Werbung und das Angebot von E-Mail-Kampagnen. Gleichzeitig ist er aber einer vollen Preistransparenz ausgesetzt und abhängig von der Plattform und deren Marktmacht. Julia hingegen profitiert von Vergleichsmöglichkeiten, Kostentransparenz und Kundenbewertungen – stellt jedoch ihre persönlichen Daten der Plattform zur Verfügung.

 

Der Trend geht zur Plattformwirtschaft

Accenture geht davon aus, dass der Trend zur Plattformwirtschaft noch weiter ansteigen wird. Viele Unternehmen bauen ihr Wachstum bereits stark mit Plattformen auf. Deshalb gilt die Annahme, dass uns ein Jahrzehnt des Wachstums von digitalen Plattformen bevorsteht. Die beschriebenen Risiken überwiegen in vielen Fällen die Risiken.

Eines der erfolgreichsten Unicorns der österreichischen Startup-Szene ist ein direkter Profiteur der Plattformökonomie. Gregor Müller von GoStudent hat eine der erfolgreichsten EdTech-Plattformen der Gegenwart geschaffen. In seinem Talk umriss er das Erfolgsmodell einer erfolgreichen Plattformnutzung.


Virtueller Einzelunterricht als Geschäftsmodell

Was vor fünf Jahren bei GoStudent noch eine bloße Idee war, hat sich zu einer globalen Plattform Online-Nachhilfe entwickelt. Der Kern des Angebots: Die Plattform verbindet Jugendliche und Erwachsene, die Nachhilfe suchen, mit Lehrenden aus verschiedenen Fachbereichen. Das Matching, die Bezahlung und die Kommunikation werden dabei über die Plattform geregelt.

Gregor Müller stellte dabei fest, dass die Plattformnutzung davon abhängt, einen Nutzen sowohl für Anbieter als auch für Kundinnen und Kunden zu schaffen. Bei GoStudent heißt das konkret: Sowohl Nachhilfelehrer- und Lehrerinnen, aber auch Schülerinnen, Schülerinnen und Eltern müssen zueinanderfinden. Denn nur, wenn Lehrende zu Lernenden finden und beide Seiten Transparenz haben, kann die Plattform erfolgreich genutzt werden.


Eine Lösung der Henne-Ei-Problematik

Ein altes Problem der Wirtschaft kommt bei Plattformen besonders zum Tragen: Die Frage der Priorisierung. Wer kommt zuerst - Schülerinnen und Schüler oder Nachhilfelehrerinnen- und Lehrer? Die Bedürfnisse beider Seiten im Auge zu behalten ist erfolgsentscheidend für jede Plattform.

Für Gregor Müller steht übrigens fest, dass es trotz ständig neuen Innovationen immer noch Raum für neue Plattformen gibt – auch in Österreich. Beide Speaker identifizierten Potenziale bei regionalen und Österreich-spezifischen Lösungen. Dabei gilt es, ein gewisses Gespür für die kommende Marktentwicklung zu antizipieren.


Podiumsdiskussion über den Effekt der Plattformen für die Zukunft

Beim anschließenden Talk tauschten sich Anna Mayr, Gregor Müller, Iris Thalbauer (Geschäftsführerin der WKÖ Bundessparte Handel), Florian Kragulj (WU Wien) und Gregor Kadanka (Fachverband Reisebüros) über die Nutzungspotenziale digitaler Plattformen aus.

Der Verteufelung von großen Plattformen erteilen alle Speaker dabei eine Absage. Denn auch wenn man sich bei der Nutzung großer Plattformen in eine gewisse Abhängigkeit begibt: Kundinnen und Kunden werden immer dort kaufen, wo das Shopping-Erlebnis am bequemsten und reibungslosesten abläuft. Der Vorteil für österreichische Nutzer: Mit diesen Erfahrungen lässt sich durchaus auch der eigene Webauftritt und Shop verbessern.