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Pensionskassen und Betriebliche Vorsorgekassen wachsen weiter: Bald mehr als 1 Million Österreicher mit Zusatzpension und 3,5 Millionen Österreicher mit Abfertigung Neu

Jahresbericht 2018

Mit Ende 2018 verwalten neun Pensionskassen bereits ein Vermögen von knapp 22 Mrd. Euro für mittlerweile über 947.000 Personen. Damit sind die Pensionskassen der größte private Pensionszahler Österreichs. Die weltweite Entwicklung der Finanz- und Kapitalmärkte wirkte sich 2018 auf die kurzfristige Performance aus: Sie lag Ende 2018 bei minus 5,15 Prozent (nach plus 6,13 Prozent im Vorjahr). Im ersten Quartal 2019 wurde bereits ein Plus von 5,19 Prozent erzielt. Das für die Pensionskassen-Kunden besonders wichtige langjährige durchschnittliche Jahresergebnis über 28 Jahre liegt inklusive dem Jahr 2018 bei plus 5,17 Prozent pro Jahr.

Starke Schwankungen an den internationalen Börsen wie 2018 kommen selten vor, aber es gibt sie. Sie sind Teil des langfristigen Verlaufs im Sinne eines normalen Investitionszyklus. Langfristig ändert das nichts am Erfolg der Kapitalmärkte und am heimischen Pensionskassen-System. Für die Kunden und deren Zusatzpensionen zählen insbesondere die langfristigen Erträge über Jahre bzw. Jahrzehnte.


English Summary

Occupational pension funds are the main part of the second pillar of retirement provision in Austria and supplements the state’s system. By 2018, more than 947.000 people were already entitled to an occupational pension (+ 2.5 % to 2017). The number of employees that contribute to an occupational pension fund is still growing. 2018 occupational pension funds obtained a performance of minus 5.15 %.  

During the last 10 years occupational pension funds had an average performance of 4.14 %. Looking back at the last 28 years (since the legal possibilities to found occupational pension funds), the occupational pension funds’ performance amounted to 5.17 %. That proves that on average occupational pension funds generate a positive performance, even in cases of crisis. The reason for this is the focus on safe assets with low risks by trying to achieve a good performance. The asset in government bonds is mostly invested in bonds of European states. The asset in shares only has a share of about 30 %. On the other hand, the investment in bonds has an average share of about 63 %. Austrian occupational pension funds are Austria’s largest private pension payers (687 million euro in 2018) with assets under management of 22 billion euro.  

Last year occupational provision funds managed 11.5 billion euro (+ 0.8 billion euro in 2018) and obtained a performance of minus 1.97 %. 3.49 million people had an account at an occupational provision fund (+ 3.6 % to 2017) and the number is still growing.


Die österreichischen Pensionskassen 2018

Das langjährige durchschnittliche Jahresergebnis über 28 Jahre liegt inklusive dem Jahr 2018 bei plus 5,17 Prozent pro Jahr. 

Die weltweite Entwicklung der Finanz- und Kapitalmärkte wirkte sich 2018 auf die kurzfristige Performance aus: Sie lag Ende 2018 bei minus 5,15 Prozent (nach plus 6,13 Prozent im Vorjahr). Im ersten Quartal 2019 wurde bereits ein Plus von 5,19 Prozent erzielt. Damit konnte die negative Börsenentwicklung des letzten Jahres im Wesentlichen wieder wettgemacht werden.

Derzeit haben mehr als 947.000 Österreicher Anspruch auf eine Firmenpension. Insgesamt veranlagen die 9 Pensionskassen ein Vermögen von knapp 22 Mrd. Euro und sind sie damit der größte private Pensionszahler Österreichs. 

Bei Pensionskassen geht es aber besonders um die Langfristigkeit - sprich die bestmögliche Verzinsung über einen langjährigen Beobachtungszeitraum. Auch hier verweisen die Pensionskassen auf einen sehr guten Wert: Über zehn Jahre berechnet ergibt sich ein Performance-Durchschnitt von plus 4,04 Prozent pro Jahr.

