th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close icon-window-edit icon-file-download icon-phone xing whatsapp wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin Google-plus facebook pinterest skype vimeo snapchat arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home icon-gallery icon-flickr icon-youtube icon-instagram

Die österreichische Mineralölindustrie 2022

Erdöl-/Erdgasaufsuchung und Förderung: Aktuelle Kennzahlen

Inhaltsübersicht:


Erdöl- und Erdgasförderung in Österreich

In Österreich suchen und fördern OMV Austria Exploration & Production, RAG Exploration & Production und ADX VIE Erdöl und Erdgas im Wiener Becken (Niederösterreich) und in der Molassezone (Oberösterreich, Salzburg). Das im Wiener Becken geförderte Rohöl von OMV Austria E&P und ADX Energy wird per Rohrleitung zur Raffinerie Schwechat verpumpt. Das in Oberösterreich von der RAG E&P geförderte Rohöl wird mit Eisenbahn-Kesselwaggons ebenfalls in die Raffinerie Schwechat transportiert.

Wie in den vergangenen Jahren ist auch 2021 die Erdölförderung in Österreich zurückgegangen. Die gesamte Ölgewinnung sank im Jahresvergleich um 6,2 % auf 571.428 Tonnen (davon 559.947 Tonnen Erdöl ohne NGL), während laut Geologischer Bundesanstalt (GBA) die Naturgasförderung um 12,0 % auf rund 654 Millionen m³ sank.

Von den insgesamt rund 571.000 Tonnen Erdöl (inkl. NGL) entfielen auf das Wiener Becken 89 % (510.483 Tonnen), die restlichen 11 % Erdöl (60.945 Tonnen) wurden in der Molassezone (OÖ, Szbg) gefördert. Bei der Naturgasproduktion (inkl. Erdölgas) verteilten sich die 654 Mio. m³ auf das Wiener Becken mit 56,4 % (369 Mio m³) und auf die Molassezone mit 43,6 % (285 Mio m³).

Rohölimporte

Die Rohölimporte aus zahlreichen Ländern wie Kasachstan (2,96 Mio. Tonnen), Lybien (1,69 Mio Tonnen), Irak (1,58 Mio. Tonnen) und Russland (0,60 Mio. Tonnen) nach Österreich beliefen sich 2021 auf insgesamt rund 7,6 Mio. Tonnen (+ 2,3 % geg. Vorjahr). Es gab weiter keine Rohölimporte aus dem Iran. Die deutlichsten Zunahmen (fünffache Menge gegenüber dem Vorjahr) bei den Importmengen 2021 sind aus Lybien und Jemen. Es gab keine Exporte mehr aus USA, Saudi-Arabien, Nigeria, Brasilien, Kanada und Tunesien. Die Anlieferung erfolgte zu nahezu 100 % per Pipeline vom Hafen Triest via TAL (Transalpine Ölleitung) und über die Adria-Wien-Pipeline (im Eigentum der OMV) nach Schwechat.

Um die inländischen Mineralölversorgung sicher zu stellen, sind jedes Jahr auch Importe von Fertigprodukten erforderlich. Bei Diesel (B0, hauptsächlich B7 und geringe Mengen B100) waren es 4,5 Millionen Tonnen (+1,4 % geg. Vorjahr), bei Benzin beliefen sich die Importe auf 563.906 Tonnen (-0,6 % geg. Vorjahr) und bei Heizöl Extraleicht auf 516.793 Tonnen (-28,9 % geg. Vorjahr). Die Lieferländer waren insbesondere Deutschland, Italien, Slowakei, Slowenien und Tschechien. Insgesamt betrugen die Importmengen an Kraftstoffen und HEL knapp unter 5,6 Millionen Tonnen (-1,6 % geg. Vorjahr).

Die Gesamtimportmenge an Mineralölprodukten (ohne Rohöl) belief sich 2021 auf 6,1 Millionen Tonnen (-2,6 % geg. Vorjahr). Die Ausfuhr von Mineralölprodukten machte 2021 rund 3,4 Mio. Tonnen aus (+5,1 % geg. Vorjahr).

Rohölverarbeitung

Die Raffinerie in Schwechat wird von der der OMV betrieben und ist die einzige Raffinerie in Österreich. Sie verfügt über eine integrierte Petrochemie-Produktion und umfasst eine Fläche von 1,42 km², ihre Rohölverarbeitungskapazität liegt bei 9,6 Mio. Tonnen pro Jahr.

2021 betrug die Raffinerie-Gesamtverarbeitung 8,3 Mio Tonnen Rohöl (2020: 8,1 Mio Tonnen). Die Kapazitätsauslastung lag bei 87% (2020: 84 %). 0,58 Mio Tonnen (7 %) des verarbeiteten Rohöls stammte aus heimischer Förderung und 7,75 Mio Tonnen (93 %) aus dem Ausland. Aus den eingesetzten Mengen hat die Raffinerie im Berichtsjahr zu 39 % Diesel- und zu 21 % Ottokraftstoffe hergestellt. Dem Dieselkraftstoff und Benzin wurden biogene Kraftstoffkomponenten zugemischt, insgesamt waren dies im Jahr 2021 rund 0,22 Mio Tonnen Biodiesel (FAME) und 0,13 Mio Tonnen Ethanol.

