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Technik ist auch für Frauen interessant

DI Marion Müller - Rauchfangkehrerin
Zur Person
Geschäftsführerin DI Marion Müller
Geschäftsführerin DI Marion Müller

Als Dipl. Ing. der Lebensmittel- und Biotechnologie arbeitete Frau DI Marion Müller 4 Jahre für einen französischen Konzern in Tschechien als Produktentwicklerin und Qualitätsmanagerin. Nach der Geburt ihrer beiden Söhne wurde ihr aber bewusst, dass eine weitere Karriere nur auf Kosten der Familie möglich wäre. Die Übernahme des väterlichen Betriebs ermöglichte Frau Müller eine freiere Zeiteinteilung, zusätzlich war sie auch nicht mehr zum risikoreichen und zeitintensiven Pendeln gezwungen. Eine lange Familientradition (4 Generationen, seit ca. 1880) als Rauchfangkehrer weiterführen zu können, motivierte Frau Müller zusätzlich zum Einstieg in die männerdominierte Rauchfangkehrerbranche. Nach einer verkürzten Lehrzeit und Absolvierung der Meisterprüfung übernahm sie mit Jänner 2008 den Rauchfangkehrerbetrieb in Freistadt. In den folgenden Jahren machte Frau Müller die Ausbildung zum Energieberater und in Folge auch noch den Lehrgang zur Erstellung von Energieausweisen. 


Wertvolle Familientradition weiterführen

Der Urgroßvater hat den Rauchfangkehrerbetrieb im Jahr 1880 gegründet, Urenkelin Marion Müller führt das Familienunternehmen seit 2009 in vierter Generation. Als Bezirksobermeisterin von Freistadt ist sie eine der wenigen Frauen, die in der Branche auch Unternehmerinnen sind. Die studierte Lebensmittel- Biotechnikerin machte erste berufliche Erfahrungen im benachbarten Tschechien und erkannte bald: „Ich möchte mein Berufsleben selbst gestalten, ich werde meine eigene Chefin.“ Allmählich freundete sie sich mit dem Gedanken an, den elterlichen Betrieb weiterzuführen, auch wenn es einen Branchenwechsel bedeutete. „Mir wurde bewusst, wie wertvoll diese Tradition ist. Auch bei meinem Vater war die Freude groß“, erinnert sich Marion Müller an die Zeit der Entscheidung, aus einer unselbstständigen Erwerbstätigkeit in  die Rolle der Unternehmerin zu wechseln. Wie sie Ihr Bewusstsein für Umweltschutz und ihre Freude an der Begegnung mit Menschen in ihren Beruf integrieren kann, erzählt sie im folgenden Gespräch.

Team der DI Marion Müller KG
Team der DI Marion Müller KG




















DI Marion Müller im Interview

Rauchfangkehrer gelten als Glücksbringer, erleben Sie noch häufig, dass man sich in ihrer Gegenwart an einen Jackenknopf greift?

Da ich aber kaum in der traditionellen Arbeitskleidung der Rauchfangkehrer unterwegs bin,  passiert mir das eher selten (lacht). Grundsätzlich ist es aber ein gutes Gefühl, wenn mir Menschen mit positiven Gedanken begegnen. Was ich aber häufig erlebe ist, dass ich bei Hausbesuchen auf Menschen treffe, die einfach gerne ein paar Worte mit jemandem wechseln, dem sie vertrauen. Ich bin dann so etwas wie eine Lebens- und Sozialberaterin, vor allem für alleinstehende Menschen. Da erinnere ich mich an sehr viele berührende Momente, Momente, in denen ich es sehr genieße, diesen Beruf gewählt zu haben.

Dabei sind Sie ursprünglich in eine andere Richtung gegangen?

Geschäftsführerin Frau Dipl. Ing. Marion Müller
Geschäftsführerin Frau Dipl. Ing. Marion Müller

Als junges Mädchen wollte ich entweder Technik oder Medizin studieren, die Technik ist es dann geworden. Ich habe Lebensmittel-und  Biotechnologie  an der Universität für Bodenkultur in Wien studiert. Anschließend habe ich in einem Unternehmen in Tschechien zu arbeiten begonnen. Meine ersten beruflichen Erfahrungen waren aber sehr schwierig, dennoch habe ich den Mut nicht verloren. Vor allem den älteren und erfahrenen Mitarbeitern hat es an Respekt für eine junge Frau von der Uni gefehlt. Mir wurde als Frau sogar das logische Denken abgesprochen. Langsam hat sich in mir der Gedanke entwickelt, dass ich meine eigene Chefin werden will. Als dann meine beiden Söhne auf der Welt waren, war der Weg in die Nachfolge meines Vaters schon beschlossen.

Wie hat sich dann der Umstieg in das elterliche Unternehmen gestaltet?

In einem Familienunternehmen wächst man mit dem Betrieb irgendwie mit und schon als kleines Mädchen bin ich gelegentlich mit meinem Vater zum Kaminkehren mitgegangen, die Rahmenbedingungen waren mir also vertraut. Ich habe dann rasch die Lehrabschlussprüfung und anschließend die Meisterprüfung gemacht. Den Branchenumstieg habe ich nie bereut. Denn die Arbeit für das Gemeinwohl macht mir große Freude.

Was haben Sie als Übernehmerin in Angriff genommen?

Es hat sich das Berufsbild des Rauchfangkehres sehr geändert, mit den neuen Bauweisen ändern sich auch die Herausforderungen für uns Rauchfangkehrer. Neben der traditionellen Kehrarbeit gehören zu unserem Aufgabengebiet auch die Brandsicherheit, Abgasmessungen, Befundung und Beratung. Hier habe ich auch noch Zusatzausbildung zum Energieberater gemacht, um auf verschiedenen Ebenen Kompetenz aufzubauen. Mein Vater hat sich über meine Betriebsübernahme sehr gefreut, auch deshalb, weil damit eine lange Familientradition weitergeht. Er unterstützt mich auch weiter tatkräftig, wir haben auch aber schnell ganz klare Grenzen der Zuständigkeit definiert. Das ist hilfreich, für eine geglückte Nachfolge.

Gibt es eine Frauenpersönlichkeit aus der Geschichte, die sie fasziniert hat?

Mir fallen natürlich gleich die Wissenschaftlerinnen ein, so etwa die Physikerin Cilly Weichan und allen voran Marie Curie.  Curie hat mich schon als junge Frau sehr beeindruckt. In Polen durfte sie  nicht studieren, so ist sie nach Frankreich ausgewandert, um ihren Studien der Physik und Chemie nachzugehen. Sie war eine herausragende Wissenschaftlerin, zweifache Mutter und eine überaus engagierte Frau. Kurz nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs begann sie sich humanitär zu engagieren. Sie fuhr mit mobilen Röntgenwagen bis an die Front, um verwundeten Soldaten zu helfen. In ihren späten Jahren hat sie sich auch sehr um die Ausbildung und Qualifizierung von jungen Frauen verdient gemacht.

Den Branchenumstieg habe ich nie bereut. Denn die Arbeit für das Gemeinwohl macht mir große Freude.