Balkendiagramm zum Anlageergebnis der österreichischen Pensionskassen im Jahresvergleich von 1991 bis 2018
© FV Pensions- und Vorsorgekassen

Märkte und Einflussfaktoren 2018 

Nach fast zehn Jahren Wachstum an den internationalen Finanz- und Kapitalmärkten dominierte im Jahr 2018 in nahezu allen wichtigen Veranlagungskategorien eine negative Entwicklung. Sowohl Aktien, als auch Unternehmensanleihen und zum Teil sogar Staatsanleihen in der Eurozone, in den Emerging Markets und in den USA entwickelten sich negativ. 2018 war das schlechtestes Börsenjahr seit 2008.

Als Gründe dafür können der Handelskonflikt zwischen den USA und China, das Ringen um den Brexit, die Schuldenkrise Italiens und Sorge um den Euro, eine befürchtete Abkühlung der Konjunktur, die Zinserhöhungen der FED in USA, womit dem Markt Kapital entzogen wird sowie in Folge eine befürchtete Zinssteigerung der EZB in Europa angesehen werden. 

Auch die österreichischen Pensionskassen konnten sich diesem durchgängigen Trend der Märkte, an denen sie veranlagen, nicht gänzlich entziehen. Eine Veranlagung in Aktien in einem bestimmten Anteil ist für kapitalgedeckte Systeme wie bei Betriebspensionen unabdingbar, weil über einen für die Altersvorsorge relevanten Zeitraum von mehreren Jahrzehnten nur mit Aktien eine ausreichend hohe Performance erzielbar ist.

Die heimischen Pensionskassen betreiben dafür ein aktives Veranlagungsmanagement. Sie haben 2018 aufgrund der Entwicklungen umgeschichtet und beispielsweise in nordamerikanische Aktien investiert, die sich als nahezu einzige Assetklasse positiver entwickelt haben. Dadurch konnten Negativeffekte auf den Kapitalmärkten teilweise kompensiert werden. Trotzdem liegt das Veranlagungsergebnis der Pensionskassen für 2018 bei minus 5,15 Prozent (nach plus 6,13 Prozent im Vorjahr). Das für die Pensionskassen-Kunden besonders wichtige langjährige durchschnittliche Jahresergebnis über 28 Jahre liegt inklusive dem Jahr 2018 bei plus 5,17 Prozent pro Jahr.

Grafik zur Entwicklung der Aktien - und Anleihemärkte im Monatsvergleich 2018
© FV Pensions- und Vorsorgekassen

Pensionskassen haben Reserven gebildet

Aufgrund der guten Veranlagungsergebnisse der letzten Jahre haben die Pensionskassen Reserven gebildet. Diese "Schwankungsrückstellungen" bewirken, dass sich Schwankungen auf den Kapitalmärkten nicht so stark auf die Pensionshöhe auswirken. Eine Schwankungsrückstellung ist mit dem Reservekanister eines Autos vergleichbar: In Jahren mit hohen Erträgen wird der Kanister aufgefüllt, um später in Jahren mit geringeren Erträgen eine Reserve verfügbar zu haben, um negative Entwicklungen in der Veranlagung ausgleichen zu können. Diese Maßnahme dient der Sicherheit der Pensionsberechtigten und einer kontinuierlichen Kapitalentwicklung.

Perspektiven für 2019

Für 2019 werden weiter grundsätzlich positive Bedingungen erwartet, auch wenn das Wirtschaftswachstum geringer ausfallen dürfte als zuletzt: Das WIFO prognostiziert für Österreich 2019 ein Wirtschaftswachstum von 2,0 Prozent und das IHS 1,7 Prozent.

Positive Faktoren sind das starke Wirtschaftswachstum in den USA und in Osteuropa, allerdings wird ein geringeres Wirtschaftswachstum in Rest-Europa und in Japan erwartet.

China wächst mit 6%, aber weniger stark als früher. Positiv ist auch die sehr niedrige Arbeitslosigkeit, die weiter sinken dürfte, sowie die weiterhin extrem lockere EZB-Geldpolitik. 

Herausfordernd dürften werden die befürchtete Konjunkturabkühlung, auf die verschiedene Frühindikatoren hindeuten, das weiterhin historische Niedrigzinsniveau, die noch immer offene Umsetzung des Brexit, der weiterhin schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie die Zinsentwicklung durch die FED. 

