Recycling Konzept mit Recycling Symbol und unterschiedlichen Materialien auf einem Holzuntergrund, Topview
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Entsorgungs- und Ressourcenmanagement, Fachverband

Moderner neuer Lehrberuf „Entsorgungs- und Recyclingfachkraft“ schafft die Ressourcenmanager von morgen

Innovative und praxisorientierte Fachkräfte-Ausbildung im Entsorgungs- und Ressourcenmanagement

Lesedauer: 4 Minuten

22.09.2023

Die Modernisierung des Lehrberufs war ein wichtiges Anliegen, das der Fachverband Entsorgungs- und Ressourcenmanagement nunmehr umsetzten konnte. Gemeinsam mit Vertretern von Mitgliedsunternehmen wurde ein zeitgemäßes, innovatives und vor allem praxisorientiertes Berufsbild geschaffen.

Damit kann dem erhöhten Bedarf der Branche an Fachkräften Rechnung getragen werden. Das vielseitige Betätigungsfeld weist großes Karrierepotential für junge Menschen auf, die einen verantwortungsvollen Job im Umweltbereich anstreben.

Die Ausbildungsziele orientieren sich stark an den aktuellen Herausforderungen sowie zukünftigen Bedürfnissen der Abfallwirtschaft. Die neue 3-jährige Ausbildung kann ab sofort begonnen werden. Schulstart in der Berufsschule Linz III, in welche österreichweit eingeschult wird, ist im April 2022.

Interdisziplinäre Kompetenzen

Die Anforderungen im Umweltschutzbereich haben den Wandel der Abfallwirtschaft unter anderem aufgrund des Kreislaufwirtschaftspaketes sowie der Klimaziele hin zu einer zukunftsorientierten Branche bewirkt.

Der nachhaltige Umgang mit Energie- und Ressourcenkapital nimmt für den Schutz unseres Ökosystems eine zunehmend zentrale Rolle ein. Damit einher geht in der Entsorgungsbranche der steigende Bedarf an kompetenten Fachkräften mit fachübergreifenden Wissen.

Der Anspruch an eine adäquate Ausbildung war daher höher und vielfältiger als je zuvor. Greenjobs bieten zudem nicht nur ein herausforderndes Betätigungsfeld, sie erweisen sich auch als krisenfest, wie die derzeitige coronabedingte Situation unter Beweis stellt.

Anerkannte Abfallkompetenz

Zentrale Neuerung bei der Lehrausbildung ist die Aufnahme von Ausbildungsinhalten für den Abfallbeauftragten, dessen Namhaftmachung gemäß dem Abfallwirtschaftsgesetz (AWG 2002) für Unternehmen mit über 100 Arbeitnehmern verpflichtet ist. Diese und andere speziellen Kenntnisse und Fertigkeiten werden nun im Rahmen der Lehre vermittelt. Damit wird diese Ausbildung wesentlich aufgewertet. Gleichzeitig wurden die Inhalte des Chemie-Bereiches an die Bedürfnisse in der Praxis angepasst.

Fachliche Kompetenzbereiche

Die fachlichen Kompetenzbereiche des Lehrberufs „Entsorgungs- und Recyclingfachkraft“ im Überblick:

1. Stoffstrommanagement

Die Entsorgungs- und Recyclingfachkraft nimmt Abfälle an, beurteilt sie und prüft die Begleitdokumente. Sie führt einfache physikalische und chemische Analysen an Abfallproben durch und identifiziert und klassifiziert Abfälle. Dabei erkennt sie grundlegende Wechselwirkungen und potenziell gefährliche Reaktionen zwischen Abfallstoffen und leitet gegebenenfalls Maßnahmen ein.

Die Entsorgungs- und Recyclingfachkraft hat einen fundierten Überblick über relevante gesetzliche Bestimmungen betreffend die Annahme und Verarbeitung von Abfällen und beachtet diese bei ihren Tätigkeiten. Sie definiert Abfallbehandlungsschritte (z.B. Schreddern, Brechen), verarbeitet und sortiert Abfälle. Dazu bedient und überwacht sie sortier- und fördertechnischen Einrichtungen bzw. betriebliche abfalltechnische Anlagen und erkennt und behebt gegebenenfalls Fehler und Störungen.

Die Entsorgungs- und Recyclingfachkraft transportiert und lagert Abfälle und beachtet dabei ihre korrekte Handhabung. Die ausgeführten Tätigkeiten dokumentiert sie fachgerecht. Darüber hinaus führt die Entsorgungs- und Recyclingfachkraft Stoffstromanalysen der wichtigsten eigenbetrieblichen Abfallgruppen durch. Sie arbeitet bei der Organisation betrieblicher Stoffströme mit und zeigt Möglichkeiten zu ihrer Optimierung auf.

