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WKÖ-Präsident Leitl unterstreicht die Notwendigkeit flexibler Arbeitszeiten für alle

Im Rahmen eines Pressegesprächs am 20. September unterstrich WKÖ-Präsident Christoph Leitl gemeinsam mit den Neue Welt der Arbeit Experten Prof. Michael Bartz (IMC FH Krems) und Thomas Schmutzer (HMP Beratungs GmbH) die Wichtigkeit flexibler Arbeitszeitmodelle für die heimischen Betriebe. Lesen Sie mehr dazu hier...

„Österreichs Superfirmen“: 30 Gewinnerbetriebe von Ö3 und Wirtschaftskammer ausgezeichnet

Drei Wochen lang konnten sich Betriebe als „Superfirma“ bei Ö3 bewerben und zeigen, was sie besonders auszeichnet und wie Flexibilität schon jetzt im Arbeitsalltag gelebt wird. Über 1.600 Anmeldungen aus allen Branchen - vom kleinen Handwerksbetrieb bis hin zum internationalen Unternehmen - zeigen, dass Flexibilität und ein gutes Miteinander ganz Österreich bewegt. Die 30 Gewinnerbetriebe konnten sich über je 500 Euro für die Kaffeekasse freuen. Die Wirtschaftskammer gratuliert ganz herzlich!
Ausgewählte Medienberichte zu „Österreichs Superfirmen“ finden Sie im Pressebereich hier… 

Flexible Arbeit ist sicher

Arbeitswelten ändern sich

Die Arbeitswelt befindet sich in einem Wandel, wie es ihn bisher noch nie gab. Ob kleiner Handwerksbetrieb, mittelständischer Leitbetrieb oder international tätiger Konzern: Zunehmender Wettbewerb, Nachfrageschwankungen, anspruchsvollere Kunden und neue Technologien sowie Prozesse fordern mehr Flexibilität von ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen als früher. Die WKO tritt für flexiblere Arbeitszeiten ein.

Arbeitszeitflexibilisierung als Top-Thema

Jeder Betrieb, jeder Mitarbeiter hat eigene Bedürfnisse. Betriebe sollen daher gemeinsam mit Mitarbeitern und Betriebsrat ihre Arbeitszeit selbst bestimmen können. Forderungen nach einer Flexibilisierung der Arbeitszeiten sind nicht nur langjährige, zentrale Punkte der WKO, sondern auch Top-Themen in Österreichs Betrieben. Das hat auch der vor kurzem zu Ende gegangene Mitgliederdialog im Rahmen der E-Partizipation „Wirtschaft sind wir alle“ gezeigt.

Flexible Arbeit ist sichere Arbeit

Viele Unternehmen setzen schon jetzt auf flexible Arbeitszeitgestaltung, um dadurch ihr Arbeitszeitvolumen besser an die Auftragslage anpassen zu können, teure Steh- und Leerzeiten zu reduzieren oder eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit zu ermöglichen. Das sichert Arbeitsplätze.

Allerdings ist die Flexibilität in der Arbeitswelt zahlreichen Grenzen und Beschränkungen unterworfen. Mit der Folge, dass ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen im Spannungsfeld zwischen starren gesetzlichen Vorgaben und rechtlicher Grauzone hin und hergerissen werden – Angst, Unsicherheit und Stress inklusive.

Österreich hinkt hinterher

Auch im internationalen Vergleich hinkt Österreich hinterher. Flexible Arbeitszeiten sind umso weiter verbreitet, je fortschrittlicher eine Volkswirtschaft ist. Spitzenreiter sind Finnland, Dänemark und Schweden, wo über 80 % der Unternehmen mit mehr als 9 MitarbeiterInnen flexible Arbeitszeiten praktizieren (Quelle: European Company Survey 2013). In Finnland und Schweden gibt es nicht einmal gesetzliche Höchstgrenzen für tägliche und wöchentliche Arbeitszeit, nur Vorgaben für Ruhepausen.