Die Pensionskassen betreiben weiterhin ein sehr aktives Management (Hedging, Diversifikation) und haben teilweise die Aktienquote aus Risikogründen reduziert. Aktien sind wieder interessant, weil diese billiger geworden sind. Emerging Markets sind weiter interessant, weil die Aktien billiger geworden sind und weil sie höhere Renditen bei Anleihen bieten. Insgesamt wird die Entwicklung der Kapitalmärkte sehr genau beobachtet.

Grafik zu den Österreicherinnen und Österreichern mit Anspruch auf eine Firmenpension
© FV Pensions- und Vorsorgekassen

Kontinuierliches Wachstum an Anspruchsberechtigten

Bei Pensionskassenverträgen zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Pensionskassen monatlich Beiträge ein, die später in der Pension verzinst ausbezahlt werden. Die effizienteste Form der Zusatzpension ist sicherlich die Betriebspension. Das Pensionskassensystem zeichnet sich durch eine hohe Kosteneffizienz, viele Möglichkeiten (Wahl von Veranlagungsprofilen: defensiv, konservativ, ausgewogen, aktiv oder dynamisch) und hohe Transparenz aus. Die Pensionskassen können Sicherheit sowohl durch Garantiemodelle, als auch durch konservative Vertragsparameter darstellen. Die Pensionskassenpension ist allerdings eine betriebliche Vorsorge, d.h. in den Genuss einer solchen Zusatzpension kommt man nur über seinen Arbeitgeber bzw. den Betrieb. 

Derzeit haben mehr als 947.000 Österreicher (+ 2 Prozent im Vergleich zu 2017) Anspruch auf eine Firmenpension. Insgesamt veranlagten die 9 Pensionskassen im Jahr 2018 ein Vermögen von knapp 22 Mrd. Euro. Damit sind sie der größte private Pensionszahler Österreichs. Die durchschnittliche Pension lag 2018 bei 472 Euro pro Monat. 

Im Jahr 2018 wurden insgesamt 687 Mio. Euro an Pensionsleistungen ausbezahlt (+ 4,9 Prozent gegenüber 2017).

Balkendiagramm zum Anlagevermögen der österreichischen Pensionskassen im Jahresvergleich von 1991 bis 2018
© FV Pensions- und Vorsorgekassen

Seit Jahren stehen für die heimischen Pensionskassen insbesondere auch Klein- und Mittelbetriebe im Fokus. So liegt der Anteil der Klein- und Mittelbetriebe bei den Neuverträgen im abgelaufenen Geschäftsjahr bei über 90 Prozent.

Weiterentwicklung: Vorschlag General-Pensionskassenvertrag 

Die Pensionskassen arbeiten laufend an der Weiterentwicklung der betrieblichen Altersvorsorge (2. Säule). Mit Maßnahmen zum Ausbau soll ein nachhaltiger Beitrag zur Vermeidung von Altersarmut geleistet werden. Ein Vorschlag in diesem Sinne ist der General-Pensionskassenvertrag. 

Bislang können Arbeitnehmer, die bereits einen Pensionskassen Vertrag haben, das in einer Vorsorgekasse (Abfertigung Neu) sowie auch in der "Abfertigung Alt" angesparte Guthaben bei Pensionsantritt steuerbegünstigt in die Pensionskasse übertragen und dadurch in eine lebenslange Rente umwandeln lassen. Das soll in Zukunft auch für all jene Menschen in Österreich möglich sein, in deren Unternehmen noch keine Pensionskassen-Lösung vereinbart ist. Ihnen soll es mittels eines "General-Pensionskassenvertrages" (d.h. mit standardisierten Bedingungen) ebenfalls ermöglicht werden, ihre Abfertigung an eine Pensionskasse zu übertragen und dadurch eine lebenslange Rente zu erhalten. Dies wird allen Österreicherinnen und Österreichern ab sofort die Möglichkeit einer Zusatzpension eröffnen. 

