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„Ein Forst mit Jungwald“

Der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny im Film, Sound & Media Interview über die Situation und Entwicklung der heimischen Film- und Musikbranche.
Stand:
Andreas Mailath-Pokorny
Andreas Mailath-Pokorny

Wie schätzen Sie die allgemeine Situation der Filmbranche in diesem Jahr und mittelfristig ein?
ANDREAS MAILATH-POKORNY: Erfreulich solide. Verglichen mit vielen anderen europäischen Ländern steht Österreich gut da: Die Erstauswertung, sprich die Kinobesuche sind weiterhin sehr stabil, gerade auch bei den einzelnen österreichischen Produktionen, was für die Filmbranche enorm wichtig ist. Das Rekordergebnis für den österreichischen Film, das 2015 durch den Zuschauermagneten „Das ewige Leben“ erreicht wurde, geht sich heuer nicht aus. Aber es liegt in der Natur von Rekorden, dass sie sich nur schwer toppen lassen. Mittelfristig wird hier sicher das kommende Kinojahr spannend, wenn schon in den ersten Monaten die neuen Filme von Stefan Ruzowitzky und Josef Hader in die Kinos kommen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung und Projekte des Wiener Filmfonds?
MAILATH-POKORNY: Mithilfe der strategischen Arbeit des Filmfonds Wien hat sich ein Filmschaffen entwickelt, das sich durch Vielseitigkeit und Qualität auszeichnet. Derzeit sieht man das vor allem an einer neuen Generation von RegisseurInnen, die für den österreichischen Film und seine Aktualität immer wichtiger werden. Dass wir zum Beispiel heuer die erfrischenden und unerschrockenen Filme von Regisseurinnen wie Marie Kreutzer und Mirjam Unger bewundern konnten, ist unter anderem das Ergebnis der intensiven Förderarbeit der letzten Jahre.
Das zweite Standbein ist die kontinuierliche Strukturförderung, die der Fonds leistet, etwa die Unterstützung für die Vienna Filmcommission oder den Österreichischen Filmpreis. In den hier unterstützten Projekten ist der Nachhaltigkeitseffekt hervorzuheben, da sie dem Austausch und Wissenstransfer dienen, die für das kreative Handwerk der Branche ausschlaggebend sind.

Die Förderung der Filmfestivals wird neu strukturiert. Wie kam es zu dieser Maßnahme?
MAILATH-POKORNY: Festivals werden für unsere Film- und Kinolandschaft zunehmend wichtiger. Sie spezialisieren sich auf bestimmte Genres, Formate und Nischen und sprechen so ihre jeweiligen Communities bzw. ihr Zielpublikum an. Die Festivallandschaft ist mit den Jahren zunehmend unübersichtlicher geworden, sowohl was die Terminisierung als auch die inhaltlichen Schwerpunkte anbelangt. Künftig wird ein unabhängiger Fachbeirat über die Förderung von Filmfestivals beraten und Empfehlungen aussprechen. Das neue Beiratssystem bringt mehr Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Objektivität. Darüber hinaus können die Anträge an einer einzigen Adresse, gleich einem One-Stop-Shop, eingereicht werden. Die Neustrukturierung entstand in enger Zusammenarbeit mit der 2012 gegründeten Interessensgemeinschaft „Forum österreichischer Filmfestivals“ (FÖFF).

Welche mittel- und langfristigen Maßnahmen setzt die Stadt Wien auf die Filmbranche?
MAILATH-POKORNY: Weit oben auf unserer Agenda steht, den Kulturstandort Wien für FilmemacherInnen gleichermaßen attraktiv zu gestalten. Ein notwendiger Schritt, ist ein paritätischer Anteil von Frauen am Filmförderbudget. In einer Evaluierung wurde vergangenes Jahr festgestellt, dass bei der TV-Förderung dringender Handlungsbedarf besteht. Mit dem Förderjahr 2016 greifen beim Filmfonds Wien geänderte Förderrichtlinien, die die eingereichten Projekte frauenfördernd bewerten. Dadurch ist es uns gelungen, den Frauenanteil am TV-Förderbudget von 11 Prozent im Vorjahr auf 25 Prozent zu erhöhen. Wir sind da auf dem richtigen Weg, aber der Anteil hat augenscheinlich noch Entwicklungspotenzial.

Welche mittel- und langfristigen Maßnahmen setzt die Stadt Wien für die Musikbranche?
MAILATH-POKORNY: Die Musikstadt Wien ist zum Teil in einer komfortablen Situation. Wir haben bezüglich Musik eine große Tradition, denn die Geschichte hat uns über die Jahrhunderte mit talentierten KünsterInnen reich bedacht. Deren Erbe pflegen wir mit Erfolg und werden daher zu Recht weltweit als Musikstadt gerühmt. Erbe bedeutet jedoch nicht nur Genuss, sondern auch Verpflichtung. Konkret: Wiens internationale Reputation als Zentrum klassischer Musik muss weiterhin Priorität haben. Zeitgleich muss die Stadt zeitgenössischen MusikerInnen Raum zur Entfaltung ihres Könnens bieten. Deren Schaffen ist ein pflegeintensiver Jungwald, dessen Forst erst andere Generationen überblicken. Dieser Tage eröffnet daher das alljährliche Festival für Neue Musik „Wien Modern“, einer der bedeutendsten Aufführungsorte aktueller Kompositionen. Auch mit dem Klangforum verfügen wir über ein weltweit beachtetes Orchester, das zeitgenössische Musik erlebbar macht. Ein weiteres Festival ist explizit für elektronische MusikerInnen Wiens und deren Publikum konzipiert: das Electric Spring. Und wir unterstützen das „Waves Vienna Festival“, das elektronische Musik von Wien hinaus in die gesamte Welt exportiert. Daher mein Credo die Musik betreffend: Altes bewahren, Neues beflügeln.

Was waren Ihre persönlichen Highlights im Musikbereich in diesem Jahr?
MAILATH-POKORNY: Sicherlich das Popfest am Karlsplatz, das vielen Wiener MusikerInnen eine erste große Auftrittsmöglichkeit geboten hat. Heute kann man getrost von einer ganzen Generation an neuen Popkünstlern sprechen, die auch international reüssiert. Etwa Wanda, die gerade ein fulminantes Konzert in Bologna gegeben hat.

Was waren Ihre persönlichen Highlights Filmbereich in diesem Jahr?
MAILATH-POKORNY: Die Viennale Eröffnungsfilme sind grundsätzlich immer großartig und sehenswert. Aber der von heuer hat mich ganz besonders beeindruckt: „Manchester by the sea“ ist ein berührendes Familiendrama, das einem von der ersten Einstellung an fesselt. Große Schauspielkunst wird aufgeboten, allen voran von Casey Affleck, dessen eindringliches Spiel verstört.