Arbeitswelt erfordert mehr Flexibilität 

Hinzu kommt, dass Unternehmen und ArbeitnehmerInnen gemeinsam viel flexibler agieren wollen, als sie es aufgrund überholter, starrer gesetzlicher Regelungen derzeit können. Laut einer aktuellen WKO-Umfrage sind 73% der ArbeitnehmerInnen der Meinung, dass die heutige Arbeitswelt von allen mehr Flexibilität erfordert als früher. Nur für 12% der Befragten ist Flexibilität kein Thema. Unternehmen und ArbeitnehmerInnen wollen in vielen Fällen gemeinsam viel flexibler agieren, als sie es derzeit können.

WKO-Forderungen zur Flexibilisierung der Arbeitszeit

Aus diesem Grund stellt die Wirtschaftskammer das Thema der Arbeitszeitflexibilisierung in den Mittelpunkt und fordert konkret:

  1. Stärkung der betrieblichen Ebene: Nur dadurch wird den Unternehmen der nötige Freiraum gegeben, gemeinsam mit den ArbeitnehmerInnen bzw. BetriebsrätInnen konkrete Arbeitsmodelle zu vereinbaren, die sowohl auf betriebliche wie auch persönliche Rahmenbedingungen bestmöglich eingehen. Die meisten Kollektivverträge (KV) enthalten flexible Arbeitszeitregelungen, vielfach aber nur unter restriktiven Bedingungen. Betriebe etwa sollten ihren ArbeitnehmerInnen flexible Zeitmodelle wie langfristige Durchrechnungszeiträume von einem oder mehreren Kalenderjahren anbieten können, um ihnen dadurch möglichst viel Freiraum in der Gestaltung des Arbeitsalltags zu ermöglichen. Daher sollte das Gesetz in einem bestimmten Rahmen direkt die betriebliche Ebene zu flexibler Gestaltung ermächtigen.
  2. Grenze für Normalarbeitszeit 10 Stunden: Die Grenze für tägliche Normalarbeitszeit soll grundsätzlich auf 10 Stunden unter Beibehaltung der 40-Stunden-Woche angehoben werden. Die Arbeitszeit wird somit insgesamt nicht verlängert, nur innerhalb der Woche anders verteilt. Wie in Deutschland sollen die KV regeln, wann Überstundenzuschläge gebühren.
  3. Mehr Flexibilität bei der Höchstarbeitszeit. Zumindest in bestimmten Fällen, wie Gleitzeit und bei Arbeitsplätzen geringer Belastung, soll die Grenze auf 12 Stunden pro Tag steigen. Einerseits werden so Spitzen besser abgedeckt, andererseits werden mehr freie Tage und Wochenenden möglich. 

Flexibilisierung der Arbeit ist alternativlos

Zur weiteren Flexibilisierung der Arbeit gibt es keine Alternative – sowohl aus Sicht der Unternehmen wie auch aus Sicht der MitarbeiterInnen. Moderne Regelungen am Puls der Zeit schaffen Klarheit und Sicherheit für alle Beteiligten - ArbeitgeberInnen wie ArbeitnehmerInnen gleichermaßen.


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Vorteile

Was Flexibilisierung aus Sicht von AbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen bringt

Durch Maßnahmen zur Flexibilisierung der Arbeitszeit entsteht Mehrwert, von dem ArbeitgeberInnen wie ArbeitnehmerInnen gleichermaßen profitieren. Das belegen auch aktuelle Studien:

  • Aus Sicht der ArbeitnehmerInnen werden bei flexibler Arbeitszeitgestaltung vor allem Aspekte wie eine gesteigerte Lebensqualität, freie Zeiteinteilung, Rücksicht auf die Gesundheit sowie auch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit sehr geschätzt.
  • Auch erkennen immer mehr ÖsterreicherInnen den Trend hin zu mehr Flexibilisierung in der Berufswelt: Laut einer aktuellen Umfrage sind 73% der ArbeitnehmerInnen der Meinung, dass die heutige Arbeitswelt von allen mehr Flexibilität erfordert als früher. Nur für 12% der Befragten ist Flexibilität kein Thema.
  • Die Vorteile einer flexibleren Arbeitszeitgestaltung liegen auch für Unternehmen auf der Hand: Sie profitieren von einer gesteigerten Mitarbeiterzufriedenheit mit entsprechend höherer Motivation und Bindung, gesteigerter Innovationskraft und ebenso gesteigerter Produktivität.
Auswirkungen von NWOW für ArbeitnehmerInnen

