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Neue digitale Mediennutzung – In Ihrem Gebiet nicht verfügbar?

Die Art, wie audiovisuelle Unterhaltungsmedien heute konsumiert werden, ändert sich rasant. Neue Technologien erlauben den Zugriff auf Inhalte, die den Konsumenten bisher entweder gar nicht oder nur zu bestimmten Sendezeiten zur Verfügung standen. Oft hinken aber die gesetzlichen Bestimmungen hinterher, wenn es um die Nutzung dieser technischen Möglichkeiten geht.
Stand:

Die Medienindustrie gibt regelmäßig Studien in Auftrag, um in Erfahrung zu bringen, wie die Konsumenten von heute Medien konsumieren und wofür sie bereit sind, ihr Geld auszugeben. Eine besonders umfassende Untersuchung auf diesem Gebiet wird regelmäßig vom Ericsson ConsumerLab („Ericsson“) durchgeführt. Durch Befragungen von Menschen aus mehr als 40 Ländern, kann das Unternehmen Rückschlüsse auf das Nutzungsverhalten von 1,1 Billionen Menschen weltweit schließen.

In seiner Studie für 2015 stellte Ericsson zunächst fest, dass europäische Konsumenten im Schnitt 30 (!) Stunden an audiovisuellen Medieninhalten (Filme, TV, Serien) pro Woche konsumieren. Sie nutzen dabei zunehmend Streaming, also die gleichzeitige Übertragung und Wiedergabe von Video- und Audiodaten über ein Netzwerk, ohne dass auf dem Empfängergerät eine permanente Kopie der aufgerufenen Datei abgespeichert werden muss. Zwischen 2011 und 2015 gab es eine Steigerung um beeindruckende 121% beim Streaming von Fernsehserien und anderen TV-Shows. Das Streaming von Filmen nahm im gleichen Zeitraum um noch immerhin 90% zu. Einer Studie der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle zufolge nutzen jüngere Zuseher „klassisches“ lineares Fernsehen nur noch etwa halb so häufig wie ältere Generationen.

Nicht wenig verwunderlich ist es daher, dass Streaming-Plattformen wie YouTube oder Netflix, die den Abruf von Videos auf Abruf („on Demand“) erlauben, immer mehr den Ton angeben. Bereits 8% der Befragten gaben gegenüber Ericsson an, dass sie im Durchschnitt mehr als drei Stunden täglich auf YouTube verbringen. Wer jetzt aber glaubt, dass nur junge Menschen YouTube nutzen, irrt. Auch ältere Konsumenten sind ebenso fleißig auf der Plattform unterwegs. Bei ihnen stehen zB Erklär-Videos, in denen veranschaulicht wird, wie sie technische Geräte selber reparieren können, hoch im Kurs.

Der Serien- und Filmstreaming-Dienst Netflix wiederum stellt seinen 81 Millionen Kunden laut eigenen Angaben täglich bereits mehr als 125 Millionen Stunden an digitalen Medieninhalten zur Verfügung. In den USA, wo Netflix seinen Ursprung hat, und daher auch besonders verbreitet ist, nutzen schon mehr als die Hälfte der von Ericsson befragten Personen dieses Angebot gegen Bezahlung eines Abopreises mindestens einmal pro Woche. Da Netflix mittlerweile in mehr als 190 Ländern verfügbar ist, wird seine globale Bedeutung wohl noch zunehmen

Zusätzlich zu „fixen“ (Stand-)Geräten, wie dem klassischen Fernseher im Wohnzimmer werden vermehrt mobile Geräte wie Smartphones und Tablets verwendet, um audiovisuelle Medieninhalte anzusehen. Zwischen 2012 und 2015 hat diese Nutzung laut Ericsson um 71% zugenommen, wobei insbesondere Teenager ihre Smartphones anderen Bildschirmen vorziehen dürften.
Insgesamt betonten 42% der Befragten gegenüber Ericsson, dass es ihnen wichtig sei, audiovisuelle Inhalte unabhängig von ihrem Standort abrufen zu können. Ein solcher Zugriff auf Medieninhalte lässt sich aber bisher noch nicht flächendeckend realisieren.

So stößt man beispielsweise bei YouTube immer wieder auf Inhalte, bei denen beim Anklicken statt dem erwünschten Musikvideo nur die Nachricht „Dieses Video ist in Ihrem Land nicht verfügbar“ erscheint. Dahinter steckt „Geoblocking“, also eine im Internet eingesetzte Sperre, die den Abruf auf bestimmte Regionen beschränkt. Diese Technik wird unter anderem eingesetzt, um urheberrechtlich geschützte Inhalte nur für die Länder freizugeben, für die die entsprechenden Lizenzen erworben wurden. Wer also von einem Internetanschluss mit österreichischer IP-Adresse aus versucht, Serien auf der Internetplattform eines deutschen TV-Senders anzusehen, bleibt oft „ausgesperrt“ und blickt dementsprechend auf einen schwarzen Bildschirm. Gerade Beschränkungen innerhalb der scheinbar „geeinten“ europäischen Union stoßen da oft auf Unverständnis der Nutzer.

Unter dem Schlagwort des „Digitalen Binnenmarktes“ gibt es daher aktuell Bestrebungen, die europarechtlichen Rahmenbedingungen an das oben beschriebene geänderte Medienkonsumverhalten anzupassen. In diesem Zusammenhang wurde überlegt, die Beschränkungen bei der grenzüberschreitenden Streaming-Plattformnutzung zu verringern. Initiativen, die nationalen Beschränkungen für audiovisuelle Inhalte abzubauen, stießen allerdings auf Gegenwehr der Rechteinhaber. Gestützt auf diverse Studien argumentierten sie, dass eine Reduzierung von Geoblocking-Maßnahmen zu geringeren Lizenzeinnahmen führen würde, auf die jedoch insbesondere die kleinen europäischen Film- und TV-Produzenten angewiesen sind. Dies hätte eine Verringerung der Medienvielfalt und eine Verteuerung für Konsumenten in Europa zur Folge, was natürlich nicht im Interesse europäischer Verbraucher sei.

Die EU-Kommission hat diese Befürchtungen offenbar ernst genommen:
Im am 25. Mai 2016 veröffentlichten Entwurf einer Verordnung zu Geoblocking sind audiovisuelle Medien ausdrücklich ausgenommen. Ein Abbau von Geoblocking betrifft demnach andere Bereiche der digitalen Wirtschaft wie zB Onlineshopping, wohl auch Online-Musikplattformen wie Spotify. Parallel dazu wurde aber im Europarat über den Entwurf einer EU-Verordnung zur „Gewährleistung der grenzüberschreitenden Portabilität“ diskutiert: Wer in seinem EU-Heimatland einen Vertrag über portable Online-Medieninhalt-Dienste (also zB Streaming-Dienste wie Netflix) abgeschlossen hat, der soll diese dem Entwurf nach auch bei vorübergehenden Aufenthalten im EU-Ausland nutzen können.

Was dabei unter „vorübergehend“ zu verstehen ist, steht noch nicht fest. Ob damit in Zukunft vielleicht doch ein europäischer Weg für eine gänzliche Abschaffung von Geoblocking bei digitalen Medien geebnet wird?


Mag.Patrick Kainz LL.M.