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Jede Szene ist echt!

In der Naturfilmerszene ist die Preisauszeichnung beim „Wildscreen Festival“ vergleichbar mit den Oscars. Und so einen hat die Produktion „The Ivory Game“ der Terra Mater Factual Studios gewonnen.
Stand:
Walter Köhler
Walter Köhler
Gratuliere zum Gewinn des ‚Goldenen Panda‘ beim Wildscreen Festival, der gerne mit dem Oscar verglichen wird. Was bedeutet der Preis für Sie?

WALTER KÖHLER: Das ist ein unglaublicher Moment für unsere Firma, es ist die Belohnung für all die Leidenschaft, Kreativität und jahrelange, harte Arbeit aller Beteiligten, ohne die dieser sensationelle Erfolg nicht möglich gewesen wäre. Dieses Festival findet nur alle zwei Jahre statt und es versammeln sich wirklich alle dort, die in der Naturfilmerszene etwas zu sagen haben. Vor diesen strengen Expertenaugen zu bestehen, ist unglaublich, der Film war das Gesprächsthema auf dem Festival. Der Buzz war so groß, hätten wir nichts gewonnen, wäre ich eigentlich enttäuscht gewesen.

Worum geht es in dem Film?
KÖHLER: The Ivory Game ist ein brisanter und hochaktueller Dokumentarfilm, der die dunklen Abgründe des illegalen Elfenbeinhandels ans Licht bringt. Regie führten der vielfach prämierte österreichische Dokumentarfilmer Richard Ladkani und der Oscar–nominierte New Yorker Regisseur Kief Davidson. Alle, die bei diesem Film dabei waren und alle die ihn bisher sahen, waren persönlich betroffen über das Schicksal der Elefanten und ich bin überzeugt, dass wir damit etwas bewegen können. Wenn das illegale Abschlachten der Elefanten in dem aktuellen Tempo weitergeht, dauert es keine 15 Jahre mehr, bis das größte Landtier der Erde nur mehr in Zoos zu sehen sein wird. Die Art und Weise wie der Film produziert wurde, war einzigartig, es ist eine Art Jason Bourne Thriller, nur dass bei uns jede Kugel und jeder Kampf echt ist.

Der Film läuft ab 4.11. im Wiener Burgkino und startet gleichzeitig weltweit auf Netflix. WIe kommt es zu diesem Deal?
KÖHLER: Das war eine große Sache: Netflix ist der erste Channel, dem wir jemals alle Rechte an einer Produktion exklusiv und weltweit verkauft haben. Es ist mir wichtig, dass dieser Film aufgrund seiner Brisanz und des Handlungsbedarfs global herauskommt. Netflix ist hier der ideale Partner mit 86 Millionen Abonnenten in 190 Ländern und der Bereitschaft viel in das Marketing zu investieren. Noch dazu schickt Netflix unseren Film auf den Oscar-Trail. Es wäre sensationell, wenn wir es auf die Shortlist schaffen. Die Vorstellungen im Burg-Kino sind mir persönlich wichtig, da ich als österreichischer Produzent unseren Film auch in Österreich auf der großen Leinwand zeigen möchte.

Wie kamen diese Kontakte zustande?
KÖHLER: Wenn man solange im Business ist wie ich, hat man ein entsprechendes internationales Netzwerk.

Ihre Firma bewegt sich auf höchstem Niveau was Koproduktionen weltweit betrifft, in Österreich sieht man Ihre Filme „nur“ auf Servus TV, ist das nicht ein Widerspruch?
KÖHLER: Wir haben mit Servus TV einen Outputdeal und versorgen den Sender seit Beginn mit entsprechenden Produkten. Es ist eine erstklassig funktionierende Zusammenarbeit. Ich wollte nie „weltberühmt in Österreich“ sein, mir war es immer wichtiger, auch zu meinen ORF UNIVERSUM-Zeiten, mit unseren internationalen Partner ein globales Publikum zu erreichen.

Sie sind nicht exklusiv an Servus TV gebunden, ihre Filme könnten zB. auch beim ORF laufen?
KÖHLER: Selbstverständlich, wir sind eine freie Filmproduktionsfirma und nach allen Seiten hin offen. Aber Österreich hinkt der internationalen Entwicklung in dieser Beziehung etwas hinterher , in anderen Ländern ist die Film- und Fernsehwelt ganz anders strukturiert.

Als Beispiel?
KÖHLER: In Deutschland wird von ZDF-Töchtern für alle Sender produziert, nicht nur für den eigenen. Oder in England: Die BBC, für die wir auch schon viel produziert haben, lässt am Markt pitchen und nimmt nur die Besten. Ein sogenannter Channelmanager sucht die Produktionen aus, die können aus dem Haus kommen oder vom freien Markt. Das kann zwar schmerzhaft für die BBC- Mitarbeiter sein, wenn sie übergangen werden, aber es führt zu einer Belebung der Produktionsszene.

Wir sprechen immer vom Fernsehen, warum gehen Naturfilme mit ihren oft spektakulären Aufnahmen im Kino nicht?
KÖHLER: Man sollte das nicht generalisieren, es gibt immer wieder Ausreißer, die viel Publikum anziehen, man denke an „Unsere Erde“ oder „Die Reise der Pinguine“, die aber auch beide sehr stark beworben wurden. Wahrscheinlich fehlt den Kinozusehern die Möglichkeit zur Identifikation, andererseits gibt es Dokumentarfilme, die stark kampagnisieren und daher auch von einer großen Öffentlichkeit aufgenommen werden.

Was hat sich in all den Jahren, die Sie in dieser Branche sind, am meisten geändert?
KÖHLER: An erster Stelle stehen die ungeheuren Veränderungen im technischen Bereich. Inhaltlich gibt es -ähnlich wie in der Mode - Trends, die kommen und gehen, da erwarten uns keine Sensationen, technisch sehr wohl. Einerseits ist es mit den neuen digitalen Kameras viel einfacher geworden, ich erinnere mich noch an meine Anfänge, welche Herausforderung es war, einen Eisvogel im rechten Moment beim Fischfang abzufilmen, das kostete Geduld, Nerven und Geld. Heutzutage hat man eine Überfülle an Material, sodass es auch wieder sehr viel Zeit kostet, die richtigen Sequenzen auszuwählen. Es gibt ja mittlerweile den neu geschaffenen Beruf des Datenwrangler, der zum technischen Assistenten hinzukommt und das vorhandene Material für die diversen Geräte konfiguriert. Früher war das Verhältnis Bild zu Aufnahmen 1:30, heutzutage stehen wir bei 1:300. Früher hatte man eine Kamera, heutzutage haben wir sogar schon mit 16 eine Szene gedreht. Manches ist Spielerei,. andererseits hätten wir gewisse Dinge ohne die neue Technik nicht drehen können. Für unserer soeben beim Wildscreen Festival mit dem Technical Innovation Award ausgezeichneten Dokumentationen „Leuchtfeuer des Lebens“ mit dem überragenden 92-jährigen Sir David Attenborough wurde beispielsweise eine Spezialkamera erfunden, die so lichtempflindlich ist, dass das Sternenlicht in stockdunkler Nacht ausreicht, um noch ein Farbbild zu generieren.

Wie finanzieren Sie Ihre Filme?
KÖHLER: Hauptsächlich über Presales mit unseren internationalen Partnern, ohne Koproduktionen wären Filme in diesen Größenordnungen nicht finanzierbar. Jeder unserer Filme ist ein Unikat, das beginnt beim Vertrag und endet schlussendlich beim fertigen Produkt.