Abbildung: Auswirkungen von NWOW („New World of Work“, Anm.) für ArbeitnehmerInnen (Quelle: Studie „Arbeitsweisen im Wandel: Wann, wo, wie und womit wird gearbeitet?“ HMP, METIS; IMC FH Krems, 2016)

Auswirkungen von NWOW für Unternehmen

Abbildung: Auswirkungen von NWOW („New World of Work“, Anm.) für Unternehmen (Quelle: Studie „Arbeitsweisen im Wandel: Wann, wo, wie und womit wird gearbeitet?“ HMP, METIS; IMC FH Krems, 2016)


Auf den Punkt gebracht: Wird ein individueller Gestaltungsraum im Unternehmen ermöglicht, sind viele MitarbeiterInnen gerne bereit, flexibler zu agieren und so aus dem starren Arbeitskorsett ausbrechen zu können. Dadurch entsteht eine Win-Win-Situation, von der ArbeitnehmerInnen wie ArbeitgeberInnen profitieren.


Stimmen der Wirtschaft

Andreas Lahner

KommR Andreas Lahner

Geschäftsführer, Lahner GalvanisierungsgmbH

Flexibel zu sein ist für uns mittlerweile ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Daher brauchen wir für die Arbeitswelt von heute und morgen den Zwölf-Stunden-Tag, mit der Möglichkeit zum Zeitausgleich. Wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter einmal zwei Stunden früher gehen möchte und dies dafür nachholen kann, wenn mehr Arbeit anfällt, ist das für alle Beteiligten im Betrieb das Beste.

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Wir – als Unternehmer aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – stoßen bei den gegenwärtigen Arbeitszeitmodellen einfach an unsere Grenzen. Wenn wir die Möglichkeit hätten, die Stunden-Höchstgrenze pro Woche zu erhöhen, könnten wir Phasen, in denen mehr Arbeit anfällt viel besser bewältigen. Die nötige Flexibilität würde es aber erlauben, in den folgenden Wochen dann auch weniger zu arbeiten.

Doris Palz

Mag. Doris Palz

Managing Director, Great Place to Work®

Aus meiner Sicht wurde ‚arbeiten‘ in den letzten Jahren deutlich flexibler. Vor allem auf Wunsch der Mitarbeiter – speziell den jüngeren. Dazu gehört auch, Dinge von Zuhause aus zu erledigen oder die Arbeitszeit auch einmal für Privates unterbrechen zu können. Es braucht aber eine komplette Überarbeitung des Arbeitszeitgesetzes.

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Im Grunde bedeutet das eine Anpassung an die Realität, die heute im Gesetz nicht mehr abgebildet ist. Natürlich muss der Arbeitnehmerschutz hoch sein, aber wenn Unternehmen Qualitätsstandards nicht mehr gerecht werden können, ohne Gesetze zu überschreiten, läuft etwas falsch. Auf der politischen Ebene ist da ein klares Umdenken notwendig.

Friedrich Blaha

Mag. Ing. Friedrich Blaha

Geschäftsführer, Blaha Sitz- u. Büromöbel Industrieges.mbH

Das Geschäftsmodell von Blaha Büromöbel ist die umfassende Gestaltung von Bürowelten. Das Büro ist weltweit jener Arbeitsbereich der derzeit die radikalsten Veränderungen erlebt. Klassische Büroarbeit wird zu Gunsten von Kommunikation, Selbstorganisation und Vernetzung zurückgedrängt. Büromöbel verwandeln sich immer mehr zu Kommunikationsmöbel. Das verlangt neue Führungsmodelle, weg von den klassisch-hierarchischen Formen hin zu netzwerkartigen Organisationen mit fraktaler Struktur.

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Die Verantwortungs- und Entscheidungsebene verschiebt sich zum Frontend einer Organisation und verlangt unter anderem mehr Freiheiten und flexible Arbeitsmöglichkeiten.
Es wird notwendig sein, die Rahmenarbeitszeiten auf Wochenstundenbasis auf 50 Stunden zu erhöhen. Die Abrechnung der Mehr- und Minderstunden muss über längere Zeiträume (mindestens 108 Wochen) möglich sein.

