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Brief von der Akademie:

... zwischen den Zeilen ...
Stand:
Andreas Donhauser
Andreas Donhauser

In den letzten Jahren hat sich der Filmstandort Österreich mit sehr vielen international beachteten und erfolgreichen Produktionen als ein veritables „Filmland“ etabliert. Der traditionellen österreichischen Identität als großes Zentrum für Musik, Theater, Architektur und die bildende Kunst wurde eine neue, all diese traditionellen Stärken in sich vereinende Kunstform, der Film, hinzugefügt.
Der Herausarbeitung und Stärkung der speziell europäischen Qualitäten von Komplexität, Widersprüchlichkeit, Poesie und inhaltlichem Anspruch sollten wir im Film mit diesen Stärken unser vollstes Augenmerk schenken.

Jeder anspruchsvolle und dennoch ästhetisch und sinnlich attraktive Film lebt zu einem großem Maß von dem, was man mit dem deutschen Begriff “Szenenbild” umreißen kann, was aber wohl besser und umfassender “Produktions-Design” genannt werden sollte.

Produktions-Design ist eine komplexe, dichte, viele Funktionen umfassende Durchschnittsmaterie, die von der Suche nach inhaltlich richtigen und passenden Schauplätzen (und deren Herstellung) über die Kreation und Adaptierung von Objekten, Möbeln, Formen und Farben zu der Komposition „Filmraumerzeugung“ reicht, um einen Stil bzw. stimmigen „Look“ zu kreieren, der einen ganzen Film zum Ereignis oder zur öden Durchschnittsware machen kann.

So unterschwellig im Angesicht der dominanten Faktoren von Drehbuch, Dialog, Regie, Kamera, Schnitt und schauspielerischer Leistung das Produktions-Design auch sein mag – wie die Filmmusik entscheidet es dennoch eben wegen dieser allgegenwärtigen Unterschwelligkeit und der Information „zwischen den Zeilen“ über die Qualität, den Erfolg und die langfristige Bedeutung eines filmischen Kunstwerks.

Seit Fritz Langs „Metropolis“ ist, wird oder bleibt kein Film „Kult“ ohne hervorragendes und innovatives „Produktions-Design“.

Aus dem Abstand einiger Jahrzehnte sehen wir eben heute genau, wie großartig das Produktions-Design von Meisterwerken wie Kubricks “2001-Odyssee im Weltraum” oder Scotts “Blade Runner” tatsächlich gewesen sind, und wie sie prägend auf die folgenden Jahrzehnte in Architektur, Produkt-Design und Mode Einfluss genommen haben.

Diese wichtige Berufssparte wurde bisher nur informell mit Nachwuchs beschickt. Jedoch steht eine ganze neue Generation am Start, um das Filmland Österreich weiter voranzubringen. Im Angesicht einer leisen Krise des Mediums und einer wachsenden Konkurrenz auch innerhalb des österreichisch-europäischen Film-Marktes ist sicher der Zeitpunkt für eine spezifische, professionelle Ausbildung im Bereich „Produktions-Design“ auf Universitäts-Niveau gekommen. AbsolventInnen können auf Arbeitschancen hoffen und sind in einer von Anfang an schon erwartbaren Kompetenz angefragt.

Dieser Masterlehrgang „Produktions-Design“ kann im Rahmen eines allgemeinen Lehrgangs für Szenen-Bild in diversen Medien, von Film, TV und digitalen Formaten (Game-Design, hybride Medien-Formate) zu Theater über Oper und Performatives Design an einer Kunst-Universität angesiedelt werden. Insbesondere der Kombination von Lehre „traditioneller“ Techniken mit sich rasant entwickelnden neuen Technologien und der Forschung im Unbekannten muss Rechnung getragen werden. Man kann einen mehrstufigen Ausbildungsprozess andenken, der aus einem Studium Generale, und im weiteren einer Spezialisierung auf z.B. Theater/Life Art, Film und andere virtuelle/digitale Medien bestehen kann.

Von da ließen sich dann „Spin-Offs“ an diversen praxis-orientierten Fachhochschulen mit medialem Schwerpunkt konzipieren

Die präzise personale und organisatorische Architektur dieser Institution ist Gegenstand weiteren Nachdenkens, ebenso die Frage der KandidatInnen-Selektion („Aufnahmeprüfungen“).
Diese Nachfrage ist aber, was hoffentlich deutlich geworden ist, gewiss gegeben.
Es besteht jetzt bzw. in naher Zukunft dringender Handlungsbedarf.

Andreas Donhauser
österreichischer Szenenbildner, Bühnenbildner und Kostümbildner