Steuerreform 2020: Impulse für die weitere Verbreitung des Pensionskassenmodells 

Im Rahmen der avisierten Steuerreform 2020 gibt es zudem einige Möglichkeiten, um die weitere Verbreitung des Pensionskassenmodells zu fördern: Die steuerliche Absetzbarkeit der Arbeitgeberbeiträge zu einer Betriebspension ist seit langem geregelt. Wichtig wäre hier eine Gleichstellung der Arbeitnehmerbeiträge, d. h. die steuerliche Absetzbarkeit auch von Eigenbeiträgen der Arbeitnehmer. Zudem wäre es sinnvoll, bei kleinen Einkommen anstelle der steuerlichen Absetzbarkeit ein Prämienmodell vorzusehen, damit die Wirksamkeit für den einzelnen garantiert wird (Geringverdiener-Modell).  

Arbeitgeber-Eigenbeiträge 

Weiterer Veränderungsbedarf ergibt sich beim Thema "Arbeitgeber-Eigenbeiträge": Derzeit sind zwar die Beiträge eines Unternehmens für die Mitarbeiter (Arbeitgeber-Beiträge) steuerlich absetzbar, nicht jedoch die Beiträge dieses Unternehmens für den ebenfalls mitarbeitenden "geschäftsführenden Gesellschafter" (so genannte Arbeitgeber-Eigenbeiträge). Hier besteht Änderungsbedarf.


Betriebliche Vorsorgekassen in Österreich 2018

Aktuell sind acht Betriebliche Vorsorgekassen am Markt tätig: Die Allianz Vorsorgekasse, die APK Vorsorgekasse, die Bonus Vorsorgekasse, die BUAK Betriebliche Vorsorgekasse, die fair-finance Vorsorgekasse die Niederösterreichische Vorsorgekasse, die Valida Plus und die VBV Vorsorgekasse. Sie verwalten nicht nur die Gelder der Unternehmer und ihrer Arbeitnehmer, sondern auch Freiberufler und Landwirte nützen gerne die Möglichkeit, auf diesem Wege vorzusorgen.

Somit sind jetzt schon nahezu alle erwerbstätigen Österreicherinnen und Österreicher vom System der Betrieblichen Vorsorge umfasst. Die Vorsorgekassen sind das einzige flächendeckende System kapitalgedeckter Vorsorge und bilden somit einen wichtigen Eckpfeiler als Ergänzung zur staatlichen Pension.

Die Beiträge des Arbeitgebers, die er für seine Arbeitnehmer an die BVK leistet, sind im Ausmaß von 1,53 Prozent des monatlichen Bruttoentgelts lohnsteuerfrei. Die Betrieblichen Vorsorgekassen gehören zu den Vorzeigemodellen in Europa, da die erworbenen Ansprüche mitgenommen werden können und somit jeder Arbeitnehmer eine Abfertigung erhält und auch Selbständige können sich in diesem System auf eine soziale Absicherung verlassen.  

Bilanz des Jahres 2018 

Das System der Betrieblichen Vorsorge ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Beinahe 22.000 Unternehmen nützten die Möglichkeit, die Abfertigungsansprüche ihrer Mitarbeiter in eine Vorsorgekasse zu übertragen. Somit kamen zusätzlich zum gesetzlichen Obligatorium bereits 1,5 Milliarden Euro ins System und viele Arbeitnehmer profitieren heute von einer betrieblichen Vorsorge, obwohl ihr Dienstverhältnis bereits vor 2003 begann. Primär sind es aber die neu begonnenen Dienstverhältnisse, welche die Zahl der Anwartschaftsberechtigten kontinuierlich steigen lassen. Mittlerweile verwalten die Vorsorgekassen Guthaben von beinahe 3,5 Mio Berechtigten.

Balkendiagramm zur Anzahl der Anwartschatsberechtigten auf eine betriebliche Firmenpension im Jahresvergleich von 2003 bis 2018
© FV Pensions- und Vorsorgekassen

Nach 16 Jahren am Markt konnten die Vorsorgekassen das veranlagte Vermögen im Jahr 2018 nochmals um fast eine Milliarde steigern und verwalten nun bereits 11,5 Mrd. Euro. Es erscheint beachtlich, dass der Vermögensbestand immer noch beständig wächst, obwohl im Jahr 2018 bereits mehr als 526 Mio. Euro an Leistungen ausbezahlt wurden.

