Industriekonjunktur: Positiver Trend, aber wo bleibt die offensive Standortpolitik?

„Wir haben ein überwiegend positives Ergebnis im ersten Halbjahr 2015“, betonte der Präsident der Industriellenvereinigung Mag. Martin Ohneberg anlässlich der Präsentation der aktuellen Konjunkturumfrage der Vorarlberger Industrie im 2. Quartal durch IV und Wirtschaftskammer. Es gebe aber auch Indikatoren, die zur Vorsicht aufrufen und die Euphorie bremsen.

Der Anlass für die vorsichtig optimistische Haltung der Industrie ist auf den Geschäftsklimaindex zurückzuführen. Dieser setzt sich aus dem Mittelwert der Einschätzungen zur aktuellen Geschäftslage und jener in sechs Monaten zusammen. Der Wert selbst stieg von 31,40 auf 34,90 Prozentpunkte an, was im österreichischen Vergleich den Spitzenwert darstellt.

 

„Wir verfolgen weiterhin intensiv das Ziel, Vorarlberg als „Best-Practice-Beispiel“ im eigenen Wirkungsbereich zu positionieren“, so der Präsident der IV. 65 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Keiner der Befragten sieht derzeit eine schlechte Geschäftslage. Auf den erzielten Ergebnissen und dem guten Gefühl darf sich nicht ausgeruht werden. „Die Industrie braucht Freiräume für Investitionen“, so Ohneberg. Die gute Entwicklung muss genutzt werden, um Reformen anzugehen, Arbeitgeber zu entlasten und für den internationalen Wettbewerb gerüstet zu sein. Einer der Hauptgründe für die derzeitige Geschäftslage sind die Auslandsaufträge.  63 Prozent der Betriebe schätzen ihre Auslandsaufträge als gut ein. Vorarlbergs Industrie ist nach wie vor ein Exportschlager. Dadurch werden die regionale Wertschöpfung gefördert und Arbeitsplätze geschaffen. Der IV-Präsident hofft auf einen positiven Ausgang der TTIP-Verhandlungen mit weiterhin hohen Standards für die europäische Wirtschaft und Gesellschaft, um weiterhin konkurrenzfähig auf dem internationalen Markt zu sein und zu bleiben. „Die Unternehmen sind global sehr gut aufgestellt und somit nicht mehr abhängig vom Heimatland.“

 

Facharbeitermangel

 

Gut ausgebildete Schüler und Lehrlinge werden immer mehr nachgefragt und ohne die Bildungsoffensive werden diese immer mehr zur Mangelware. „Die gute Geschäftslage erlaubt es einigen Betrieben, weitere Mitarbeiter einzustellen, was in Zeiten von steigender Arbeitslosigkeit dringend notwendig ist“, schildert Ohneberg. 34 Prozent der Betriebe gehen, ähnlich wie bei der vergangenen Umfrage, von einem steigenden Beschäftigungsgrad  in den nächsten drei Monaten aus. Gebraucht werden aber vor allem qualifizierte Fachkräfte, doch die sind oftmals nicht ausreichend am Arbeitsmarkt vorhanden und somit schwer zu finden“, berichtet Ohneberg. Es scheitere damit also oftmals nicht an den Betrieben, sondern schlichtweg an der Qualifizierung, so Ohneberg weiter.

 

Weiterhin Druck auf die Verkaufspreise

 

Grund zur Besorgnis geben die Verkaufspreise. Im internationalen Vergleich steigt der Druck auf die Unternehmen. Der Saldo bei positiver oder negativer Einschätzung der zukünftigen Verkaufspreise liefert ein bereits bekanntes Ergebnis: -31 Prozentpunkte. Für den IV-Präsidenten sind es altbekannten Probleme. „Es braucht eine Belebung der Wirtschaft, durch Entlastung für Arbeitgeber oder mit Hilfe von Investitionsfreibeträgen.“


38 Vorarlberger Unternehmen mit über 20.000 Beschäftigten haben sich an der aktuellen Konjunkturumfrage im zweiten Quartal beteiligt.       

28.7.2015 Herbert Motter
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