Illustration in Grün gehalten: Große Glühbirne mit halber Weltkugel und Windrädern umgeben von Icons zum Thema Nachhaltigkeit
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Energiewirtschaft Israel

Unser AußenwirtschaftsCenter in Tel Aviv hat die wichtigsten Informationen zur israelischen Energiewirtschaft für Sie zusammengefasst

Lesedauer: 7 Minuten

Israel Energieeffizienz/Green Building Energiewirtschaft Erneuerbare Energien

Branche und Marktsituation

Der israelische Energiemarkt hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten durch die Entdeckung großer Erdgasvorkommen vor der Küste des Landes grundlegend verändert. Bis zu der Erschließung der Gasfelder war Israel völlig vom Import fossiler Energie abhängig. Die Entdeckung der ersten beiden größeren Gasvorkommen vor der Küste des Landes Ende 1999 und Anfang 2000 zogen weitere israelische und internationale Investor:innen und Explorationsunternehmen an und führten zu zusätzlichen bedeutsamen Erdgasfunden. Heute besteht der israelische Energiemix über 50% aus Erdgas und zu jeweils ca. 20 % aus Photovoltaik und Kohle. Der Verbrauch von Erdöl und Kohle, welche beide importiert werden, ist deutlich zurück gegangen (Anfang der 1980er war Erdöl mit fast 100 % im Energiemix vertreten; Kohle lag Anfang der 2000er Jahre bei ca. 40 %). Erdöl wird hauptsächlich über die Route Baku-Tbilisi-Ceyhan (BTC) aus Zentralasien und dem Kaukasus importiert (rund 80 % aus Aserbaidschan, 10 % Importe aus Russland). Stark zugenommen haben in den letzten Jahren die Anteile an Erdgas und Solarenergie. Die Zunahme von Erdgas im Energiemix geht auf die Entdeckung von kommerziell nutzbarem Erdgas vor Israels Küste in den frühen 2000ern zurück und liegt aktuell bei 55,2 %. Die Gaserzeugung wird im Jahr 2025 vorrausichtlich 30 % über dem Niveau von 2021 (Anstieg von 4 TWh/Jahr) liegen. Die Regierung plant bis 2026 alle Kohlekraftwerke auf Erdgas umzustellen. Angefangen hat das Israel Electric Corporation (IEC) im Januar 2020 mit dem Modernisierungsprojekt „Orot Rabin“, um das Kohlekraftwerk bis 2026 auf Erdgas umzurüsten. Allerdings ist die IEC ist nicht mehr das Monopol der israelischen Stromerzeugung, da seit 2020 bereits 51,5 % der Elektrizität des Landes von privaten Erzeugern (Independent Power Provider IPP) generiert wurden.

Israel kann sich mittlerweile vollständig selbst mit Energie versorgen und exportiert den Rest des erzeugten Stroms in andere Länder. Das Land nutzte letztes Jahr 304 THW-Energie, welche Strom, Verkehr und Wärme beinhaltet. Die Gesamtproduktion aller Anlagen zur Elektrizitätsgewinnung lag im Dezember 2022 bei 75,6 Mrd. kWh, also über dem Eigenbedarf vom 62,78 Milliarden kWh, sodass ca. 12 Mrd. kWh exportiert werden konnten. Pro Einwohner:in ist dies ein Elektrizitätsverbrauch von rund 6.198 kWh, was über dem europäischen Durchschnitt von 5.463 kWh liegt. Der Stromverbrauch erhöhte sich 2023 jedoch nur um 2 %. Es wird mit einem konstanten Anstieg des Stromverbrauchs um circa 3 % pro Jahr gerechnet, insbesondere aufgrund des starken Bevölkerungswachstums. 

Energieexporte und internationale Kooperation

Seit der Entdeckung kommerziell nutzbaren Erdgases im Jahr 2000 hat Israel einen Wandel vom Netto-Importeur zum Selbstversorger und Netto-Exporteur erlebt. Der Transport des israelischen Erdgases erfolgt derzeit über Pipelines nach Jordanien und Ägypten. Im Jahr 2022 betrug die Gesamtproduktion 21,9 Mrd. m3, von denen 9,2 Mrd. m3 nach Ägypten und etwa 3 Mrd. m3 nach Jordanien verkauft wurden. Das Ziel für die nächsten Jahre ist eine jährliche Produktion von 40 Mrd. m3. Israel strebt danach, seine Beziehung mit den Nachbarländern im Bereich verschiedener Energieformen zu erweitern und seine strategische Lage zwischen Asien und Europa zu nutzen, insbesondere im Bereich der Elektrizität. Auch aus Sicht der EU gewinnt die elektrische Infrastruktur und Konnektivität Europas mit seinen Nachbarn an Bedeutung. Aktuell existiert lediglich eine Stromverbindung zwischen der EU und Afrika bei Gibraltar. Diese soll nun durch zwei neue Verbindungen erweitert werden: die Verbindung zwischen Tunesien und Italien ("EuroAfrica Interconnector") sowie die Verbindung zwischen Zypern und Israel ("EuroAsia Interconnector"). Die Verbindung zwischen Israel und Zypern, die auf ein EU-Projekt von gegenseitigem Interesse zurückgeht, fördert ebenfalls die bilateralen Beziehungen zwischen Israel und Zypern. 