2. Abfallberatung und Abfallwirtschaft

Die Entsorgungs- und Recyclingfachkraft verfügt über Kenntnisse der grundlegenden Situation und der aktuellen Zielsetzungen der österreichischen Abfallwirtschaft. Sie erkennt Abfallvermeidungspotentiale in Betrieben und kann zukünftige Entwicklungen der betrieblichen Abfallwirtschaft abschätzen, wie z.B. Auswirkungen von abfallwirtschaftlichen Maßnahmen.

Die Entsorgungs- und Recyclingfachkraft ist qualifiziert die Aufgaben eines Abfallbeauftragten im Sinne des Abfallwirtschaftsgesetzes auszuführen. Dies umfasst insbesondere die Unterstützung von Betrieben bei der sinnvollen Organisation der Umsetzung von abfallrechtlichen Vorschriften und die Überwachung der Einhaltung dieser Vorschriften.

Die Entsorgungs- und Recyclingfachkraft erstellt Abfallwirtschaftskonzepte und ermittelt im Zuge dessen die Kosten von Abfallbehandlungen und die Erlöse von Altstoffen. Darüber hinaus berät sie in abfallwirtschaftlichen Fragen und tritt gegenüber der von ihm/ihr zu beratenden Zielgruppe professionell auf.

Die Entsorgungs- und Recyclingfachkraft bearbeitet eigenständig Anfragen zu unterschiedlichen Themen wie z.B. Recycling oder Abfalltrennung und geht mit Beschwerden und Reklamationen kompetent um.

Fachübergreifende Kompetenzbereiche

Zur Bewältigung dieser fachlichen Aufgaben, welche der/die Entsorgungs- und Recyclingfachkraft in unterschiedlichen Branchen und Tätigkeitsfeldern erfüllen kann, setzt Sie folgende fachübergreifende Kompetenzen ein:

1. Arbeiten im betrieblichen und beruflichen Umfeld

Die Entsorgungs- und Recyclingfachkraft verfügt über grundlegende Kenntnisse des betrieblichen Leistungsspektrums sowie betriebswirtschaftlicher Zusammenhänge, um ihre Tätigkeiten effizient zu organisieren, auszuführen und nach den Interessen des Betriebs im Sinne von Intrapreneurship auszurichten. Sie agiert innerhalb der betrieblichen Aufbau- und Ablauforganisation selbst-, sozial- und methodenkompetent und bearbeitet die ihr übertragenen Aufgaben lösungsorientiert und situationsgerecht. Darüber hinaus kommuniziert und agiert sie zielgruppenorientiert.

2. Qualitätsorientiertes, sicheres und nachhaltiges Arbeiten

Die Entsorgungs- und Recyclingfachkraft wendet die Grundsätze des betrieblichen Qualitätsmanagements an und bringt sich in die Weiterentwicklung der betrieblichen Standards ein. Sie reflektiert ihr eigenes Vorgehen und nutzt die daraus gewonnenen Erkenntnisse in ihrem Aufgabenbereich.

Die Entsorgungs- und Recyclingfachkraft beachtet die rechtlichen und betrieblichen Regelungen für ihre persönliche Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz und handelt bei Unfällen und Verletzungen situationsgerecht. Darüber hinaus agiert die Entsorgungs- und Recyclingfachkraft nachhaltig und ressourcenschonend.

3. Digitales Arbeiten

Die Entsorgungs- und Recyclingfachkraft wählt im Rahmen der rechtlichen und betrieblichen Vorgaben für ihre auszuführenden Aufgaben die am besten geeignete/n digitalen Geräte, betriebliche Software und digitalen Kommunikationsformen aus und nutzt diese effizient. Sie beschafft auf digitalem Weg die für die Aufgabenbearbeitung erforderlichen betriebsinternen und -externen Informationen.

Die Entsorgungs- und Recyclingfachkraft agiert auf Basis ihrer digitalen Kompetenz zielgerichtet und verantwortungsbewusst. Dazu zählt vor allem der sensible und sichere Umgang mit Daten unter Berücksichtigung der betrieblichen und rechtlichen Vorgaben (wie z.B. der Datenschutzgrundverordnung).

Die Ausbildungsordnung des neuen Lehrberufs

Film zum Lehrberuf „Entsorgungs- und Recyclingfachkraft“ 

Kurzversion

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Langversion 

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Weitere allgemeine Informationen zum Thema Lehre sind hier zusammengefasst: