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Falsche Annahmen führen zu falschen Schlussfolgerungen

VAP analysiert und bewertet eine neue Studie über die Effekte von Antipiraterie-Maßnahmen
Stand:

Die von der gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission veröffentlichte Studie "Online Copyright Enforcement, Consumer Behaviour and Market Structure" (2015, JRC) untersucht die Nachwirkungen der Abschaltung des illegalen Streamingportals kino.to in 2011 auf das Online-Nutzungsverhalten. Die Parallelen zu den Effekten des Website-Blockings, wo der Zugang zu rechtswidrigen Seiten erschwert wird, um illegale Anbieter auszugrenzen und den legalen Markt zu schützen, liegen auf der Hand.

Die neue Studie kommt zu dem Schluss, dass die strafrechtliche Schließung von kino.to keinen nachhaltigen Effekt auf Konsumentenverhalten und illegale Nutzung hatte. Dabei werden die Effekte der Schließung bewusst kleingerechnet. Der von den Autoren genannte Rückgang um 30% „in der Gesamtnutzung von Piraterie Angeboten in den vier Wochen unmittelbar nach der Schließung von kino.to“ist wohl nicht als marginal zu bezeichnen. Vielmehr ist der Rückgang angesichts der hohen Nutzungsrate von illegalen Seiten (allein kino.to hatte täglich 4 Millionen User) ein beachtlicher Effekt.

Die Nutzung von legalen Online-Angeboten erhöhte sich um „nur“ 2,5%, allerdings waren zum Zeitpunkt der Schließung die legalen Online-Angebote noch beschränkt. Die monetären Effekte des übrigen Home-Entertainment-Sektors werden außer Acht gelassen. So verzeichneten beispielsweise die stationären Videotheken in Deutschland im Monat nach der kino.to-Schließung eine durchschnittliche Steigerung im DVD/Blu-Ray-Verleih um 17,9 %.

Effektivität von Website-Blocking

Die Autoren der Studie gehen offenbar davon aus, dass Antipiraterie-Maßnahmen nur dann effektiv sind, wenn sie „endgültige“ Lösungen des Piraterie-Problems bewirken. Das ist bei der Bekämpfung von kriminellen Bestrebungen eine naive Erwartung. Das Nachrücken von Nachahmern wie kinox.to ist dementsprechend nicht überraschend, sondern schlicht ökonomische Logik von Wirtschaftskriminellen.

In diesem Zusammenhang verweist der VAP auf wichtige Erkenntnisse aus Großbritannien, wo Website-Blocking zum Schutz der Kreativwirtschaft seit drei Jahren etabliert ist. Zwei neue Studien stellen fest, dass konzertiertes Website-Blocking wesentliche Auswirkungen auf das Nutzungs- und Konsumverhalten haben:

  • Zugangssperren zu mehreren urheberrechtsverletzenden Seiten gleichzeitig führt zu einer signifikanten Steigerung der Nutzung von legalen Angeboten. Insbesondere die häufigsten Nutzer von illegalen Angeboten entscheiden sich für legale Bezahldienste (23,6% Nutzungssteigerung) wenn illegale Seiten nur erschwert zugänglich sind.*
  • Wenngleich Sperren mit Hilfe von Proxies umgangen werden könnten, haben tatsächlich nur wenige Websites eine bedeutende Anzahl aktiver Proxies. **
  • Wenngleich Zugriffe auf gesperrte Websites über einen Proxy-Server stattfinden mögen, wurden die Zugriffe auf die gesperrten Seiten insgesamt (einschließlich jene über Proxies) um 2/3 reduziert. **
  • Während die Zugriffszahlen auf die meistbesuchten illegalen (gesperrte und nicht-gesperrte) Websites weltweit insgesamt um 7,8% stiegen, zeigte sich nach Siteblocking im Vereinigten Königreich ein Rückgang um insgesamt 22,9%. Zugangssperren haben also deutlich wachstumsmindernde Effekte auf illegale Angebote.**

Fazit: Zur Förderung des legalen digitalen Markts ist nicht nur der Ausbau legaler Angebote maßgeblich, sondern auch die Ausgrenzung rechtswidriger Anbieter durch Website-Blocking und konsequenter strafrechtlicher Verfolgung.

*”The Effect of Piracy Website Blocking on Consumer Behaviour” (2015, Carnegie-Mellon University)
**“Site-blocking Efficacy Study” (2015, Incopro)