Balkendiagramm zur Entwicklung der Auszahlungen betrieblicher Pensionen im Jahresvergleich von 2004 bis 2018
© FV Pensions- und Vorsorgekassen

Dieser Betrag setzt sich aus den Abfertigungszahlungen, die an etwa 468.000 Personen geleistet wurden, zusammen. Die Flexibilität der Betrieblichen Vorsorge ist auf die Bedürfnisse der verschiedenen Lebenslagen ausgerichtet: Bei einem Verfügungsanspruch kann der Berechtigte selbst entscheiden, ob er das Geld sofort benötigt ober ob er es steueroptimal für seine persönliche Altersvorsorge verwenden möchte. Viele Österreicherinnen und Österreicher entscheiden sich aber auch bewusst dafür, ihr Kapital in der Vorsorgekasse zu belassen. Dies ist eine – unter anderem steuerlich – attraktive Möglichkeit, für die Pension vorzusorgen.

Ein weiterer Vorteil der Betrieblichen Vorsorge liegt darin, dass die Kunden der Vorsorgekassen auch vom Veranlagungserfolg profitieren: Im langjährigen Durchschnitt erzielten die Vorsorgekassen eine Performance von 2,3 Prozent. Im Jahr 2018 verzeichneten die Kassen ein negatives Ergebnis von 1,97 Prozent.

Dies ist darauf zurückzuführen, dass nahezu alle Veranlagungskategorien negativ (die Aktienindices wie DAX und ATX haben jeweils 20% verloren) waren und wir das schlechteste Börsenjahr seit 2008 erlebten. Es trat der überaus seltene Fall ein, dass sowohl Anleihen als auch Aktien ein negatives Ergebnis lieferten. All diese Aspekte wirkten sich leider auch bei den Vorsorgekassen performancemindernd aus.

Balkendiagramm zum Anlageertrag der betrieblichen Vorsorgekassen im Jahresvergleich von 2004 bis 2018
© FV Pensions- und Vorsorgekassen
Es ist jedoch schon Entspannung am Kapitalmarkt spürbar - im ersten Quartal 2019 konnten die Vorsorgekassen bereits 2,61 Prozent für ihre Kunden erzielen, der langjährige Durchschnitt wird sich somit weiter positiv entwickeln.  

Für die Rendite einer Vorsorgekasse gibt es im Wesentlichen zwei bestimmende Faktoren: Einerseits ist das aktuelle Zinsniveau auf den Kapitalmärkten relevant, anderseits trägt auch die Risikogewichtung der Veranlagungsstrategie wesentlich zum Ergebnis bei. Der zweite Faktor wird von der Vorsorgekasse auf Grund des Veranlagungshorizonts, also unter Berücksichtigung der voraussichtlichen Liegedauer bestimmt. Da das System der Betrieblichen Vorsorge eine Vielzahl an Entnahmemöglichkeiten vorsieht, muss die Vorsorgekassen jederzeit von einem Kapitalabfluss ausgehen. 

Dies ist ein Grund für die strengen Veranlagungsvorschriften der Vorsorgekassen. Die Veranlagung hat auf die angemessene Mischung und Streuung, die Sicherheit und Rentabilität des Vermögens Rücksicht zu nehmen. Es sind umfangreiche quantitative und qualitative Einschränkungen hinsichtlich einzelner Vermögenskategorien zu beachten.

Die Veranlagung in der Betrieblichen Vorsorgekasse bringt für die Berechtigten den Vorteil, dass Sie vom Gewinnpotenzial des Kapitalmarkts profitieren und sich gleichzeitig aber auf die Sicherheit der Bruttokapitalgarantie verlassen können. Das bedeutet, dass jeder Cent, den die Vorsorgekasse zur Veranlagung erhalten hat, auch wieder an den Berechtigten zurückgeht – selbst wenn es wieder schlechte Zeiten an den Börsen gäbe greift diese Garantie in vollem Umfang. 