Schon seit 2020 wird die ausschließliche Abhängigkeit von der Sonnenenergie bei der Nutzung erneuerbarer Energien bemängelt. Auch die Bodenknappheit Israels bedeutet, dass der Ausbau der photovoltaischer Energieanlagen nur begrenzt stattfinden kann. Als eine weitere Möglichkeit will das Ministerium deshalb auch die Erzeugung von Biomasse aus Algen untersuchen. Darüberhinaus wird die eventuelle Nutzung von kinetischer Energie im Meer erforscht, welches den EE-Mix diversifizieren würde.  Auch läuft in Israel derzeit ein ehrgeiziges Ausbauprogramm zur Energiegewinnung aus Abfällen. Das Umweltschutzministerium unterstützt den Bau von Anlagen zur anaeroben Vergärung und zur Energierückgewinnung durch Müllverbrennung.  Die Nutzung von Elektrofahrzeugen, welche über ein gesteuertes Lade- und Entladesysteme verfügen, wird von daher von der Regierung gefördert, da ab 2030 keine Benzin- und Dieselfahrzeuge mehr in Israel verkauft werden dürfen. 

ClimateTech

Das lokale Ökosystem verzeichnet seit einigen Jahren einen starken Anstieg der Neugründungen von ClimateTech-Unternehmen. Eins von sechs Start-ups, welche im Jahr 2022 gegründet wurden, sind in diesem Bereich tätig. Derzeit sind 784 Start-ups als klimarelevant gekennzeichnet. 2022 wurden USD 2,3 Mrd. in ClimateTech-Startups investiert und die Notwendigkeit von Klimalösungen und zunehmende regulatorische und unternehmerische Verpflichtungen zur Dekarbonisierung treiben weiterhin die Innovationen in diesem Bereich voran. Es gibt viele Start-ups, welche in den Bereichen Energiegewinnung, -management-, speicherung, Photovoltaik und Softwarelösungen für den Stromvertrieb tätig sind. 

Erfolgsstories

Im Juni 2022 gab das israelische Unternehmen Augwind Energy die Unterzeichnung einer dreijährigen strategischen Kooperationsvereinbarung mit Voith Hydro bekannt, die eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung bestimmter Systeme und Ausrüstungen vorsieht, darunter Turbinen, Wasserpumpen und Stromversorgungssysteme, die in das AirBattery-Energiespeichersystem von ihnen integriert werden sollen. Auch beim Pumpspeicherkraftwerk Manara im Norden Israels sind gleich vier österreichische Unternehmen involviert. AFRY ist eines der größten Wasserkraft-Beratungsunternehmen und ist ebenso wie Dr. Sauer & Partner, ein unabhängiges Ingenieurbüro mit Spezialisierung im Tunnelbau und Spezialtiefbau, bei der Konzipierung dieses Projektes beteiligt. Auch der VERBUND ist bei Planung und Installation der Anlagen beratend tätig. VOITH Hydro  bekam Anfang 2021 den Auftrag das Manara Pumpspeicherkraftwerk mit der kompletten elektrischen und mechanischen Ausstattung (Pumpturbine, Motor-Generator und Kontrollausrüstung) zu versorgen.  

Aber auch in Österreich gibt es bereits mehrere Erfolgsstories, wo israelische Start-ups mit österreichischen Firmen erfolgreich kooperiert haben. Das israelische Start-up-Unternehmen FSIGHT wurde von Amos Lasker, dem ehemaligen Präsidenten und CEO der staatlichen IEC, zusammen mit Eveline Steinberger, von Blue Minds Company, gegründet. Das Start-up hat ein umfassendes End-to-End-System für das intelligente Management des Energiesektors der Zukunft entwickelt. Nach dem erfolgreichen Leuchtturmprojekt, das 2019 in Maale Gilboa, einem Kibbuz im Norden Israels, startete und an dem neben anderen internationalen Partnern auch Andritz und VERBUND mitwirkten, ist das von FSIGHT entwickelte Softwarepaket inzwischen bei der Mehrheit der unabhängigen industriellen Stromerzeuger in Israel im Einsatz. Zu den österreichischen Kund:innen zählt unter anderem die Energie Burgenland. 