Martin Zandonella

Dipl.-Ing. Martin Zandonella

Geschäftsführer, Net4You Internet GmbH

In der IT-Branche ist Flexibilität so gut es geht schon gelebte Praxis. Es ist der Wunsch der Mitarbeiter selbst entscheiden zu können, wann sie die Arbeit erledigen. Die starren Arbeitszeitmodelle sind für uns aber ein Problem, weil wir sehr projektbezogen arbeiten. Hier kommen wir an unsere Grenzen, denn eine bevorstehende Deadline heißt für uns einfach mehr Arbeit.

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Es passiert leider eine Entmündigung von uns Dienstgebern und von den Arbeitnehmern. Die Realität ist um einiges weiter als das, was das Gesetz vorschreibt. Wir brauchen eine einfache Regelung, die eine Arbeitszeit von zwölf Stunden am Tag erlaubt. Über einen entsprechenden Durchrechnungszeitraum soll sich die wöchentliche Arbeitszeit dadurch nicht erhöhen.

Hermann Glatzer

Hermann Glatzer

Geschäftsführer, Glatzer GmbH

Die Arbeitszeitregelungen sind bei uns natürlich großes Thema. Wir können in Österreich nur über Qualität, Zuverlässigkeit und Termintreue punkten. Wenn wir durch die Vorgaben unsere Arbeit aber am Ende der Woche liegen und stehen lassen müssen und der Kunde dadurch später beliefert wird, sehen wir diesen Kunden nie wieder. Wir müssen im internationalen Wettbewerb kämpfen, allerdings werden uns die Mittel dafür genommen.

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Wir leiden vor allem unter der 10-Stunden-Höchstgrenze. Natürlich muss man Arbeitnehmer schützen, aber vor allem im hochtechnischen Bereich sollte man die Leute selbst entscheiden lassen. Im Grunde ist das eine Bevormundung von Arbeitnehmern, die das gar nicht wollen. Bei uns wollen die Mitarbeiter selbst mehr Flexibilität haben.

Maria Heuberger

Maria Heuberger

Inhaberin und Geschäftsführerin, Locker & Légere Gastronomiebetriebs GmbH

In der Gastronomie kommt es immer wieder vor, dass wir mehr als zehn Stunden arbeiten müssen. Beispielsweise zu Weihnachten oder bei Großveranstaltungen lässt es sich in einem kleinen Betrieb, wie bei uns mit 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, nicht vermeiden, dass alle anpacken müssen und daher länger gearbeitet wird.

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Wir haben ein sehr gutes Arbeitsklima und unsere MitarbeiterInnen sind auch bereit, länger als zehn Stunden zu arbeiten wenn es einmal nicht anders geht und es sich um Einzelfälle handelt. Ein faires Miteinander ist dafür Voraussetzung, genauso wie auch die rechtlichen Gegebenheiten. Wir brauchen daher dringend eine Ausweitung und Flexibilisierung der Ruhezeiten und der maximalen täglichen Arbeitszeit!

Gabriele Zieger

Gabriele Zieger

Prokuristin, Zieger Gesmbh

Die Flexibilisierung der Arbeitszeit ist einer der wichtigsten Punkte! Nur so können wir zu Spitzenzeiten Aufträge mit dem eigenen Personal abwickeln. Uns hilft es nicht, wenn unsere Mitarbeiter zu saisonschwachen Zeiten 39 Stunden arbeiten und zu Spitzenzeiten auch nur 39 Stunden arbeiten dürfen. Die Durchrechnung müsste im Jahresschnitt erfolgen! Flexiblere Arbeitszeiten sind auch für unsere Mitarbeiter ein Vorteil.

Michael Ivellio-Vellin

Mag. Michael Ivellio-Vellin, MSc.

Inhaber, Ivellio-Vellin professionelle IT-Lösungen e.U.

Ich habe das Thema schon öfters mit Branchenkollegen diskutiert und kann sagen, dass die Forderung nach Flexibilisierung in der IT sehr stark von den Mitarbeitern kommt – insbesondere von den jüngeren. Eine Mutter oder ein Vater will den Nachmittag vielleicht auch einmal lieber mit den Kindern verbringen und später am Abend, wenn die Kinder im Bett sind, die Arbeit nachholen. 