Mineralöllagerung

Für die tägliche Versorgung der österreichischen Bevölkerung und Wirtschaft mit Kraftstoffen und Heizölen sind neben den OMV-Tanklagern in der Lobau, St. Valentin, Graz und Lustenau unter anderem die Produkten-Tanklager von Eni, MOL, ETLB, und TBG von Bedeutung. Sie befinden sich mit Lagerkapazitäten über 1000 m³ in Graz, Linz, Salzburg, Klagenfurt, Fürnitz, Zirl, Korneuburg und Trofaiach. Für die vorgeschriebenen Pflichtnotstandsreserven (PNR) an Mineralölprodukten zur Krisenbewältigung gemäß Erdölbevorratungsgesetz 2012 (EBG) stehen insbesondere die Tanklager der Erdöl-Lagergesellschaft (ELG), der TAL (in Triest) sowie jene der OMV und der RAG zur Verfügung.

Mineralölverbrauch in Österreich

Der Mineralölverbrauch in Österreich betrug 2021 unter Einbeziehung aller Mineralölprodukte, wie Kraftstoffe, Gasöl für Heizzwecke (Heizöl extra leicht, HEL), Heizöl Leicht und Schwer, Schmiermittel und Bitumen, jedoch ohne petrochemische Grundstoffe, 9,97 Millionen Tonnen (+2,2 % gegenüber 2020). Der Verbrauch von Benzin und Diesel belief sich 2021 laut Verbrauchsstatistik des Bundesministeriums Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) in Österreich auf 7,95 Millionen Tonnen (+ 4,0 %), was knapp 9,3024 Milliarden Liter entsprach. Im Jahr davor waren es 7,64 Millionen Tonnen (9,24 Milliarden Liter).

Teilt man den österreichischen Mineralölverbrauch auf (ohne Grundstoffe für Petrochemie), kommt man zu folgendem Ergebnis: Dieselkraftstoff nahm nahezu 65,3 % (Vorjahr 64,2 %) ein, gefolgt von Benzin mit 14,5 % (Vorjahr 14,1 %) und Heizöl Extraleicht mit 9,4% (Vorjahr 11,5 %).

Der Flugturbinenkraftstoff erreichte 2021 nur einen Anteil von 4,0 % (Vorjahr 3,3%), die Heizöle (Leicht und Schwer) hielten mit insgesamt 65.505 Tonnen einen Anteil von 0,6 %. Die restlichen 6,2 % teilten sich auf Bitumen mit 4,6 % (460.000 Tonnen), Flüssiggas (0,8 %) und Schmiermittel (0,6 %) und Sonstige (0,2%) auf. 

Rohölpreis

Der Preis für Brent-Rohöl lag 2021 mit durchschnittlich USD 70,68 bbl deutlich um beinahe 69 % über dem Vorjahresniveau (USD 41,92/bbl) und zeigte im Jahresverlauf einen stetigen Anstieg. Das Jahr 2021 endet mit Rohölpreisen knapp unter 80 Dollar je Barrel. Der Preisverlauf 2021 läßt nicht erkennen, dass die Welt immer noch unter Einfluss der Corona Pandemie stand. In der zweiten Jahreshälfte erholte sich die Weltwirtschaft und es kam zu ersten Lieferkettenproblemen und hoher Inflation.  Der Preis von Brent Rohöl legte im Laufe des Jahres um 50% zu – der steilste Anstieg seit 12 Jahren. Eine wichtige Ursache dafür war, dass das Ölkartell OPEC+ sich als unerwartet stabil und handlungsfähig herausstellte.

Das Ölangebot blieb auch in Lockdown-Zeiten knapp, so dass die Öllager weltweit immer weiter schrumpften und in den nachfrageschwachen Monaten kein Preisrutsch erfolgte.

Eine weitere Ursache war die relativ erfolgreiche Eindämmung der Pandemie in Ostasien Europa oder die USA sorgten mit Wirtschaftshilfen und Konjunkturprogramme rechtzeitig dafür, dass die Weltwirtschaft und damit die Ölnachfrage recht stabil blieben. Dazu kam die gute Versorgung mit wirksamen Impfstoffen.

Seit dem Sommer hatten sich die Gaspreise im deutschen Großhandel zeitweise verachtfacht. Zum Jahresende liegen sie noch immer vier Mal höher als vor einem halben Jahr. Das trifft die privaten Haushalte, sobald die alten Lieferverträge auslaufen. Dann müssen sie häufig mit einer Verdopplung ihrer Heizkosten rechnen.

Aufgrund einer politischen Verknappung des Gasangebots kam es seit dem Sommer zu einem rasanten Anstieg der Gaspreise.

