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Wenn die Cybersicherheit menschelt

Bei der Cyber Security Night zeigte Kriminalpsychologe Thomas Müller die Hauptfaktoren für "Workplace Violence" auf: Fehlende Wertschätzung und angekratztes Selbstwertgefühl. Sein Tipp: Persönliche statt elektronische Kommunikation und Lob für Mitarbeiter.

Wenn die Polizei am Eingang des Klagenfurter VolxHaus Spalier steht, ist eines fix: Höchste Sicherheitsstufe. Der Grund: Im VolxHaus ging die zweite Ausgabe der Cyber Security Night über die Bühne, die sich diesmal dem Generalthema "Workplace Violence" widmete - also dem "Tatort Arbeitsplatz". Denn immer mehr Cyber-Angriffe gehen von Mitarbeitern aus, was man nicht unterschätzen dürfe, wie Thorsten Jost, Sprecher der IT-Security ExpertsGroup, den rund 200 Zusehern mit auf dem Weg gab.

Cyber Security Night
© Dietmar Wajand/Blitzlicht v. l.: Hacker-Experte Markus Leeb, Christian Baumgartner vom Landeskriminalamt Kärnten, IT-Security-Sprecher Thorsten Jost, Profiler Thomas Müller, Landespolizeidirektorin Michaela Kohlweiß und UBIT-Sprecher Martin Zandonella

Prävention und Schulungen seien deshalb das Um und Auf, so WKK-Präsident Jürgen Mandl. Landespolizeidirektorin Michaela Kohlweiß unterstrich das mit Zahlen: "Bei der Cyber-Kriminalität hat es einen Anstieg von 34 Prozent gegeben." Unternehmer können sich zum Schutz gegen Cybercrime jederzeit an die Fachgruppe UBIT wenden, so UBIT-Fachgruppenobmann Martin Zandonella: "Unsere Mitglieder sind dafür die Experten."

Denkweise von Cyberkriminellen

Ein Experte auf einer ganz anderen Seite ist Kriminalpsychologe Thomas Müller. Er hat zwar mit Daten und Social Media nichts am Hut, versetzt sich aber in die Denkweise von Cyberkriminellen und erklärte, wie solche Menschen ticken und wie Unternehmer Vorzeichen bei Mitarbeitern erkennen können. Er sagt: "Ein zufriedener Mitarbeiter wird Ihren Betrieb nicht schädigen." Gefährlich wird es, wenn das Selbstwertgefühl der Menschen angekratzt ist. Dieses basiert auf drei Säulen: berufliche Tätigkeit, Privatleben und Entscheidungen, die Sie ausschließlich für sich selbst treffen. Ist ein Bereich höher als die Summe der anderen beiden, sollten die Alarmglocken schrillen. Die Folge können Neurosen oder Suchtverhalten sein, so Müller. Das könne ins Geld gehen und sensible Daten können dann sehr viel Wert sein. Oft ändern solche Menschen auch ihr Verhalten: loben übertrieben die Firma, sind hyperaktiv gegenüber den Kollegen oder vernachlässigen ihre Hygiene. "Nehmen Sie die Körpersprache Ernst."

Mit anderen oder auf Kosten anderer

Ein Gefahrenpotenzial sei auch Erfolg, so der Kriminalpsychologe. Am Beispiel der Société Générale wo ein Broker 3,6 Milliarden Euro verzockt hat, zeigte Müller auf, dass erfolgreiche Menschen oft wenig bis gar nicht kontrolliert werden. Außerdem versuche jeder Entscheidungen zu treffen, um sein Selbstwertgefühl zu erhöhen. Deshalb sollen sich Firmenchefs schon bei der Anstellung von Mitarbeitern eine Frage stellen: "Ist diese Person in der Lage, ein Ziel mit anderen oder auf Kosten anderer zu erreichen?" So solle man sich auch bei Entscheidungen mehr Zeit lassen und - was für Müller sehr wichtig ist: "Unterschätzen Sie niemals die Macht des persönliches Gesprächs – und sprechen Sie ab und zu Lob für die Mitarbeiter darin aus."

Datenträger fachgerecht entsorgen

Wenn es dann trotzdem zu cyberkriminellen Handlungen in den eigenen Reihen kommt, ist Christian Baumgartner vom Landeskriminalamt Kärnten zur Stelle. Er gibt zu bedenken, dass alte USB-Sticks, Festplatten oder Notebooks fachgerecht entsorgt werden sollen, um eventuellen Missbrauch zu verhindern. Und wie leicht es eigentlich ist, sich in fremde Systeme zu hacken, zeigte Markus Leeb. Live am großen Screen im VolxHaus übernahm er eine Website, phishte Facebookdaten und holte sich sogar die Daten von einigen Handybesitzern im Publikum.

Obwohl sich die Polizei am Eingang schon vertschüsst hat, wurde noch lange über Sicherheit diskutiert, die auch in den eigenen Reihen großgeschrieben werden sollte.

Cyber Security Night im VolxHaus Klagenfurt