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Wenn das Unternehmen für die Nachtarbeit Zuschläge bezahlen muss, ist das unrentabel und wird sicher nicht genehmigt, obwohl es für alle Beteiligten vorteilhaft wäre. Die Unternehmen und ihre Mitarbeiter wollen zu flexiblen Zeiten arbeiten. Man muss es uns aber auch ermöglichen!

Felix Krebs

Ing. Felix Krebs

Inhaber und Geschäftsführer, Ing. Felix Krebs  Metallbau - Schlosserei Sicherheitstechnik

Es muss jedem Menschen freistehen, ob er an einem Tag einmal mehr oder weniger Stunden arbeiten möchte. Viele wollen sich beispielsweise durch Mehrarbeit etwas zusätzlich verdienen. Oft gibt es auch dringende Aufgaben, die in zehn Stunden nicht erledigt werden können. Ich denke da an Noteinsätze, Reparaturen nach unvorhergesehenen Umständen oder Nachtarbeiten.

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Abgesehen davon müssen auch Polizisten 24 Stunden-Dienste leisten oder Ärzte in Spitälern nach einer achtstündigen Schicht noch eine Operation durchführen. Das muss auch für uns gewerblich tätige Menschen möglich sein!

FAQ

Häufig gestellte Fragen

Warum ist flexible Arbeit sichere Arbeit?

Durch flexible Arbeitszeiten kann das Arbeitszeitvolumen besser an die Auftragslage angepasst werden. Die Alternative wäre kurzfristiger Personalauf- und -abbau (wie etwa in den USA üblich). Flexible Arbeitszeit bedeutet nicht mehr Arbeitszeit und nicht weniger Entgelt. Es soll nicht mehr gearbeitet werden, sondern dann, wenn Aufträge da sind. Unter dem Strich sollen MitarbeiterInnen kein Entgelt verlieren – wenn weniger Überstundenzuschläge anfallen, wird dies anderweitig kompensiert. Flexible Arbeitszeiten sichern Jobs – was sie zur sicheren Arbeit macht.

Bedeuten flexiblere Arbeitszeiten gleichzeitig auch mehr Arbeit?

Flexible Arbeitsmodelle zielen nicht prinzipiell auf ein Mehr an Arbeit ab, sondern nur dann, wenn es die Auftragslage erfordert. Betriebliche Spitzen können so besser abgedeckt werden. Dafür werden mehr freie Tage und lange Wochenenden für die ArbeitnehmerInnen möglich.

Wem nutzen flexiblere Arbeitszeiten?

Von den Vorteilen flexiblerer Arbeitszeitgestaltung profitieren beide Seiten. ArbeitgeberInnen können das Arbeitszeitvolumen besser an schwankende Auftragslagen anpassen, sind dadurch produktiver und wettbewerbsfähiger. Zugleich profitieren auch ArbeitnehmerInnen von einer besseren Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit durch die gesteigerte Flexibilität im Job.

Warum braucht Österreich flexiblere Beschäftigungsformen?

Die Arbeitswelt ist durch internationalen Wettbewerb, wachsenden Kundenansprüchen, der Digitalisierung und fortschreitender Technik dynamischer und schnelllebiger geworden. Viele Arbeitsprozesse und Erwartungen verändern sich – und stellen Betriebe vor neue Herausforderungen. Flexible Beschäftigungsformen sind unerlässlich, denn sie stärken die Konkurrenzfähigkeit der österreichischen Betriebe und sichern dadurch Arbeitsplätze.

Auf welche Hürden stoßen ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen derzeit?

Viele österreichische Unternehmen haben die Wichtigkeit und den Mehrwert von flexibler Arbeitszeitgestaltung bereits erkannt und bieten ihren ArbeitnehmerInnen entsprechende Modelle (wie zB Gleitzeit, Teilzeit o.ä.) an. Die derzeitigen gesetzlichen Arbeitszeitregelungen lassen sich allerdings mit der gelebten Praxis jedoch nur bedingt vereinbaren. ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen sind häufig zwischen starren, gesetzlichen Vorgaben und rechtlichem Graubereich hin und hergerissen. Dieser ist neben Stress und Ängsten vor allem kennzeichnet durch überbordende Bürokratie, Rechtsunsicherheit und große Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation. Flexibilität braucht daher auch rechtliche Klarheit.

