Schwerpunkt Kunst

„Der Film, die Musik, das Haus der Geschichte, die Literatur, als auch die Baukultur und Architektur stehen mit einer Vielzahl an neuen Initiativen auf meiner Agenda“, so Bundesminister Thomas Drozda im Film Sound & Media-Interview. Die Branche kann im kommenden Jahr offenbar mit einem Verbündeten rechnen.

Thomas Drozda

Thomas Drozda

Was sind die Schwerpunkte Ihrer Kulturpolitik?
DROZDA: Ich habe einen Schwerpunkt auf das zeitgenössische Kunstschaffen gelegt. Warum? Die Analyse der vergangenen Budgets ergab ein klares Bild: die Förderungen für Künstlerinnen und Künstler und die „Freie Szene“ wurde in den letzten Jahren nicht angehoben. Deshalb habe ich unmittelbar nach Amtsantritt die Stipendien um 200 Euro erhöht und den AlleinerzieherInnen-Bonus umgesetzt. Alleinerziehende bekommen heute 400 Euro mehr, das ist eine erhebliche Verbesserung.
Im kommenden Jahr folgen weitere Maßnahmen, beispielsweise bauen wir unsere Atelierprogramme aus und stellen drei Millionen mehr für Einrichtungen wie Literatur- und Architekturhäuser zur Verfügung. Darüber hinaus haben wir die finanzielle Absicherung der Bundesmuseen und einen Prozess zur Modernisierung der Museumsstrukturen in Angriff genommen. Der Film, die Musik, das Haus der Geschichte, die Literatur, als auch die Baukultur und Architektur stehen mit einer Vielzahl an neuen Initiativen auf meiner Agenda.

Gerade in Zeiten einer sich auseinander dividierenden Gesellschaft: kann Kultur unsere Gesellschaft zusammenhalten, wenn ja, wodurch?
DROZDA: Künstlerinnen und Künstler reflektieren mit ihren Arbeiten vielfach gesellschaftliche Herausforderungen, weisen frühzeitig auf politische und gesellschaftliche Missstände hin und stoßen damit Veränderungen an. Deshalb habe ich mein Ministerium geöffnet und einen gesellschaftspolitischen Dialog mit Künstlerinnen und Künstlern gestartet. Mir ist es wichtig, den Stimmen der Kunstschaffenden wieder mehr Gehör zu verschaffen. Und es geht mir auch darum, aktuelle Themen breit und vielschichtig zu diskutieren. Das ist in einer Zeit, die oft auf Schlagzeilen fokussiert wichtiger denn je. Auf der anderen Seite, setzten wir auch mittels Kunst- und Kulturprogrammen einen Schwerpunkt auf das Thema Integration. 2016 haben wir im Rahmen des Calls „zusammen:halten“ 15 Projekte mit 200.000 Euro realisieren können. Im kommenden Jahr stehen 300.000 Euro zur Verfügung.

Wie ist der Status quo in Sachen Urheberrecht?
DROZDA: Die Debatte über ein zeitgemäßes, europaweites Urheberrecht wird – wie Sie wissen – von den unterschiedlichen Interessensgruppen mit viel Engagement geführt. Das hat sich auch in den Diskussionen rund um die Novelle des österreichischen Urheberrechts gezeigt. Vor diesem Hintergrund und dem kürzlich präsentierten Urheberrechtspaket der Europäischen Union möchte ich gemeinsam mit dem zuständigen Justizminister in zentralen Punkten – Stichwort Urhebervertragsrechts – zu effektiveren Regelungen für Künstlerinnen und Künstlern kommen. Deshalb habe ich die Interessensvertretungen zu einem Round Table eingeladen.

Sie sprachen bei der von Ihnen veranstalteten Enquete zum Thema Medienförderung von Produktionsförderung und dass man die großen globalen Player zur Kassa bitten möchte. Wie weit sind da Vorbereitungen gediehen?
DROZDA: Das derzeitige System der Presseförderung in Österreich basiert weitgehend auf der Vertriebsförderung. Wir diskutieren derzeit unser Konzept einer plattformneutralen Medienförderung für journalistische Produkte, die vor allem eines im Fokus hat: die Journalisten, die mit ihrer Arbeit einen wesentlichen Beitrag zur Meinungsvielfalt und dem demokratischen Diskurs leisten.
Dass Konzerne wie google und facebook in Österreich keine Steuern zahlen, dem österreichischen Mediensektor aber Konkurrenz machen und vom heimischen Werbemarkt profitieren, ist unfair. Es gibt eine Ungleichbehandlung von klassischen Medien und digitalen Medien – dafür werden wir sowohl in Österreich aber auch auf europäischer Ebene eine gerechte Lösung finden müssen.

Der Musikfonds, hat seinen letzten Call abgesagt, Schuld sind die offenstehenden Verhandlungen v.a. mit Amazon. Was können Sie als Kulturminister in dieser Causa machen?
DROZDA: Wie auch immer das Amazon-Verfahren ausgeht: Als Kunst- und Kulturminister werde ich mich selbstverständlich für die faire Vergütung von künstlerischen Leistungen und ein effektives Fördersystem einsetzen.

Im Österreichischen Filminstitut gab es rege Diskussionen um ein neues Jurymodell, aber keine Einigung. Wie könnte ein ideales Fördermodell aussehen, haben Sie Ideen für ein neues Filmförderungsgesetz?
DROZDA: Alle Beteiligten, also von den Produzentinnen und Produzenten bis hin zu den Autorinnen und Autoren, beteiligen sich konstruktiv an der laufenden Diskussion. Ich bin mir sicher, dass wir bald eine gute Lösung präsentieren können. Abgesehen davon, konnten wir in den vergangenen Wochen einige wichtige Entscheidungen treffen. Beispielsweise ist es uns gelungen, ein zielgerichtetes Maßnahmenpaket für mehr Gendergerechtigkeit im Film zu schnüren. So wird das ÖFI künftig mehr Mittel an jene Filme ausschütten, die mit hoher weiblicher Beteiligung in allen Teilen der Filmproduktion hergestellt wurden.

Was waren Ihre persönlichen beruflichen Highlights als Kulturminister 2016?
DROZDA: Die Resonanz auf die Maßnahmen im zeitgenössischen Kunstbereich war überwältigend. Viele Künstlerinnen und Künstler haben mich auf die Erhöhung der Stipendien, die Stärkung der „Freien Szene“ und die Atelierprogramme im In- und Ausland angesprochen. Gerade in diesem Bereich kommen die Mittel 1:1 bei den Kunstschaffenden an und da möchte ich weiter ansetzen.

16.12.2016 Manuela Jabri
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