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Handel im Wandel: Digital ist uns nicht egal!

Neuer Schwerpunkt „Digitaler Verkauf“ im Lehrberuf Einzelhandelskaufmann/-frau

Das Internet hat längst die Lebensbereiche der Menschen durchdrungen: Ein Leben ohne Internet – undenkbar für die Generation der „Digital Natives“, der 16 bis 25jährigen, die dank Smartphones & Co. praktisch flächendeckend Zugang zum „Netz“ haben. Die Digitalisierung ist auch längst im Handel eingezogen. „Handel im Wandel“ ist nicht nur ein Schlagwort, sondern bringt die dynamischen Entwicklungen im österreichischen Einzelhandel auf den Punkt. Neben neuen Betriebsformen und Erlebnishandel fließt immer mehr Technik in die Verkaufs- und Abwicklungsprozesse ein.

Der Wechsel des Konsumenten innerhalb verschiedener Vertriebskanäle (z. B. stationär und online) bestimmt mittlerweile das Bild im Einzelhandel. Innovationen wie etwa beim Verkaufsgespräch genutzte digitale Bildschirme, aber auch CHIP-Kundenkarten, intelligente Einkaufswagen, NFC-Bezahlvorgänge, Transponder sowie RFID-gesteuerte Lager- und Mehrwegsysteme sind nur einige Beispiele für die rasante Entwicklung im technischen Bereich des Handels.

Der Handel ist gefordert, seine Mitarbeiter bestmöglich auf die damit einhergehenden beruflichen Anforderungen vorzubereiten. In Fortführung der zur Aktualisierung der Ausbildungsordnung im Lehrberuf Einzelhandelskaufmann/-frau eingerichteten Institution „Ideenwerkstatt des Handels“ haben sich die Sozialpartner daher darauf geeinigt, im Lehrberuf Einzelhandelskaufmann/-frau einen neuen Schwerpunkt „Digitaler Verkauf“ mit folgenden Eckpunkten zu ermöglichen:

  • Ergänzend zu den bisher angebotenen 15 Fachschwerpunkten im Lehrberuf Einzelhandelskaufmann/-frau (zB Lebensmittel, Mode- und Lifestyle, Elektro-Elektronik oder Kfz-Handel) können die Lehrlinge und Lehrbetriebe ab dem Ausbildungsjahr 2017/18 optional zusätzlich zu einem der 15 Fachschwerpunkte wählen, ob sie eine betriebliche Ausbildung im Schwerpunkt „Digitaler Verkauf“ absolvieren möchten.
  • Der Umfang des Einsatzes an technischen Tools ist in den Handelsunternehmen – je nach Warenspektrum, Unternehmensgröße und Kosten-Nutzen-Kalkulation – sehr unterschiedlich. Daher wird der neue Schwerpunkt „Digitaler Verkauf“ als zusätzliche Option für den Ausbilderbetrieb angeboten. Mit der Zusatzausbildung wird dem Betrieb ein hohes Maß an Flexibilität geboten, je nachdem wie stark technische Tools bereits im Unternehmen eingesetzt werden.
  • Der neue Schwerpunkt „Digitaler Verkauf“ wird als Pilot auf fünf Jahre eingerichtet. Nach vier Jahren wird durch ein Bildungsinstitut evaluiert, ob der Stand der Technik in den Handelsbetrieben bereits so weit ist, dass die Inhalte in den Regellehrberuf integriert werden können.
  • Der Schwerpunkt „Digitaler Verkauf“ wird im Lehrvertrag vermerkt. In der Lehrabschlussprüfung wird der Fachschwerpunkt wie bisher geprüft und durch digitales Wissen ergänzt.
  • Ab dem Bewerbungszeitraum im Frühjahr/Sommer 2017 können sich interessierte Jugendliche für den Lehrberuf Einzelhandelskaufmann/-frau ohne oder mit digitaler Ergänzung bei den Handelsbetrieben bewerben. Welche Unternehmen Lehrstellen anbieten, ist über die „APP in den Handel“ (gratis Download über App Store und Google Play) abrufbar, welche mit lehrbetriebsuebersicht.wko.at verknüpft ist. Die App bietet auch einen Basischeck, der Hinweise gibt, ob der Jugendliche für eine Tätigkeit im Handel geeignet ist. Zudem gibt es jede Menge Tipps für Veranstaltungen, Berufsinformationsmessen und Ansprechpartner für Fragen rund um Beruf und Lehre. Freie Lehrstellen gibt es auch auf www.ams.at/lehrstellen

