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Start-up-Blase Tel Aviv

Im 8-Millionen-Einwohnerstaat Israel kommt ein Start-up auf 1.500 Einwohner. Warum ein IT-Export nach Israel so ist, wie Bier nach München zu bringen und warum die Israelis hungrig nach Investoren sind.

Knapp über drei Stunden dauert der Flug von Wien nach Tel Aviv. Am Flughafen Ben Gurion, der jährlich sechs Millionen reisewütige Israelis ins Ausland befördert, herrscht reges Treiben. Aber die 27 Teilnehmenden der UBIT-Studienreise werden schnell durch die Passkontrolle begleitet. Die Fact-Finding-Mission im Land mit der höchsten Start-up-Dichte weltweit kann beginnen.

Hightech und Innovation zählen

"Israel ist in etwa so groß wie Niederösterreich und hat rund 8,5 Millionen Einwohner", erklärt Außenhandelsdelegierter Günther Schabhüttl im klimatisierten Reisebus. Tel Aviv sei das wirtschaftliche Zentrum und gleicht einer Blase wie ein eigener Staat im Staat. Fotoapparate werden gezückt und dokumentieren den Weg zum ersten Termin. Auffallend ist, dass die Baubranche boomt. Baukräne ragen in den wolkenlosen Himmel und schmiegen sich an Hochhausgerippe, geben der Skyline ein bizarres Bild. Trotzdem liege die traditionelle Industrie weit unter dem OECD-Schnitt, sagt Schabhüttl. Was zählt in Israel sind Hightech und Innovation. Rund 15 Prozent des BIP kommen aus diesem Bereich und an die 30.000 Leute liefern dafür ihren Gehirnschmalz.

4,11 Milliarden USD von Venture Capitalists

"Our goal is, to make Business happening in Israel", sagt Ben Yaron von Start-up Nation Central in Tel Aviv, einer Non-Profit-Organisation, die sich als Bindeglied zwischen internationalen Unternehmen und Israels Hightech-Branche versteht. Stolz serviert der junge Mann mit Dreitagebart und heraushängendem Hemd beeindruckende Zahlen auf seinen Powerpoint-Slides. So wurden 4,11 Milliarden USD im Jahr 2017 von Venture Capitalists in junge Unternehmen gepumpt. 85 Prozent davon kommen von ausländischen Investoren. Das ist auch vorrangiges Ziel der Start-ups in Israel: Ein Unternehmen gründen, ausländische Investoren finden und dann das Start-up verkaufen. Mit ein Grund, warum es in Israel nicht viele große Firmen gibt.

Keine Schnappatmung bei 41 Millionen Dollar minus

Es gibt aber Ausnahmen: Die Website-Schmiede wix zum Beispiel mit Firmenchef Dror Shaked, der schon aufgrund seiner leisen Sprache die Aufmerksamkeit der Teilnehmenden rund um den großen Tisch im "Haus der Industrie" auf sich lenkt. Der Unternehmer mit stechendem Blick hat sein Handwerk in der israelischen Army gelernt. So wie das viele der Start-ups gemacht haben. Denn die Army rekrutiert jungen Männer und Frauen in einem mehrstufigen Aufnahmeverfahren. Dann wird je nach Talent zugeteilt und so erlernen schon viele junge Israelis den Umgang mit Hightech - auch Dror Shaked. Er hat als Systementwickler in der Army zehn Jahre lang Erfahrungen gesammelt. wix ist jetzt elf Jahre und über 120 Millionen Menschen weltweit nutzen das System, welches einem ermöglicht, eine eigene Website im Baukastensystem ganz "easy" zu erstellen. "In Zukunft werden sich unsere Kunden mit Hilfe künstlicher Intelligenz automatisch ihre Website erstellen können", sagt Shaked für den 2.000 Mitarbeiter in Israel werken, 200 weitere F&E-Leute arbeiten in der Ukraine. Im vorigen Jahr sorgten minus 41 Millionen Dollar bei den Aktionären und Managern nicht für Schnappatmung, sondern für zufriedene Gesichter. Denn: "Wir wachsen weiter rasant, insofern sind die Zahlen sehr gut", so der Unternehmer und man kann ein süffisantes Grinsen erkennen.

Know-how im Management fehlt

Die Start-up-Szene boomt in Israel. Ein Vorzeigebetrieb ist loom systems, das sich mit der Analyse von Daten in Unternehmen beschäftigt und dafür die eigene Software SOFI auf den Markt gebracht hat. Kunden wie Coca Cola oder Mercedes nutzen bereits die Lösung, um Problemstellungen besser auf den Grund gehen zu können. Produktentwickler Dror Mann erklärt in perfektem Englisch, dass viele Start-ups deshalb Investoren suchen, weil das Know-how im Management fehle.

Verlängerte Innovationswerkbank

Woran es allerdings nicht fehlt in Israel sind Coworkingspaces für Start-ups. wework zum Beispiel hat ebenfalls als Start-up begonnen und bietet bereits sieben Coworkingspaces in Israel. Weltweit hat das Unternehmen 200.000 Mitglieder. Hier kann vom Schreibtisch bis zum größeren Büroraum für einen Mitgliedsbeitrag von 45 USD monatlich alles gemietet werden – die Miete beginnt bei etwa 250 Euro in Israel. Ähnlich geht es beim Barclays-Accelerator-Programm über die Bühne. Mit dem Unterschied, dass hier hauptsächlich an Innovationen aus dem Fintech-Bereich getüftelt wird und Start-ups in ein 13-wöchiges Programm eintreten können. Dieses wird von Baclays unterstützt, um die Zukunft der Finanzdienstleistungen mitzugestalten. Fintech gehört neben künstlicher Intelligenz, Cyber Security, Big Data und Healthcare zu den wichtigsten Themen, mit denen sich Start-ups beschäftigen. Trotzdem fehle es an Fachkräften, denn eine Arbeitserlaubnis in Israel zu bekommen ist beinahe unmöglich. Außenhandelsdelegierter Schabhüttl bremst weiter ein: "IT-Export nach Israel ist so, wie Bier nach München zu bringen. Wir wollen Israel als verlängerte Innovationswerkbank positionieren."

Neben Start-ups gibt es aber auch Unternehmensberater (Israel Business Consultants Association IBCA), die beim Treffen von den Teilnehmenden einiges an Know-how abgreifen wollten. Hitzig wurde mit den IBCA-Vertretern rund um das CMC-Programm diskutiert, aber an Kooperationen mit österreichischen Beratern besteht großes Interesse.

Groß war das Interesse auch beim Ausflug nach Jerusalem, der Stadt in der sich die Weltreligionen vereinen. Beeindruckend die Geburtskirche Christi, die Klagemauer und der Besuch bei Schwester Bernadette Schwarz im Österreichischen Hospiz. Die Ordensfrau lebt bereits mehr als zehn Jahre in Jerusalem und schupft das Hospiz mit 25 Angestellten und neun Zivildienern aus Österreich.

Während einer Stadtrundfahrt in Tel Aviv und einem Spaziergang am Strand kann man den Innovationsgeist der Stadt aufsaugen: Denn die jungen Israelis düsen mit elektrobetriebenen Rädern und Rollern durch die engen Straßen und man kann nichts von der uralten religiösen Geschichte spüren. Nach einem dreistündigen Heimflug sind sie noch lange nicht verpufft - die Gedanken an das rege Treiben der Stadt Tel Aviv.

UBIT-Studienreise nach Tel Aviv

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