Weiterentwicklung der Betrieblichen Vorsorge 

Durch den hohen Durchdringungsgrad (nahezu jeder Erwerbstätige hat bereits ein Konto bei einer Vorsorgekasse) und das effiziente System bringen die Betrieblichen Vorsorgekassen ideale Voraussetzungen zur Stärkung der Pensionsvorsorge für alle Österreicherinnen und Österreicher mit. Das bestehende System könnte die optimale Basis zur Ergänzung der staatlichen Pension und Entlastung des Staatshaushaltes sein, es muss nur entsprechend ausgebaut werden.

Zur Erreichung dieses Ziels müssen jedoch einige Parameter angepasst werden:

  • Ausdehnung der gesetzlichen Mindestliegedauer bis zum Pensionsantritt
  • Wegfall der Bruttokapitalgarantie
  • Modernisierung der regulatorischen Rahmenbedingungen (z.B. Digitalisierung der Kontoinformation) 

Eine Ausdehnung der gesetzlichen Mindestliegedauer bis zum Pensionsantritt würde den Asset Managern einen angemessenen Spielraum verschaffen. Prognosen zufolge könnte allein durch diese Maßnahme das Ertragspotential für die Anwartschaftsberechtigten jährlich um 2 Prozentpunkte gesteigert werden.  

Der aktuelle gesetzliche Rahmen für Betriebliche Vorsorgekassen sieht eine Vielzahl an Entnahmemöglichkeiten vor: Selbst die Voraussetzung von 36 Beitragsmonaten für die Auszahlung bedeutet nicht, dass das Kapital drei Jahre bei einer Vorsorgekasse liegen muss. Für die einzelne Vorsorgekasse kann dies zur Folge haben, dass sie das Kapital bereits nach einem Monat an den Berechtigten auszahlen muss. Das bedeutet, dass auch die Kapitalgarantie schon nach einem Monat greift. Der Veranlagungshorizont entspricht somit nicht einem langfristigen Produkt. 

Dieser Aspekt stellt – in Verbindung mit der Bruttokapitalgarantie - die wesentliche Herausforderung für die Vorsorgekassen dar. Kein anderes Produkt muss ohne einen konstanten, langfristigen Veranlagungszeitraum eine Garantie leisten. Darüber hinaus ist festzuhalten, dass Garantien auf Grund des seit Jahren anhaltenden historisch tiefen Zinsniveaus nicht mehr zeitgemäß und verursachen hohe Kosten. Deshalb verabschieden sich immer mehr Anbieter von Vorsorgemodellen von Garantien.  

Für eine adäquate Verzinsung der Beitragsgelder brauchen die Assetmanager einen angemessenen Spielraum. Eine Ausdehnung der gesetzlichen Mindestliegedauer würde höhere Volatilität erlauben und einen adäquaten Veranlagungsspielraum schaffen. Eine längere Liegedauer bzw. ein Entfall der Bruttokapitalgarantie würde das Veranlagungsspektrum der Vorsorgekassen maßgeblich erweitern. Dies würde die Möglichkeit bieten, in Produkte mit höherem Ertragspotenzial zu investieren, da Schwankungen über den Veranlagungszeitraum ausgeglichen werden können. 

Weiters ist anzumerken, dass der Wegfall der vorzeitigen Entnahmemöglichkeiten den Vorsorgecharakter des Produkts unterstreichen würde und die Betriebliche Vorsorge so wesentlich zur Altersvorsorge beitragen könnte. 

Darüber hinaus sollte die Kontoinformation gemäß § 25 (2) BMSVG der Kontomitteilung der Pensionsversicherungsanstalt (§ 13 APG) und der Leistungsinformation der Krankenversicherungsträger (§ 81 ASVG) gleichgestellt werden. Die BV-Kassen sollten jedem Anwartschaftsberechtigten die Möglichkeit bieten, elektronisch auf seine Daten zuzugreifen und auf Verlangen eine schriftliche Information zur Verfügung stellen. Dies würde dem aktuellen Zeitgeist entsprechen und zeigen, dass die Digitalisierung auch von den Vorsorgekassen vorangetrieben wird.

Durch die Realisierung dieser Punkte würde das System der Betrieblichen Vorsorge zur optimalen Ergänzung des staatlichen Pensionssystems werden. Eine eventuelle Steigerung des Beitragsvolumens könnte den volkswirtschaftlichen Nutzen noch verstärken.