Durch die Umsetzung des Schwerpunktes „Digitaler Verkauf“ soll den am Handel interessierten Jugendlichen eine zukunftssichere, moderne und attraktive Ausbildung angeboten werden. Im Sinne des Long-Life-Learning-Ansatzes werden den jungen Menschen praxisnahe Ausbildungsmöglichkeiten eröffnet und Karrierewege durch durchlässige Weiterbildungsangebote ermöglicht. 

Nach der bereits erfolgten Einführung einer neuen Weiterbildungsschiene mit Zugang durch die duale Lehrausbildung (Berufsakademie Handel mit den Angeboten „Akademischer Handelsmanager“ und „MSc Handelsmanagement“) sowie der Modernisierung der Ausbildungsordnung im Lehrberuf Einzelhandelskaufmann/-frau (BGBl. II Nr. 113/2015) setzen die Sozialpartner im Handel somit einen weiteren wichtigen Modernisierungsschritt.

KommR Jörg Schielin, Vorsitzender des Bildungspolitischen Ausschusses der Bundessparte Handel„Wir wollen zeigen, was unsere Jugendlichen können! Unsere Lehrlinge haben in der dualen Ausbildung den unschätzbaren Vorteil, ihre erworbenen Kompetenzen sofort in der Realität erproben und anwenden zu können. Wie gut sie das können, zeigen uns die vielfältigen innerbetrieblichen Wettbewerbe, vor allem aber unsere erfolgreichen bundesweiten und internationalen Lehrlingswettbewerbe ‚Junior Sales Champion‘. Auch hier werden wir in Zukunft den Verkauf mit digitalen Hilfsmitteln stärker mit in die Bewertung einbeziehen.“

Mag. Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel: „Angesichts der steigenden Umsätze in der Onlinesparte wird Multi-Channel für die meisten Handelsunternehmen ein immer größeres Thema. Wir wollen unsere österreichischen Händler ermutigen, die digitale Transformation proaktiv anzugehen und nicht nur auf Veränderungen zu reagieren. Gerade sind wir dabei, ein Lehrangebot für den E-Commerce-Bereich zu entwickeln, der die Schiene Versand- und Internethandel abdeckt.

Die Lehrausbildung im Handel insgesamt ist auch keine Einbahnstraße. Ohne Matura, mit dem Lehrabschlusszeugnis plus Praxis und Englischkenntnissen bieten wir außerdem ein weiterführendes Studium zum MSc Handelsmanagement für künftige Führungskräfte im Handel an. Auch hier wurden die digitalen Inhalte weiter aufgerüstet.“ 

Daten & Fakten zur Bedeutung des österreichischen Handels

Der österreichische Handel hat sowohl gesellschaftspolitisch (Garant für Nahversorgung, Sicherung der Lebensqualität) als auch volkswirtschaftlich (Erhaltung von Arbeitsplätzen, Schaffung von Wertschöpfung) eine wesentliche Funktion. Er ist bedeutender Arbeitgeber für mehr als 580.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Österreich. Gemessen an der Zahl der ausgebildeten Lehrlinge liegt der Handel nach der Sparte Gewerbe und Handwerk auf Platz 2. Mehr als 4.100 Unternehmen im Handel beschäftigen über 15.000 Lehrlinge. Davon werden knapp 11.000 Lehrlinge allein im Lehrberuf Einzelhandelskaufmann/-frau, dem zahlenmäßig größten Lehrberuf, ausgebildet.   


Rückfragen: 

Mag. Iris Thalbauer
Geschäftsführerin Bundessparte Handel WKÖ
T +43 (0) 590 900-3339
iris.thalbauer@wko.at | W http://derhandel.at