Tankstellenpreise in Österreich

Der Tankstellen-Durchschnittspreis von Benzin betrug in Österreich auf das Gesamtjahr 2021 bezogen 1,283 Euro pro Liter, im Jahr davor waren es 1,084 Euro/Liter. Der Durchschnittswert in der Europäischen Union lag für Eurosuper im Berichtsjahr bei 1,511 Euro/Liter, somit um 22,8 Cent über dem Österreichwert. Bei Diesel belief sich der heimische Tankstellenpreis 2021 auf 1,237 Euro/Liter, um 18,7 Cent unter dem Wert des Vorjahres. Der gewichtete Diesel-Durchschnittswert für alle EU-Länder betrug im Berichtsjahr 1,358 Euro/Liter. Der EU-Durchschnitt lag damit auch bei Diesel mit 12,1 Cent/Liter deutlich über dem Österreich-Durchschnitt.

Zusammensetzung des Kraftstoffpreises

Kraftstoffe zählen zu den am höchsten besteuerten Produkten des Landes:  40 % Steuern fallen bei Benzin und 36 % bei Diesel an (Brutto-Tankstellenpreise, Stand: Juli 2022). Dazu kommen 52 % Produktionskosten bei Benzin und 56 % bei Diesel. Sie beinhalten die generellen Kosten und Rahmenbedingungen für Ölaufbringung und Ölverarbeitung. Darin enthalten sind insbesondere der Rohölpreis in USD, der an die Öl-Förderunternehmen und Öl-Förderländer zu bezahlen ist, Transportkosten zu den Raffinerien, Raffinerie-verarbeitungskosten, Raffineriemargen und Lagerkosten. Die jeweils verbliebenden 8 % der Kosten entfallen auf den Vertrieb der Kraftstoffe im Inland einschließlich der Abdeckung von Investitionen in Gebäude und Grundstücke bei Tankstellen und Lagern sowie für Umwelttechnik, fachgerechte Entsorgung, Instandhaltung und Wartung, Personal, Pächterprovisionen, Marketing, Forschung und Entwicklung.

Biokraftstoffe

Seit dem Jahr 2005 wird in Österreich flächendeckend Dieselkraftstoff mit einer Biokomponente (B5, das ist fossiler Dieselkraftstoff mit maximal 5 % Biodieselanteil/FAME, seit Februar 2009 mit maximal 7 % Biodieselanteil / B7) über das öffentlich zugängliche Tankstellennetz und den Großhandel in den Verkehr gebracht. Seit Oktober 2007 sind auch im Benzin knapp 5 % Bioanteile, wie Bioethanol oder ETBE, enthalten. Der Grund für die industrielle Beimengung von Biodiesel und Ethanol sind die entsprechenden EU-Vorgaben. Der Anteil an Biokraftstoff wird durch die Bezeichnung "B" für Biodiesel beschrieben, bei Benzin mit "E" für den Ethanolanteil (z.B. B7, B100, E 5).

Die derzeit gültige Kraftstoffverordnung (KVO) regelt die Ersatzverpflichtung (Substitutionsverpflichtung) von insgesamt 5,75 % energetisch durch Biokraftstoffe bei herkömmlichen Treibstoffen seit 1. Jänner 2009 (bei DK: 6,3 %, bei OK 3,4 % energetisch).

Tankstellenmarkt in Österreich

Zum Jahresende 2021 gab es in Österreich 2.748 öffentlich zugängliche Tankstellen. Es gab einen Anstieg um 15 Tankstellen im Vergleich zu 2020. Bei den öffentlich zugänglichen Tankstellen unterscheidet der Fachverband zwischen den sogenannten 1.322 Major-Branded Tankstellen (minus 30 Tankstellen im Vergleich zu 2020), die unter den Marken der Mitgliedsfirmen des Fachverbandes der Mineralölindustrie geführt werden (BP, Eni, JET, OMV/Avanti, Shell), und den 1.426 weiteren Tankstellen (plus 45 Tankstellen im Vergleich zu 2020), wie z.B. von Genol, Avia, Turmöl, A1 oder IQ. 

Im EU-Vergleich ist die Tankstellendichte in Österreich relativ hoch. In Deutschland versorgt eine Tankstelle 5.793 deutsche Bundesbürger. In Österreich kommen auf eine Tankstelle 3.250 Österreicher. Das dichte Tankstellennetz trägt einen wesentlichen Teil zur Versorgungssicherheit Österreichs bei. Neben der "24/7-Versorgung" mit Kraftstoffen in Ballungszentren und auf Hauptverkehrsrouten gelten die Tankstellen als Nahversorger in ländlichen Regionen.

Die FVMI-Führung

FVMI-Obmann

Martijn van Koten
Vorstandsmitglied, Executive Officer Refining, OMV Aktiengesellschaft

Stellvertreter

Mag. Melanie Milchram-Pinter
Geschäftsführerin Zweigniederlassung BP Austria, BP Europa SE

Dr. Gert Seybold
Vorsitzender der Geschäftsführung Shell Austria GmbH

FVMI-Geschäftsführerin

Dr. Hedwig Doloszeski

Status: Juli 2022