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Biotop schaffen!

Nach dem Wechsel der Fachvertretung Film- und Musik in der Wirtschaftskammer Wien von der Sparte Industrie zur Sparte Handwerk und Gewerbe vor rund zwei Jahren, legte der langjährige Vorsitzende der Fachvertretung Burkhard Ernst sein Mandat zurück. Kürzlich wurde ihm der Berufstitel Professor verliehen. Im Film, Sound & Media-Interview erläutert der Neo-Professor seine Einschätzung zur Lage der Branche.
Stand:
Prof.Burkhard Ernst mit Laudator Richard Grasl
Prof.Burkhard Ernst mit Laudator Richard Grasl

Sind Sie nach Ihrem Abgang von der Fachvertretung in der Wirtschaftskammer Wien der Filmbranche noch verbunden?
BURKHARD ERNST: Natürlich, ich betreibe ja weiterhin meine Filmproduktionsfirma cultfilm. Gerade haben wir eine Tatort-Folge unter der Regie von Rupert Henning abgedreht, die Anfang 2017 im ORF ausgestrahlt wird. Die cultfilm wird auch weiterhin Stoffe Produktionen entwickeln und umsetzen. Und im Hintergrund befasse ich mich nach wie vor intensiv mit der österreichischen Filmbranche und damit, wie man entsprechende Rahmenbedingungen verbessern bzw. auch schaffen könnte.

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation ein?
ERNST: Das Filmgeschäft hat sich in den letzten Jahren doch ziemlich verändert. Die Branche ist gewachsen, das sieht man auch an Hand der Mitgliederzahlen in den Verbänden. Österreich verfügt über eine hohes kreatives Potenzial, allerdings sind die Fördereinrichtungen leider unterdotiert. Hier muss man weiter ansetzen. Es herrscht dringender Handlungsbedarf. Dringend notwendig ist es z.B. den Fernsehfonds-Austria – eine ganz wichtige Fördereinrichtung in diesem Land, wo zu Beginn viele skeptisch reagiert haben und sich heute kaum jemand vorstellen kann, dass es ihn nicht gibt – zu erhöhen. Dieser ist bereits zur Jahresmitte völlig ausgeschöpft ist. Hier muss man weiter ansetzen.

Wie?
ERNST: Die Politik ist gefordert, die Erhöhung des RTR-Fonds steht auch im Regierungsprogramm. Die schwierigste Arbeit bei einer Filmproduktion ist das Aufstellen der Finanzierung. Wir verfügen über gute und kreative Leute in der Branche, aber wir haben ständig mit Budgets zu kämpfen. Eine Herausforderung ist, dass Kultur eben Geld kostet, und das wollen Politiker oft nicht wahrhaben. Wie ist es sonst zu erklären, dass wir für die Branche zB. kein Steuerabschreibungsmodell durchsetzen können, was in vielen europäischen Ländern bereits gang und gebe ist. Das ist nur ein Beispiel für eine Innovation, mit der man problemlos frisches Kapital für die Branche akquirieren könnte. Die Grundproblematik geht ja über die Branche hinaus. Wir leben in einer Zeit, wo zunehmend Gleichgültigkeit vorherrscht und vielfach über den Verhältnissen agiert wird, so wie es die Republik ihren Bürgern vorlebt. Hier müsste man den Hebel ansetzen. Aber zurück zur Industrie – pardon Gewerbe. Wenn ich kurz in Erinnerung rufen darf: Um die Anliegen der Film- und Musikbranche zu unterstützen, haben wir bereits 2013 ein umfangreiches Arbeitsprogramm erarbeitet. Wir wollen unter anderem mehr und leistbare Film- und Musikstudios, mehr Unterstützung für Innovationen, einen eigenen Medienbeauftragten in der Stadt, eine effizientere Musikförderung und die Einführung der Festplattenabgabe. Jetzt nähern wir uns mit großen Schritten 2017 und viele Themen sind nach wie vor akut. Ich kann nur hoffen, dass sich in den kommenden Monaten einiges tut. Erste Anzeichen sind ja zu erkennen.

Inwiefern?
ERNST: Zum Beispiel der ORF, der nach wie vor wichtigste Auftraggeber der heimischen Filmbranche. Der wiedergewählte Generaldirektor Alexander Wrabetz hat anlässlich der Programmpräsentation 17 ein Bekenntnis zu mehr Eigenproduktionen formuliert. Ein positives Signal, das aber erst umgesetzt werden muss. Ich bin ein grundsätzlich positiv denkender Mensch, also gehe ich davon aus, dass dieses Bekenntnis auch halten wird. Ich hoffe, dass es bald generell gelingen wird, ein entsprechendes Biotop für die österreichische Filmbranche einzurichten, die den internationalen und auch immer mehr nationalen Erfolgen gerecht wird.