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Handelskrieger vernichten Wohlstand

Informationen der Bundessparte Industrie

Der freie Welthandel ist wichtigster Treiber eines wachsenden globalen Wohlstands. Das Arsenal der Handelskrieger führt hingegen zu einer Situation, in der alle Beteiligten verlieren.

Im Kalten Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion gab es die militärische Doktrin der „Mutually Assured Destruction“, der wechselweise zugesicherten Zerstörung: Wer immer zu Atomwaffen greift, kann sicher sein, dass beide Länder zerstört werden – und wird daher aus Vernunftgründen darauf verzichten. Diese Situation wurde in der Umgangssprache oft als „Gleichgewicht des Schreckens“ bezeichnet. Aufgrund seiner schrecklichen Konsequenzen war die doppelsinnige Rede von der MAD-Doktrin – mit Bezug auf das englische Wort „mad“ („verrück“) – durchaus angebracht.

Wer immer in das Arsenal der Waffen des Handelskriegs greift, setzt ebenfalls einen gegenseitigen wechselseitigen Prozess der Zerstörung in Gang: des Wohlstands der Nationen. Mit Absicht wird hier vom „Wohlstand der Nationen“ geschrieben, denn dies ist bekanntlich der Titel des bahnbrechenden Hauptwerks von Adam Smith, der darin im Jahr 1776 die enormen Vorteile eines freien Handels erstmals systematisch erklärt hat.

Praxis bestätigt Theorie

In den vergangenen 200 Jahren wurden die theoretischen Überlegungen von Adam Smith und seinem Schüler David Ricardo mehrfach bestätigt, zuletzt durch eine Reihe von Marktöffnungen und Liberalisierungen in den 1990er Jahren (die beispielsweise in Indien zu einem enormen Wachstumsschub geführt haben). Die Überlegungen wurden aber auch insofern bestätigt, als protektionistische Maßnahmen regelmäßig in wirtschaftliche Desaster geführt haben: Das prominenteste Beispiel dafür ist die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre, deren Schwere und Länge maßgeblich durch handelspolitische Abschottungsmaßnahmen verursacht wurde.

Auch für den Bereich der politisch motivierten Handelssanktionen gilt, dass sie keinen sinnvollen Ersatz für konstruktive, politische Gespräche darstellen. Vielleicht sollte sich die Politik in diesem Zusammenhang an den US-Präsidenten Woodrow Wilson erinnern, der vor genau 100 Jahren in einer Rede 14 Punkte vorgelegt hat, auf deren Basis der Erste Weltkrieg beendet werden sollte. Als dritten Punkt nannte er die „Beseitigung wirtschaftlicher Schranken und Herstellung gleicher Handelsbeziehungen zwischen allen Nationen“ als Teil seines „Programms zum Frieden“. Er griff damit ältere Überlegungen auf, etwa des Ökonomen John Stuart Mill aus dem 19. Jahrhundert, wonach freie Handelsbeziehungen den Frieden fördern. Annäherung durch Handel: ein Erfolgskonzept.

Am eigenen Ast sägen

Heute scheinen die Lektionen der Vergangenheit vielfach vergessen zu sein. Dabei ausschließlich auf den gegenwärtigen US-Präsidenten Donald Trump zu zeigen ist falsch: Er ist nur ein besonders sichtbarer Akteur unter den modernen Handelskriegern. Die unverantwortliche Stimmungsmache gegen freie Handelsbeziehungen beginnt dort, wo eines kleinen und vorübergehenden politischen Popularitätsgewinns wegen sinnvolle internationale Freihandelsabkommen in geradezu unglaublicher Weise schlecht gemacht werden. Das ist eine Form des Populismus, der genüsslich an dem Ast sägt, auf dem wir sitzen.

Von handelspolitischen Einschränkungen besonders betroffen sind naturgemäß kleine, offene Volkswirtschaften. Insofern ist für einen US-Präsidenten (US-Exportquote: rund 12 %) die Versuchung, den Handelskrieger zu spielen, größer, als für einen europäischen Politiker (Euroraum-Exportquote: rund 47 %); bereinigt man die Exportquote der Eurozone um den Handel zwischen den Staaten des Binnenmarkts, liegt diese zwar nur noch bei rund 20 %, die Exportquote der EU insgesamt bei rund 15 %. Viele österreichische Exporte, die nominell ins europäische Ausland gehen, sind aber letztlich Teile größerer Lieferungen (von Maschinen oder Kraftfahrzeugen) in außereuropäische Staaten – und damit potenzielle Opfer von Handelsbeschränkungen.

Handelskriege kennen nur Verlierer, allenfalls die Höhe des Schadens (also der Wohlstandverluste) teilt sich ungleich auf. Aus Vernunftgründen sollte daher das Arsenal der Handelskrieger weggepackt bleiben.

Signatur
©

Mag. Sigi Menz
sigi.menz@wko.at