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Ton- und Musikproduzent ersetzt alle Musikgewerbe

FAMA schafft eine neue Gewerbebezeichnung für die Musikergewerbe. Hier finden Sie die Details.
Stand:
Georg Tomandl
Georg Tomandl
Hannes Tschürtz
Hannes Tschürtz
















Gibt es noch Tonstudios, Musikverlage und Musiklabels?

Nach dem neuen Gewerbewortlaut, der im Fachverband der Film- und Musikwirtschaft entwickelt wurde, so eigentlich nicht mehr.

Das neue Gewerbe „Ton- und Musikproduzent“, das auch schon in der Liste der freien Gewerbe des Wirtschaftsministeriums die alten Gewerbewortlaute ersetzt, umfasst jene Tätigkeiten, die bisher von den Dienstleistungsbereichen des Tonstudios bzw. den Produktionsbereichen Musiklabel und dem Musikverlagsbereich im Fachverband umfasst sind.

Was bedeutet diese Änderung nun konkret für die Unternehmen?

Für bestehende Gewerbewortlaute vorerst einmal gar nichts, da es keine „Zwangsumreihung“ in einen neuen Gewerbewortlaut gibt. Wohl haben auch diese Unternehmen die Möglichkeit, ihr altes Gewerbe ab- und das neue anzumelden und damit über die bisherigen gewerberechtlichen Abgrenzungen hinaus tätig zu werden. Allerdings ist ein solcher Wechsel kostenpflichtig, da die Kostenbefreiungen des Neugründungsförderungsgesetzes (NEUFÖG) dabei nicht zum Tragen kommen. Eine Verpflichtung für einen solchen Wechsel gibt es aber nicht.
 
Neue Unternehmen melden aber jetzt bereits das Gewerbe Ton- und Musikproduktion an und könnten damit theoretisch in allen drei Bereichen tätig sein.

Grund für diese Änderung war einerseits die Vermeidung von Abgrenzungsproblemen im Gewerberecht, die möglicherweise zu unbefugten Gewerbeausübungen oder Mehrfachbelastungen im Kammersystem geführt hätten. Wesentlicher Grund ist aber, dass sich bei vielen Firmen das Arbeitsumfeld geändert hat.

 „Die Musikwirtschaft hat sich in den letzten 15 Jahren enorm schnell verändert – der neue Gewerbeschein trägt dem Rechnung,“ so Hannes Tschürtz, Ink-Music. „Das Betreiben eines Labels, eines Verlags oder eines Tonstudios gehen heute oft und gerade bei Kleinstunternehmen miteinander einher. Aus einer Notwendigkeit, flexibel und kreativ Dienste für Künstler anzubieten oder mit ihnen zu entwickeln, ist dabei ein völlig neues Selbstverständnis und vielfach kombinierte Berufsbilder entstanden. Es ist ein wichtiger Schritt, der Komplexität dieser Arbeit mit Kreativen nicht auch noch eine organisatorische Barriere in den Weg zu stellen, sondern sie einfach und sinnvoll in einem realistischen Umfeld abzubilden.“
 
Georg Tomandl, Sunshine Mastering und Vize-Obmann im Fachverband der Film-und Musikwirtschaft bestätigt: „Uns ging es primär darum, die umfassende Ton- und Musikkompetenz in allen Bereichen darzustellen. Längst ist das Tonstudio kein reiner Dienstleister mehr, der ausschließlich reine Klangkompetenz am Mischpult hat, sondern immer öfter werden Gesamtlösungen erwartet, die alle Ton- und Musikleistungen beinhalten! Nur aus der Summe dieser Leistungen kann in den meisten Fällen ein gesundes Wirtschaften erfolgen - insbesondere in Zeiten, in denen sich die Anforderungen an die Teilnehmer der Branche aufgrund technologischer Entwicklungen ständig verändern.“
 
Wenngleich mit dem neuen Gewerbewortlaut den tatsächlichen Verhältnissen und der grenzüberschreitenden Tätigkeit im Musikgeschäft Rechnung getragen ist, bleiben einige Bereiche nicht umfasst, die eine wirtschaftliche Nähe zu den oben genannten Geschäftsmodellen aufweisen. Event-Agenturen, Musikmanagement u.a. musiknahe Dienstleistungen werden heute ohne Probleme in die 360° Verträge eingegliedert, in den meisten Bereichen übertrifft das Business mit Live-Konzerten längst jenes mit klassischen Tonträgern. Nicht berücksichtigt sind auch die sogenannten Kreativ-Produzenten, die in einem Oblivion zwischen künstlerischer Tätigkeit, freien Beruf oder Gewerbe schweben und in keiner der genannten Gruppen so wirklich integriert sind, obwohl sie wohl neben den Künstlern selbst, einen großen Anteil am Gelingen einer Produktion vorzuweisen haben.

Für jene Bereiche, die ihre Firmenidentität weiter in den angestammten Bereich sehen, soll aber der reine Gewerberechtswortlaut auch kein Hindernis sein. Wer sich weiterhin primär als Tonstudio, Label oder im klassischen Musikverlag am Markt präsentieren will, kann dies unabhängig vom Gewerbewortlaut weiterhin tun. Das gilt wohl auch vor allem für jene Tonstudios, die primär im Synchrongeschäft zuhause sind und sich mit Sicherheit kaum als Musikproduzenten verstehen werden.
 
Für die Verwertungsgesellschaften sollte unabhängig vom Wortlaut es durchaus machbar sein, ihr entsprechend gemeldete Einkünfte klar zuzuordnen. Für die AKM, die allerdings bis jetzt die Verlagseigenschaft primär aufgrund des vorliegenden Gewerbescheins beurteilt hat, wird es wohl notwendig sein, zusätzliche Abfragen zum tatsächlichen Kerngeschäft zu tätigen, sagt doch der neue Gewerbewortlaut darüber nun nichts aus.
 
Der neue Gewerbewortlaut soll nicht nur Doppelbelastungen (Mehrfachmitgliedschaft in der Wirtschaftskammer-Organisation) vermeiden und Abgrenzungen erleichtern, sondern zuvorderst auch einem selbstbewussten Bild der Branche entsprechen, die sich keinesfalls weder nur als Rechtehändler, Vertrieb oder als Dienstleister am Mischpult sieht, sondern an der Schaffung von Musik wesentlichen kreativen Anteil hat.