In Kooperation mit dem Flughafen Wien testet Wien Energie die weltweit erste Ladestation für E-Autos mit schwungradbasierter Power-Boosting-Lösung, die vom israelischen Start-up  ZOOZ entwickelt wurde. Obwohl die Netzanschlussleistung an der Ladestation bei nur 40 kW liegt, sorgt der innovative Bewegungsspeicher dafür, dass ein E-Auto mit 100 kW geladen wird und damit schon in 20 Minuten wieder voll ist. Das israelische Unternehmen FibroLAN ist Spezialist auf dem Gebiet der Glasfaser Accesstechnologie und Carrier Ethernet Dienste und hat eine eigene Niederlassung in Österreich gegründet. Kernmärkte von FibroLAN sind Netz- und Mobilfunkbetreiber, Energieversorger, kommunale Einrichtungen, Verkehr (Straßen und Bahnen), die Verteidigungsindustrie und Großunternehmen. 

Chancen für österreichische Unternehmen

Der israelische Energiemarkt entwickelt sich sehr dynamisch und bietet zahlreiche Geschäftschancen für österreichische Firmen. Dies gilt sowohl für Anlagenhersteller, Lieferanten von Komponenten, Montagefirmen als auch Beratungsunternehmen. Mit dem Ausbau des Erdgasnetzes und dem Anschluss weiterer Industriegebiete an die zentrale Versorgung, eröffnen sich viele Möglichkeiten für die Installation von KWK- (Kraft-Wärme-Kopplung) und KWKK- (Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung) Anlagen. Die Nachfrage nach technischen Lösungen für energieeffiziente und preiswerte Produktionsprozesse wird in den kommenden Jahren zunehmen und internationales Know-how wird gefragt sein. In Anbetracht der Tatsache, dass 60 % des Stromverbrauchs auf kommerzielle und staatliche Nutzung zurückzuführen ist, ist hier das Energiesparpotential und somit das Marktpotential für innovative Technologien besonders groß. Die Marktchancen für österreichische Anbieter von Energiemanagementsystemen, EnergyTech-Innovationen, Mess-, Steuer- und Regeltechnik, sowie Beratungsleistungen sind erfolgversprechend. Angesichts der ambitionierten Regierungsprogramme in Bezug auf den Energiesektor, ist der Zeitpunkt für einen Markteinstieg österreichischer Unternehmen momentan besonders günstig. Israelische Vertriebsfirmen streben langjährige Geschäftsbeziehungen mit ausländischen Herstellern an und suchen derzeit nach starken Technologiepartnern. Israel plant bis 2026 die Stilllegung beziehungsweise Umrüstung der verbleibenden Kohlekraftwerke auf Erdgas. Weiters ist zu beachten, dass Israel eine der niedrigsten Recyclingraten unter Industrienationen hat. Im Jahr produziert Israel im Schnitt 5,3 Mio. Tonnen Haushaltsabfall (1,7 kg pro Person pro Tag) - Tendenz steigend. Davon werden rund 80 % direkt deponiert (in Österreich im Vergleich annähernd 0 %). Demnach besteht in Israel enormes Wertschöpfungspotenzial aus sekundären Rohstoffen. Hier besteht eventuell eine wirtschaftliche Chance für österreichische Unternehmen, aktiv mitzuwirken. Es sind bereits mehrere österreichische GreenTech Unternehmen in Israel aktiv, darunter beim Verarbeiten von Biomasse, Baustoffrecycling und in der Abwasserreinigung.  

Zusammengefasst, als gut entwickelter, aufnahmefähiger Markt mit größtenteils liberalem Marktzugang, bietet Israel für österreichische Exporteur:innen gute Geschäftschancen. Das AußenwirtschaftsCenter Tel Aviv unterstützt Sie gerne bei der zielgerichteten Suche nach einer geeigneten lokalen Vertreterin. 

Haben wir Ihr Interesse geweckt?

Das Branchenprofil Energiewirtschaft Israel kann von Mitgliedsunternehmen der WKÖ jederzeit per E-Mail beim AußenwirtschaftsCenter Tel Aviv angefordert werden. Für weiterführende Fragen oder eine individuelle Beratung zum Thema Energie in Israel steht das Team des AußenwirtschaftsCenter Tel Aviv ebenfalls jederzeit gerne zur Verfügung.

Stand: 10.01.2024

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