Warum ist eine Stärkung der betrieblichen Gestaltungsmöglichkeiten wichtig?

Die meisten Kollektivverträge (KV) enthalten flexible Arbeitszeitregelungen, vielfach aber nur unter restriktiven Bedingungen. Auch bieten KV meist keinen Platz für betriebsspezifische Lösungen. Daher sollte das Gesetz in einem bestimmten Rahmen direkt die betriebliche Ebene zu flexibler Gestaltung ermächtigen. Laut Arbeitszeitgesetz können Kollektivverträge eine Durchrechnung von 52 Wochen und mehr vorsehen. Die bestehenden Kollektivverträge sehen Durchrechnungen bis maximal 52 Wochen durchaus vor, mehrheitlich aber nur unter sehr restriktiven Bedingungen. Die betriebliche Ebene hat hier nur Gestaltungsspielraum, wenn dies der Kollektivvertrag eindeutig zulässt.

Welche arbeitsrechtlichen Änderungen sind für mehr Flexibilität nötig?

Neben der Stärkung der betrieblichen Ebene soll die Grenze für tägliche Normalarbeitszeit grundsätzlich auf 10 Stunden unter Beibehaltung der 40-Stunden-Woche angehoben werden. Die Arbeitszeit wird somit insgesamt nicht verlängert, nur innerhalb der Woche anders verteilt. Wie in Deutschland sollen die KV regeln, wann Überstundenzuschläge gebühren.

Die Höchstarbeitszeit beträgt derzeit 10 Stunden. Nur unter sehr restriktiven Bedingungen darf länger gearbeitet werden. Zumindest für bestimmte Fälle wie Gleitzeit und Arbeitsplätze geringer Belastung ist die Höchstarbeitszeit auf 12 Stunden zu erhöhen. Das ist zumutbar, wenn man bedenkt, dass in Gesundheitsberufe seit jeher generell täglich bis zu 13 Stunden gearbeitet werden darf.

Wichtig: Es geht dabei um eine flexiblere Verteilung und nicht um eine Arbeitszeitverlängerung - die Wochenhöchstarbeitszeit von 50 Stunden kann grundsätzlich bleiben. 

Wie ist die Situation im internationalen Vergleich?

Flexible Arbeitszeitmodelle sind für viele Länder längst nichts Neues mehr. Skandinavien gilt hier als Vorreiter: 82% der finnischen Unternehmen mit mehr als neun Mitarbeitern praktizieren flexible Arbeitszeitmodelle und auch die Nachbarländer Schweden und Dänemark bieten diese Möglichkeit der flexiblen Arbeitszeitgestaltung ihren MitarbeiterInnen im Arbeitsalltag an. Flexible Arbeitszeiten sind umso weiter verbreitet, je fortschrittlicher eine Volkswirtschaft ist. In Österreich sind zwar flexible Arbeitszeiten schon jetzt weit verbreitetet, doch sind vor allem die gesetzlichen Rahmenbedingungen viel restriktiver als beim Haupthandelspartner Deutschland. Im internationalen Vergleich hat der Wirtschaftsstandort Österreich somit großen Aufholbedarf.

An wen kann ich mich bei Fragen zur Arbeitszeitflexibilisierung im Betrieb wenden?

Als UnternehmerIn wenden Sie sich dazu bitte an die Abteilung Sozialpolitik Ihrer jeweiligen Landeskammer. Eine Liste mit aktuellen Ansprechpartnern finden Sie hier.

Wie profitieren auch ArbeitnehmerInnen von den Vorteilen der Flexibilisierung?

Neben den Vorteilen für die Betriebe durch erhöhte Flexibilität profitieren aber auch ArbeitnehmerInnen von den positiven Effekten flexibler Arbeitszeitgestaltung. So sind individuelle und flexible Arbeitsmodelle der Schlüssel zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit und werden daher auch immer stärker von ArbeitnehmerInnen nachgefragt. Im Einklang mit den aktuellen betrieblichen Erfordernissen kann so die Arbeitszeit besser auf individuelle Bedürfnisse und Vorlieben abgestimmt werden. Das steigert wiederum Motivation, Zufriedenheit und Engagement im Job.

Wie wirkt die Flexibilisierung der Arbeitszeiten auf den Kollektivvertrag?

Die meisten Kollektivverträge räumen ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen kaum Möglichkeiten der flexiblen Arbeitsgestaltung ein, selbst wenn dies von beiden Seiten gewünscht ist. Kollektivverträge sollen flexiblere Arbeitszeitmodelle prinzipiell ermöglichen, müssen jedoch nicht von allen Betrieben und ArbeitnehmerInnen genutzt werden. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu Normalarbeitszeit, Höchstarbeitszeit, oder zu Mehrarbeit bzw. Überstunden dienen den ArbeitnehmerInnen nach wie vor als Rahmen und bieten Sicherheit.

Entfallen mit flexiblen Beschäftigungsmodellen regelmäßige Arbeitszeiten?

Abhängig vom Betrieb und dessen Arbeitsbereichen können regelmäßige Arbeitszeiten den betrieblichen Anforderungen entsprechen, oder aber ein Hemmschuh für ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen im Arbeitsalltag sein. Flexible Beschäftigungsverhältnisse räumen Unternehmen den Freiraum ein, gemeinsam mit den ArbeitnehmerInnen individuell auf betriebliche Bedürfnisse einzugehen und so eine ideale Work-Life-Balance zu ermöglichen.

Welche Unternehmen sind von der Neuen Welt der Arbeit besonders betroffen?

Ob kleiner Handwerksbetrieb oder international tätiger Konzern: Die Veränderung der Arbeitswelt ist für alle Unternehmen ein Thema, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Alle Betriebe müssen neue Herausforderungen meistern, um ihre Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Darum braucht es zeitgemäße Beschäftigungsformen, die eine flexible Arbeitseinteilung für Unternehmen und ArbeitnehmerInnen zulassen.

Welche Vorteile bringen flexible Arbeitszeiten für Unternehmen?

Durch flexible Arbeitszeiten kann das Arbeitszeitvolumen besser an die Auftragslage angepasst werden. Saisonale Auftragsspitzen lassen sich so besser bewältigen und die Arbeit dann erledigen, wenn sie tatsächlich anfällt. Auch auf Nachfrageschwankungen sind Unternehmen in der Lage, wesentlich besser zu reagieren – etwa durch interne Flexibilität (Arbeitszeiten, Überstunden, Urlaubauf-/abbau). Außerdem lassen sich teure Steh- und Leerzeiten verringern und insgesamt die Produktivität steigern. Weitere Vorteile entstehen durch verkürzte Reaktionszeiten bei Aufträgen, besseren Kundenservice durch längere Ansprechzeiten der MitarbeiterInnen sowie Termintreue bei erfolgskritischen Aufträgen.

Was sind die Forderungen der WKO?

  • Stärkung der betrieblichen Ebene: Die meisten Kollektivverträge (KV) enthalten flexible Arbeitszeitregelungen, vielfach aber nur unter restriktiven Bedingungen. Auch bieten KV meist keinen Platz für betriebsspezifische Lösungen. Daher sollte das Gesetz in einem bestimmten Rahmen direkt die betriebliche Ebene zu flexibler Gestaltung ermächtigen.  

  • Grenze für Normalarbeitszeit 10 Stunden: Die Grenze für tägliche Normalarbeitszeit soll grundsätzlich auf 10 Stunden unter Beibehaltung der 40-Stunden-Woche angehoben werden. Die Arbeitszeit wird somit insgesamt nicht verlängert, nur innerhalb der Woche anders verteilt. Wie in Deutschland sollen die KV regeln, wann Überstundenzuschläge gebühren.  

  • Mehr Flexibilität bei der Höchstarbeitszeit: Die Höchstarbeitszeit beträgt derzeit 10 Stunden. Nur unter sehr restriktiven Bedingungen darf länger gearbeitet werden. Zumindest für bestimmte Fälle wie Gleitzeit und Arbeitsplätze geringer Belastung ist die Höchstarbeitszeit auf 12 Stunden zu erhöhen. Das ist zumutbar, wenn man bedenkt, dass in Gesundheitsberufe seit jeher generell täglich bis zu 13 Stunden gearbeitet werden darf. Es geht dabei um eine flexiblere Verteilung und nicht um eine Arbeitszeitverlängerung - die Wochenhöchstarbeitszeit von 50 Stunden kann grundsätzlich bleiben.

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